Ferien in Berlin: Tipps für Familien und Selfie-Fans – neue und verrückte Museen

Eine Besucherin posiert im DeJaVu-Museum in einem der Spiegelräume. Das interaktive Museum für optische Täuschungen, Illusionen und digitale Kunst in Berlin-Mitte zieht vor allem auch junges Publikum an.
Maciej Sulenta/DeJaVu-Museum„Oh nee, nicht schon wieder ins Museum“, mault der 14-jährige Sohn auf dem Familien-Ausflug in Berlin. Mit Ausstellungen in traditionellen Häusern sind Kinder und Jugendliche immer schwerer hinter dem Ofen hervorzulocken. Doch im neuen „DeJaVu“-Museum im Stadtbahnviadukt zwischen Alexanderplatz und Hackerscher Markt pilgern plötzlich auffällig viele junge Leute durch die abgedunkelten Räume mit den bunten Illusionen.
Und auch der 14-Jährige ist plötzlich hellwach und zückt sofort das Handy für ein Selfie, als er in einem wolkenverhangenen Raum steht, in dem Gäste das Gefühl haben, es fängt gleich an zu gewittern.
DeJa Vu Museum Berlin: Tanzende Skelette und schwebende Bälle
Nass werden die Besucher aber nicht, denn Donner und Blitze werden wie die anderen Illusionen und Trugbilder mit Spiegeln, Licht und Ton erzeugt. An den Wänden hängen auch ein paar „normale“ Gemälde, die zwei Ebenen haben. Eine Landschaft verwandelt sich erst auf den zweiten Blick in ein Männergesicht – und umgekehrt. In weiteren kleinen Räumen, in denen manchmal nur ein bis zwei Personen gleichzeitig Zutritt haben, kann man mit seinen eigenen Bewegungen bunte Muster auf die Wand zaubern, ein Skelett zum Tanzen bringen oder einen Ball über einem Lüftungsrohr schweben lassen.
Das interaktive Museum für optische Täuschung und moderne Kunst hat erst 2023 in Berlin-Mitte eröffnet. Doch weil die Besucher die teils Science-Fiction-artigen Selfies gerne auf den sozialen Medien posten, wird es wohl nicht mehr lange ein Geheimtipp bleiben. „Wir gingen vor kurzem auf TikTok viral, und seitdem wird es an den Wochenenden manchmal so voll, dass es vor einzelnen Räumen zu Schlangen kommt und man die Tickets lieber vorher im Internet buchen sollte“, empfiehlt eine Mitarbeiterin.
DeJaVu-Museum, Rochstraße 14c, Berlin-Mitte. Täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Tickets für 15/13 Euro unter www.dejavumuseum
Museums-Oscar für das Deutschlandmuseum
Auf besondere Effekte setzt auch das Deutschlandmuseum am Leipziger Platz. Es wurde erst im Sommer 2023 eröffnet und gleich mit dem Museums-Oscar ausgezeichnet. Anfang März kam dann noch der World Travel Award in der Kategorie „Beste touristische Neueröffnung Europas 2024“ dazu. Die Auszeichnung würdigt „den immersiven und interaktiven Ansatz, der ein Eintauchen in die nachgestellten Orte deutscher Geschichte ermöglicht“, heißt es in der Begründung.
So steht man schon kurz nach dem Check-In im nachgebauten Teutoburger Wald, in dem Germanen im Jahr 9 nach Christus die Römer besiegt haben sollen. Nach der Varusschlacht reisen die Besucher über elf weitere Themenräume rund 2.000 Jahre durch das Mittelalter, das Kaiserreich, die Zeit der deutschen Teilung bis ins Heute.

Der Wald der Varusschlacht vor 2000 Jahren bildet denersten immersiven Raum des Deutschlandmuseums in Berlin.
