Promi-Shopping in Berlin: Wo man Kleider von TV-Stars oder GNTM gebraucht kaufen kann

Schauspielerin Theres Eglinski ist in ein Lederkleid von Kilian Kerner geschlüpft, das schon bei Germany’s Next Topmodel (GNTM) eine Rolle spielte. Im neuen Laden ist es für 150 Euro zu haben.
Maria NeuendorffDer neue Laden im Untergeschoss des Einkaufcenters in Berlin hebt sich schon von Weitem von den üblichen Filialen ab: Das Designer-Kleid aus roten Rosen, das eine der Schaufensterpuppen umhüllt, wurde schon von Sängerin Jasmin Wagner und der Fernsehmoderatorin Caroline Beil getragen.
Auch ein Seidenkleid, das schon die Modelfigur von Moderatorin Jana Ina Zarrella betonte, ist im Schaufenster zu sehen. Der absolute Hingucker ist aber das Leder-Outfit mit Schleife vor dem Dekolleté. „Das ist eine Einzelanfertigung des Designers Kilian Kerner und wurde von Kandidatin Liliana bei Germany’s Next Topmodel getragen“, erklärt Ekaterina Inashvili.
Shopping in Berlin: Kleider-Tausch am Potsdamer Platz
Als Beweis dafür hat die Ladenbesitzerin Instagram-Fotos ausgedruckt und an die einzelnen Teile geheftet. Auf ihnen sieht man die Promis in den zum Verkauf stehenden Outfits bei Werbefoto-Shootings oder auf dem roten Teppich.
Ein Blumen-Kleid, das Let’s Dance Jurymitglied Motsi Mabuse schon in der Fernsehshow trug, ist für 220 Euro zu haben. „Online muss man dafür mindestens 1300 Euro zahlen“, berichtet Inashvili. Das blauweiße Sommerkleid, das GNTM-Gewinnerin Simone 2019 während einer Promi-Party trug, hat sie gerade verkauft.

Ekaterina Inashvili in ihrem neuen Laden für Second-Hand-Mode am Potsdamer Platz.
Maria NeuendorffDoch wer in den neuen Laden im Einkaufcenter „The Playce“ am Potsdamer Platz kommt, muss nicht zwangsläufig Geld in der Tasche haben. „Man kann auch einfach tauschen“, sagt Inashvili. Erst gestern habe sie eine Kundin gehabt, die habe zahlreiche eher einfache Klamotten in ein Designerkleid „hochgetauscht.“ „Wir hatten bestimmt anderthalb Stunden zu tun. Sie hatte einen vollen Koffer dabei.“
Shopping in Berlin: Promi-Kleider zum Second-Hand-Preis
Die Erlöse gehen zu 50 Prozent in gemeinnützige Projekte. Dafür arbeitet Inashvili derzeit mit der Blue Man Group zusammen, die gleich nebenan im Musical Theater ihre Spielstätte hat und selbst regelmäßig Spenden für soziale Projekte unter den Gästen einwirbt. „Derzeit unterstützen wir den Caritas-Foodtruck, der in Berlin verschiedene Plätze anfährt, um Obdachlose mit Essen zu versorgen“, erzählt Inashvili.
Sie will aber jeden Monat weitere bekannte Künstler und Stars mit ins Boot holen und auch andere gemeinnützige Projekte unterstützen. Hilfe bekommt sie dabei von Theres Eglinski, die schon in TV-Produktionen wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, „Tatort“ oder „Ein starkes Team“ zu sehen war und an der Seite von Jürgen Vogel in der ZDF-Fernsehserie „Jenseits der Spree“ spielte.
Shopping in Berlin: Unterstützung von TV-Schauspielerin
Die beiden Frauen lernten sich Ende des vergangenen Jahres kennen, als sie ehrenamtlich bei der Obdachlosen-Weihnachtsfeier von Frank Zander mithalfen. „Ich finde den Wiederverwertungs-Gedanken des Ladens gut“, sagt Theres Eglinski, die in Cottbus geboren ist und in Potsdam lebt. „Für Filmsets und Fernsehproduktionen wird nach wie vor zu viel gekauft und dabei immer noch zu wenig auf Nachhaltigkeit geachtet“, weiß die 36-Jährige, die auch schon bei Fashion Week in New York auf dem Laufsteg stand.
„Aber wenn die Kostüme hier eine Weiterverwendung finden und mit dem Erlös auch noch was Gutes getan wird, dann ist doch allen geholfen“, findet Eglinski. „Dafür muss man das Rad doch eigentlich gar nicht neu erfinden.“
Promi-Shopping in Berlin: Inhaberin eröffnete Pop-up-Store
Damit der „Second Hand in the City Club Shop“ in ihrer Branche bekannter wird, will Theres Eglinski nun ein bisschen Werbung machen. Aber auch Ekaterina Inashvili ist gut vernetzt. Die 38-Jährige, deren Eltern aus der ehemaligen Sowjetunion stammen, hat selbst jahrelang im PR- und Marketing-Bereich gearbeitet, bevor sie sich in ihrem Heimatbezirk Charlottenburg den Traum vom ersten eigenen Laden erfüllte.
In dem Geschäft am Lietzensee verband sie damals noch exotische Kochkurse mit Ausstellungen und Kreativworkshops. Einige Jahre später eröffnete Inashvili eine Vintage-Boutique in Charlottenburg, die sie aber während der Corona-Zeit wieder aufgeben musste.
Im Untergeschoss des Einkaufszentrums „The Playce“ am S- und U-Bahnhof Potsdamer Platz hat die Unternehmerin die Räume für den Pop-up-Store erst einmal für drei Monaten mietfrei bekommen. Trotzdem habe sie zum Start aus eigener Tasche 6000 Euro für Kaution und Nebenkosten investieren müssen, berichtet sie.
Wenn sie die erste Phase als Start-up überstehe, möchte sie sich von rund 40 Quadratmeter auf rund 100 Quadratmeter vergrößern. „Dann will ich versuchen, den Betrieb mithilfe von monatlichen Mitgliedsbeiträgen zu finanzieren“, erklärt die Ladeninhaberin. „Ich habe ja jetzt schon Kunden, die kommen zwei bis dreimal die Woche hier her und tauschen Kleidung.“
Kleidertausch in Berlin: „Zu viel Besitz kann auch belasten“
Angefangen hat die Berlinerin vor zwei Wochen mit nur zwei Kleiderständern. Inzwischen ist der Laden gut bestückt. Auf den Bügeln hängen unter anderem elegante Abendroben und Sommerkleider der Designerin Marsour'i und von Kilian Kerner. Dazu gibt es Schuhe und Marken-Taschen von Gucci und Co., aber auch einfache Kinderklamotten zu Preisen von einem bis fünf Euro.

