S-Bahn in Berlin: Warum das Stellwerk Schöneweide Pendler über Wochen ausbremst

Arbeit an den Gleisen: Wenn das Stellwerk Berlin-Schöneweide auf elektronischen Betrieb umgestellt ist, sollen sich Weichen und Signale per Mausklick bedienen lassen. (Symbolbild)
Andreas Arnold/dpa- Erneuerung des Stellwerks Schöneweide bremst fünf S-Bahn-Linien im Südosten Berlins aus.
- Bis 6. Juli 2026 fahren keine Züge zwischen Altglienicke, Grünau, Spindlersfeld und Baumschulenweg.
- Auch Treptower Park–Warschauer Straße ist unterbrochen – teils Pendelverkehr und Ersatzbusse.
- Umstellung auf elektronisches Stellwerk: mehr Weichen, digitale Steuerung, künftig stabilerer Betrieb.
- Bauarbeiten laufen seit 2024 und voraussichtlich bis Ende 2027, veranschlagt sind rund 130 Mio. Euro.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Pendler im Südosten von Berlin sind leiderfahren, was S-Bahn-Sperrungen rund um den Bahnhof Schöneweide und das Grünauer Kreuz angeht. Die Stellwerkserneuerung in Treptow-Köpenick sorgt erneut drei Wochen lang für Ausfälle und Einschränkungen im S-Bahn-Verkehr.
Betroffen sind fünf Linien. Bis 6. Juli 2026 können keine Züge zwischen Altglienicke, Grünau, Spindlersfeld und Baumschulenweg fahren, teilt die Deutsche Bahn in einer Pressemitteilung mit. Auch die direkte Verbindung zwischen Treptower Park und Warschauer Straße ist unterbrochen, und zwischen Baumschulenweg und Treptower Park gibt es Pendelverkehr.
So können auch Bahn-Kunden aus Königs Wusterhausen, Wildau und Schöneiche nicht mehr einfach schnell mit der S-Bahn in die Stadt ins Büro, zum Einkaufen oder ins Fitnessstudio fahren.
Stellwerk Schöneweide: Gehirn der S-Bahn Berlin
Doch wieso wird rund um Schöneweide seit 2024 und bis voraussichtlich Ende 2027 gebaut? Warum ist eine Stellwerkserneuerung so aufwändig?

Am Stellwerk Berlin-Schöneweide wird seit Jahren gearbeitet. Bis Ende 2028 soll es fertig sein. Hier wächst das neue Gebäude empor.
Katharina SchmidtDie Umstellung von alten Stellwerken ist nicht eine große ingenieurstechnische und betriebliche Herausforderung. Die alte Relais- und Gleisbildtechnik wird dabei schrittweise durch digitale Komponenten ersetzt, die die Signale danach digital steuern.
Ein Stellwerk ist das Gehirn der Zugsicherung. Es sorgt dafür, dass Züge im sicheren Abstand fahren, Gleise freigehalten sowie exklusiv zugewiesen werden. In Berlin-Schöneweide befindet sich das letzte örtlich besetzte mechanische S-Bahn-Stellwerk der Stadt, in dem der Verkehr quasi noch „von Hand“ gesteuert wird.
Für die jahrelangen Bauarbeiten, die größtenteils nachts und an Wochenenden stattfinden, sind rund 130 Millionen Euro veranschlagt. Um das Stellwerk mit moderner Technik auszustatten, müssen laut Deutscher Bahn rund 256.000 Meter Signalkabel verlegt und mehr als 360 Signale und Basile installiert werden.
Letztere sind kleine gelbe Kästen am Gleisbett, die über ein Funksignal Daten und Streckeninformationen an vorbeifahrende Züge übertragen. Herzstück des neuen Stellwerkes ist ein kleines kastenförmiges Gebäude mit wenigen Fenstern am Bahnhof Schöneweide, in dem jede Menge Computer Informationen an die kilometerweit entfernte Betriebszentrale in Halensee senden. So können Mitarbeiter im Westen der Stadt die Züge sicher aus der Ferne durch das S-Bahn-Netz lotsen.
Weitere Weichen für flexibleren S-Bahn-Verkehr
Die Vorteile des elektronischen Stellwerks sind vielfältig. „Es bietet mehr betriebliche Fahrmöglichkeiten, ist weniger verschleißanfällig, die Kommunikation erfolgt schnell und zuverlässig über redundante Rechnerverbünde, softwarebasierte Anpassungen sind möglich“, heißt es in der Verkehrsinformations-Zentrale Berlin.
Die Technik sei platzsparender und effizienter. Für den Betrieb bedeutet das laut VerkehrsinformationsZentrale künftig eine höhere Pünktlichkeit und damit einen stabileren Bahn-Verkehr.
Dazu werden nun zusätzliche Weichen eingebaut. Muss beispielsweise der Bahnsteig stadteinwärts an der Station Schöneweide künftig gesperrt werden, etwa wegen einer Störung, können die Züge auf einen anderen Bahnsteig ausweichen und der Verkehr kann weiterlaufen, teile die S-Bahn mit.
Doch bis es soweit ist, müssen die Fahrgäste das Auto nehmen oder nochmal längere Fahrzeiten durch den Schienenersatzverkehr in Kauf nehmen.
Auswirkungen für Pendler bis 6. Juli im Überblick:
- S85 und S9: Kein S-Bahnverkehr zwischen Grünbergallee/Flughafen BER und Baumschulenweg. Ersatzverkehr mit barrierefreien Bussen. Kein Nachtverkehr in den Nächten Fr/Sa/So)
- S46: Kein S-Bahnverkehr zwischen Grünau und Baumschulenweg. Ersatzverkehr mit barrierefreien Bussen.
- S47: Kein S-Bahnverkehr zwischen Baumschulenweg und Spindlersfeld. Ersatzverkehr mit barrierefreien Bussen. Gegebenenfalls Änderungen von Abfahrtszeiten, Bahnsteigen oder Gleisen.
- S8, S85, S9: Kein S-Bahnverkehr zwischen Baumschulenweg und Treptower Park. Ersatzverkehr mit barrierefreien Bussen. Eventuell Änderungen von Abfahrtszeiten, Bahnsteigen oder Gleisen.
- S46: Taktänderung zwischen Baumschulenweg und Hermannstraße. Zwischen Baumschulenweg und Neukölln verkehrt die S-Bahn montags bis donnerstags nur im 10-Minutentakt. Die Fahrten zwischen Grünau und Hermannstraße fallen Montag bis Freitag aus.
- S46, S8: von Grünau bis Königs Wusterhausen fährt die S46 im Nachtverkehr (Fr/Sa/So) 7 bis 8 Minuten später. Die S8 zwischen Wildau und Grünau fährt nur montags bis freitags während der Hauptverkehrszeiten. Zwischen Treptower Park und Birkenwerder verkehrt sie im Nachtverkehr (Fr/Sa/So) nur zwischen Treptower Park und Pankow.
Die S-Bahn-App können Pendler so einstellen, dass sie nur Routen angezeigt bekommen, die sie mit aktuell funktionierenden Fahrstühlen, per Rampe oder ebenerdig bewältigen können. In einem Video wird der barrierefreie Weg zum Ersatzverkehr am S-Bahnhof Altglienicke beschrieben, damit auch Menschen im Rollstuhl, mit Kinderwagen, schwerem Gepäck oder Gehhilfen die barrierefreien Busse nutzen können.


