Berlinale 2024 in Berlin
: Bar, Restaurant, Promi-Feeling – Essen und Kino am Potsdamer Platz

Berlinale 2024: Der Kino-Besuch am Potsdamer Platz in Berlin, wo das Festival-Zentrum ist, wird für manchen Besucher zur Herausforderung. Eine Kost-Probe zum Restaurant- und Bar-Programm.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Auch 2024 wird der rote Teppich wieder am Potsdamer Platz ausgerollt und das Theater zum Berlinale-Palast umgerüstet. Vom 15. bis zum 25. Februar steigt das Filmfest. Wir haben für Sie vorab das Programm der Bars und Restaurants gecheckt.

Jens Kalaene/dpa

Der „Boulevard der Stars“ am Potsdamer Platz in Berlin wirkt grau und abgewetzt. Die Sterne, auf denen Filmlegenden verewigt wurden, haben nicht nur ihren Glanz verloren, sondern scheinen sich im blassroten Asphalt der deutschen Version des „Walk of Fame“ langsam aufzulösen. Die erst 2010 errichtete 320 Meter lange Ehrenmeile wirkt wie ein Synonym für den weiteren Niedergang des Potsdamer Platzes.

Der vor 25 Jahren eröffnete urbane Stadtraum im Herzen Berlins soll vom 15. bis 25. Februar erneut zum Treffpunkt der internationalen Filmwelt werden. Der berühmte Verkehrsknotenpunkt zwischen Tiergarten und Mitte wurde trotz seiner abendlichen Leblosigkeit und zahlreicher Baustellen auch in diesem Jahr wieder zum Berlinale-Zentrum auserkoren.

Der 2011 eröffnete „Boulevard der Stars" am Potsdamer Platz wirkt sehr heruntergekommen. Am 15. Februar startet in Berlin das Filmfest Berlinale.

Maria Neuendorff

Erweiterte Fußgängerzone

Die zahlreichen roten Aufsteller, die schon jetzt für das Filmfest werben, wirken merkwürdig deplatziert. Denn noch ist die alte Potsdamer Straße, die quasi die Flaniermeile zum Berlinale-Palast wird, durch Bauzäune verstellt. Durch schmale Lücken kann man schon das neue Pflaster und die langgezogenen Stadtmöbel aus Stein und Holz in der erweiterten Fußgängerzone sehen.

Die Alte Potsdamer Straße wird nach dem Umbau eine reine Fußgängerzone werden. Zur Berlinale (15. bis 25. Februar 2024) sollen die Bauzäune verschwunden sein.

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Die Bauarbeiten in der nun autofreien Straße sollen pünktlich zum Berlinale-Start abgeschlossen sein, heißt es vom kanadischen Investor Brookfield Properties, der vor kurzem auch die Arkaden umbauen ließ. Nach eigenen Angaben will er mit den Maßnahmen den Potsdamer Platz damit nach außen hin öffnen.

Doch auch nach Jahren des Umbaus wirkt alles immer noch irgendwie zugebunkert und steril. Das Bistro mit dem Namen „Auf die Hand“, das sich als einziges Geschäft am Haupteingang der Einkaufsmall mit Stühlen und Tischen auch ein wenig nach draußen verlagerte, ist schon wieder geschlossen.

Doch wo sollen sich die Kinobesucher stärken und amüsieren? Vor allem, wo dieses Filmfest doch eigentlich ein Publikumsfest sein will? „Die Foodtrucks wird es in diesem Jahr nicht geben“, erklärt eine Berlinale-Sprecherin. Etwas „auf die Hand“ bekäme man aber unter anderem im Manifesto Market in der Mall.

Tatsächlich kann man sich dort über zwei Etagen und mit 22 Bistros und vier Bars durch Europa, Asien und Südamerika futtern. Allerdings kosten die meisten Streetfood-Gerichte zwischen zehn und 15 Euro. Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis erreicht noch die kleine Schüssel Reis bei „Fat Monk“ für 8.90 Euro, die man mit neun verschiedenen Beilagen, Toppings und Soßen – von Avocado, über Lachs-Tatar bis Röstzwiebeln – nach seinem Geschmack aufpeppen kann.

Die Bowl für 8,90 Euro, bei der man selbst die Zutaten bestimmen kann, ist mit das preiswerteste Gericht im Manifesto Market am Potsdamer Platz in Berlin.

Maria Neuendorff

Dazu gibt es im Manifesto Markt, der seine Öffnungszeiten dem Berlinale-Programm anpassen will, ab und zu mal eine Berlinale-Paneldiskussion mit Filmschaffenden. Wer aber einfach nur einen schnellen preiswerten Imbiss zwischen zwei Filmen braucht, dem bleibt eigentlich nur der Gang zu Rewe im Untergeschoss des Einkaufszentrums. Dort gibt es allerdings nicht mal den berühmten Coffee to go. So wird es für Besucher der Berlinale schwierig, mal kurz irgendwo für eine halbe Stunde innezuhalten und bei einem Getränk durchzuatmen.

Das ist derzeit auch nicht im Sony Center möglich, das im Sommer 2024 einen neuen Namen erhalten soll. Das öffentliche Atrium unter dem berühmten Zeltdach ist ebenfalls von Bauzäunen umschlossen und wird es auch während der Filmfestspiele bleiben. In den stillgelegten Kinosälen sollen nach dem Umbau Street-Food-Anbieter und Bars einziehen.

