Schmerzen in Knie, Hüfte, Schulter: Was ein neues Gelenk leisten kann

Eine Narbe kündet von dem großen Eingriff: Ein neues Gelenk ist für viele Patienten die Lösung für schmerzfreie Bewegung. Doch muss es immer ein ganzes neues Gelenk sein? Wie hat sich die Medizintechnik bei Hüft- und Kniegelenken entwickelt?
Christin Klose/dpa-tmn/dpa- Künstliche Gelenke bei Arthrose: Ärzte erklären Optionen und Wege zurück zur Aktivität.
- Knie: Teilprothesen, Kniescheibenersatz oder Totalprothese – Haltbarkeit oft sehr gut.
- Hüfte: Kurzschäfte, moderne Materialien und zementierte Schäfte ab höherem Alter möglich.
- Reha und „Fast Track“ verkürzen Klinikaufenthalt, frühe Mobilisation steigert Zufriedenheit.
- Allergien und Metall im Körper: antiallergische Implantate verfügbar, Metallentfernung optional.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Schmerzen an Knie, Hüfte oder Schulter nehmen immer mehr zu? Physiotherapie und moderater Sport helfen nicht mehr? Dann bleibt oft nur der orthopädische Eingriff. Im Webseminar haben die Fachärzte Dr. med. Thilo Hennecke (Chefarzt), Michael Koczak (leitender Oberarzt) und Marcin Ratajczak (Oberarzt) von der Klinik für Orthopädie und orthopädische Chirurgie am Klinikum in Frankfurt (Oder) Markendorf über verschiedene OP-Methoden aufgeklärt. Sie erklärten, wie künstliche Gelenke aufgebaut sind, wie lange sie halten und was man selbst tun kann, um schnell wieder aktiv zu werden.
Ich habe Arthrose im Kniegelenk. Mein Arzt meinte, dass es verschiedene Möglichkeiten von Operationen gibt. Welche wäre die Beste?
Das lässt sich nicht einfach allgemein sagen. Ihr Arzt kann dies erst nach einer ausgiebigen Untersuchung und individuellen Diagnose festlegen und wird die Ergebnisse und abzuleitenden Schlussfolgerungen – also die operativen Möglichkeiten – mit Ihnen besprechen und Entscheidungen treffen. Möglich wären allgemein stets die operativen Varianten: gelenkerhaltend, gelenkentfernend oder gelenkersetzend.
Bei der ersten Variante handelt es sich um ein operatives Verfahren, bei dem mit Knorpeltherapien und/der Achsumstellungen gearbeitet wird. Gerade bei jüngeren Patienten stehen diese Verfahren im Vordergrund und es können hiermit gute Erfolge erzielt werden.
Mehrheitlich wird heute mit Kunstgelenken/Endoprothesen für mehr Lebensqualität bei den Patienten gesorgt. Endoprothesen-Operationen erfolgen im Frankfurter Klinikum schon seit über 35 Jahren. Aktuell versorgen wir im Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung in der Oderstadt jährlich 650 bis 700 Patienten mit Endoprothesen.
Drei Methoden für ein neues Knie-Gelenk
Wird beim Einsatz von Kunstgelenken das Knie immer vollständig ersetzt?
Nein, es gibt drei Hauptmethoden. Wo es die medizinischen Diagnosen erfordern, setzen die Operateure auf die sozusagen „halben“ Knie-Endoprothesen. Dazu sagt man medizinisch Uni KEP. Dieses Verfahren wird in 14 Prozent der Knieoperationen angewandt, und nach unseren Statistiken arbeiten nach zehn Jahren noch 90 Prozent dieser Teilprothesen hervorragend.
Möglich ist auch ein Ersatz des Kniescheibengelenkes, dann spricht man von einer FPG- oder FPJ- Prothese. Medizinisch möglich ist ebenfalls eine Knie-Total-Endoprothese, das ist ein vollständiger Gelenkersatz. Diese Methode kommt bei etwa 85 Prozent der Operierten zum Einsatz und wird angewandt, wenn die Gelenke vollständig zerstört sind, wirklich alles ersetzt werden muss.
