Schifffahrt in Berlin
: Traumjob an der Sonne – unterwegs mit dem jüngsten Kapitän

Max Kodric ist mit 21 Jahren der jüngste Kapitän der Stern- und Kreis GmbH in Berlin. Seit seiner Ausbildung steuert er Schifffahrten über die Gewässer der Hauptstadt.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Max Kodric

Kapitän Max Kodrič an seinem Arbeitsplatz in der Fahrerkabine kurz vor einer Schifffahrt an der Jannowitzbrücke in Berlin.

Maria Neuendorff
  • Max Kodrič ist mit 21 Jahren der jüngste Kapitän der Stern- und Kreis GmbH in Berlin.
  • Er steuert seit seiner Ausbildung den Solar-Dampfer SunCat 120 über die Spree.
  • Die Touren reichen von Friedrichshain bis Treptow und zurück.
  • Stern und Kreis GmbH investiert in die Ausbildung zum Schiffsführer.
  • Die Saison geht von Ostern bis Oktober, mit Winterarbeiten in der Werft.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es ist kurz vor 11.30 Uhr und die Frühlings-Sonne strahlt mit voller Kraft, als die ersten Fahrgäste an der Jannowitzbrücke in Berlin die SunCat 120 betreten. Bevor der Solar-Dampfer der Stern- und Kreis GmbH die Schifffahrt Richtung Treptow startet, säubert Kapitän Max Kodrič mit einem kleinen Handfeger sein Steuerpult.

Während ein Crewmitglied draußen die Taue an der Anlegestelle löst, macht es sich der junge Mann in seinem drehbaren Fahrersessel vor mehreren Monitoren bequem, auf denen eine Karte der Umgebung sowie Live-Bilder von Bord zu sehen sind.

Grüne Schifffahrt über die Spree in Berlin

Max Kodrič ist erst vor wenigen Tagen 21 Jahre alt geworden und damit der jüngste Kapitän der Stern- und Kreis Schifffahrt. Kapitän sagt man eigentlich nicht. Schiffsführer heißt die richtige Bezeichnung. Erst vor Kurzem hat der Berliner die nötige Prüfung abgelegt.

Seitdem schippert er mit dem Solarkatamaran täglich über die Spree - von der Jannowitzbrücke in Friedrichshain bis zum Eierhäuschen in Treptow und zurück. „Die Arbeit ist entspannend, aber abwechslungsreich. Man hat sehr wenig Stress, aber trotzdem mit vielen Leute zu tun“, erzählt der junge Mann.

Bevor er ablegt, gibt er über Funk seine Startposition durch. Obwohl die Saison gerade erst begonnen hat, ist schon viel Betrieb auf der Spree, vor allem in der Berliner Mitte. Wenn der Fluss hinter einer Brücke eine Biege macht oder die SunCat auf Engstellen wie Brücken zufährt, macht Kodrič sicherheitshalber Meldung auf einem Kanal, der alle Dampfer über Funk miteinander verbindet.

Alleine die Stern- und Kreis-Schifffahrt, Berlins älteste und größte Reederei, hat 18 Fahrgastschiffe in Betrieb. Die Touren reichen von der einstündigen Historischen Citytour am Nikolaiviertel bis zur achtstündigen Mini-Kreuzfahrt rund um Berlin (siehe Kasten unten).

Die SunCat120 ist eine der wenigen elektrobetriebenen Solar-Schiffe, die ohne Dieselantrieb auf der Spree in Berlin unterwegs sind. Gebaut wurde das Schiff auf der Kiebitzberg-Werft in Havelberg an der Elbe (Sachsen-Anhalt).

Die SunCat120 ist eines der wenigen elektrobetriebenen Schiffe, die ohne Dieselantrieb auf der Spree in Berlin unterwegs sind. Gebaut wurde das Schiff in Havelberg an der Elbe (Sachsen-Anhalt).

Maria Neuendorff

Die meisten Gäste der zweistündigen „Grünen Spreefahrt“ mit dem Solar-Schiff haben heute auf dem Außendeck Platz genommen. Auf dem Dach kann niemand sitzen, weil es mit Solarpaneelen bestückt ist. Die SunCat 120 ist eines von sechs elektrobetriebenen Schiffen des Unternehmens, die ohne Dieselantrieb und Auspuffrohr auskommen.

2024 musste der umweltfreundliche Dampfer im Hafen bleiben, da das Personal fehlte. Nun will die Reederei vermehrt in die Ausbildung investieren und bietet in diesem Jahr vier Lehrstellen zum Binnenschiffer an. Die Ausbildung zum Schiffsführer dauert dreieinhalb Jahre. „Derzeit haben wir wieder mehr Bewerber als Stellen“, berichtet Martin Böll, Ausbildungsleiter bei Stern und Kreis.

Auch ein Schüler-Praktikum ist in Berlin möglich

Um den Nachwuchs zu interessieren, biete man Schülerpraktika für die 9. und 10. Klasse an und stelle sich auf Berufsmessen vor, sagt Böll. Was man als Schiffsführer für Voraussetzungen mitbringen muss? „Man sollte wegen der Verkehrsschilder nicht farbenblind sein, Spaß an der Begegnung mit Menschen haben und wissbegierig sein“, nennt der Ausbildungsleiter einige Voraussetzungen.

