Straße und Autobahn in Berlin: Diese Brücken müssen in der Hauptstadt saniert werden

Abbrucharbeiten an der Westendbrücke der A100 in Berlin. Die Autobahnüberführung wollen Berlin und der Bund schnell wiederaufbauen. Bis dahin muss der Verkehr abschnittsweise durch die Stadt geleitet werden.
Sören Stache/dpa- Berlin plant bis 2033 die Sanierung oder den Neubau von 120 Brücken – Kosten: 1 Milliarde Euro.
- 50 Autobahnbrücken gelten als gefährdet, darunter die kürzlich gesperrte Westendbrücke der A100.
- Nur 21 % der Berliner Brücken sind in gutem Zustand – ein „Masterplan Brücken“ soll Abhilfe schaffen.
- Schwerpunkt auf Bauwerke mit Hennigsdorfer Spannstahl, der anfällig für Korrosion ist.
- Denkmalgerechter Ersatz der Löwenbrücke im Tiergarten startet 2024 – Kosten: 2,6 Millionen Euro.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Pendler kennen es zur Genüge: Staus im Berufsverkehr, Busse im Schritttempo, Baustellen, die sich gefühlt endlos hinziehen, marode Brücken, die nur noch einspurig befahren werden dürfen. „Zuweilen haben wir das Gefühl, Berlin steht“, beschreibt die Berliner Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) die derzeitigen Zustände auf den Straßen der Hauptstadt.
Diese seien das Ergebnis jahrzehntelanger Versäumnisse, falscher Prioritäten und einer wachsenden Stadt, in der die Infrastruktur nicht hinterherkam, betonte die Politikerin auf der Podiumsdiskussion „Brücken in Not – wie weiter mit Berlins Infrastruktur?“, zu der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) Ende Juni geladen hatte.
Verkehr in Berlin – „Masterplan Brücken“ für Sommer geplant
Nur noch 21 Prozent der 867 Brücken, für die die Senatsverwaltung verantwortlich ist, gelten laut Verkehrsverwaltung als „gut“ oder „sehr gut“. 120 Brücken müssen in den nächsten zehn Jahren saniert oder neu gebaut werden. Die geschätzten Kosten bezifferte Bonde auf etwa eine Milliarde Euro. „Wir machen Tempo“, versprach die Verkehrssenatorin.
Im Sommer wolle man dazu einen „Masterplan Brücken“ mit zahlreichen Vorhaben vorlegen. Zudem habe der Senat bereits dafür gesorgt, Planungs- und Umsetzungsverfahren für Brückenneubauten deutlich zu beschleunigen, sodass Projekte künftig zwei bis drei Jahre schneller gingen als bisher, betont Bonde.
Als gutes Beispiel für schnelles Handeln nennt sie die Wuhlheide-Brücke in Treptow-Köpenick. Der Abriss sei drei Tage nach Sperrung genehmigt worden. „Nach einem Monat war die neue Verkehrsführung in Betrieb.“
Auch die abgerissenen A100-Brücken im Berliner Westen könnten laut Bonde als Blaupause für künftige Maßnahmen gelten, bei der alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Die Ringbahn- sowie die Westendbrücke wollen Berlin und der Bund auch schnell wieder aufbauen. „Der erste Zuschlag wird noch in diesem Jahr erteilt“, bestätigt Ronald Normann, Direktor der Autobahn-Niederlassung Nordost. Danach könnten die Arbeiten starten.
Brücken in Berlin – 50 Autobahnbrücken gelten als „gefährdet“
39 Prozent der 260 Brücken in Berlin, die die Autobahn GmbH zu verantworten hat, sind in keinem guten Zustand. „Da müssen wir uns Sorgen machen“, sagte Normann. Gefährdet seien 50 Brücken. „Wir können dabei nicht ausschließen, dass es nochmal zu einer ähnlichen Überraschung wie bei der Westendbrücke kommt.“ Diese war im März wegen akuter Einsturzgefahr gesperrt worden. „Es wird ein Jahrzehnt der Baustellen in der Stadt“, betonte Normann.
