Mord in Polen: Die Geschichte der Kannibalen von Lugi

Der Mord im Dorf Ługi gilt als einer der aufsehenerregendsten Kannibalismus-Fälle in Polen: Die Tat konnte nur aufgeklärt werden, weil einer der Beteiligten einen grausamen Pakt brach.
Karl Baptist- Mordfall von Ługi: 2002 wurde ein Mann getötet und teilweise gegessen – Tat kam erst 2017 ans Licht.
- Haupttäter Robert M. wurde 2021 wegen Anstiftung zum Mord zu 25 Jahren Haft verurteilt.
- Die Tat wurde durch einen gebrochenen Schweigepakt und einen anonymen Hinweis aufgedeckt.
- Täter aßen Teile der Leiche am See, um sich gegenseitig zum Schweigen zu verpflichten.
- Opfer bleibt unbekannt – Leiche im Osiek-See versenkt, weitere Täter wegen Verjährung nicht verurteilt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ługi ist ein kleines Dorf in Polen. 90 Kilometer sind es bis zur Grenze nach Deutschland. Nur etwa 240 Menschen leben hier. Ein paar Häuser, eine Hauptstraße, eine Kirche und der Osiek-See. Es gibt eine Badestelle. Bäume und weite Natur, wohin das Auge blickt. Ein paar Kilometer weiter ein Hotel, Bungalows und andere Ferienanlagen. Menschen kommen hierher, um Ruhe und Entspannung zu finden.
Nichts erinnert mehr an eine Tat vor knapp 24 Jahren, bei der ein Mann getötet und anschließend in Teilen gegessen wurde. Eine Tat, die in Polen ein breites Medienecho auslöste. Und eine, deren Aufklärung nur durch den Bruch eines grausamen Paktes zwischen den Verdächtigen möglich wurde.
Bis heute weiß niemand, wie der ermordete Mann hieß. Die Leiche soll in dem etwa 540 Hektar großen Gewässer versenkt worden sein. Irgendwann zwischen Juli und Oktober 2002 soll sich alles zugetragen haben.
Mord und Kannibalismus am Osiek-See in Polen
Die Tat, die erst 2021 vor Gericht landete, ist ein erschreckendes Gewaltverbrechen. Fünf Personen waren daran beteiligt: Robert M., der als Hauptinitiator gilt, der inzwischen verstorbene Zbigniew B., Rafał O. und zwei weitere Männer. Sie alle sollen einige Teile des Körpers ihres Opfers am See gegessen haben, nachdem sie die Fleischstücke über einem Feuer gebraten hatten.
Der Leichenverzehr sei ein Stillschweige-Pakt gewesen. So stellte es das Gericht fest und so berichteten es im Anschluss Gazeta.pl, Onet Szczecin, Głos Szczeciński und viele andere polnische Medien. Mit dem Pakt verbunden: die Garantie, dass die Sache unter den Tätern bleibt. Die Spuren des Verbrechens wurden im Anschluss sorgfältig verwischt. Auch deshalb blieb die Tat so lange unbemerkt.
Dorfbewohner ist schockiert über den Mord am Osiek-See
Szymon ist einer der wenigen Bewohner von Ługi. Er lebt seit über 30 Jahren in seinem großen Haus mitten in der Natur. Einige Hunde streifen durch den üppigen Vorgarten. Die Stille wird nur durch Autos unterbrochen, die sporadisch die naheliegende Landstraße passieren.
„Tatsächlich habe ich vielleicht vor zwei Jahren von diesem Ereignis aus den Medien erfahren“, erinnert sich Szymon, während er seinen Hof fegt. Zuvor habe er trotz der Brisanz des Falles nichts von den Kannibalen von Ługi gehört.
Dass die Tat überhaupt ans Licht kam, dafür sorgten ein Beteiligter und ein anonymer Hinweis: Denn der geschlossene Pakt hielt nicht stand. Betrunken soll Zbigniew B. einigen Menschen von dem Mord erzählt haben. Jedoch habe ihm zunächst niemand geglaubt. Das Verbrechen kam erst nach seinem Tod im Jahr 2017 ans Licht. Eine unbekannte Person schickte eine Mitteilung an die Polizei. Es folgten Ermittlungen, die 2021 vor Gericht ihren Abschluss fanden.
Dort kam heraus, dass Robert M. mit dem Opfer im etwa 20 Kilometer entfernten Dorf Łasko in Streit geraten war. „Er war wütend auf ihn, weil er seinetwegen Geld verloren hatte“, konkretisierte die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift, die das Nachrichtenportal Onet Sczezin bei der Prozessberichterstattung zitierte. Das Ganze passierte in einer Kneipe, die es heute nicht mehr gibt. Schon in der Bar sei es zu einer ersten Auseinandersetzung gekommen.
Anschließend setzten sich die Männer alle in Zbigniew B.s Auto und fuhren zum See in Ługi, wo ein Feuer entzündet wurde. Robert M. wies Zbigniew B. an, den Mann zu töten. Dabei soll er gesagt haben: „Du weißt, was du zu tun hast“. So steht es in der Anklageschrift, die Beschuldigten bestätigten das in gemachten Aussagen.
B. schnitt dem Opfer daraufhin die Kehle durch, trennte den Kopf des Mannes vom Rumpf „und schnitt fünf Fleischstücke ab. Die anderen Männer spießten diese auf zuvor vorbereitete Stöcke in ihrem Auto, rösteten sie über dem Feuer und aßen sie dann“, fasst das Nachrichtenportal Onet die Ermittlungsergebnisse zusammen.
Robert M. und Zbigniew B. sollen den Körper anschließend zusammen mit einem Stein in Folie verpackt haben, mit einem Boot aufs Wasser gefahren sein und ihr Opfer in den See geworfen haben.