Wie lange dauert es, bis man nach der Knieoperation wieder im Garten knieend und schmerzfrei arbeiten kann? Wann kann man wieder beschwerdefrei die Treppe heruntergehen?
Das hängt neben dem Heilungsprozess des jeweiligen Körpers vom Alter des Operierten ab und von erfolgreichen Rehabilitationsmaßnahmen. Wichtig ist, dass Sie Ihre Schmerzgrenze nicht ausreizen, sondern Schmerz als Stoppschild verstehen und beachten. Grob würde ich Ihnen als Zeitrahmen aber drei bis sechs Monate stecken.
Zwei Jahre nach meiner Knieoperation habe ich immer noch starken Spannungsdruck um das Knie und Probleme mit der Beugung. Woran kann das liegen und was kann ich dagegen tun? Sport in Form von Fahrradfahren und Aquagymnastik mache ich schon.
Da sollten Sie dringend nochmals das Gespräch mit dem operierenden Arzt suchen. Vielleicht ist gezielte Physiotherapie ein Weg oder spezielle Schmerzbehandlungen.
Moderater Sport bleibt trotz Schmerzen wichtig
Meine Hüftbeschwerden wegen Gelenkverschleiß werden immer intensiver. Ich bekomme seit etwa einem Jahr Krankengymnastik. Was könnte noch helfen?
Erstes gegensteuern bei Gelenkverschleiß im Hüftbereich beginnt immer mit Bewegungstherapie. Es folgt manuelle Therapie unter Einschluss der benachbarten Strukturen. Weitere Schritte wären Wärme oder Kältebehandlungen und Elektrotherapie, begleitet von Medizin- und Schmerztherapie.
Zur Schmerzlinderung werden ebenso Bewegungsbäder eingesetzt. Wenn Sie Sport treiben, Bewegung ist trotz Einschränkungen oder gerade mit Beeinträchtigungen immer wichtig, dann achten Sie darauf, dass es sich um gleichförmige Bewegungsabläufe handelt wie Rad fahren oder Nordic Walking, möglichst keine Ballsportarten. Wenn dies alles noch nicht greift zur Schmerzlinderung, können bei den notwendigen medizinischen Voraussetzungen auch Injektionen unterschiedlichster Art vom behandelnden Arzt verabreicht werden.

Dr. Thilo Hennecke, Facharzt für Orthopädie/Unfallchirurgie und Chefarzt am Klinikum Markendorf, erlebt mit, wie zufrieden Patienten mit der neuen Generation von Hüftgelenken sind.
Sophie Keller/Klinikum MarkendorfTrotz aller Therapien werden meine Hüftbeschwerden nicht gelindert. Der behandelnde Arzt sagte mir eindeutig, dass alle konservativen Möglichkeiten ausgeschöpft seien. Das bedeutet Operation, eine künstliche Hüfte. Gibt es wirklich keine andere Möglichkeit?
Das kann man digital natürlich nicht beantworten, denn solche Empfehlungen setzen genaue Kenntnisse über den Patienten voraus. Sie müssen für sich auch abschätzen, wie sieht es mit Ihrer allgemeinen Lebensqualität bei permanenten Belastungsschmerzen aus, mit den schmerzhaften Bewegungseinschränkungen?
Wenn mit bildgebenden Verfahren die fortgeschrittenen Verschleißerkrankungen belegt werden konnten sowie die regelmäßige Schmerzmitteleinnahme nicht mehr einschränkend für Sie sein soll, dann hilft nur eine Hüft-Endoprothese. Informieren Sie sich vielleicht in entsprechenden Foren bei anderen Betroffenen, die den Weg schon gegangen sind. Es gibt beispielsweise bei unseren Patienten zwar keine 100-prozentige Zufriedenheit, aber die Werte liegen bei über 95 Prozent. Mit modernen Operationsmethoden und angepasster Physiotherapie sowie früher Mobilisation erzielen Kliniken immer bessere Ergebnisse.
