Parkplatz in Berlin
: KI und Pilotprojekt, darauf können sich Autofahrer einstellen

Parkplatzsuche sorgt in Berlin täglich für Frust und Stau. Jetzt sollen neue Projekte Entlastung bringen. Lichtenberg, Prenzlauer Berg, Panketal und Olympiastadion sind im Fokus. Was ist geplant?
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Autos parken dicht an dicht auf dem Mittelstreifen vom Kurfürstendamm.

Autos parken dicht an dicht auf dem Mittelstreifen vom Kurfürstendamm. Gerade innerhalb des S-Bahn-Rings herrscht in Berlin vielerorts Parkplatznot.

picture dpa/Sören Stache

Rund um das Olympiastadion und Veranstaltungshallen in Berlin herrscht regelmäßig Verkehrschaos. Das sorgt nicht nur bei den Fans für Frust, sondern auch bei Anwohnern. Wenn Besucher von Olympiastadion, Max-Schmeling-Halle oder Europapark keinen Parkplatz finden, weichen sie oft auf umliegende Straßen aus.

Als am 9. November das erste Mal die National Football League (NFL) im Olympiastadion zu Gast war, richtete die Berliner Polizei deshalb sogar eine weiträumige Sperr- und Halteverbotszone  ein.

Die Fans sollten mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. Denn im unmittelbaren Umfeld des Stadions gab es, bis auf Behinderten-Parkplätze, an diesem Tag keine öffentlichen Stellflächen.

Parken in Berlin - Fans suchen 20 Minuten nach Parkplatz

Dabei sind gerade Sport- und Musikfans aus dem Brandenburger Umland häufig auf das Auto angewiesen. Laut einer Erhebung aus dem Jahr 2024 sucht jeder vierte Stadionbesucher in Deutschland mehr als 20 Minuten nach einem Parkplatz.

Dazu hatte das Marktforschungsinstitut Censuswide im Auftrag der EasyPark Group in Deutschland 1000 Autofahrer und Autofahrerinnen befragt, die angaben, auch Fußballfans zu sein.

Die Umfrage ergab, dass fast ein Fünftel der Fußballfans frühzeitig das Stadion verlässt, um rechtzeitig bei ihrem Auto zu sein. „Viele haben Angst vor Strafzetteln, da sie nur für drei Stunden Parkgebühr vorher gezahlt haben“, erklärt Mario Feghali, Leiter Kundenbetreuung und Marketing beim digitalen Parksystemanbieter Avantpark. „Oft kommen Fans deutlich früher, um sich einen Platz zu sichern. Das führt jedoch nur dazu, dass sich der Verkehr noch früher staut“, berichtet Feghali.

Im Berliner Olympiastadion kommen auf über 74.000 Zuschauer nur 815 offizielle Parkplätze. Der zuständige Bezirksstadtrat in Charlottenburg-Wilmersdorf, Oliver Schruoffeneger, bestätigt die Probleme bei Großveranstaltungen im Olympiastadion. Im Bezirk sei die Parkraumbewirtschaftung aber nicht in dem Maße digitalisiert, wie es von dem Unternehmen vorgeschlagen wird. Diese einzuführen sei Sache der Senatsverwaltung.

Kamerabasierte Kennzeichenerfassung

„Es fehlt weniger an Stellplätzen als an Struktur und Transparenz“, betont Feghali. Viele Flächen in Berlin würden unkoordiniert genutzt, weil sie nicht digital erfasst seien. Avantpark bewirtschaftet Parkflächen, insbesondere in den Bereichen Einzelhandel, Gastgewerbe, Gesundheitswesen sowie bei Kommunen.

Die digitale Parkraumbewirtschaftung, die der Anbieter auf privaten Flächen anwendet, ermöglicht es Autofahrenden, auch per App die Gebühr zu bezahlen. Dabei stellen Anbieter die Tools zur Verfügung, um innerhalb eines Zeitraums von 24 Stunden nach dem Parkvorgang digital bezahlen zu können. „So müssen Fans nicht mehr vor Abpfiff das Spiel verlassen“, erklärt Feghali.

Durch kamerabasierte Kennzeichenerfassung ließen sich Zufahrten steuern und Parkberechtigungen überprüfen. Nutzer können zudem ihren Stellplatz bereits vor der Anreise, etwa per App, reservieren.

Eine Ausweitung der digitalen Parkraumbewirtschaftung könnte zur Entlastung der Infrastruktur nicht nur bei Sportveranstaltungen führen, sagt Feghali. „Indem Stellplätze besser geplant, frei gemacht und in Echtzeit angezeigt werden." Unter „frei machen“ versteht er die flächendeckende Kontrolle von Falschparkern. Dazu gab es in Berlin schon ein Pilotprojekt, das aber aus Datenschutz-Gründen auf Eis liegt. Getestet wurden Scan-Cars, die die Straßen abfahren und Falschparker aufspüren.

