Nach der Wahl in Berlin: Wie kam der Clan-Chef auf die Wahlparty?

Wahlparty des Landesverbandes der Linken in Berlin im Festsaal Kreuzberg.
Maria Neuendorff- Auf einer Linken-Wahlparty in Berlin tauchten Issa Remmo und Ibrahim Ibrahim auf.
- Remmo war laut Linken nicht eingeladen und wurde im Ballhaus Neukölln verwiesen.
- Festsaal Kreuzberg hatte strenge Einlasskontrollen – Neukölln war öffentlich mit Anmeldung.
- Ibrahim zeigte Fotos mit Ferat Koçak, er unterstützt PFLP und Hisbollah.
- Elif Eralp distanzierte sich von Gewaltverherrlichung und gab ein Schutzversprechen ab.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Linke ist in Berlin nach der Wahl zum ersten Mal stärkste Kraft. Doch bevor die Partei das am Sonntag so richtig feiern konnte, folgte schon der Skandal. Der berühmt-berüchtigte Clan-Chef Issa Remmo war unter den Gästen der Wahlparty. Ein Foto der Berliner Morgenpost zeigt den 58-jährigen gebürtigen Beiruter im hellblauen Sakko, wie er unter den Feiernden den Daumen in die Höhe reckt.
Die Mitglieder seiner Großfamilie wurden in den vergangenen Jahren für zig schwere Straftaten verurteilt. Der Remmo-Clan wird auch für den Münzraub im Berliner Bodemuseum sowie den Juwelenklau im Grünen Gewölbe in Dresden verantwortlich gemacht.
Elif Eralp, die als erste Linken-Bürgermeisterin in das Rote Rathaus einziehen könnte, wurde noch am Sonntagabend im ZDF-Interview mit seinem Erscheinen konfrontiert: „Er war nicht eingeladen und wurde wieder rausgeschickt“, sagte die siegreiche Spitzenkandidatin.
Doch wenn er nicht eingeladen war, wie gelangte der Clan-Chef denn überhaupt hinein? Dazu muss man vielleicht erklären, dass es am Sonntagabend zwei große Wahlpartys der Linken in Berlin gab, was auch einige Medien in ihrer Berichterstattung durcheinanderbrachten.
500 Anmeldungen für die Wahlparty in Neukölln
Elif Eralp und ihr Landesverband feierten die ersten Hochrechnungen im Festsaal Kreuzberg, während der Bezirksverband Neukölln im Ballhaus Neukölln am Kottbusser Damm zum gemeinsamen Wahlabend lud.
Im Festsaal in Kreuzberg an der Spree mit großem Biergarten war der Einlass sehr streng. Selbst Journalisten kamen nur rein, wenn sie auf der Gästeliste standen. Jeder Besucher bekam ein Bändchen. „Die Wahlparty der Linken Neukölln war dagegen eine öffentliche Veranstaltung, zu der auch ungeladene Personen Zutritt hatten“, betont Diana Buhe, Pressesprecherin der Linken.
Ganz so einfach war das aber nicht. Denn auch für diese Wahlparty musste man sich vorher online registrieren: „Wir haben über 500 Anmeldungen, deswegen kommen wir aber auch an die Kapazitätsgrenze unserer Räumlichkeiten“, schrieb Kai Weluda vom Wahlstab der Neuköllner Linken noch am Sonnabendabend in einer Rundmail.
Und er wendete sich an die, die das im Vorfeld getan hatten. „Bitte habt Verständnis dafür, wenn es zu Wartezeiten beim Einlass kommt. Wir können auch leider keine weiteren Anmeldungen mehr annehmen.“
Wie sich also Issa Remmo Zutritt verschaffte, dazu gab es auf Anfrage bisher noch keine Stellungnahme. Yossi Bartal, der Kolumnen für das Neue Deutschland schreibt, gehörte anscheinend zu den ersten, die ihn im Ballhaus Neukölln entdeckten.
„Kurz vor 18 Uhr schlich sich ein älterer Mann zu den Kandidat*innen auf der Linken-Wahlparty in Neukölln“, schreibt der Berliner auf der Social-Media-Plattform „Bluesky“. „Niemand erkannte ihn. Ich sprach ihn an, begriff nach einer Minute, dass es Issa Remmo war, und informierte das Organisations-Team. Danach wurde er sehr deutlich aus dem Saal verwiesen.“
Das galt aber scheinbar nicht für Terror-Unterstützer Ibrahim Ibrahim, der sich auf der Neuköllner Party sogar mit Linken-Bundestagsmitglied Ferat Koçak aufnehmen ließ und das in den sozialen Medien postete. Der palästinensische Aktivist lobt unter anderem öffentlich Terrororganisationen wie PFLP und Hisbollah, die Israels Existenz beenden wollen.
Schon im Berliner Wahlkampf waren die Linken immer wieder mit Antisemitismus-Vorwürfen konfrontiert. Im Mittelpunkt stand meistens der Bezirksverband Neukölln. Für den jüngsten Skandal sorgte im August der Auftritt des Rappers Dahabflex. Auf einer Kundgebung unter dem Motto „Wütend auf den Kapitalismus“ soll er unter anderem „Death to the IDF“ (Tod den israelischen Streitkräften) gesungen haben.
Linke wollen polizeiliche Befugnisse begrenzen
Spitzenkandidatin Elif Eralp distanziert sich immer wieder von solcherart Vorfällen. Gewalt- und Terrorverherrlichung seien inakzeptabel, sagte sie am Montag auf der Bundespressekonferenz zu den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Ihre Person stehe im Gegenteil für den Schutz von jüdischem Leben. „Ich gebe ein Schutzversprechen ab: Ich werde alles dafür tun, damit jüdische Menschen, muslimische Menschen, queere Menschen sich sicher fühlen..“
Allerdings will die Linkspartei die polizeilichen Befugnisse eher begrenzen und die aus ihrer Sicht zu kostspielige Aufrüstung der Beamten stoppen. Die frei werdenden Mittel sollen stattdessen in Straßensozialarbeit und Jugendhilfe gesteckt werden.
Was Clan-Boss Issa Remmo angeht, so sucht er nicht das erste Mal die Nähe zur Politik. Anfang 2025 besuchte er das Berliner Abgeordnetenhaus, bei dem es ebenfalls Einlasskontrollen gibt. Sein Sohn postete danach Bilder auf Instagram. Ein CDU-Abgeordneter bestritt, eine direkte Einladung ausgesprochen zu haben. Er habe lediglich eine syrische Gruppe zum Besuch ins Abgeordnetenhaus geladen, hieß es.



