IG Metall in Spandau
: Mehr Geld für Beschäftigte – das sagen BMW und Siemens

In Spandau gab es im Herbst 2024 Streiks. Nun haben sich IG Metall und Unternehmer-Verbände geeinigt. So fallen die Reaktionen bei BMW und Siemens aus.
Von
Jessica Neumayer
Spandau
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Die Auszubildende Kevser arbeitet im Motorradwerk in Spandau an der Fertigung einer BMW R 1250 GS Trophy. Wirtschaftssenator Stephan Schwarz bescheinigt der Berliner Wirtschaft, bisher gut durch die Krise gekommen zu sein. (zu dpa: «Wirtschaftssenator: Wirtschaftliche Entwicklung besser als gedacht») +++ dpa-Bildfunk +++

Die Auszubildende Kevser arbeitet im Motorradwerk in Spandau an der Fertigung einer BMW R 1250 GS Trophy. Die aktuellen Einigungen in den Tarifverhandlungen der IG Metall und Arbeitgeberverbänden der Automobilindustrie und Maschinenbau haben auch für die Auszubildenden eine Lohnerhöhung erzielt.

picture alliance/dpa/Jens Kalaene
  • IG Metall und Arbeitgeber in Spandau haben nach Streiks eine Einigung erzielt.
  • Ab Februar 2025 gibt es 600 Euro Einmalzahlung und ab April 2025 eine Lohnerhöhung von 2%.
  • Ausbildungsvergütungen steigen um 140 Euro; ab 2026 steigt das jährliche Zusatzgeld auf 900 Euro.
  • Siemens und BMW begrüßen den Abschluss trotz Belastungsgrenze.
  • Weitere Verhandlungen für andere Regionen folgen am 20. November 2024.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Seit Ende Oktober 2024 kam es in Berlin-Spandau auf der Nonnendammallee und der Straße „Am Juliusturm“ gehäuft zu Staus. Der Grund: Die dort ansässigen BMW Motorradwerke sowie die Siemens AG wurden bestreikt. Am Dienstag (12. November 2024) konnten sich die Parteien nach einer 18-stündigen Verhandlung einigen. BMW und Siemens erkennen, wie wichtig die Einigung ist.

Zu Beginn der vierten Verhandlungsrunde am Montagabend zeigten sich die Verhandlungsführer der IG Metall und der stellvertretenden Arbeitgeberverbände Nordmetall, Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie e. V. (vbm) und Gesamtmetall optimistisch. Bis in die späten Abendstunden hatten sich die Parteien jedoch lediglich angenähert. Eine Einigung wurde erst nach einer langen Nacht erzielt.

IG Metall in Spandau: Forderungen im Tarifkonflikt

Die IG Metall forderte sieben Prozent mehr Entgelt und eine Erhöhung der Ausbildungsvergütung um 170 Euro bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Das Gegenangebot der Arbeitgeberseite umfasste eine Entgelderhöhung um lediglich 1,7 Prozent zum 1. Juli 2025 und eine Erhöhung um 1,9 Prozent ein weiteres Jahr später bei einer Laufzeit von 27 Monaten.

Einigung bei Tarifverhandlungen in der Metallindustrie: 12.11.2024, Hamburg: Christiane Benner (l-r), Vorsitzende IG Metall, Horst Ott, Verhandlungsführer IG Metall Bayern, Daniel Friedrich, Verhandlungsführer IG Metall Küste, Lena Ströbele, Verhandlungsführerin Nordmetall, und Angelique Renkhoff-Mücke, Verhandlungsführerin vbm, geben auf einer Pressekonferenz die Einigung in den Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie bekannt. Arbeitgeber und Gewerkschaft haben einen Tarifabschluss für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie erzielt. Foto: Georg Wendt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Nach einer langen Nacht konnten sie sich einigen. Christiane Benner (l-r), Vorsitzende IG Metall, Horst Ott, Verhandlungsführer IG Metall Bayern, Daniel Friedrich, Verhandlungsführer IG Metall Küste, Lena Ströbele, Verhandlungsführerin Nordmetall, und Angelique Renkhoff-Mücke, Verhandlungsführerin vbm, gaben am Dienstag die Ergebnisse ihrer Verhandlungen bekannt.

Georg Wendt/dpa

Schon zu Beginn der dritten Warnstreik-Woche haben die Beschäftigten deutlich gemacht, dass sie eine spürbare Bewegung erwarten. Die stellvertretenden IG-Metall Bezirke Küste und Bayern haben mit den jeweiligen Arbeitgeberverbänden verhandelt.

Bei einer Laufzeit von 25 Monaten haben sich die Parteien auf eine Steigerung des Lohns um 2,0 Prozent ab April 2025 geeinigt. Ein Jahr später wird es eine weitere Lohnerhöhung um 3,1 Prozent geben.

