Reicht die Rente?
: Unabhängige Finanzberatung in Berlin speziell für Frauen

Das Finanzkontor in Berlin-Schöneberg berät seit 40 Jahren Frauen zu Altersvorsorge, Rente und Geldanlagen. Die Finanzlücken sind nach Elternzeit und Teilzeit immer noch groß.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Eine Seniorin hält ein Schreiben der Deutschen Rentenversicherung in der Hand. (zu dpa: «Zehntausende Thüringer von Altersarmut bedroht») +++ dpa-Bildfunk +++

Gerade Frauen sind immer noch von Altersarmut bedroht. Das Finanzkontor in Berlin berät seit 40 Jahren Klientinnen unter anderem darüber, wie man Rentenlücken ausgleichen kann.

Fernando Gutierrez-Juarez/dpa
  • Berlin-Schöneberg: Finanzkontor berät seit 40 Jahren Frauen zu Vorsorge und Geldanlagen.
  • Viele Frauen haben Rentenlücken nach Elternzeit und Teilzeit, sagt Antje Schönherr.
  • ETF-Sparen und Finanzpläne sollen Lücken schließen, vorausgesetzt Budget passt.
  • Beispielberatung: Pflegezusatzversicherung brachte einem 13-Jährigen Rückzahlung und Rente.
  • Unabhängige Beratung ohne Prämien, Erstgespräch kostet 155 Euro, Folgetermine 200 Euro.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wird meine Rente reichen? Werde ich mir in Berlin noch die Miete leisten können, wenn die Kinder aus dem Haus sind? Wie kann ich mich zusätzlich absichern, wenn ich nur knapp über die Runden komme?

Gerade Frauen sind häufig finanziell benachteiligt, sobald Kinder ins Spiel kommen. „Mit Elternzeit und Teilzeit dauert es durchschnittlich zehn Jahre, bis sie bei den Rentenbeträgen wieder auf dem alten Niveau sind“, sagt Antje Schönherr, eine vor drei Geschäftsführerinnen des Finanzkontors, das in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen feiert.

Im Erdgeschoss eines Schöneberger Miethauses beraten sie und ihre Kolleginnen Frauen, aber auch Paare zu Altersvorsorge, Vermögensaufbau, Geldanlage und Immobilienfinanzierung. Meist geht es darum, erstmal Klarheit in das Finanz-Dickicht zu bringen. Denn viele Menschen haben gar keinen Überblick über ihre Rentenpunkte, betrieblichen Vorsorgen, Bausparguthaben, Riester-Renten oder Lebensversicherungen.

ETF-Fonds gegen Renten-Lücken

Noch undurchsichtiger empfinden viele Geldanlagen und die Börse. „Für viele Frauen ist das wie eine Blackbox, dabei ist das gar nicht so schwer“, sagt Antje Schönherr. Im Beratungsgespräch versucht die Finanzexpertin, Berührungsängste zu nehmen, Renten-Lücken ausfindig zu machen und auszuloten, wie man diese ausgleichen könnte. Zum Beispiel mit ETF, börsengehandelten Indexfonds.

Familie

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Und wer keine Ersparnisse hat? „Dann geht es darum, mit Hilfe eines Finanzplanes eine Summe anzusparen, um einen Grundstock als Sicherheit aufzubauen“, erklärt Schönherr.

Dafür wird vor dem ersten Termin ein Fragebogen ausgefüllt, in dem auch das Monats-Budget mit Einnahmen und Ausgaben erfasst wird. Denn bei den ETF-Fonds gehe es darum, dass man nicht in die Situation gerät, die Aktien zum falschen Zeitpunkt wieder verkaufen zu müssen, weil vielleicht gerade das Auto kaputtgegangen ist.

Schönherr erwähnt die Telekom-Aktie, die sich nach jahrelanger Talfahrt erholen konnte. Die Statistik besage, dass bei 14 Jahren Anlagenzeit die Gefahr, Verlust zu machen, gegen null gehe, erklärt die 49-Jährige.

Rückzahlung in fünfstelliger Höhe

Zu den Klienten zählen auch die Eltern eines schwerbehinderten Jungen. Der 13-Jährige ist von Geburt an behindert und hat Pflegegrad 5. Lange muss die Familie finanziell stark zurückstecken, denn die Mutter kann aufgrund der intensiven Pflege nur eingeschränkt arbeiten.

Bei einem Gespräch stieß die Beraterin auf eine bestehende Pflegezusatzversicherung, in der der Sohn mitversichert ist. Nach bürokratischem Hickhack erhält der Junge eine Rückzahlung in fünfstelliger Höhe. Zusätzlich eine monatliche Pflegezusatzrente – lebenslang.

Finanzkontor-Gründerin Anne Wulf, heute Rentnerin, arbeitete in den 80er-Jahren freiberuflich für eine Bausparkasse. „Bei Hausbesuchen fiel mir auf, dass in Familien kaum über Geld gesprochen wurde, Unterlagen in Schrankschubladen vergraben waren und Versicherungen nur auf den Namen der Männer liefen“, erinnert sich die 75-Jährige.

