Das Bundeskartellamt hat der zur estnischen Liwathon-Gruppe gehörenden Alcmene GmbH grünes Licht zur Beteiligung an der PCK-Raffinerie im brandenburgischen Schwedt gegeben. „Die Liwathon-Gruppe ist bisher weder im Raffineriegeschäft noch in vor- oder nachgelagerten Geschäftsfeldern der Mineralölwirtschaft tätig. In wettbewerblicher Hinsicht bestanden daher gegen das Vorhaben keinerlei Bedenken“, sagte der Präsident des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt, am Dienstag in Bonn.
Die Wettbewerbsbehörde betonte allerdings auch, dass sich ihre Prüfung ausschließlich auf die möglichen wettbewerbsrechtlichen Auswirkungen eines Erwerbs beschränke. Ob der Anteilserwerb mit Blick auf andere als kartellrechtliche Fragen umgesetzt werden könne, sei offen.

Alcmene bekundet Interesse an PCK-Raffinerie

Der Hintergrund: Alcmene hatte bereits Mitte vergangenen Jahres mit dem Ölriesen Shell eine Kaufvertrag über dessen 37,5-prozentige PCK-Beteiligung abgeschlossen. Doch hatte das russische Staatsunternehmen Rosneft als aktueller Mehrheitsgesellschafter von PCK danach ein Vorkaufsrecht ausgeübt.
Die Raffinerie in Schwedt wird bisher über die Druschba-Pipeline mit russischem Öl versorgt. Wegen des geplanten Öl-Embargos gegen Russland sucht Wirtschaftsminister Robert Habeck alternative Ölquellen für die Anlage. Habeck zufolge hat der russische Betreiber wenig Interesse an der Umstellung.
Bereits im Mai hatte Alcmene auch ein Interesse an der Komplettübernahme der PCK-Raffinerie signalisiert. „Wir stehen bereit, die Raffinerie PCK Schwedt komplett zu übernehmen“, sagte Raul Riefler, Geschäftsführer der Alcmene-Gruppe, dem „Handelsblatt“. Alcmene gehöre zur estnischen Liwathon-Gruppe, einem Ölterminal-Betreiber.
Riefler sagte damals: „Wir verfügen vermutlich als Einzige über die technischen Ressourcen, innerhalb weniger Monate Ladevorrichtungen nach Schwedt zu verlegen, durch die eine in Kriegs- und Sanktionszeiten gegebenenfalls erforderliche Auslastung der PCK allein über den Bahnverkehr ermöglicht werden könnte.“