Hitze in Brandenburg: Rollo, Klimagerät, grünes Dach – was kühlt die Wohnung gut?

Außenjalousien an einem Haus - oder auch Markisen - sind Maßnahmen, mit denen ein großer Teil der Sommerhitze draußen bleibt. Warum Verschattungen von außen wirkungsvoller sind als innen, wurde in einem Webseminar dieses Portals erklärt.
Daniel Maurer/dpa-mag/dpa- Hitzeschutz: Außenliegender Sonnenschutz wie Jalousien oder Markisen wirkt am effektivsten.
- Wärmedämmung schützt im Sommer vor Hitze und im Winter vor Kälte; Dachbegrünung verbessert das Klima.
- Klimageräte sind sinnvoll, wenn andere Maßnahmen nicht reichen; Splitgeräte sind effizient, aber teuer.
- Förderprogramme unterstützen Wärmeschutz, Anlagentechnik und Heizungsoptimierung.
- Richtiges Lüften: Nachts querlüften, tagsüber Fenster schließen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die ersten Hitzetage liegen hinter uns. Manche Wohnung hat sich bereits richtig aufgeheizt. Wie sich mit einfachen Maßnahmen die Räume kühlen lassen, welche baulichen Veränderungen Sinn machen und welche Maßnahmen gefördert werden, darüber informierte Birgit Holfert, Energieberaterin bei der Verbraucherzentrale Brandenburg, im Webseminar „Hitzeschutz – kühler wohnen, aber wie“. Wir haben die Fragen und Informationen zusammengefasst.
Könnten Sie die aus Ihrer Sicht hauptsächlichen Gründe für hohe Temperaturen in Wohnräumen aufzählen, die man auch mit einfachen Maßnahmen abändern könnte?
Als Hauptursachen ist der hohe Eintrag an Sonnenstrahlung zu nennen und den dagegen nicht ausreichenden Sonnenschutz gerade an Türen und Fenstern. Dazu kommen eine nicht ausreichende Wärmedämmung des Gebäudes und geringe Wärmespeicherfähigkeit sowie eine nicht wirklich luftdichte Gebäudehülle.
Abändern kann man dies im Innenbereich durch weiße oder reflektierende Oberflächen und von außen bereits mit dem Anbringen oder dem Schließen vorhandener Fensterläden, Rollläden, Jalousien oder Markisen. Anbringen kann man natürlich auch Sonnenschutzfolien. In Abhängigkeit von der Beschichtung verdunkeln diese aber gleichzeitig die Räume und sorgen nicht nur im Sommer dafür, dass weniger Wärme eindringt. Sie tun dies ebenso im Winter, wenn man diese Sonnenwärme eigentlich nicht mehr ausschließen will. Eindeutig sei gesagt, dass jeder außenliegende Sonnenschutz wirksamer ist als Innenmaßnahmen.
Hitze in Brandenburg – Wärmedämmung nutzt auch im Sommer
Hitze – Nachträgliche Hitzeschutzmaßnahmen könnten auch ansetzen bei baulichen Veränderungen. Die Wärmedämmung von Dach- und Außenflächen hält im Sommer die Hitze draußen und in der Umkehrung natürlich im Winter die Kälte. Man kann beispielsweise auch durch einen Energieberater prüfen lassen, ob das Abdichten der Gebäudehülle eine weitere mögliche Gegenmaßnahme ist.
Machen Verschattungen auch Sinn?
Ja, die konstruktive Verschattung will ich als dritte Möglichkeit nennen. Die Vergrößerung eines Dachüberstandes, wenn beispielsweise sowieso die Sanierung des Dachs notwendig wird, hilft bei der Verringerung von Wärmebelastung ebenso wie ein Balkonvorbau. Auch eine Terrassenüberdachung oder flexible Markisen verringern Temperaturanstiege, wenn auch geringer als andere bauliche Maßnahmen.
Und nicht ganz unbedeutend sollten auch Überlegungen sein, wie Sie vorhandene innere Wärmequellen reduzieren. LED-Lampen sind heute zwar nicht mehr Quellen großer Wärmeentwicklung, aber noch haben nicht alle Haushalte einen vollständigen Umtausch auf diese Lampen vollzogen. Oder schauen Sie mal, ob Ihr Gefrierschrank nicht in den Keller könnte oder der PC wirklich ein gutes Lüftungskonzept hat. Auch kleine Maßnahmen bringen oftmals Entlastung in Sachen ungewollte Temperaturanstiege.
