Sperrung in Berlin
: Torstraße in Mitte wird fünf Jahre Baustelle - die Folgen

Diskussionen um Sanierung: In Berlin-Mitte soll die Torstraße großspurig umgebaut werden. Das sind die aktuellen Pläne. Was heißt das für Anlieger und Pendler?
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Die Torstraße in Berlin-Mitte soll in ihrer vollen Länge zwischen Friedrichstraße und Prenzlauer Allee saniert und umgebaut werden.

Maria Neuendorff
  • Berlin-Mitte: Torstraße wird ab 2026 auf 2 km Länge umfassend saniert – Bauzeit fünf Jahre geplant.
  • Zwei Fahrspuren je Richtung bleiben, Kritik von Anwohnern und Umweltverbänden an Platzmangel.
  • Neue Radwege vorgesehen, aber Konflikte mit Fußgängern und Sicherheitsbedenken an Kreuzungen.
  • 40 Bäume werden gefällt, nur 29 nachgepflanzt – Proteste gegen umstrittene Pläne.
  • Bauabschnitte starten 2026, erste Phase bis 2028, zweite von 2029 bis 2031 – Infoveranstaltung 2025.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Torstraße in Berlin-Mitte gehört zu einer der wichtigsten Ost-West-Verbindungen. Über ihren Umbau ist eine Diskussion entbrannt. Ab 2026 soll sie in ihrer vollen Länge von rund zwei Kilometern vom Oranienburger Tor (Chausseestraße/ Friedrichstraße) bis zum Prenzlauer Tor (Karl-Liebknecht-Straße/ Prenzlauer Allee) fünf Jahre lang saniert werden.

Dabei werde die Torstraße, die schwere Schäden aufweist, auf ihrer gesamten Breite von Grund auf erneuert und umgestaltet, heißt es von der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt.

Laut den Plänen soll es auch künftig je Richtung zwei Spuren für den Autoverkehr geben. Die Grünen, die 2022 noch an der Macht waren, hatten ursprünglich einen anderen Plan vorgelegt. Damals sollte die Torstraße zweispurig werden, nur einen Fahrstreifen für Pkw bereithalten.

Baustelle in Berlin – Kritik an vierspurigem Ausbau

„Nach der Veröffentlichung der ersten Planungen wurden sowohl durch Anlieger und Gewerbetreibende als auch durch Träger öffentlicher Belange wie Feuerwehr und Polizei Bedenken gegen die Querschnittsgestaltung geäußert, die eine Überprüfung der Planung für erforderlich machten“, erklärt die inzwischen CDU-geführte Verkehrsverwaltung.

Der neue, autofreundliche Plan schränkt dafür aber den Platz auf dem Bürgersteig ein. Gastronomen fürchten, dass dadurch ihre Außen-Plätze stark eingeschränkt werden.

Die Torstraße ist zwar keine typische Flaniermeile, doch es gibt durchaus beliebte Kneipen, Cafés und Bistros, sodass sich die Straße besonders auf Höhe des Rosenthaler Platzes sowie rund um den U-Bahnhof Rosa-Luxemburg-Platz an lauen Sommerabenden in eine kleine Partymeile wandelt.

Die Torstraße verbindet auch die Ausfallstraßen miteinander. Sie wurde im 18. Jahrhundert zusammen mit der „Berliner Zollmauer“ eingerichtet und verband damals die Tore, die durch die historische Mauer in das ursprüngliche Berlin führten – den heutigen Stadtteil Mitte.

Vier Spuren nur im Berufsverkehr

„Ein vierspuriger Ausbau wäre aber nur erforderlich, wenn die durchschnittliche werktägliche Verkehrsstärke mehr als 30.000 Kfz beträgt“, kritisieren Mitglieder der Initiative Changing Cities. In der Torstraße lag diese Zahl 2023 jedoch bei gerade mal 16.339 Kfz. „Soll hier durch unnötige Verbreiterung von Straßen neuer Kfz-Verkehr angezogen werden?“, fragt die Initiative in einem Statement.