Der große Osiek-See in Ługi – hier soll sich der Mord zugetragen haben.
Karl BaptistIn der Dorfgemeinschaft sei weder damals noch später über die Tat gesprochen worden, erinnert sich Szymon aus Ługi, der lieber nur seinen Vornamen nennen will. „Das Thema wurde in keiner Weise wirklich kommentiert.“
Er blickt mit gemischten Gefühlen auf das zurück, was damals in unmittelbarer Nähe seines Hauses passierte. Dann hält er kurz inne und stützt sich nachdenklich auf seinen Besen. „Ich kann nicht glauben, dass jemand das tun kann“, sagt Szymon mit einem Kopfschütteln.
Unbeantwortete Fragen und ein Urteil im Kannibalen-Fall
Unglaublich muss auch der Polizei im benachbarten Choszczno der Inhalt eines Schreibens vorgekommen sein, das im Jahr 2017 dort einging. Fünfzehn Jahre nach der Tat schilderte es den Vorfall detailliert und benannte alle Täter. Allerdings: Unterschrieben war es von Zbigniew B., der bereits Monate zuvor verstorben war.
Die Behörden glaubten dennoch an die Echtheit und leiteten Ermittlungen ein. Nachdem Telefone abgehört und die Beteiligten vernommen worden waren, stand für Polizei und Justiz fest: Die Tat hat stattgefunden. Drei der vier Männer zeigten sich geständig und bestätigten die verhängnisvolle Nacht im Jahr 2002. Sie gaben auch zu, Leichenteile gegessen zu haben. Der Tote konnte trotz Hausdurchsuchungen, zusätzlicher Tauchgänge im See und DNA-Analysen weder gefunden noch überhaupt identifiziert werden. 2021 kam es zum Prozess.

Das kleine Dorf in Polen wurde 2002 von einem Mordfall erschüttert, der erst viele Jahre später ans Licht kam.
Karl BaptistDer Einzige, der sich nicht zur Tat einließ, war Robert M. Er war jedoch auch als einziger im Kontext des Mordes angeklagt, die anderen drei „nur“ wegen Leichenschändung, worunter in Polen auch Kannibalismus zusammengefasst wird. Sie alle belasteten Robert M. schwer und auf dieser Basis verurteilte das Szczeciner Landgericht ihn schließlich wegen Anstiftung zum Mord zu 25 Jahren Gefängnis. M. hatte nach dessen Ansicht den Befehl gegeben, dem Unbekannten die Kehle durchzuschneiden.
Für die anderen Angeklagten endete der Prozess mit einer Einstellung des Verfahrens. Sie hatten sich zwar der Leichenschändung schuldig gemacht. Doch das Verfahren wurde wegen Verjährung eingestellt. M. und seine Verteidigung gingen noch einmal in Berufung. Der Oberste Gerichtshof wies diese jedoch als unbegründet zurück.
An der kleinen Badestelle von Ługi schwappen Wellen leise an Land. Auch wenn es kalt ist: Ein Pavillon und einige Bänke laden dazu ein, die Natur zu genießen. Während sich die Sonne auf dem Gewässer spiegelt und der Wind durch die Bäume rauscht, werden die ungelösten Fragen zum Mordfall vom Osiek-See vermutlich nie geklärt.


