Baden in Berlin: In der Hauptstadt direkt in die Spree – ist das bald möglich?

So soll die „Schlossfreiheit“ am Humboldtforum in Berlin-Mitte aussehen. Auf den Stufen können Berliner und Touristen direkt am Spreekanal sitzen. Doch darf man in der Spree auch baden?
Sora Images- Berlin baut bis 2027 neue Freitreppen und Uferpromenaden an der Spree für mehr Aufenthaltsqualität.
- Schloss-Freitreppe am Humboldt Forum und Promenade am Rathaus werden barrierefrei gestaltet.
- Kosten: 7 Mio. Euro für die Freitreppe, 33,9 Mio. Euro für die Promenade, Fertigstellung ab 2025.
- Baden in der Spree bleibt verboten – Gründe: Schiffsverkehr, Hygiene und Umweltauflagen.
- Projekt „Flussbad Berlin“ stagniert, Wasserqualität und technische Fragen ungeklärt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Sommer in Berlin werden heißer, die Hitzebelastung wird gefühlt immer extremer. „Berlin ist längst Hotspot des Klimawandels in Mitteleuropa“, heißt es in einer Mitteilung vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Berlin von Dienstag (12. August) angesichts der wieder steigenden Temperaturen.
Die Stadt, verdichtet und versiegelt, wirke dabei wie ein Brandbeschleuniger für den urbanen Raum, mahnen die Umweltschützer, und fordern unter anderem den Ausbau der blauen Infrastruktur.
Berlin ganz nah am Wasser
Doch der direkte Kontakt mit dem Wasser ist selbst auf der Berliner Museumsinsel durch hohe Ufermauern verbaut. Zwei große Projekte, die schon im Frühjahr und Sommer 2025 gestartet sind, sollen das nun ändern.
Am Humboldtforum wird gerade eine Freitreppe direkt zum Spreekanal gebaut. Nur wenige Gehminuten weiter östlich erhalten das Rathaus und das Marx Engels Forum im Rahmen der Umgestaltung zur grünen Innenstadt-Oase eine neue Uferpromenade an der Spree.
„Berlin am Wasser wird hier gartenarchitektonische Realität für alle“, freut sich Ephraim Gothe, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung im Bezirk Mitte. Die fast 40 Meter breite „Schlossfreiheit zur Spree“ am Humboldt Forum mit großzügigem Balkon auf Höhe des Spreekanals wird aus Granit und Sandstein über einer Stahlbetonkonstruktion errichtet. Zur Beschattung der Sitzpodeste werden drei Gleditschien gepflanzt - also Bäume, die für ihr weit ausladendes Geäst bekannt sind.
Damit die neue öffentliche Aufenthaltsfläche am Wasser auch barrierefrei ist, bekommt die südwestliche Ecke einen Aufzug. Die Freitreppe fügt sich zwischen dem Eingang zur U-Bahn Linie 5 und dem Sockel des künftigen Freiheits- und Einheitsdenkmal in die historischen denkmalgeschützten Uferwände des Spreekanals ein. Die Kosten betragen knapp sieben Millionen Euro und werden jeweils etwa zur Hälfte von Bund und Land übernommen.
Berlin – neue barrierefreie Uferpromenade
Auch die neue Uferpromenade am Rathaus und Marx Engels Forum, ein paar Schritte weiter Richtung Alexanderplatz, wird laut Planer barrierefrei zugänglich sein. Auf der rund 1,7 Hektar großen Freifläche zwischen Fernsehturm und Rotem Rathaus entstehen in den kommenden fünf Jahren auch Freizeit-, Sport- und Spielangebote.
Sie sollen Berlins historischen Gründungskern zum sozialen Treffpunkt für Berliner sowie Touristen machen, kündigt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung an. Die voraussichtlichen Gesamtinvestitionen belaufen sich auf rund 33,9 Millionen.