Ein Gesundheits-Check ist ebenfalls Usus. Die Ausbildungsvergütung sei tariflich gebunden und betrage 850 bis 1520 Euro brutto. Später könne man 3000 bis 4000 Euro brutto verdienen. Das sei aber oft Verhandlungssache und von der Menge der Einsätze an Wochenenden und Feiertagen abhängig.

Die Saison geht von Ostern bis in den goldenen Oktober. Doch in den restlichen sechs Monaten hat man deshalb nicht automatisch bezahlten Urlaub. „Im Winter fahren die Schiffe in die Werft, da streicht man die Außenhaut neu an, macht Reparaturen“, berichtet der junge Kapitän.

Wer in der Sommer-Saison viele Überstunden angesammelt hat, der kann sich auch mal zwei Monate am Stück freinehmen. Max Kodrič hat diese Möglichkeit im Winter für einen längeren Trip nach Thailand genutzt.

Martin Böll bildet bei der Stern- und Kreis den Nachwuchs aus.

Martin Böll bildet bei der Stern- und Kreis Schifffahrt in Berlin den Nachwuchs aus.

Maria Neuendorff

Ein weiterer Vorteil an der Personen-Binnenschifffahrt gegenüber einem Job auf Frachtschiffen sei, dass man abends wieder zu Hause ist. „Das macht den Beruf auch für jüngere Menschen, die eine Familie gründen wollen, attraktiv“, erklärt Chefausbilder Böll.

Kodrič ist eher zufällig zu dem Job gekommen. „Ich habe in einem Berufsübersichtsheft darüber gelesen und fand das interessant“, berichtet der 21-Jährige. Bei einem Praktikum bei der Sächsischen Dampfschifffahrt in Dresden sprang schnell der Funke über.

Zwischenstopp der Schifffahrt an der East Side Gallery

Nun, an der Berliner Schillingbrücke, darf Kodrič mit der SunCat, wie die anderen Dampfer vor und hinter ihm - nur ein bestimmtes Brückentor nutzen, um unter der Überführung hindurch zu gleiten. Da die Brücke nicht im rechten Winkel zum Fluss gebaut wurde, muss der junge Schiffsführer schon etwas Geschick am Steuerpult aufwenden, um den fast 37 Meter langen Solar-Katamaran sicher in das entsprechende Brückenjoch einzufädeln.

Auf den Berliner und Brandenburger Wasserstraßen hält man sich ähnlich wie im Auto eher rechts. Doch an der East Side Gallery, wo das Solar-Schiff noch einmal einen kleinen Zwischenstopp einlegt, muss Kodrič quasi falsch herum auf der Gegenfahrbahn anlegen. Damit das reibungslos klappt, spricht er sich über Funk mit einem entgegenkommenden Dampfer ab.

Zu seinem Job gehört auch, die Verkehrsschilder auf der Spree richtig zu lesen: „Das zum Beispiel bedeutet, dass man fünf Meter Abstand zum Ufer halten muss“, erklärt er, nachdem er ein rotweißes Schild passiert hat. Der langgezogene Solar-Katamaran gleitet sanft, emissionsfrei und fast geräuschlos in einer Geschwindigkeit zwischen 8 und 10 km/h dahin.

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Max Kodrič mag seinen Job. Der junge Kapitän startet täglich an der Jannowitzbrücke in Berlin zur zweistündigen Schifffahrt Richtung Treptow und zurück.

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Man kann es trotzdem mithilfe des Fahrhebels, den Kodrič auch gerne Kontroller nennt, um 160 Grad wenden, erklärt der junge Kapitän. Sein Fahrgasthäuschen ist durch die hohen Glasfenster ebenso lichtdurchflutet wie die Fahrgastkabine. Die meisten der Passagiere sitzen aber auf dem Außendeck und im Heck, um das sanfte Plätschern der Spree und den Fahrtwind zu genießen.

Bis zu 180 Menschen können sich an Bord der SunCat einen schönen Tag machen. Max Kodričs Schicht hat um 9 Uhr früh begonnen und endet um 16.30 Uhr. Genug Zeit, um noch mit Freunden den Frühlingsabend an Land zu genießen – dann mit festem Boden unter den Füßen.

Neue Touren

Mehrere Reedereien bieten in Berlin Dampferfahrten an. Neu bei der Stern- und Kreis GmbH ist eine barrierearme Tour durch die Innenstadt: Die dreistündige „Brückentour“, die sich durch den Landwehrkanal und die Spree schlängelt, führt an Sehenswürdigkeiten wie dem Potsdamer Platz und dem Regierungsviertel vorbei. In dieser Saison legt der Dampfer auch erstmals am Treptower Hafen ab.

Ein weiteres Highlight, das seit 2019 ins Programm zurückkehrt, ist die Strecke „Rund um Berlin“. Wie auf einer Mini-Kreuzfahrt führt die Tagestour über acht Stunden von Treptow bis nach Potsdam.

Eine Erweiterung im klassischen Repertoire erfährt die Stundentour, die 2025  ab Hauptbahnhof startet. Dabei geht es um das historische und moderne Zentrum Berlins.

Für eine ausgelassene Stimmung sorgen musikalische Eventfahrten. Bei den Themenfahrten mit DJ wird zu den Hits von Roland Kaiser, Helene Fischer, Abba oder Depeche Mode gefeiert.

Touren und Preise:

Stern und Kreis: www.sternundkreis.de

Reederei Winkler: www.reedereiwinkler.de

Berliner City-Schiffsfahrten: www.berlin-cityschiffsfahrten.de