Klimageräte - welche passen zur Wohnung?
Was halten Sie von Klimageräten?
Vor der Anschaffung solcher Geräte sollte man genau prüfen oder prüfen lassen, was wirklich benötigt wird und wie die baulichen Voraussetzungen sind, denn nicht jedes Gerät ist für jeden Haushalt geeignet. Beginnen wir mit den sogenannten mobilen Monoblockgeräten. Die kann man recht kostengünstig erwerben, mobil verwenden und einfach über die Steckdose und damit auch den selbsterzeugten Strom kostengünstig betreiben. Allerdings: Bei diesen Geräten muss die Warmluft über einen Schlauch ins Freie geführt werden, warme Luft strömt nach und macht diese Technik ineffizient. Außerdem ist der Betrieb sehr laut.
Wandgebundene Kompaktgeräte sind da wesentlich effizienter, leiser und beeinträchtigen nicht die Optik der Hausfassade. Sie sind aber auch teurer und müssen unbedingt von Fachleuten installiert werden.
Hitze in Brandenburg – Splitgeräte kühlen und heizen
Noch besser wären Splitgeräte, die nicht nur effektiv arbeiten, sondern auch einen Umkehrbetrieb zum Heizen ermöglichen. Die Anschaffung ist allerdings noch kostenintensiver – und es muss eine Kernbohrung am Haus erfolgen. Das sollte man vorher schon genau bedenken und berechnen.
Kühlen könnte man die Wohnbereiche auch mit Be- und Entlüftungsanlagen, wobei der Kühleffekt geringer ist als bei einer Klimaanlage. Kühlung ist ebenso möglich mit der Wärmepumpenheizung und das passiv, also ohne den aktiven Einsatz von Kühlleistung, oder aktiv, mit Einsatz von Kühlleistung.
Wann ist eine Klimaanlage wirklich sinnvoll?
Darüber sollte man nachdenken, wenn alle anderen Maßnahmen ausgeschöpft oder nicht umsetzbar sind und ein entsprechender Komfort in Form der Wohlfühltemperatur – natürlich individuell empfunden –auch im heißen Sommer erwünscht ist. Unser Rat ist, im Sommer eine Wohnung nicht mit einem Kühlschrank zu verwechseln. Raum- und Außentemperatur sollten sich nicht mehr als sechs Grad unterscheiden – aus gesundheitlichen und energetischen Gründen. Zur zusätzlichen Kühlung würde ich auf alle Fälle raten, wenn es sich um Arbeitsräume handelt.
Bei Klimageräten ist auf die Größe zu achten
Worauf sollte man bei der Anschaffung von Klimageräten achten?
Als wichtigste Voraussetzung würde ich sehen, dass im Vorfeld genau geprüft wird, was man wirklich benötigt und nicht riesige Geräte für kleine Räume anschafft oder zu kleine Geräte für sehr hohe Wohnungen. Die Nennlast von Leistungsgröße und Kapazität muss dafür bestimmt werden. Achten Sie ebenso auf das Energielabel, dass bei A+++ liegen sollte.
Bei der Planung ist zu beachten, wie und wo das Kondenswasser abgeführt werden kann, damit nicht ungewollte Abflussrinnen an der Hauswand entstehen. Auf jeden Fall müssen die Geräte gut zugänglich sein. In der Betriebsphase muss eine regelmäßige Reinigung ebenso gesichert sein – beispielsweise der Filtertausch – wie die Wartung der Außenteile. Haben Sie schon in der Planungsphase die Folgekosten mit im Blick. Wie empfehlen in der Regel auch keine Luftbefeuchter.
Was bedeuten die Kennzahlen auf Klimageräten?
Da wäre EER Energy Efficience Ration im Kühlbetrieb. EER 4.0 heißt, dass aus einem Watt elektrischer Leistung vier Watt Kühlleistung entstehen, wobei dies ein theoretisch berechneter Wert ist. COP coefficient of performance im Heizbetrieb besagt, dass bei COP 4.0 aus einem Watt elektrischer Leistung vier Watt Heizleistung entstehen. SEER ist eine jahreszeitliche Effizienzkennzahl und berücksichtigt auch den Teillastbetrieb, während SCOP Teillastbetrieb und Klimaregion berücksichtigt.

Birgit Holfert ist Energieberaterin bei der Verbraucherzentrale Brandenburg und hat zahlreiche Tipps, wie sich Hitzestau in Wohnungen vermeiden lässt.