Ein besonderes Augenmerk liegt derzeit auf Brücken mit Hennigsdorfer Spannstahl, da dieser unter bestimmten Bedingungen anfällig für Spannungsrisskorrosion sein kann und somit die Tragfähigkeit beeinträchtigen könnte. Die Bauwerke werden verstärkt auf Materialermüdung und strukturelle Schwächen untersucht, um die Sicherheit zu gewährleisten.
„Der Spannstahl, der in vielen Brücken der 70er- und 80er-Jahre in Ost und West verbaut wurde, macht uns schwer zu schaffen“, sagt auch Kristian Ronneburg, verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion die Linke im Abgeordnetenhaus. Ihm liegt eine Liste vor, auf der Brücken aus diesem Material erwähnt sind.
Die bekannteste ist sicher die marode Elsenbrücke über die Spree in Treptow. Der Neubau soll 2028 fertig sein und rund 98 Millionen Euro kosten. Weitere prominente Beispiele sind Schönhauser-Allee-Brücke (Prenzlauer Berg), Mühlendammbrücke (Mitte), Östliche Bucher-Straßen-Brücke (Pankow), Schöneberger Brücke, Möckernbrücke (beide Kreuzberg), sowie Kurfürstendamm- und Halenseebrücke (beide Charlottenburg).
Sanierung in Berlin – 33 Brücken in konkreter Planung
Alleine auf der Stadtautobahn seien rund 70 Prozent der Brücken sanierungsbedürftig. Ihr Erhalt müsse unbedingt als Priorität begriffen werden. „Brücken müssen im öffentlichen Bewusstsein als kritische Infrastruktur wahrgenommen werden“, so Ronneburg. „Sie betreffen uns alle und sind ganz wichtige Faktoren für das Funktionieren der Stadt.“
Für rund 33 Berliner Brücken liegen laut Senat konkrete Pläne vor. 14 werden aktuell saniert oder neu gebaut. In der Liste für die Jahre 2025/2026 sind unter anderem Maßnahmen am Verkehrsknoten Marzahn, an der Köpenicker Allee Brücke, an Schönhauser Allee Brücke und Östlicher Bucher-Straßen-Brücke (beide Pankow) erwähnt.
Im Bezirk Mitte werden unter anderem Gertraudenbrücke, Spittelmarktbrücke, Nordhafenbrücke, Lessingbrücke, Moltkebrücke, Badstraßenbrücke, Putlitzbrücke und Nordhafenbrücke, aufgelistet. Im Katalog findet sich zudem die Brücke am Breitenbachplatz, die die Charlottenburg-Wilmersdorf mit Steglitz-Zehlendorf verbindet.
Bauen in Berlin – Ersatzneubau für erste Hängebrücke
Dazu gibt es viele marode Fahrrad- und Fußgängerbrücken. Erst am Donnerstag (3. Juli) hatte Verkehrssenatorin Bonde mit dem Berliner Landeskonservator Christoph Rauhut den denkmalgerechten Ersatzneubau für die älteste Hängebrücke für Fußgänger freigegeben. Die Löwenbrücke wurde 1838 im damals noch recht sumpfigen Tiergarten gebaut.
Nach der jüngsten Bauwerksprüfung hatten Spezialisten an der hölzernen Brücke, deren Seil-Enden in den Mäulern von gusseisernen Löwenplastiken verankert sind, einen „nicht ausreichenden Zustand“ festgestellt. Die Gesamtkosten für den Ersatzneubau, der 2024 begann, belaufen sich auf rund 2,6 Millionen Euro.



Ein Unwetter über Berlin und Brandenburg verursacht Verkehrschaos, für das viele erst mal Verständnis haben. Ein ganz klares Defizit von Bahn und Co. sorgt hingegen für großen Frust.