Festival of Lights 2023 in Berlin
: 85 Shows an 42 Orten – das sind die Höhepunkte

Beim Festival of Lights in Berlin (6. bis 15. Oktober 2023) geht es nicht nur bunt zu. Hinter jeder D3-Show steckt auch eine Botschaft. Das sind die Höhepunkte und die Geschichten dahinter.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Das 19. Festival of Lights findet vom 6. bis 15. Oktober 2023 in Berlin statt.

Fabian Sommer

Die Bilder vom farbbeschmierten Brandenburger Tor gingen um die Welt. Doch wenn am Freitag, 6. Oktober, die Sonne untergegangen ist, wird die Attacke der Klimakleber zumindest optisch vergessen sein. Denn während des Festivals of Lights werden Lichtkünstler für bunte Illusionen sorgen. „Die Farben auf dem Brandenburger Tor werden quasi in der Projektion verschwinden“, sagt Festival-Leiterin Birgit Zander. Die 3D-Videomapping-Show von Künstlerstudios aus verschiedenen Ländern werde wie geplant stattfinden.

Und sie ist nur ein Höhepunkt der mittlerweile 19. Auflage des Lichterfestes, das im Herbst nicht nur Berliner wie Brandenburger, sondern auch viele Touristen anzieht. Bis zum 15. Oktober werden 42 Gebäude und Plätze in der Stadt von jeweils 19 bis 23 Uhr mit insgesamt 85 Lichtkunstwerken und Shows bespielt.

Marx-Engels-Forum wird zum Festival illuminiert

Dabei gibt es altbewährte Anlaufpunkte wie zum Beispiel den Bebelplatz mit seiner 180-Grad-Inszenierung auf gleich mehreren historischen Gebäuden oder den begehbaren Schwarzlichttunnel am Haus Huth am Potsdamer Platz, in dem die Besucher selbst zum Foto-trächtigen Kunstwerk werden.

Dazu gibt es auch viel Neues zu entdecken. Erstmalig seit vielen Jahren ist zum Beispiel das Marx-Engels-Forum zurück im Rampenlicht. Dort will das Künstlerkollektiv RE:SORB mit seiner Installation „Lumisphere“ den geschichtsträchtigen Ort neu interpretieren. Die Berliner Licht-Meister haben in den vergangenen Jahren unter anderem schon das berühmte Bolschoi-Theater in Moskau und die Oberbaumbrücke in Berlin in Szene gesetzt.

Leuchtende HipHop-Legenden auf der Oberbaumbrücke

Apropos Oberbaumbrücke: Auf der Verbindung zwischen Friedrichshain und Kreuzberg wird in diesem Jahr der 50. Geburtstag des HipHop mit leuchtenden Bildern begangen. Die Musikrichtung erblickte am 11. August 1973 in einem Keller der Bronx in New York City das Licht der Welt. An dieses Ereignis soll nun eine Projektionsshow „The 50th Anniversary of Hip-Hop“ mit legendären Künstlerinnen und Künstler des HipHop erinnern. Außerdem präsentiert an der Oberbaumbrücke die Sparda-Bank Berlin mit einer Show besonderer Art ihr Engagement zum Thema Nachhaltigkeit.

Der Bebelplatz in Berlin-Mitte gehört zu den Haupt-Anlaufpunkten für Besucher des Festival of Lights. Dort sind traditionell gleich mehrere historische Gebäude illuminiert.

Paul Zinken/dpa

Hauptpartner des Festivals of Lights in diesem Jahr ist aber der Streamingdienst Netflix. Anlässlich des Starts der 3. Staffel der Krimiserie „Lupin“ treibt der gleichnamige Serienheld nun ein Versteckspiel in der Berliner Nacht und tauche an verschiedenen Festival-Orten immer wieder überraschend auf, heißt es von den Veranstaltern.

Magische Videoprojektionen im Nikolaiviertel

In eine „Harry Potter“-ähnliche Welt entführt in diesem Jahr das Nikolaiviertel. Unter anderem soll eine der zauberhaften Videoprojektionen neben dem Roten Rathaus zu sehen sein. Die Künstlergruppe Scuderia Zagreb will mit der magischen Installation „Swings in the Clouds“ (In den Wolken schwingen) den kleinen Park an der Rückseite der Nikolaikirche in Szene setzen und gleichzeitig ein bisschen Werbung für eine Reise in Kroatiens Hauptstadt machen.

Die Deutsche Bahn will dagegen ihre grüne Transformation mit einem Videofenster und bewegten Effekten auf den S-Bahn-Bögen am Hackeschen Markt inszenieren. Erstmalig werden auch auf der neuen SAP-Zentrale im Quartier Heidestraße hinter dem Hauptbahnhof Projektionen zu sehen sein. Die Überschrift dabei heißt: „Colours of Life“ (Farben des Lebens).

