Liebesschlösser in Berlin
: An diese Brücken ketten sich Paare besonders gern

Viele Brücken in Berlin sind mit Liebesschlössern übersät. Der Senat lässt die süße Last regelmäßig knacken und entfernen. Aber es gibt auch einige Geheim-Tipps. Und einen nassen Brauch.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Lisa und Lukas haben sich vor zwei Jahren an der Marschallbrücke im Regierungsviertel mit einem Liebesschloss ihre Treue geschworen. Ein Trend, dem in Berlin auch viele andere Paare nachgehen.

Maria Neuendorff
  • Liebesschlösser zieren viele Berliner Brücken – verboten, doch weiterhin beliebt.
  • Senat entfernt Schlösser regelmäßig, um Schäden und Überlastung zu vermeiden.
  • Beliebte Orte: Marschallbrücke, Oberbaumbrücke, Abteibrücke („Brücke der Herzen“).
  • Entfernen kostet jährlich rund 10.000 Euro; Bußgeld für Anbringen: 35 Euro.
  • Schlüssel werden oft ins Wasser geworfen – Tradition seit 2008 verbreitet.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wenn die Sonne scheint, funkelt es bunt an der Marschallbrücke in Berlin-Mitte. „Werni & Anni“, „Paula & Josias“ und „Lisa & Lukas“ haben sich am historischen Geländer mit roten und goldfarbenen Liebesschlössern ewige Treue geschworen.

„Für immer und ewig“, ist auf einem weiteren Herzschloss eingraviert. Manche Paare haben auch einfach nur ihre Initialen mit Edding auf einfachen Bügel-Schlössern hinterlassen oder sich mit einem schnöden Zahlenschloss dazugesellt.

Liebesschlösser werden geknackt

Manche der Hinterlassenschaften sind schon so verrostet, dass man keine Inschriften mehr lesen kann. Das älteste Schloss mit erkennbarem Datum stammt aus dem Jahre 2011. Ob die Liebe von „Barthel & Manu“ bis heute gehalten hat, wissen wir nicht.

Die Schlösser jedenfalls werden nicht ewig halten. Denn sie werden regelmäßig geknackt. Der Senat heuert dafür extra Schlüsseldienste an. „Jährlich entstehen durch das Entfernen von Liebesschlössern an Berliner Brücken Kosten von rund 10.000 Euro“, sagt Michael Herden von der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt. Die ist für die meisten Fußgängerbrücken in der Berliner Innenstadt zuständig - und damit vor allem für ihre Sicherheit.

Mit dem regelmäßigen Entfernen sollen vor allem Schäden vermieden und Nachahmung vorgebeugt werden, da eine Überlastung der Brückengeländer durch eine Vielzahl von Schlössern nicht ausgeschlossen werden kann, erklärt der Behörden-Sprecher.

Denn dass die Last der Liebe durchaus zu schwer werden kann, habe man in Paris gesehen. Dort war 2014 ein mit Tausenden Liebes-Schlössern behängtes Geländer der Pont des Arts auf 2,40 Metern Länge eingestürzt. Die berühmte Fußgängerbrücke über die Seine, die auch „Brücke der Liebenden“ genannt wird, musste sofort evakuiert und kurzzeitig gesperrt werden.

Verliebte hängen als Zeichen der Verbundenheit Schlösser an Brückengeländer in Berlin.

Verliebte hängen als Zeichen der Verbundenheit Schlösser mit ihren Namen oder Initialen an Brückengeländer in Berlin.

dpa/Paul Zinken

So ist das Anbringen der Liebesschlösser in Berlin seit vielen Jahren verboten. Es droht sogar ein Bußgeld von 35 Euro. Die Liebenden aber scheint das nicht abzuhalten.

Und wo die einen anfangen, gesellen sich die anderen schnell hinzu. Manche Paare befestigen ihre Vorhänge-Schlösser dabei aus Platzgründen in zweiter und dritter Reihe an die Schlösser ihrer Vorgänger, bis regelrechte Schloss-Ketten entstehen.

Von Oberbaumbrücke bis zu Abteibrücke

Betroffen seien laut Herden eine Vielzahl der Brücken in Berlin, hauptsächlich in den Innenstadtbereichen der Bezirke Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg. Besonders beliebt seien Oberbaumbrücke, Schlossbrücke, Karl-Liebknecht-Brücke, Schleusenbrücke, Ebertsbrücke und die Eiserne Brücke über den Kupfergraben, die die Museumsinsel mit dem Deutschen Historischen Museum verbindet.

Den Trend mit den Liebesschlössern, die man inzwischen inklusive Gravur im Internet bestellen kann, gibt es seit 2008. Die Schloss-Flut an Berliner Brücken habe zwar nie wieder das hohe Niveau aus der Vor-Corona-Zeit erreicht, das Phänomen trete aber weiterhin verstärkt in den Sommermonaten auf, berichtet der Sprecher.

Als Liebes-Brücken auserkoren werden dabei eher historische Bauwerke mit filigranen, oft gusseisernen Gitter-Geländern. Als besonders romantisch gilt auch die Abteibrücke in Alt-Treptow an der Insel der Jugend. Die Fußgängerbrücke abseits der Großstadt wird seit 2005 auch „Brücke der Herzen“ genannt. Denn seitdem ist der Boden mit herzförmigen blauen Fliesen geschmückt, die an Menschen erinnern sollen, die sich um das Wohl von Kindern und Jugendlichen verdient gemacht haben.

Neubauten aus der Nachkriegszeit haben meist zu dicke und dazu eher schmucklose Streben, an denen man höchsten große Fahrradschlösser anbringen kann.

Brückengeländer in Herzform

Auch auf der Marschallbrücke an der Wilhelmstraße zwischen ARD-Hauptstadtstudio und Charité sind die mittleren Geländer, die in den 60er-Jahren wieder angebaut wurden, eigentlich nicht für das Anbringen von kleinen Schlössern geeignet. Doch von der historischen Brücke vom Ende des 19. Jahrhunderts ist das nördliche Brückenfeld mit dem genieteten Stahlbogen erhalten geblieben und wurde in den Neubau integriert.

Die Brücke scheint deshalb eher ein Geheim-Tipp zu sein, auch weil ihr schmiedeeisernes schmaleres Außen-Geländer, an dem die Liebende sich verewigen können, sogar in Herzform gebogen ist.

Das eiserne Brückengeländer an der Marschallbrücke in Berlin-Mitte ist noch verhältniswenig

Das historisch geformte Brückengeländer an der Marschallbrücke in Berlin-Mitte hat die passenden Maße für das Anbringen von Liebesschlössern. Das Ritual kann mit einem Bußgeld geahndet werden.

Maria Neuendorff

Berlin hat mit rund 960 Brücken mehr Überführungen als Venedig (400). Viele der Bauwerke sind über hundert Jahre alt und bieten allein deshalb Paaren ein würdiges Ambiente für ihre private Treue-Schwur-Zeremonie.

Zum Liebes-Schloss-Ritual gehört übrigens auch, die Schlüssel nach dem Anbringen ins Wasser zu werfen. Zumindest diese werden wohl auf dem Grund der Spree die Zeiten überdauern.