Tagesgericht für 23 Euro

Wer also während der Berlinale 2024 in der Umgebung einkehren will, muss erst mal einen kleinen Hindernislauf veranstalten und sollte gut bei Kasse sein. Im stylischen Restaurant des Nobelhotels Ritz Carlton können Filmfans mittags von 12 bis 14.30 Uhr Kalbsbäckchen mit Kartoffeln und Spitzkohl für 29 Euro ordern. Wer zum Lunch das aktuelle Tagesgericht nimmt, zahlt 23,23 Euro und bekommt noch ein Wasser und eine Kaffeespezialität dazu.

Nur wenige Schritte entfernt gib es das hypernoble „Frederick’s“, das vor knapp zwei Jahren in dem historischen Überbleibsel des Grandhotels Esplanade eingezogen ist. Die Restaurant-Bar mit Kristallkronleuchtern und verspiegelten Wänden will während der Berlinale auch am Sonntag und Montag entgegen seinen Gepflogenheiten öffnen und Lunch anbieten.

Das Billy Wilders, das sich bei Filmfans tatsächlich einst zu einer Art Institution am Platz gemausert hatte, gibt es seit 2016 nicht mehr. In dem Lokal mit der durchgängig verglasten Fensterfront befindet sich nun das „Kinova“-Restaurant, das sich eher auf das Tagesgeschäft konzentriert, sodass auch so mancher Philharmonie-Besucher schon nach der späten Nachmittagsvorstellung vor verschlossenen Türen steht. Dafür gibt es den Crunchy Tofu Linsen Taco für 14,90 Euro zum Mitnehmen.

Das Sony Center bleibt auch während der Berliner Filmfestspiele (15. bis 25. Februar 2024) weiter eine Baustelle.

Maria Neuendorff

Für ein Frühstück oder den kleinen Snack zum Lunch bietet sich auch der neue „Pret a manger“- Shop im Forum des Sony Centers an. Das Arsenal – Institut für Film und Videokunst mit Kino, das sich dort im Untergeschoss befindet, und in dem auch unabhängige Berlinale-Filme gezeigt werden, plant allerdings 2025 in das Kulturquartier „silent green“ nach Wedding zu ziehen.

Kino Arsenal zieht in den Wedding

Die Cinestar-Kinos im Sony Center mussten schon 2019 wegen hoher Mieten und abnehmender Zuschauerzahlen schließen. Weiterhin geöffnet haben die Cinemaxx-Kinos auf der anderen Seite der Potsdamer Straße. Ein guter Tipp für einen Absacker nach einem Kinoabend war dort bisher der „Berlinale Nighttalk“ in der XXL-Bar in der ersten Etage. Doch auch Radioeins-Kinoexperte Knut Elstermann, der täglich Regisseure, Schauspieler und Filmschaffende zum Diskurs in Bar-Atmosphäre lädt, ist nun ins Bikinihaus in die City West gezogen.

Bleibt also fast nur noch „The Alchemist“, eine neue Restaurant-Bar im verglasten Rundbau der Mall mit Ausblick auf eine im Winter ausgestorbene Grünfläche. Die moderne bis ausgefallene Einrichtung der Premium-Bar-Kette sowie die Cocktails werden von vielen Gästen gelobt, viele bemängeln jedoch die Lautstärke der Musik.

Blick in die „Posh Bar“ am Potsdamer Platz, die erst ab 17 Uhr öffnet.

Maria Neuendorff

Raucherbar mit Cocktails

Die eher unscheinbare „Posh Bar“ neben dem Cinemaxx-Kino bietet zahlreiche Cocktails, aber dafür nur wenige Plätze. Monatliche Specials wie Chinese Mary mit Wodka, Sojasauce und Szechuanpfeffer gibt es ab 9.50 Euro und machen vielleicht auch gleich ein bisschen satt.

Aber Vorsicht, in der Bar, die wochentags um 17 Uhr und sonnabends erst um 19 Uhr öffnet, wird geraucht. Wer sich Zigaretten besorgen will, wird am Ende der Einkaufspassage am Marlene-Dietrich-Platz fündig. Der „Kiosk“ gehört zu den Besonderheiten, da auch die Berlin-typischen Spätis am Potsdamer Platz fehlen. Empfohlen sei dort ein kleiner Cappuccino aus dem Kaffeeautomaten, der mit 2,60 Euro wohl nirgends am Platz so günstig ist, aber trotzdem eine tolle Schaumkrone aufweist.

Blick auf die Berlinale-Stars

Mit dem Kaffee-Becher oder einem Wegebier in der Hand kann dann Otto-Normalverbraucher ab 15. Februar das Kamera- und Fotopodest erklimmen, um einen Blick auf die Stars zu werfen, die über den roten Teppich ins Premierenkino im umgerüsteten Musical-Theater stolzieren.

Wer sich selbst wie ein Star fühlen will, kann sich im Armani Beauty Pop-Up-Studio schminken lassen. Schwierig wird es nur, das Ergebnis später im nicht vorhandenen Nachtleben am Potsdamer Platz zu präsentieren.

Bewusst genießen

Von der Lausitz bis ins Oderbruch, vom Havelland bis in die Uckermark - Brandenburg ist keineswegs die kulinarische Wüste, als die das Land oft geschmäht wird.

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