Musikschule in Spandau: Eröffnung nach Bau-Krimi – ein Blick hinter die Kulissen

Die Musikschule Spandau öffnet wieder ihre Türen. Eine Liebeserklärung an die Musik ist mit der goldenen Notation an der Fassaden schon erkennbar.
Jessica NeumayerDie Sanierung der Musikschule Spandau dauerte vier Jahre länger als ursprünglich geplant. Gebaut wird seit 2018. Grausige Funde wurden bei den Bauarbeiten gemacht, das Vorankommen war erschwert. Doch jetzt sind die Arbeiten bald fertig. Was den Bau verzögert hat und wie die neuen Räume der Musikschule aussehen – ein Blick hinter die Kulissen.
„Music was my first love, and it will be my last“ – diese Liebeserklärung an die Musik aus dem Lied „Music“ von John Miles begrüßt zukünftig Besucherinnen und Besucher der Musikschule Spandau. Die Notation dekoriert die historische Fassade der Schule und gehört zum Projekt „Kunst am Bau“. Aus alt macht neu heißt es seit sechs Jahren in der Moritzstraße 17 in der Altstadt Spandau.
Musikschule Spandau: Historische Funde behindern Bauarbeiten
Ein Stück Zeitgeschichte Spandaus kam zutage, als gerade der Schacht für den neuen Fahrstuhl ausgehoben wurde. Die Musikschule soll barrierefrei zugänglich sein, „was bei einem denkmalgeschützten Gebäude keine einfache Angelegenheit ist“, sagt Anabel Heger, Leiterin der Musikschule Spandau.

Das Büro von Anabel Heger ist noch nicht ganz fertig eingeräumt. Doch schon jetzt freut sich die Leiterin der Musikschule Spandau auf die Arbeit in den sanierten Räumen.
Jessica NeumayerIn Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt soll sich der Fahrstuhl in das Gesamtbild des historischen Gebäudes einfügen. Er wird außen am Gebäude angebracht, erreichbar ist er vom Innenhof. In dem dafür gegrabenen Schacht wurden während der Bauarbeiten Knochen gefunden.
„Also wurde die Polizei benachrichtigt und die Kripo eingeschaltet“, berichtet Heger. Dann die Entwarnung: Die Knochen seien älter als 100 Jahre. „Damit wurde ein Verbrechen ausgeschlossen.“
Musikschule Spandau: Ausgrabungen verzögerten den Bau
Die Ausgrabungen brauchten Zeit, denn die Skelette waren nur der Anfang. „Erste archäologische Einschätzungen deuteten darauf hin, dass es sich bei dem Fund um die wohl älteste bekannte Kirche Berlins handeln könne“, schrieb das Bezirksamt in einer Pressemitteilung im September 2023. Damit könnte die Gründung Spandaus noch früher stattgefunden haben als bisher gedacht.

Anfang September 2024 findet im neuen Konzertsaal das Eröffnungskonzert statt. Auch die letzten Arbeiten werden dann abgeschlossen sein. Der Flügel steht schon längst bereit.
Jessica NeumayerEin Stahlband auf dem Boden erinnert an das ehemalige Fundament der Kirche mit Friedhof aus dem 13. Jahrhundert. Die Archäologen haben sich nach den Untersuchungen dafür ausgesprochen, das Fundament wieder zu verschütten, um es für die Nachwelt zu konservieren, erläutert Heger. Die gefundenen Gebeine seien mit musikalischer Begleitung auf dem Friedhof in den Kisseln beigesetzt worden.
Moderne Ausstattung für musikalische Bildung in Spandau
„Das Beste ist, dass nun das ganze Gebäude von der Musikschule bespielt wird.“ Zuvor haben sich die Musikschule und der zweite Bildungsweg das Gebäude geteilt. Diese bleiben jedoch in den Räumen des Kant-Gymnasiums, die als Zwischenlösung genutzt wurden.
„Es ist eine Wertschätzung vom Bezirk, dass hier ein Ort der Musik und der Begegnung geschaffen wird“, sagt Heger. Mehr als 20 Unterrichtsräume stehen nun zukünftig ausschließlich für die musikalische Bildung der 4200 Schülerinnen und Schüler zur Verfügung. Über 700 weitere Kinder stehen auf der Warteliste (Stand Dezember 2023).

Ein Stahlband auf dem Innenhof der Musikschule Spandau erinnert an die ehemaligen Moritzkirche aus dem 13. Jahrhundert. Nach den archäologischen Untersuchungen wurde das Fundament wieder verschüttet, um es für die Nachwelt zu konservieren.
Jessica NeumayerAlle Räume haben ein Klavier oder ein Keyboard, berichtet die Leitung. Zudem gehören in jeden Raum Notenständer, ein Schrank und ein Tisch mit Stühlen. „Es ist toll, dass wir alles vor Ort haben“, betont die studierte Musik- und Kulturwissenschaftlerin. Sie weiß, dass für den Musikunterricht optimierte Räume, zum Beispiel mit akustischen Wandelementen, nicht immer üblich sind.
Neben Räumen für den Unterricht oder die Musiktherapie, gibt es auch einen Tanzraum, einen kleinen Kammermusiksaal und einen großen Konzertsaal. „Auftrittserfahrung ist für uns ein wichtiger Teil des Unterrichts“, sagt Heger. So wird es regelmäßige Konzerte der Schülerinnen und Schüler in einem passenden Ambiente geben.
Eröffnungskonzert und Tag der offenen Tür in der Musikschule
Genauso wie beim detaillierten Stuck an der Zimmerdecke des Konzertsaals wird auch im Treppenhaus auf die Tradition des Hauses geachtet. In Braun und Beige ist hier eine Wandvertäfelung angezeichnet. „Wir haben die Farben in Absprache mit dem Denkmalschutz gewählt“, sagt die Musikschulleitung.
Eröffnung und Tag der offenen Tür
7. September 2024
Um 11, 12 und 13 Uhr: Führungen mit einer Architektin durch das historische Gebäude
Um 18 Uhr: großes Eröffnungskonzert der Lehrerinnen und Lehrer
Um Anmeldung wird bis zum 5. September 2024 gebeten.
Zum Angebot der Musikschule gehört auch eine Ausleihmöglichkeit für die Schülerinnen und Schüler. „Instrumente, wie beispielsweise die Geige, müssen dann nicht immer neu gekauft werden, wenn die Kinder größer werden“, erklärt die Leitung.
Wer sich die neuen Räume der Musikschule anschauen möchte, ist herzlich eingeladen zum Tag der offenen Tür am 7. September vorbeizuschauen, betont Heger. Es wird an dem Tag drei Führungen mit einer Architektin durch das historische Gebäude geben.
Am Abend spielt ein Ensemble aus den Lehrerinnen und Lehrern der Musikschule ein großes Eröffnungskonzert. Dem zirka zwei Stunden langem Konzert können 120 Personen lauschen. So viel Platz bietet der neue Konzertsaal.