IG Metall: Einigung im Tarifkonflikt – mehr Lohn und Zusatzgeld

Zum 1. Februar 2025 werden den Angestellten einmalig 600 Euro ausgezahlt. „Darüber hinaus setzte die IG Metall mit der Erhöhung des jährlichen ‚Tariflichen Zusatzgeldes‘ von derzeit rund 630 Euro auf 900 Euro ab Februar 2026 eine soziale Komponente durch“, teilt Walter Schneeweiß, Pressesprecher der IG Metall Bayern, mit.

Für die 230.000 Auszubildenden in der Branche wurde eine Erhöhung der Vergütung um 140 Euro durchgesetzt. Gefordert wurden von der IG Metall monatlich 170 Euro. Dennoch ezeichnet Markus Sievers, IG-Metall-Sprecher für Berlin, die Erhöhung als „überproportional“.

Spandau: Verhandlungen über Übernahme des Pilotabschlusses

Der Pilotabschluss in den Branchen der Automobilindustrie und des Maschinenbaus soll nun auch für andere Regionen übernommen werden. Der Verband der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg e. V. (VME) sieht den Metall-Pilotabschluss im Norden als gute Grundlage.

„Der Abschluss wird unseren Betrieben angesichts der angespannten Lage eine Menge abverlangen. Gleichwohl handelt es sich um einen verantwortungsvollen Kompromiss“, teilt Stefan Moschko, Vorstandsvorsitzender und Verhandlungsführer des VME, mit.

Betont wird vor allem die mit der Einigung verbundenen Planungssicherheit. VME wird mit der IG Metall Berlin-Brandenburg am 20. November 2024 über eine Übernahme des Abschlusses für die 100.000 Beschäftigten in der Branche verhandeln.

Spandau: Siemens und BMW zufrieden mit Ergebnissen

Deutschlandweit waren über eine halbe Million Beschäftigte in 2000 Betrieben im Warnstreik, um diese Einigung zu erzielen. Auch die Gewerkschafter der Betriebe des BMW Group Motorradwerks an der Straße „Am Juliusturm“ in Haselhorst und der Siemens AG an der Nonnendammallee in Siemensstadt haben an den Warnstreiks teilgenommen.

Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie - Gera: ARCHIV - 29.10.2024, Thüringen, Gera: Arbeiter standen bei einem Warnstreik der IG Metall am Eingang des Kaeser Werkes. (zu dpa: «Tarifparteien wollen Metall-Abschluss übernehmen») Foto: Bodo Schackow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Landesweit haben über 2000 Betriebe an den Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie teilgenommen. Ähnlich wie in die Arbeiter in Gera am Eingang des Kaeser Werkes standen, wurde in Spandau die Betriebe der BMW Motorradwerke und der Siemens AG bestreikt. Den erzielten Abschluss wollen nun alle Tarifparteien übernehmen.

Bodo Schackow/dpa

Die Siemens AG begrüßt die Einigung. „Wir beurteilen es positiv, dass beide Tarifparteien zeitnah einen akzeptablen Kompromiss finden konnten und die Warnstreiks somit beigelegt werden konnten“, teilt Siemens-Sprecherin Konstanze Somborn mit.

Siemens: Einigung „liegt an der Belastungsgrenze“

Siemens gehe davon aus, dass der Beschluss in den nächsten Tagen bundesweit in allen Tarifgebieten übernommen wird. Ganz rosig ist die Einigung jedoch nicht. „Insgesamt liegt der am 12. November erzielte Kompromiss für die Siemens AG zwar an der Belastungsgrenze, jedoch im Rahmen unserer Erwartungen.“

Positiv wird die lange Laufzeit von 25 Monaten bis zum 31. Oktober 2026 gesehen. Diese gebe Planungssicherheit für das Geschäftsjahr 2025/26, so Somborn. Auch an der Erhöhung der Ausbildungsvergütung sieht Siemens eine positive Entwicklung: „Die außerordentliche Erhöhung bei der Vergütung der Auszubildenden und Studierenden stärkt die Attraktivität der Siemens-Ausbildung.“

Die ebenfalls verhandelte Ausweitungen der Freistellungstage, für Kinderbetreuung und Pflege bis zu fünfmal, seien dagegen „aus rechtlichen und pragmatischen Erwägungen erfolgt.“

BMW-Betriebsrat: Überproportionale Erhöhung sei verdient

Ähnlich positiv sieht Markus Kapitzke, Betriebsratsvorsitzender der BMW Motorradwerke den Ausgang der Verhandlungen: „Der Tarifabschluss ist in dieser schwierigen Zeit ein guter Kompromiss für beide Seiten. Die Auszubildenden haben es verdient, eine überproportionale Erhöhung zu bekommen.“