David Weyand CC BY-ND 4.0/DeutschlandmuseumGeschichts-Kenntnisse sind dabei keine Voraussetzung. Und auch längere Erklärtexte muss keiner lesen. Meist reicht ein schneller Blick oder Klick auf einen der Monitore, um zum Bespiel zu erfahren, wie Deutschland entstanden ist, welche Länder welchen Staaten 1914 den Krieg erklärt haben und dass im Zweiten Weltkrieg selbst die Australier 27.000 Todesopfer zu beklagen hatten.
Wirklich friedlich wird es dann im authentisch eingerichteten Wohnzimmer der Wirtschaftswunderzeit, auf dessen altem Fernseher noch die Sendepause flimmert. Umgebungsgeräusche und manchmal sogar eigens komponierte Gerüche sollen die deutsche Geschichte und ihre Geschichten zum Leben erwecken. Für das Ausstellungserlebnis wurden auf 1.400 Quadratmetern Fläche 50 Projektoren und 100 Lautsprecher verbaut.
Am Ende kann man ganz analog ein S-Bahn-Abteil der Baureihe 481 mit Original-Sitzen aus der Zeit der Wiedervereinigung besteigen und sich wieder ins Hier und Jetzt befördern lassen.
Deutschlandmuseum, Leipziger Platz 7, Berlin-Mitte, täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet, Preise für Zeitfenstertickets je nach Besuchszeiten ab 11 Euro, ermäßigt ab 8 Euro unter www.deutschlandmuseum.de
Museen für Familien: Mit Spencer und Hill im Afrikahaus
Gerade erst vor einem Monat eröffnet hat die neue SpencerHill World. Das Budspencer-Museum über das Leben und Wirken des Schaupieles Bud Spencer, das schon seit 2021 am Boulevard Unter den Linden existiert, wurde dabei um seinen Film-Kollegen Terence Hill erweitert. „Wir haben aber generell viel erneuert und setzen nun noch mehr auf den Spaßfaktor“, erklärt Museumsgründer Michael Maaß.
Der 50-jährige gebürtige Stralsunder ist mit Spencer-Hill-Filmen aufgewachsen und veranstaltet schon seit 2002 Fan-Events. Im neuen Museum kann man sich den beiden berühmten Haudegen nicht nur wegen der lebensgroßen Wachsfiguren nahe fühlen, sondern unter anderem im nachgebauten Afrikahaus in das Set der Filmkomödie „Das Krokodil und sein Nilpferd (1979)“ eintauchen. Auch die Rummel-Raketenbahn, mit der Bud Spencer in „Zwei wie Pech und Schwefel“ (1974) sein Unwesen trieb, gehört zu den Attraktionen des Museums.

Mitte Februar 2024 eröffnete in Berlin die SpencerHill World, eine Ausstellung, die dem Leben und Werk der italienischen Schauspieler Carlo Pedersoli, alias Bud Spencer (2016), und Mario Girotti, alias Terence Hill, gewidmet ist.
Dirk Demel/SpencerHill WorldDie passenden Szenen aus den Kultfilmen können Besucher auf der neuen digitalen Videowand anschauen. Dazu erfahren sie auch Persönliches über die beiden italienischen Filmstars. Der in den USA lebende Terence Hill (Mario Matteo Girotti) wuchs zum Beispiel von 1943 bis 1947 bei seiner deutschen Mutter in Lommatzsch (Sachsen) auf. Für die Ausstellung bekamen die Macher haufenweise Mützen des heute 84-Jährigen vermacht.
Jüngere Besucher, die keine eigene Kindheits-Erinnerung mit Spencer und Hill verbinden, können sich an einer interaktiven Wand im Schattenboxen versuchen oder an Automaten Run-and-Jump-Spencer-Hill-Games spielen.
SpencerHill World, Unter den Linden 10 in Berlin-Mitte. Täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Tickets: 15/ 12/8 €, www.budspencer-museum.com
T-Rex und Meteoriten-Funde im Naturkundemuseum
Das Naturkundemuseum gehört zwar zu den ältesten Institutionen der Stadt, doch neu ist, dass es dort echte Meteoriten-Stücke zu sehen gibt. Im Januar 2024 fiel im Havelland nordwestlich von Berlin nahe Ribbeck ein Meteorit auf die Erde. Es war der achte Fall weltweit, für den die Kollision eines Asteroiden mit der Erde kurz vor dem Eintritt vorhergesagt worden war.