Gert Baumbach / vzbvEhe man eine große Klimaanlage anschafft: Sollte man für die noch nicht so vielen wirklich heißen Sommertage lieber auf altbewährte Ventilatoren zurückgreifen, oder was spricht dagegen?
Dagegen könnte die Größe oder Höhe von Zimmern sprechen. Ein Ventilator kühlt auch nicht im eigentlichen Sinne, er bläst die warme Luft nur weg. Allerdings haben Sie schon nicht unrecht mit der Einschätzung, dass diese praktische erste Hilfe gegen Hitze oftmals schon ausreichen könnte. Auch mit dem Blick auf die Kosten der Anschaffung und für die Energie macht solch ein Gerät für kurzfristige Einsätze natürlich Sinn. Der Betrieb von etwa 300 Ventilator-Arbeitsstunden kostet ungefähr 7,50 Euro nach unseren Berechnungen.
Hitze-Schutz – bei der Planung auf den Sonneneintrag achten
Können Sie ein paar Tipps zum richtigen Lüften geben?
Ideal wäre, wenn man in den Nächten das Querlüften praktizieren kann. Die besten Erfolge werden erreicht beim Lüften nach oben, beispielsweise über Treppenräume. Gerade in den zeitigen Morgenstunden ist es am kühlsten. Danach sollte jeder die Fenster konsequent schließen, Rollläden oder andere Schutzsysteme schließen.
Was sollte man in der Planungsphase eines Hausneubaus bedenken, gemeinsam mit den entsprechenden Fachleuten?
Als Bauherr haben Sie ja die Pflicht, die gesetzlichen Regelungen nach dem Gebäudeenergiegesetz einzuhalten. Darin sind die zumutbaren Bedingungen in Innenräumen ebenso geregelt wie die Begrenzung des Energieaufwandes beim Kühlen. Der Architekt muss den Sonneneintrag bei der Planung unbedingt im Blick behalten. Sie haben aber oftmals als Bauherr Einfluss auf die Himmelsrichtung der Fenster sowie die Größe und Art der Verglasung. Der Anteil der Fensterflächen bezogen auf die Grundfläche kann entscheidend sein für Wärmedämmung und gleichzeitig für Hitzeschutz.
Sicher ist manches eine Preisfrage, aber da sollte man auf lange Zeiten rechnen, denn über Jahre zeigt sich manchmal Entscheidendes und nicht selten hohes Einsparpotenzial. Mit dem Architekten können Sie auch über die Speichermasse der Bauteile sprechen, konstruktiven Sonnenschutz oder passive Kühlung, wie dies zum Beispiel ein Atrium schafft. Da gibt es zahlreiche Ideen. Das Gebäudeenergiegesetz schafft dafür auch neue Anforderungen und Rahmenbedingungen.
Hitze-Schutz im Sommer – PV-Anlagen kühlen ebenfalls
Gibt es weitere Möglichkeiten?
Ins Spiel bringen will ich auch eine Photovoltaikanlage, denn damit kann man indirekt „kühlen“, nach unseren Berechnungen um bis zu fünf Grad. Das hängt damit zusammen, dass die Glasplatten, um die es sich ja handelt, Sonnenstrahlen reflektieren. Die Sonnenstrahlen gelangen gar nicht erst auf die Dachhaut. Und da die Platten nicht direkt aufliegen, erfolgt auch eine kühlende Hinterlüftung.
Nicht nur in der Bauphase, auch später könnte man noch über Dach- und Fassadenbegrünung nachdenken. Vor dem Bauen ist gerade die statische Berechnung einfacher. Sie muss aber unbedingt auch genau erfolgen, wenn man dies bei einem bestehenden Haus noch realisieren möchte. Das Gewicht von Aufbauten, Erde, Pflanzen, Wasser ist nicht unerheblich. Aber die Effekte sind groß. Durch Verdunstung und Verschattung erfolgt Kühlung. Ein besseres Mikroklima wird ebenso erzeugt wie Feinstaub gebunden, was die Lebensbedingungen entscheidend hebt. Berechnungen zeigen überzeugend, dass bei einer Fassadenbegrünung bei direkter Sonneneinstrahlung der Temperaturunterschied zu unbegrünten Flächen bis zu 23 Grad betragen kann. Eine andere natürliche Maßnahme wäre Hitzeschutz durch Baumschatten.

Begrünte Dächer kühlen nicht nur Gebäude, sie sind auch Regenspeicher. Unter bestimmten Bedingungen können Dächer nachträglich begrünt werden.