Leuchtendes Zeichen für Respekt und Toleranz

„Wir wollen mit Lichtkunst zeigen, wie facettenreich und schön das Leben in einer vielfältigen Gesellschaft ist“, erklärt Birgit Zander das diesjährige Motto. Dabei gehe es nicht nur darum, auf verschiedene Kunstformen und Variationen der Lichtkunst aufmerksam zu machen, sondern einen besonderen Fokus auf menschliche Werte wie Einzigartigkeit, Würde, Respekt und Akzeptanz zu legen, so die Festival-Organisatorin. „Denn diese Werte sind die Grundlage dafür, dass alle Menschen in einer vielfältigen Gesellschaft gemeinsam und gut leben können.“

Blick auf die Oberbaumbrücke während des Festival of Lights vor drei Jahren. 2023 geht es bei der Lichtshow auf der Spreeüberführung um HipHop.

Paul Zinken/dpa

So wird auch die historische Siegessäule mit einer Message versehen. Die Lichtkünstler von Accenture wollen mit der Videoprojektion „A Place Where Everyone Belongs“ (Ein Ort für jedermann) leuchtendes Zeichen für Respekt und Toleranz und gegen Diskriminierung und Rassismus setzen. Auch auf dem Berliner Fernsehturm präsentieren sechs Künstler aus verschiedenen Ländern ihre Interpretationen des Festivalmottos.

Besonders junge Nachwuchskünstler kommen am Schloss Charlottenburg zum Zug: Der kleinste ist gerade erst zwei Jahre alt und gehört zu einer Gruppe von Kindern, die auf der einstigen Sommerresidenz der preußischen Könige mit Zeichnungen ihre Ideen von Vielfalt in Projektion präsentieren. Unter den Kinderkünstlern sind in diesem Jahr auch Schützlinge der Björn-Schulz-Stiftung, die sich der Kinderhospizarbeit widmet. Die schwer erkrankten Kinder haben gemeinsam mit Pädagogen und Pflegekräften farbenfrohe Bilder gezaubert und sind ganz besonders gespannt auf die Reaktionen des Publikums.

Der Berliner Dom zeigt dagegen Kunstwerke von zehn Künstlern mit und ohne Behinderung, die Einblicke in ihre individuellen Lebenswelten geben. Das Humboldt Forum präsentiert dagegen eine Licht-Projektion aus Bildern und Worten zur „Sonderausstellung un_endlich. Leben mit dem Tod“, die noch bis 26. November zu sehen ist.

Lichtkunst in den Berliner Kiezen

So manche Festival-of-Lights-Entdeckung ist aber auch wieder in den Außenbezirken beziehungsweise Kiezen zu machen. Mit dabei sind in diesem Jahr: der Turm vom Rathaus Pankow, das Shoppingcenter LIO Lichterfelde Ost, das Einkaufszentrum Tempelhofer Hafen, der Rathauspark Lichtenberg (nur am 6. Oktober) und die Weberwiese in Friedrichshain (nur am 14. Oktober).

Als Festival-Zentrum gilt wie eh und je der Potsdamer Platz, der mit dem Lichtfest auch gleichzeitig sein 25-jähriges Jubiläum hervorheben will. Die Flaneure erwarten unter anderem großflächige Projektionen auf den Hochhäusern aus Ornamenten und Farben. Die Alte Potsdamer Straße verwandelt sich in ein leuchtendes, rotes Mohnblumen-Meer. Dazu schreiten überdimensionierte Fabelwesen durch das Einkaufscenter, und die Wassershow auf dem Piano-See feiert eine neue Premiere.

Das Brandenburger Tor (hier ein Bild aus dem Vorjahr) wird zum Festival of Lights 2023 von Künster-Gruppen aus fünf Ländern illuminiert.

Paul Zinken/dpa

Von dort aus ist es wiederum nicht weit zum Brandenburger Tor, auf dem die Festival-ofLights-Organisatoren in diesem Jahr eine 3D-Videomapping-Show von herausragenden Künstlerstudios aus Bulgarien, Frankreich, Portugal, Japan und der Ukraine zeigen wollen. „Sie kommen zusammen, um ihre Visionen zum Thema Vielfalt gemeinsam in einer spektakulären Show zu präsentieren“, heißt es im Programm.

Zum Abschluss am 15. Oktober gibt zudem statt einer Farbattacke einen künstlerische-bunten Hinweis auf den Start des World Health Summit 2023 (15. bis 17. Oktober in Berlin). Bei der international hochrangig besetzten Konferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht es unter anderem um ein gesünderes Weltklima.

Lichtertouren per Bus und Schiff

Das gesamte Festivalprogramm gibt es unter www.festival-of-lights.de Dort findet sich auch eine Karte mit allen Standorten und Hinweise zu Touren mit dem Schiff, per Bus oder zu Fuß mit geschulten und ortskundigen Guides.