So konnte sich ein Team aus Forschenden des Naturkundemuseums mit Berliner Studenten auf die Suche machen und rund 20 Gesteins-Proben für die Forschungssammlung des Museums sammeln.

Ein Mann betrachtet im Mineraliensaal des Museums für Naturkunde in Berlin eines der Bruchstücke eines Meteoriten. Die seltenen Fundstücke werden nur wenige Wochen gezeigt und dann weiter untersucht.
Soeren Stache/dpaEin Teil der Findlinge, die aussehen wie graue Granitsteine, ist derzeit im Mineraliensaal ausgestellt. Aber nur für einige Wochen, da das Material empfindlich ist und weiter erforscht werde, heißt es vom Museum. „Wissenschaftlich sind sie extrem wertvoll, weil sie so frisch und selten sind“, sagte Christopher Hamann, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Impakt- und Meteoritenforschung.
Zur Einstimmung oder zur Nachbereitung können sich Familien auf dem YouTube-Kanal des Museums ein Video zur Erforschung des Meteoriten-Materials als Teil der Serie „Museums-Evolution“ anschauen.
Aber auch ohne die Findlinge gib es in Deutschlands größtem Naturkundemuseum genug zu bestaunen. Seit 2015 ist dort das erste originale Skelett eines Tyrannosaurus Rex in Europa ausgestellt. Durch sogenannte Juraskope können Besucher mit Hilfe einer Animation sehen, wie sich die Skelette der Dinosaurier Schritt für Schritt in lebendige Tiere verwandeln.
Naturkundemuseum, Invalidenstraße 43, Berlin-Mitte, geöffnet Dienstag – Freitag von 9.30 bis 18 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. Eintritt 11 Euro, ermäßigt 5 Euro. Alle Infos unter www.museumfuernaturkunde.berlin
Neue Bahn-Ausstellung im Technikmuseum
Ein Klassiker unter den Berliner Museen ist auch das Deutsche Technikmuseum in Kreuzberg. Lange waren die historischen Lokschuppen Baustelle. Am 21. März 2024 wird nach längerem Umbau die neue Dauerausstellung „Eisenbahn: Revolution und Alltag“ eröffnet.
Im vollendeten ersten Bauabschnitt der Ausstellungs-Überarbeitung wird auf 1700 Quadratmetern im Lokschuppen 1 die Zeit von der Gründung der Eisenbahn bis 1914 dargestellt und kulturhistorisch beleuchtet, wie die Eisenbahn auf Gesellschaft, Wirtschaft und Alltag einwirkt.
Zu sehen ist zum Beispiel ein offener Personenwagen von 1843, einer von nur zwei weltweit erhaltenen Wagen dieses Typs, bei dem die Reisenden noch im Freien saßen. Neu und ein echter Hingucker ist auch ein doppelstöckiger Pferdebahnwagen von 1865. Er erinnert daran, dass Berlin bis 1900 im Stadtverkehr über ein hundert Kilometer langes Schienennetz verfügte. Dabei wurde der damals hochmoderne geringe Rollwiderstand der Schiene mit dem jahrtausendealten Antrieb durch „Pferdestärken“ kombiniert.
Um besonders das junge Publikum anzusprechen, gibt es neben den originalen Loks und Zugabteilen aus mehreren Jahrzehnten nun auch Touch Screens, auf denen Besucher sich virtuell durch vor ihnen stehende 1:5-Modelle bewegen können. Zudem gibt es Hörstationen. „Ein Spottlied auf die Pferdebahn wurde eigens für die Ausstellung nach historischen Notenblättern eingesungen“, erklärt Museumssprecherin Tiziana Zugaro. „Die Geschichte von drei herausragenden Eisenbahnfahrzeugen wird in kurzen Zeichentrickfilmen vorgestellt, die für jedes Alter unterhaltsam sind.“

Ein Abteilwagen in der neuen Ausstellung im Technikmuseum Berlin zeigt die unterschiedliche Ausstattung von der ersten bis zur dritten Wagenklasse aus dem 19. Jahrhundert. Ein Zeichentrickfilm erzählt direkt am Objekt eine Geschichte aus dieser „Klassengesellschaft“.