„In den Familien wurde kaum über Geld gesprochen.“
Anne Wulf
Gründerin des Finanzkontors

So gründete die studierte Betriebswirtschafterin 1986 das Finanzkontor. 2004 beriet sie die Gründerinnen der Schokofabrik, ein Frauen- und Kulturzentrum in Kreuzberg, das in Schieflage geraten war. Über die Gründung einer Genossenschaft rettete sich das Wohn- und Arbeitsprojekt.

2008 half Wulf 21 Mietparteien eines Altbaus in Schöneberg, der verkauft werden sollte, ihre Wohnungen als Eigentümergemeinschaft zu erwerben. Jeder Mieter hatte einen anderen Hintergrund. Die einen hatten einen sicheren Job, andere waren selbstständig.

Mieter konnten ihre Wohnungen kaufen

Dann gab es noch die Familien mit kleinen Kindern und Rentner, die vermutlich keinen Kredit mehr bekommen hätten. Anne Wulf setzte sich an die Küchentische, analysierte die Situation und stellte ein Konzept auf, das dann tatsächlich von den Banken finanziert wurde. Dabei erwarben einige Parteien gleich zwei Wohnungen.

Seit 2026 ist das Finanzkontor Teil einer Genossenschaft und in weiblicher Hand. In Sachen Gleichberechtigung hat sich viel getan. Doch dass heute manches Paar die Ehe als veraltet ansieht, ist für die finanzielle Lage der Frauen nicht unbedingt förderlich. „Ein fairer Ehevertrag ist immer noch eine gute Sache, um sich abzusichern– besonders Hinblick auf Erbrecht und Versorgungsausgleich“, erklärt Anna Wulf.

Das bestätigt Antje Schönherr. „Viele haben das Gefühl: Geld und Liebe passen nicht zusammen“, weiß sie. Doch gerade wenn die Kommunikation diesbezüglich schwierig sei, mache es Sinne, sich professionelle Hilfe zu holen. Es gehe nicht darum, nur für die Frauen Partei zu ergreifen, „sondern darum, finanzielle Fairness in Partnerschaften herzustellen.“

Antje Schönherr erzählt von einem Ärzte-Paar, das nach vielen Hormon-Behandlungen das Wunschkind bekommt. Schon durch die Behandlungen sei die Frau gesundheitlich eingeschränkt gewesen, seit sie Mutter ist, stagniert ihr beruflicher Aufstieg, während ihr Mann seine Karriere uneingeschränkt habe fortsetzen können. „In so einem Fall kann es Sinn machen, einen Finanzausgleich auszuhandeln.“

Unabhängige Finanzberatung ohne Prämien

Besonders die unbezahlte Care-Arbeit von Frauen werde oft nicht wertgeschätzt. Das Gefühl, noch finanzielle Ungerechtigkeit zu erfahren, könne auf Dauer auf Psyche und Körper schlagen, weiß Antje Schönherr, die Psychologie studiert hat. Sie kommt aus der Werbebranche. Als gutbezahlte Powerfrau habe sie hauptsächlich die Familie ernährt. „Ich habe mich mit meinem Mann total auf Augenhöhe gefühlt und gar nicht gemerkt, wie abhängig ich trotzdem war.“

Anke Schönherr berät in einem

Antje Schönherr, Geschäftsführerin des Finanzkontors, vor ihrem Büro in einem Mietshaus in Berlin-Schöneberg.

Maria Neuendorff

Denn nach der Scheidung konnte sie als alleinerziehende Mutter von drei Kindern gar nicht mehr in den Fulltime-Job zurück. Sie kämpfte sich als freiberufliche Finanzberaterin durch, obwohl ihr das provisionsgetriebene Geschäft menschlich nicht liegt. Vor sechs Jahren kam das Angebot vom Finanzkontor. „Hier geht es nicht um Prämien. Wir haben alle unser festes Gehalt und müssen keine Geldanlagen verkaufen“, betont Schönherr. Dafür kostet das ein- bis zweistündige Erstgespräch 155 Euro. Wer danach weiter in die Tiefe gehen will, zahlt pro Termin 200 Euro. „Ich versuche aber schon beim ersten Treffen, den Frauen alles so weit beizubringen, dass sie auch alleine weitermachen könnten.“

Das Konzept scheint aufzugehen. Das Finanzkontor muss nicht für sich werben, sondern wird weiterempfohlen. So ist Antje Schönherr schon zwei Monate im Voraus ausgebucht. Neben der Arbeit hält sie auch kostenlose Vorträge, vor allem für die, für die die Beratungskosten eine Hürde darstellen. Denn der Job ist für sie zur Herzensangelegenheit geworden. „Es geht dabei nicht nur um Verträge und Zahlen“, sagt Antje Schönherr. „Es geht vor allem um Sicherheit, Entscheidungsfreiheit und die Möglichkeit, das eigene Leben selbstbestimmt zu gestalten.“