Die Baumaßnahmen am Spreeufer haben im Juni 2025 begonnen. Dort entsteht nach jahrelangem Bürger-Beteiligungsprozess auf Wunsch der Berliner ein über eine Treppen- und Rampenanlage erreichbarer Aufenthaltsort an der Spree – mit Blick auf das Humboldt Forum und den Berliner Dom. Auch dort werden künftig Sitzstufen zum Verweilen einladen.
Neue Bäume sollen zudem das Mikroklima verbessern. Dabei legen die Planer den Fokus auf Arten, die den veränderten Bedingungen standhalten, wie Ungarische Eichen, Silberlinden und der Japanische Schnurbaum. Entsiegelung und ein innovatives Regenwassermanagement sollen die Grundlage für ein verbessertes Mikroklima schaffen.
„Zwischen Fernsehturm und Spree entsteht ein grüner, klimaangepasster Ort mit hoher Aufenthaltsqualität, der Nachhaltigkeit, Kultur und die bewegte Geschichte Berlins historischer Mitte miteinander vereint“, sagte auch Umweltsenatorin Ute Bonde (CDU) während des Spatenstichs Ende Juni.
Solche Orte hat die Stadt an der Spree nötig. Laut BUND Berlin hat sich die Anzahl der Hitzetage mit 30 Grad Celsius oder mehr seit den 1950er Jahren fast verdreifacht. Prognosen gehen von weiteren Steigerungen aus, verkünden die Umweltschützer, die am Dienstag vom Senat wiederholt einen Hitzeaktionsplan samt Finanzierung forderten.
Baden in Berlin – Badeverbot in der Spree
Doch wirklich abkühlen kann man sich nach Fertigstellung der Schloss-Freitreppe 2027 nicht. Denn bisher ist es nicht erlaubt, in der Spree oder im Kanal zu baden. „Zu den rechtlichen Rahmenbedingungen zählt unter anderem die Einhaltung eines Badeverbots einhundert Meter ober- und unterhalb von Brücken“, erklärt Frank Preiss, Pressereferent in der Umweltverwaltung. Dieses Badeverbot diene vor allem dem Schutz der Bevölkerung.
Dabei geht es nicht nur um den regen Schiffsverkehr auf Berliner Gewässern, sondern auch um hygienische Sicherheit. Gerade der Spreekanal erscheine mit einer Vielzahl diffuser Verschmutzungsquellen sowie von konzentrierten Mischwasserüberläufen nicht geeignet, um einen Badebetrieb zu ermöglichen, der den Anforderungen der Qualitätsbeurteilungskriterien für ausgewiesene Badegewässer sicher genüge, betont Preiss.

Das Rathaus und Marx Engels Forum in Berlin-Mitte werden grüner und bekommt eine barrierefreie Uferpromenade.
RMP Stephan LenzenSolange diese Randbedingungen nicht erfüllbar sind, könne seine Behörde nicht die Idee des Vereins Flussbad e. V. verfolgen. Seit 2012 forciert eine gemeinnützige Stiftung den Plan, einen Abschnitt der Spree zwischen Museumsinsel und Jannowitzbrücke in ein öffentliches Flussbad umzuwandeln.
Das Projekt stagniert, obwohl es viele Unterstützer hat. Man unterstütze grundsätzlich die Weiterentwicklung und vor allem Vereinfachung des Projektes Flussbad Berlin, heißt aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf Anfrage.
„Bevor es aber zu einer weiteren Förderung kommt, sind grundlegende Fragen zur technischen Machbarkeit, der Wasserqualität, des Denkmalschutzes und des Betriebs zu klären“, erklärt die stellvertretende Sprecherin Anett Seltz.
Bis dahin muss man sich in Berlins Mitte also erst einmal anders behelfen. Für Abkühlung soll am Fuß der neuen Treppe am Rathaus und Marx Engels Forum künftig ein Wasserspiel aus erfrischenden Nebelwolken sorgen.