SDTB/Ériver HijanoEiner der Filme widmet sich dem Triebwagen ET 183 05 von 1899, der bis 1962 im Einsatz war. Für die neue Ausstellung wurde er umfangreich erforscht und restauriert. Der Zeichentrickfilm illustriert seine Geschichte ebenso wie Objekte, die in den Fensterschächten gefunden wurden – von Fahr- und Kinokarten über Zigarettenschachteln bis hin zu Spielzeugtieren und Comic-Heften.
Deutsches Technikmuseum, Trebbiner Straße. 9 in Berlin-Kreuzberg,Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 9 bis 17.30 Uhr, Sonnabend und Sonntag 10 bis 18 Uhr. Eintritt vor Ort 13, online 12 Euro, ermäßigt 6 Euro. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre und bis zum Abschluss ihrer regulären Schulausbildung haben generell freien Zutritt. Alle Infos unter technikmuseum.berlin
Streetart im umgebauten Schöneberger Mietshaus
Noch ganz ohne digitale Finessen kommt das Urban Nation Museum in Berlin-Schöneberg aus. Die Ausstellungen sind zwar nicht besonders groß, dafür kosten sie aber auch keinen Eintritt. Das Graffiti- oder Streetart-Museum ist in einem vierstöckigen Mietshaus untergebracht, in dem in den oberen Etagen Kunst-Stipendiaten in Atelier-Wohnungen eine temporäre Bleibe finden. Zum Auftakt jeder neuen Ausstellung wird auch die Fassade von internationalen Künstlern immer wieder neu übermalt.
Im Inneren des Eckhauses wurde die Decke zwischen Erdgeschoss und erstem Stock entfernt, so dass eine Art Galerie entstanden ist. Über Brücken und Stege können die Besucher auf 500 Quadratmetern quasi zwischen den Stockwerken hindurchgehen, was gleichzeitig auch ein Verweis zur Bülowstraße mit ihrer oberirdischen U-Bahntrasse vor dem Museum ist.

Das Urban Nation Museum für Streetart befindet sich in einem Eckhaus in der Bülowstraße und wurde von einem istraelischen Künstler-Kollektiv besprüht. Der Eintritt in die Austellungen ist frei.
Maria NeuendorffDie kleine, aber bunte Ausstellung mit dem exaltierten Namen „Talking…& other Banana Skins“ (Reden… & und andere Bananenschalen) möchte mit Gemälden, Installationen, Skulpturen und Videoarbeiten die Bandbreite der urbanen und zeitgenössischen Kunst zeigen und laut Kuratoren zum Diskurs über die drängendsten Fragen unserer Zeit einladen.
Doch auch in der Umgebung des Museums lohnt es sich, die Augen zu öffnen, da viele Künstler ihre Spuren an Hauswänden, auf Rollläden und Säulen hinterlassen haben oder im Auftrag der städtischen Wohnungsgesellschaft Gewobag Fassaden besprühen oder bekleben durften.
Dazu bietet das Museum Interessierten eine Art digitalen Stadtplan mit sogenannten Murals - also meterhohen Kunstwerken an Hausfassaden und Brandwänden - in mehreren Bezirken Berlins.
Urban Nation Museum for Urban Contemporary, Bülowstraße 7 in Berlin-Schöneberg, geöffnet Dienstag und Mittwoch von 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis Sonntag von 12 bis 20 Uhr, Montag geschlossen. Eintritt frei. Mehr unter www./urban-nation.com