Für den Einsatz von Scanfahrzeugen fehle es an ausreichenden straßenverkehrs- wie datenschutzrechtlichen Grundlagen, erklärt Michael Herden, Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung. Diese müssten auf Bundesebene geschaffen werden, um einen „Flickenteppich“ zu vermeiden.

In Berlin werde daran gearbeitet, zunächst die Parkberechtigungen zu digitalisieren. „Bevor diese nicht abgerufen werden können, erübrigen sich Überlegungen zu deren automatischer Überwachung“, betont Herden. Auch müssten erst technische Voraussetzungen zur Überwachung geschaffen werden. Die Grundlagen, die dafür notwendig sind, würden jedoch vorangetrieben.

Bei Avantpark geht es vor allem um die Bewirtschaftung privater, klar abgegrenzter Parkflächen. „Die Kameras an Ein- und Ausfahrten erfassen ausschließlich die Kennzeichen, nicht die Personen“, heißt es vom Unternehmen.

Parkplatz für zwei Euro die Nacht

Die Nutzer geben ihr Kennzeichen vor der Ausfahrt in den Automaten ein, begleichen die Gebühr und verlassen den Parkplatz. „Eine Halterabfrage beim Bundesverkehrsamt erfolgt nur, wenn ein Parkverstoß festgestellt wird“, heißt es vom Anbieter.

Im öffentlichen Straßenraum seien höhere Aufwendungen mit geringerem Nutzen zu erwarten, betont Julia Mösch vom Bezirksamt Mitte. In ihrem Bezirk sei jedenfalls kein Projekt im öffentlichen Straßenraum vorhanden oder geplant. „Eine berlinweite Steuerung wäre jedoch wünschenswert.“

Dafür hat Europas Marktführer für digitales Parkraummanagement, das Münchner Unternehmen Wemolo, ein Pilotprojekt gestartet, bei dem Getränkehändler Hoffmann drei Kundenparkplätze nachts für Anwohner öffnet.

Die Stellplätze in Lichtenberg, Prenzlauer Berg sowie in Panketal sind von abends bis morgens zu mieten. Los geht es ab zwei Euro pro Nacht. Günstiger wird es im Abo: acht Euro pro Woche oder 20 Euro pro Monat. Zum Vergleich: Die Gebühren für Anwohnerparkausweise steigen 2026 von 20,40 auf 160 Euro.

Auch Berlins einwohnerreichster Bezirk will eine Untersuchung zu Parkzonen in Auftrag geben. „Ziel ist es, den aktuellen Bestand sowie die Auslastung in den Zonen neu zu erfassen, um zu überprüfen, ob eine Gebührenanpassung angemessen ist“, erklärt Sprecher Tobias Schietzelt. „Der knappe Straßenraum muss effizienter, stadt- und umweltverträglicher und gerechter gestaltet werden, um den Anforderungen einer modernen und zukunftsfähigen Stadt gerecht zu werden.“

Für das Pilotprojekt des Getränkeherstellers wurden Orte in Prenzlauer Berg, Lichtenberg und Panketal ausgesucht, an denen es oft zu Parkplatz-Chaos kommt. Einer liegt am Velodrom. Die Veranstaltungshalle am S-Bahnhof Landsberger Allee sowie die benachbarte Schwimmhalle haben keine Besucherparkplätze. Veranstaltungen mit bis zu 12.000 Besuchern verstopften die wenigen öffentlichen Plätze, heißt es in einer Presseerklärung von Wemolo und dem Getränkehändler.

KI-Kameras statt Schranken und Parktickets

Auch bei den Nachtparkplätzen auf dem Supermarktgelände werden KI-Kameras zur automatischen Kennzeichenerkennung genutzt –ohne Schranken und Tickets. Die Technologie sei datenschutzkonform und bereits an 3.500 Standorten in Europa im Einsatz - zum Beispiel bei McDonald’s oder Aldi, heißt es weiter.

Das Berliner Pilotprojekt wird von Wissenschaftlern des Urban Places Lab begleitet. „Berlin wird zum Reallabor für smarte Flächennutzung ", freut sich Mitbegründer Michael Semmer. Die Daten sollen in die größte europäische Datenbank zur urbanen Transformation einfließen. „Die Erkenntnisse daraus werden dann zur Blaupause für Berlin und andere europäische Metropolen.“