Neuer Laden in Spandau: Expo-Shop in den Arcaden – das steckt dahinter

Ein neuer Laden in den Spandau Arcaden: Einkaufen ist hier nicht möglich. Was der Expo-Store dennoch zu bieten hat und wofür er steht.
Jessica NeumayerIn Spandau hat ein neuer Laden eröffnet. Ein richtiges Geschäft ist es nicht, ein Einkauf nicht möglich. Dennoch erweckt die neue Ladenzeile in den Spandau Arcaden Aufmerksamkeit. Was steckt dahinter?
Wer will nicht in einer Welt ohne Armut und Hungerleiden, dafür in Frieden und Gesundheit leben? Das sind nur vier der insgesamt 17 Ziele, die die Vereinten Nationen (UN) definiert haben. Bis 2030 sollen alle Mitgliedsstaaten diese Ziele erreichen. Im neuen Expo-Store, in den Spandau Arcaden, wird gezeigt, wie das gehen könnte.
So sieht der neue Expo-Store in den Spandau Arcaden aus
Seit Ende August 2024 gibt es den Store in Spandau. Besucherinnen und Besucher werden von einem weißen Raum mit grünen Akzenten empfangen. An den Wänden hängen viele Fotos mit Infotexten zu nachhaltigen Projekten aus verschiedenen Bereichen. In der Mitte steht ein runder bunter Ping-Pong-Tisch.
„Expo 2035 Berlin – Ganz Berlin eine Weltausstellung“ steht über die gesamte Wand am Ende des Raums geschrieben. Daneben hängt der Zeitplan, wie das erreicht werden soll. Der Store wird vom Verein Global Goals gleitet und ist nur eines ihrer kreativen Projekte.

Expo-Store-Mitarbeiter Jacob Witte präsentiert in Spandau Postkarten mit Zukunftsideen für Berlin. Zu den Bildern auf den Postkarten gibt es auch eine Ausstellung. Im Hintergrund: Projektideen.
Jessica Neumayer„Unser zweiter Store im Europa Center ist schon etwas besser bestückt“, kommentiert Store-Mitarbeiter Jacob Witte die noch spärliche Einrichtung. Derzeit arbeitet er an einem Stehtisch im Shop, hinter ihm ein Regal mit T-Shirts und Beuteln, die an Interessenten kostenfrei vergeben werden können.
Store in Spandau zeigt nachhaltige Projekte für Berlin
Den zweiten Store am Ku’damm gibt es seit Anfang 2024. Die Idee kommt gut an. „Wo könnte man denn besser ins Gespräch kommen, als in einem Einkaufszentrum?“, sagt der Mitarbeiter. Um Ziele zu erreichen, müsse Präsenz gezeigt werden. „Die Arcaden sind da ein wichtiger Anlaufpunkt.“
Jacob Witte und das Expo-2035-Team aus zirka 25, teilweise ehrenamtlich arbeitenden Personen wollen Menschen informieren, vernetzen und nachhaltige Projekte hervorheben. „Es ist logisch, dass nicht alle Ziele von heute auf morgen erreichbar sind, aber irgendwo muss man ja anfangen“, sagt der 18-Jährige.

Neben den Expo-Stores macht der Verein Global Goals durch Aktionen auf sich aufmerksam, zum Beispiel durch 17 weiße Klaviere, die berlinweit an öffentlichen Plätzen stehen oder bunte Ping-Pong-Tische.
Jessica Neumayer„Bis 2035 wollen wir Berlin zu einem Leuchtturm der Nachhaltigkeit machen“, führt Witte aus, „und damit für unser Konzept für die Expo 2035 begeistern“. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt sich der Verein unter anderem für die Beschleunigung der Genehmigungsverfahren für nachhaltige Lösungen ein oder dafür, dass die nachhaltigsten Produkte die attraktivsten Geschäftsmodelle werden.
Die Umsetzung vieler Projekte scheitere häufig an veralteten Gesetzgebungen, sagt Witte. So könne zum Beispiel ein innovatives Bauprojekt nicht realisiert werden, weil der pyramidenartige Bau zu hoch für Bauvorschriften, die sich noch an früheren Standards orientieren, sei. Ebenso sei ein Freibad in der Spree wegen veralteten Schiffverkehrsregeln nicht möglich.
Ideen für Nachhaltigkeit in Politik und Wirtschaft
„Wir wollen, dass die Expo 2035 nicht nur schöne, sondern auch sinnvolle Projekte zeigt“, sagt Witte. So werden nachhaltige Lösungen aus Politik, Wirtschaft, Energie, Klima- und Tierschutz gesammelt, um ein Konzept zu erstellen, dass Berlin zur Vorzeigestadt macht, die erprobte Lösungen weltweit anbieten kann. Der Store bietet die Ausstellungsfläche für die gesammelten Ideen.
Um das Ziel einer bessern Welt zu erreichen, sei für vor allem die Gemeinschaft wichtig, sagt Witte. „Wir bringen alle Projekte der Einzelbemühungen zusammen“, sagt er und betont, dass viel mehr erreicht werden könnte, wenn alle eine gemeinsame Agenda verfolgen würden.
Witte kennt auch die Hürden. Er weiß, dass einem gemeinsamen Plan viele Einzelinteressen entgegenstehen. Daher müsse das, was schiefläuft, benannt werden. „Und es muss deutlich werden, was gefördert werden sollte.“
250.000 Unterstützer und 2500 Vorbildprojekte bis 2035
„Bis 2035 wollen wir 250.000 Gesichter zusammen haben, die unsere Idee unterstützen und eine Gemeinschaft bilden“, sagt Witte. Mindestens 2500 Projekte sollen dann mit Vorbildcharakter als positive Beispiele dienen.
Der Store ist nur ein Weg, kreativ auf die Ziele des Vereins aufmerksam zu machen. Bei einer anderen Aktion wurden berlinweit 17 weiße Klaviere passend zu den 17 Zielen der UN positioniert. Die Aktion bekäme viele positive Rückmeldungen, sagt Witte. „Das Feedback zeigt uns, dass die Idee die Menschen zusammenbringt.“
Einmal sei ein Klavier aus einem Park aufgrund von Beschwerden der Anwohner woanders hingebracht worden. „Wir haben danach unzählige Mails bekommen, wo das Klavier hin ist und dass es so schön war, im Park gemeinsam Musik zu machen.“
Bis Anfang 2025 wird der Expo-Store noch in den Spandau Arcaden zu finden sein und darüber informieren, dass Ökologie und Ökonomie kein Widerspruch sein dürfen, und dass eine positive Zukunft in Frieden und Freiheit möglich sein kann, wenn alle zusammen arbeiten.