Die Senatsverwaltung bestätigt die Zahlen. „Die Entscheidung zur Realisierung von vier Fahrstreifen resultiert aus der vorhandenen Verkehrsbelastung in den verkehrsstarken Tageszeiten“, entgegnet Behörden-Sprecher Michael Herden.

Die Nutzung von vier Fahrstreifen werde demnach auch nur in den Früh- und Spätspitzen (6 bis 9 Uhr sowie 15 bis 18 Uhr) möglich sein, um die Leistungsfähigkeit der Torstraße zu gewährleisten. „Außerhalb dieser Zeiten werden die jeweils rechten Fahrstreifen für das Parken freigegeben, sodass in der meisten Zeit des Tages eine „Einstreifigkeit“ pro Richtung auf der Torstraße herrschen wird“, erklärt Herden.

Parkplätze in Berlin-Mitte bleiben zum Teil erhalten

So blieben auch 130 Parkplätze zumindest an den Tagesrandzeiten erhalten. Dazu sind zwei Radwege geplant. Diese fehlen bisher auf der Torstraße. Der Radstreifen von Osten nach Westen soll auf der Straße verlaufen, der in der Gegenrichtung auf dem Bürgersteig.

Weil sich Fußgänger und Radfahrer den Platz auf dem südlichen Gehweg teilen müssen, könnte es dort eng bis gefährlich werden, befürchten Kritiker. „An der Brunnenstraße hört der Rad-Schutzstreifen Richtung Osten plötzlich vor der Kreuzung auf. Doch in einer Hauptstraße wie der Torstraße muss laut Mobilitätsgesetz ein geschützter Radweg angeordnet werden“, sagt Ragnhild Sørensen von Changing Cities. An der Gartenstraße kreuzten zudem Fahrradstraße und Schulweg die Torstraße ohne Ampel. „Sachliche Planung, Innovationen und Zukunftsvisionen finden woanders statt“, betont Sørensen.

Für Kritik gerade unter den Anrainern sorgt auch, dass 40 Bäume gefällt, aber nur 29 nachgepflanzt werden, um die Sicht an den Kreuzungen zu verbessern.

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Diese Visualisierung zeigt, wie die umgebaute Torstraße in Berlin-Mitte nach dem Umbau ausehen soll.

bloomimage/SenMVKU

„Die Senatsplanungen für die Torstraße sind ein rückwärtsgewandtes Desaster für Lebensqualität, Verkehrswende und Verkehrssicherheit in der Hauptstadt“, findet deshalb auch Gabi Jung, Geschäftsführerin des BUND Berlin. „Obwohl die Straße alle Voraussetzungen hätte, zu einem attraktiven innerstädtischen Boulevard aufgewertet zu werden, ordnen sich alle Ziele dem unbedingten Erhalt als Autoschneise mit vier Fahrspuren unter“, kritisiert die Umweltschützerin.

Sicher ist, dass die Torstraße für Autofahrer ab dem kommenden Jahr erst einmal zum Hindernis wird. Die Bauarbeiten sollen laut Senatsverwaltung im dritten Quartal 2026 beginnen und in zwei Abschnitte unterteilt werden.

Fünf Jahre Sperrungen in Berlin-Mitte

Für den ersten Abschnitt von der Chausseestraße bis zum Rosenthaler Platz wird eine Bauzeit von etwa 2,5 Jahren erwartet. Der zweite Bauabschnitt vom Rosenthaler Platz bis zur Karl-Liebknecht-Straße soll Anfang 2029 beginnen und ebenfalls rund 2,5 Jahre dauern.

Die nächste Informationsveranstaltung zu dem Vorhaben findet am Mittwoch, 19. November 2025, ab 17.30 Uhr in den Räumen der Abteilung Tiefbau der Senatsverkehrsverwaltung an der Brunnenstraße 111 in Mitte statt. Eine vorherige Anmeldung per E-Mail unter der Adresse torstrasse@senmvku.berlin.de inklusive Angabe der Personenzahl ist notwendig. Schon bei der letzten Infoveranstaltung reichten die rund 100 Plätze nicht aus.

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