Immobilien in Spandau: Wohnen im Gartenfeld – das sind die Pläne in Siemensstadt

Bezirksstadtrat Thorsten Schatz auf der Insel Gartenfeld. In Siemensstadt, einem Ortsteil von Berlin-Spandau, sollen Tausende neue Wohnungen entstehen.
Britta MeyerDerzeit besteht das Stadtquartier „Neues Gartenfeld“ in Berlin-Spandau fast nur aus Sand, Büschen und Baustellen. Die Insel im Ortsteil Siemensstadt wurde bisher ausschließlich industriell genutzt. Das soll sich ändern: Ende 2025 sollen die ersten Wohnungen fertiggestellt sein.
Noch sieht es auf der Insel Gartenfeld nicht besonders wohnlich aus. Der Wind pfeift ungebremst über brachliegende Grasfelder und mächtige Baukräne, als Bezirksstadtrat Thorsten Schatz und Thorsten Schulte vom landeseigenen Wohnbauunternehmen Gewobag einen Bürgerrundgang über die Insel anführen.
Neues Gartenfeld in Spandau – 3700 Wohnungen sollen entstehen
Diese liegt im Ortsteil Siemensstadt und wurde bisher ausschließlich industriell genutzt. Damit sich das ändern kann, musste meterweise kontaminierter Boden abgetragen werden. Erst dann konnte auf dem früheren Produktionsgebiet für Kabel, Drähte und Rohre mit dem Bau eines Wohnquartiers begonnen werden. Am 17. April 2024 wurde nach beinahe zehn Jahren der Planung der Grundstein für Spandaus derzeit ehrgeizigstes Bauvorhaben gelegt.

Vorbereitende Maßnahmen in Spandau: Wo einmal Familien wohnen sollen, graben noch die Bagger
Britta Meyer3700 Wohnungen sollen entstehen. Zu 90 Prozent werden diese im Rahmen der Wohnbauförderrichtlinien errichtet und zu einem durchschnittlichen Mietpreis von neun Euro pro Quadratmeter angeboten. Mindestens 30 Prozent dieser Wohnungen sollen barrierefrei gestaltet werden, möglichst viele zusätzlich barrierearm, also zumindest für Rollatoren geeignet.
Der Plan ist, das gesamte Wohngebiet weitgehend autofrei zu halten und die Fahrzeuge der Bewohner auf Parkplätzen und in einem Parkhaus mit 1000 Stellplätzen zu belassen. Bis jetzt fahren jedoch nur zwei Buslinien und ein Nachtbus auf die Insel Gartenfeld.
Abhilfe soll vor allem die Reaktivierung der Siemensbahn-Strecke bringen, mit welcher der S-Bahnhof Gartenfeld wieder anfahrbar sein wird. Das wird aber nicht vor 2029 passieren. Vorerst sind zwei weitere Buslinien bestellt, damit die zukünftigen Spandauer Inseleinwohner nicht festsitzen.
Während des Rundgangs kamen die Teilnehmer der Gruppe, ausgestattet mit Schutzhelmen und Warnwesten, an einem aus den 1910er Jahren stammenden, langgezogenen Backsteinbau vorbei. Diesen möchte Thorsten Schulte als Bürogebäude erhalten. Seine charakteristische rotbraune Ziegelsteinoptik soll sich in den neuen Häusern im Umkreis wiederholen, wobei jedes Objekt seinen eigenen Look bekommen soll. In Wassernähe ist bereits ein 19 Stockwerke hohes Turmgebäude als Erkennungsmerkmal der Insel im Bau.
Einsam auf der grasigen Ebene steht ein beinahe futuristisch anmutendes Bauwerk, aus dem in Zukunft einmal eine Kita und Familientreffpunkt, den die Bewohnerinnen und Bewohner eines neuen Blocks mit 80 Wohnungen nutzen können, werden soll.
Das Gartenfelder Dilemma in Spandau
Am westlichen Rand des Gartenfelds beschreibt Schatz den wohl kompliziertesten Teil des Bauprojekts: die gewünschte Brücke hin zur angrenzenden Rhenaniastraße. Sie soll 18 Meter breit sein und ausschließlich für Fahrradfahrer, Fußgänger und den ÖPNV nutzbar werden. Solange diese Brücke nicht gebaut ist, dürfen nicht alle Wohnungen auf der Insel vermietet werden – so wollen es die Brandschutzbestimmungen.

Das Projekt in Siemensstadt: An dieser Stelle soll eine Kita mit Familientreffpunkt entstehen.
Britta MeyerDoch dem Brückenbau steht etwas Dickes im Wege: „In diesem Bereich liegt eine Starkstromleitung. Wenn diese getroffen wird, geht in ganz West-Berlin das Licht aus“, fasst Schatz sein Dilemma zusammen. Die verantwortliche 50Hertz Transmission GmbH soll die Leitung nun umlegen, was aber geschätzt bis 2038 dauern wird.
Herzstück der Insel – Belgienhalle zu verkaufen
Das zentrale Herzstück der Insel ist die denkmalgeschützte Belgienhalle mit ihrer hohen Decke und eine nutzbaren Fläche von 16.500 Quadratmetern. Das Objekt sollte eigentlich zu einem Nahversorgungszentrum und kulturellem Mittelpunkt des Wohnquartiers werden. Vom Eigentümer, der UTB Projektmanagement GmbH, gab es Pläne für eine Mischung aus Gewerbe und Freizeit. Büros, Cafés und Sportangebote sollten Platz finden.

Die denkmalgeschützte Belgienhalle sucht Investoren.
Britta MeyerDoch seit 2015 stiegen die Zinsen, das Bauen wurde insgesamt teuer. Somit steht das einstmalige Kabelwerk erneut zum Verkauf. Bis jetzt hat sich allerdings kein Interessent gefunden.
Thorsten Schatz will seine Pläne für die Belgienhalle als lebhaftem Begegnungsort für die neuen Spandauer aber nicht aufgeben. Ihm schweben dort unter anderem eine Tanzschule und sogar ein Musicalstandort vor. „Man muss eine Vision haben und auch ein bisschen groß träumen.“