Ladenbesitzerin Ekaterina Inashvili (l.) und Schauspielerin Theres Eglinski im neuen „Second Hand in the City Club Shop“ am Potdamer Platz.
Maria Neuendorff„In Zeiten von Inflation und wirtschaftlichen Krisen wollen die Leute ihr Geld vielleicht für wichtigere Sachen als für immer neue Klamotten ausgeben“, glaubt Inashvili. In ihrem Laden könne man sich nobel einkleiden, ohne zu tief in die Tasche greifen zu müssen.
Die beigefarbenen Pumps von Jimmy Choo zum Beispiel, die sonst über 600 Euro kosten, sind dort gebraucht für 250 Euro zu haben. „Sie wurden nur einmal für ein Fotoshooting getragen“, betont Inashvili. Sie findet, der Kleider-Tausch könne generell dazu beitragen, sein eigenes Leben nicht zu vollzustopfen. „Zu viel Besitz kann auch belasten.“
Das Klientel, das am Potsdamer Platz lebt und arbeitet, passe gut in ihr Konzept, glaubt sie. „Der Laden zieht scheinbar vor allem kreative Menschen an“, hat sie in den ersten Wochen festgestellt. „Gestern kam eine Frau, die eine Agentur für Models mit Behinderungen betreibt“, freut sich die Ladenbesitzerin. Sie will vor allem netzwerken und gerne auch Workshops und Veranstaltungen zum Thema Second Hand und Glamour-Mode organisieren.
Inhaberin sicherte sich Möbel aus der Karstadt-Insolvenz
Die Tische und Schränke im Laden stammen aus der Karstadt-Insolvenz. Auch Bilder, die die Blue Man Group während ihrer Bühnenshow mit dem Mund gemalt haben, zieren nicht nur die Wände, sondern sind ebenfalls zu erwerben. „Es soll ja alles nachhaltig sein. Auch die Einrichtung“, erklärt Inashvili.
Die künstlichen Blumen, die den Eingang schmücken, gehörten noch vor ein paar Tage zur Deko der Filmpreisverleihung, die nur eine Passagenlänge vom Shop entfernt im Theater am Potsdamer Platz, gefeiert wurde. „Inzwischen haben schon Schauspieler angefragt, ob sie Kleider bei mir für Veranstaltungen leihen könnten“, sagt die Berlinerin froh.
Öffnungszeiten und Kontakt
Der „Second Hand in the City Club“ befindet im Untergeschoss des Einkaufszentrums The Playce (früher Potsdamer Platz Arkaden) an der Alten Potsdamer Straße 7, nur wenige Schritte vom unterirdischen Eingang zum Bahnhof Potsdamer Platz entfernt.
Geöffnet ist Montag bis Freitag von 12 bis 19 Uhr, Sonnabend von 12 bis 18 Uhr. Wer eigene Kleider vorbeibringen will, kann vorher einen Termin unter Telefon 0178 55 37 948 ausmachen.
Infos gibt es unter anderem auch auf Instagram.
Wer einen bekannten Namen hat, müsse dann auch nur eine Art Reinigungsgebühr bezahlen. Im Gegenzug posten die Promis Bilder von sich in den entsprechenden Outfits und bewerben wiederum dieses damit.
Inashvilis Traum wäre es, auch Prominente für die Berlinale auszustatten. Schauspielerin Theres Eglinski kann sich gut vorstellen, dass die Idee bei einigen aus ihrer Branche gut ankommen könnte. „Das ist schon so eine Sache, wenn man innerhalb von zwei Wochen zu sechs bis acht Veranstaltungen geht, und sich für jede ein neues Outfit kaufen muss.“




