Wahl in Berlin 2026: Welche Erwartungen Wähler an die neue Regierung haben

Menschen gehen im Wahllokal auf dem Gelände der Khadija Moschee in Berlin-Pankow wählen.
Christoph Soeder/dpa- Berlin wählte ein neues Abgeordnetenhaus – Wähler berichten von Erwartungen und Sorgen.
- Mieten und Wohnungsnot dominieren: Umbau leerer Büros zu Wohnungen wird gefordert.
- Müll, viele Baustellen und Parkplatzsuche belasten den Alltag in mehreren Kiezen.
- Briefwahl war stark nachgefragt, teils wegen Erfahrungen mit der Pannenwahl 2021.
- Parteienwahl variiert: Ablehnung von Antisemitismus, Skepsis gegenüber Enteignungen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Vor dem Wahllokal in Berlin-Schöneberg, nur ein paar Minuten vom Kudamm entfernt, ist es am Vormittag noch sehr ruhig. Es sind hauptsächlich ältere Menschen, die ihre Stimme abgeben. Wolfgang (86) hat auf dem Weg zum Bäcker den Urnengang erledigt. „Ich hoffe, dass wir nach der Wahl alle sagen können, dass wir vernünftig abgestimmt haben“, erklärt der Berliner.
Er wollte die politische Mitte stärken, berichtet der Rentner. An der Linken gefällt ihm aber, dass sie die Mieten als wichtigstes Thema auf der Agenda hat. „Ich habe zwar das Glück, in einer städtischen Wohnung zu leben. Aber es muss was passieren. Die Wohnungsnot ist ein riesiges Problem.“
Vier Kilometer südlich hat Sally Gonzales sich mit ihrer zwölfjährigen Tochter auf den Weg ins Wahllokal in der Gemeinschaftsschule im Wohnviertel in Friedenau gemacht. „Ich wollte, dass mein Kind mitbekommt, wie Demokratie funktioniert“, sagt die 50-jährige Lehrerin.
Parkplatznöte und Müllprobleme in Berlin
Sie wünscht sich von der neuen Regierung weniger Baustellen und Dreck. Auch deshalb hat sie ihre Zweitstimme dem Direktkandidaten Orkan Özdemir gegeben. Der 44-Jährige hatte während des Wahlkampfs Nachbarn zu gemeinsamen Reinigungsaktionen auf Spielplätzen eingeladen. „Die Kinder haben einen kleinen Besen geschenkt bekommen, das fand ich eine gute Aktion“, sagt die Wählerin.
Wie viele Berliner hat sie den Eindruck, dass es mehr Müll in den Straßen gibt. Auch die vielen Baustellen nerven sie. Sie wünscht sich, dass das Parken in ihrem Wohnkiez kostenpflichtig wird. „Ich suche manchmal über eine Stunde einen Parkplatz.“ Auch deshalb habe sie ihre Erststimme den Grünen gegeben. Die Linken wollte sie aufgrund der Antisemitismus-Vorfälle nicht wählen.
Äußerungen und Positionierungen aus dem Neuköllner Bezirksverband der Partei zum Nahostkonflikt sowie der umstrittene Auftritt eines Rappers auf einer Wahlveranstaltung der Linken hätten sie abgeschreckt. „Ich finde schlimm, was da im Gazastreifen mit den Palästinensern geschieht. Aber Antisemitismus geht gar nicht“, sagt Sally Gonzales.
Die Hochburgen der Linken liegen sowieso eher auf der anderen Seite des Brandenburger Tors. Auch vor dem Rathaus Mitte, unweit vom Alexanderplatz, geht es am frühen Nachmittag eher gemächlich zu. Robert (49), der mit seiner zehnjährigen Tochter im ersten Stock noch auf seine Frau wartet, findet Berlin trotz aller Probleme lebenswert. „Die Stadt wirkt zwar unorganisiert, aber dafür ist das Leben hier entspannt und abwechslungsreich“, findet der Familienvater.
Sorgen macht er sich darüber, dass durch steigende Mieten und Verdrängung die Berliner Innenstadt irgendwann so werden könnte wie Frankfurt am Main. Der Angestellte eines Telekommunikationsunternehmens wünscht sich von der neuen Landesregierung, dass sie leer stehende Bürohäuser in Wohnraum umwandelt. Den Enteignungsvorschlag der Linken sieht der Berliner dagegen wie seine Frau Andrea eher kritisch. „Das würde keine neuen Wohnungen schaffen“, sagt die 40-Jährige, nachdem sie ihre Zettel in der Wahlurne versenkt hat.
Dass es am Nachmittag zu keinen nennenswerten Schlangen kommt, könnte auch an dem großen Anteil von Briefwählern liegen. Die Bezirkswahlämter stellten über 800.000 Briefwahlscheine aus, also für rund ein Drittel der Berechtigten.
Auch Manolya Karasan hat ihre Kreuze lieber schon vor einer Woche gemacht. „Ich bin noch geschädigt von der Pannenwahl 2021. Da stand ich ewig mit Baby in der Schlange“, sagt die Mutter aus Charlottenburg. Nun kann sie mit ihrer fünfjährigen Tochter entspannt zu einer Familienfeier fahren. Ihre Stimmen hat sie der SPD und den Linken gegeben.
Neben dem Mieten-Problem seien für sie Kriminalität und Sozialbetrug große Themen, betont sie. „Manchmal bin ich so gefrustet, dass ich schon überlegt habe, AfD zu wählen. Aber das mache ich natürlich nicht“, sagt die 46-Jährige mit türkischen Wurzeln. Karasan wünscht sich vom neuen Senat vor allem mehr Unterstützung für Alleinerziehende.
Rentnerin beklagt Dreck, Müll und Gleichgültigkeit
In ihrem Kiez in der Nähe der Kantstraße kommt die AfD im Schilderwald kaum vor. Auf der Karl-Marx-Allee in Mitte dagegen sind auffällig viele große AfD-Plakate angebracht. Auch Christel aus Friedrichshain, Jahrgang 1941, ist eine von den Berlinern, die extrem unzufrieden mit den Zuständen in der Stadt sind. „Ich bin in der DDR aufgewachsen. So viel Dreck, Müll und Gleichgültigkeit wie heute habe ich noch nie erlebt“, ärgert sich die Rentnerin.
Das sei aber noch lange kein Grund, die AfD zu wählen. „Deutschland hat schon zwei Kriege angezettelt“, betont die Frau mit den schlohweißen Haaren. Sie selbst habe das am eigenen Leibe erfahren. Nun macht sie sich große Sorgen um die Zukunft der Enkel und Urenkel. „Ich finde, dass die Politiker wieder miteinander reden müssen, anstatt immer nur zu eskalieren.“