Armin Weigel/dpa-tmn/dpaWas sind mit dem Blick auf Hausbau oder Sanierung gute und schlechte Wärmespeicher?
Da gibt es genaue Berechnungen und Formeln für das Wärmespeichervermögen bei einem Meter Dicke. Während Luft einen Wert von 1,2 hat, liegt für die Sanierung mit Polystyroldämmstoff der Wert bei 35, bei Holzfaserdämmstoff sind es bereits 400, bei Ziegel 1800 und Beton hat 2400 kJ /m²K zu bieten.
Bund fördert verschiedene Baumaßnahmen
Wie sieht es mit finanziellen Förderungen aus, wenn man sich für entsprechende bauliche Maßnahmen entscheidet, egal ob in kleineren oder umfangreicheren Größenordnungen?
Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Entscheiden muss man sich nur, ob es beispielsweise um Kredite oder Zuschüsse geht. Dann muss man sehr genau hinschauen, wer oder was gefördert werden soll.
Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle – kurz BAfA – unterstützt alle Investoren, Haus- oder Wohnungseigentümer, aber auch Unternehmen, gemeinnützige Organisationen und Kommunen bei förderfähigen Maßnahmen an Wohngebäuden, aber auch Nichtwohngebäuden. Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) fördert als Einzelmaßnahmen Wärmeschutz der Gebäudehülle, also Außenwände, Dach-, Boden- und Deckenflächen, Fenster und Türen, aber auch außenliegenden Sonnenschutz.
Beim Neubau wäre beispielsweise die Kreditförderung möglich. Bei der Sanierung zum Effizienzhaus, auch für Nichtwohngebäude, kämen Kreditförderung und Tilgungszuschuss infrage. Bei der Sanierung in Form von Einzelmaßnahmen gibt es Zuschussförderungen unterschiedlicher Art, auch wieder für Wohnungen und Nichtwohngebäude.
Gefördert werden vier Arten von Einzelmaßnahmen
Welche Bau- oder Hausteile sind förderfähig, oder welche Einschränkungen gibt es?
Es gibt bei der Förderung einen Programmteil Einzelmaßnahmen. Dieser enthält 1. den Wärmeschutz für die Gebäudehülle, 2. die Anlagentechnik, 3. Anlagen zur Wärmeerzeugung und 4. mögliche Heizungsoptimierungen. Im ersten und dritten Bereich, was die Gebäudehülle und Anlagentechnik in bestehenden Gebäudeteilen betrifft, ausgenommen Heizungen, werden unter anderem 15 Prozent von maximal 30.000 Euro im Jahr je Wohneinheit gefördert.
Liegt ein individueller Sanierungsplan vor, können 15 Prozent von maximal 60.000 Euro Bausumme als Zuschuss gezahlt werden. Ebenfalls gefördert werden die energetische Fachplanung und Baubegleitung. Im Fördersystem für die Anlagentechnik sind unter anderem digitale Systeme zur energetischen Verbrauchsoptimierung enthalten – bekannt unter „Efficiency Smart Home“.
Wie sieht es mit steuerlichen Entlastungen aus?
Man muss sich für eine Art der Förderung entscheiden, entweder über KfW- oder BAfA-Programme oder im steuerlichen Bereich. Beides geht nicht. Aber im steuerlichen Bereich sind ebenso alle genannten Einzelmaßnahmen ansetzbar. Die Ermäßigungen umfassen bis zu 20 Prozent der Gesamtkosten, maximal 40.000 Euro pro Jahr und Haus. Dafür sollte man sich entscheiden bei entsprechender Steuerlast und dies vorher von einem Steuerberater genau berechnen lassen.
Kann man Förderungen miteinander kombinieren?
Ja, das ist möglich. Man kann verschiedene Einzelmaßnahmen kombinieren, aber wie gesagt nicht Förderung und Steuerentlastung.
Weitere Hinweise zu Beratung und Förderungen
Die Mitarbeiter der Verbraucherzentrale Brandenburg bietet eine direkte Energiesparberatung an.
Auf der Webseite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) kann man sich unter anderem zu Maßnahmen für eine höhere Energieeffizienz informieren sowie zu KfW-Förderkrediten für Privatpersonen.
Wie Sie Berater bei der Verbraucherzentrale kontaktieren können, das lesen Sie hier. Auf der Homepage finden Sie auch eine Übersicht über weitere Webseminare zu ähnlichen und anderen Themen.



