Einkaufen in Berlin-Spandau: Pläne für Karstadt – so sehen die Ideen aus

Die Galeria-Filiale in Berlin-Spandau soll weiterhin Menschen in die Altstadt locken. Damit das geschieht, muss ein neues Nutzungskonzept her. Das Kaufhaus soll zum Erlebnisort werden.
Michael Bahlo/dpaDie Abendsonne färbt die Dachspitzen rot. Etwas entfernt ist die Turmuhr der Nikolaikirche zu sehen. Das emsige Treiben in den Straßen verebbt langsam. Aus dem Panoramafenster des ehemaligen Restaurants im obersten Geschoss der Galeria-Karstadt-Filiale in Berlin-Spandau lässt sich die historische Altstadt gut überblicken. Bald könnte dieser Ausblick alle Spandauerinnen und Spandauern begeistern – wenn die Pläne für Karstadt real werden.
Am Mittwochabend (31. Juli) hat der Spandauer SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh eingeladen, um über die Zukunft der Galeria-Filiale und damit auch über die der Altstadt-Spandau zu diskutieren. Es war der Tag, an dem das Insolvenzverfahren von Galeria nach knapp sieben Monaten aufgehoben wurde und das Unternehmen wieder alleinverantwortlich handelt.
Galeria Karstadt – Zukunft der Filiale in Berlin-Spandau
Teilnehmer der Diskussionsrunde waren Filialleiterin Marit Kretschmar, Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD) und Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg Nils Busch-Petersen.
Fast zwei Stunden werden 70 Interessierten die Ideen, mit denen das Warenhaus gerettet werden soll, vorgestellt. Busch-Petersen bringt es auf den Punkt: „Das Warenhaus ist nicht zu retten, wenn es sich nicht reformiert und verändert.“

Die Galeria-Filiale in Berlin-Spandau setzt zukünftig auf ein Mischkonzept. Dazu gehört auch, die Gastronomiefläche im Obergeschoss sowie die Lebensmitteletage im Untergeschoss wiederzubeleben.
Jessica NeumayerVor ein paar Wochen stand er fast an derselben Stelle, als der Belegschaft gesagt wurde, dass es weiter geht. „Die emotionalen Reaktionen werde ich ein Leben lang nicht vergessen“. Im Keller lagen eigentlich schon die Plakate für den Abverkauf bereit.
Von jeder Seite wird an diesem Abend betont, dass die Filiale nur durch „den starken Schulterschluss aller Beteiligten“ gerettet werden konnte. Darauf darf sich jedoch nicht ausgeruht werden. „Jetzt ist Geschwindigkeit gefragt, damit die Flächen belebt werden“, so Kretschmar.
Anpassung an regionale Bedürfnisse und bauliche Veränderungen
Laut Busch-Petersen liegt das Problem vieler Warenhausketten darin, alles zu vereinheitlichen. „Von der Ostsee bis zu den Alpen gibt es immer das gleiche Sortiment.“ Die Geschäftsführung müsse mehr Entscheidungskraft bekommen, um das Sortiment den regionalen Bedürfnissen selbstständig anpassen zu können.
Der zweite Hieb geht Richtung Politik. Das Haus müsse mit Leben gefüllt werden. Dafür seien auch bauliche Veränderungen nötig, „aber wenn ein neues Brandschutzgutachten mehrere Monate dauert, ist niemandem geholfen“.
Damit spielt Busch-Petersen darauf an, den unter anderem von Bürgermeister Frank Bewig (CDU) schon mehrfach versprochenen „Fast-Track", mit dem die priorisierte, schnelle Bearbeitung von Anträgen gemeint ist, auch wirklich umzusetzen.

Knapp zwei Stunden lang wurde am Mittwochabend (31. Juli) über die Zukunft der Galeria-Filiale in Berlin-Spandau diskutiert. Fast 70 Personen konnten der Diskussion zusehen. Der Wunsch nach mehr Gastronomie und einem wertigen Angebot war häufig vertreten.
Jessica NeumayerProblematisch sei an der Filiale bisher immer die Größe gewesen, sagt Filialleiterin Marit Kretschmar. „Daher brauchen wir ein Mischkonzept.“ Konkret könnte das bedeuten, das Restaurant im Obergeschoss und die Lebensmitteletage im Untergeschoss wiederzueröffnen. Für Letzteres habe es sogar schon mehrere Interessenten gegeben.
Gescheitert ist es jedoch stets an den Zugängen. Gastronomie oder Lebensmittelmarkt sollten nicht nur über die Rolltreppen in der Mitte des Warenhauses erreichbar sein.
Potenzial für Spandau – offene Dachterrasse und Büro-Flächen
Zu den Umbaumöglichkeiten kann Senator Gäbler noch keine Versprechungen machen. Er betont jedoch, dass es auch schon in anderen Häusern geklappt habe, getrennte Zugänge, Treppenhäuser oder Fahrstühle zu bauen.
Diese Optionen würden ganz neue Möglichkeiten eröffnen, wie zum Beispiel die Nutzung der Dachterrasse, die bisher nicht zugänglich ist. Ebenso birgt das Warenhaus auch hinter den Verkaufsräumen Potenzial.

Diesen Panoramablick über die Altstadt-Spandau aus dem Restaurant im Obergeschoss der Galeria-Filiale könnten zukünftig vielleicht wieder alle Spandauerinnen und Spandauer genießen.
Jessica NeumayerAls Karstadt vor 1993 noch Hertie war, wurde das Gebäude auch als Binnenlager genutzt. Von Spandau aus wurden Waren in andere Filialen geschickt. Diese ungenutzte Fläche könnte zu Büroräumen umgebaut werden, wenn den Anträgen zur Umnutzung zugestimmt wird, betont Busch-Petersen.
Kretschmar wird bezüglich des Potenzials, das im Warenhaus steckt, noch konkreter. „Die Leute wollen nicht nur shoppen. Sie wollen einen Wohlfühlort zum Verweilen“. Die Filialleiterin möchte mit Events die Menschen ist Haus holen. Kochkurse, Modeschauen, Weinverkostung und Erlebniswelten sind ein paar Ideen, die sie schon auf ihren Notizzettel hat.
Sektbar, Eventetage und junge Zielgruppen
Vielleicht wird es auch in Zukunft auf jeder Etage eine Gin-, Wein- oder Sektbar geben oder im Untergeschoss eine Markthalle. „Man muss über den Tellerrand hinaus schauen“, bestätigt Busch-Petersen.
Für die vierte Etage sei Kretschmar auch mit dem E-Sport-Team Eintracht Spandau und dem Online-Marketing-Unternehmen Instinct3 im Gespräch, um auch die jüngere Zielgruppe anzusprechen. „Wir wollen ein Ort für alle Altersgruppen sein.“
Galeria-Karstadt ist der Anker, um die Altstadt lebendig zu halten, sagt Gäbler „Das Warenhaus ist das Gegengewicht zu den Spandau Arcaden“. Die neuen Ideen für das Warenhaus sollten darauf abzielen, die Altstadt als Ort zu sehen, an dem sich soziale und wirtschaftliche Strukturen verbinden, zum Beispiel durch Ärztehäuser oder Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten. Die dann auch Laufkundschaft bringen.
Um dieses Ziel zu erreichen, habe der Senat in den letzten Jahren auch zirka 33 Millionen Euro in die Altstadt Spandau investiert, laut Aussage Gaeblers. Finanziert wurde damit unter anderem die Erneuerung der Uferpromenade, der zukünftig Umbau des Marktplatzes und die bald fertiggestellte Musikschule Spandau.