Kurze Schäfte am Hüftgelenk verbessern Heilungsprozess
Wie hat sich die Medizintechnik bezüglich der künstlichen Hüftgelenke denn verändert?
Man kann die ersten beiden Generationen mit langen Schäften aus den 1980er-Jahren noch als klobig bezeichnen. Auffallend war, dass die Prothesen zwar unten gut im Knochen angewachsen waren, aber oben Richtung Hüftpfanne weniger und dass oft Schmerzen beklagt wurden.
Verbesserungen setzten in den 90er-Jahren mit neuen Beschichtungen der Gelenke ein, sodass die Gewebestrukturen und die Gelenke besser miteinander verwachsen sind. Zum anderen wurden die Schäfte poliert und verkürzt, die Knochen wurden weniger angegriffen. Gerade Letzteres brachte einen großen Fortschritt, sodass Patienten heute sehr lange vom Kunstgelenk profitieren, etwa 20 bis 25 Jahre. Bei den Pfannensystemen werden in die Titanschalen zu 85 Prozent Einleger aus hochvernetztem Polyethylen und in etwa 15 Prozent aus Keramik eingesetzt.
Was hat es mit zementierten und zementfreien Schäften des Hüftgelenks auf sich?
Weil mit dem Alter die Knochenaktivität nachlässt, werden die Schäfte des neuen Gelenks bei Patienten ab 75 Jahren oft einzementiert, um die Haltbarkeit zu verbessern. Das wird aber von Patient zu Patient entschieden. Die Pfanne bleibt in der Regel zementfrei.
Wie viel Zeit sollte zwischen den Operationen von zwei Hüftgelenken vergehen? Das hängt vom Patienten ab. Wir haben auch schon beide Hüften in einem Operationsprozess ersetzt, wenn beide Hüften im gleichen schlechten Verschleißzustand waren und beidseits Beschwerden bestanden. Bei Knieoperationen ist dies anders, da hier der Rekonvaleszenzprozess langwieriger ist. Hier sollten mindestens drei bis sechs Monate zwischen zwei notwendigen Operationen liegen.
Sind Muskelschmerzen im Oberschenkel neun Wochen nach einer Hüft-TEP, also einer Vollprothese, normal?
Ja. Die muskulären Verspannungen sollten durch einen erfahrenen Physiotherapeuten behandelt werden.

Michael Koczak, Facharzt für Orthopädie/Unfallchirurgie und leitender Oberarzt am Klinikum Markendorf, hat die verschiedenen Möglichkeiten von Kniegelenks-Operationen erläutert.
Sophie Keller/Klinikum MarkendorfMit Blick auf mein noch nicht so fortgeschrittenes Lebensalter frage ich mich: Wie lange halten Hüft-Endoprothesen?
Mit den modernen Materialien gehen wir medizinisch von 20 bis sogar 30 Jahren aus. Aber auch dann sind in der Mehrzahl nicht völlige Austauschoperationen notwendig, sondern nur der Wechsel von Verschleißteilen. Aber das sind stets sehr individuelle Entscheidungen. Wichtig ist, dass wir uns als behandelnde Ärzte vor einem erneuten Eingriff immer die Gesamtsituation des Patienten genau ansehen.
Bei einer Schulter-OP ist auch Muskel betroffen
Arthrose im Schultergelenk quält mich schon lange. Jetzt werden die Beschwerden immer schlimmer. Welche Möglichkeiten des Gelenkersatzes bietet die moderne Medizin für Patienten wie mich?
Verschleiß im Schultergelenk ist zwar seltener als an Hüfte oder Knie, aber dafür sehr unangenehm und aus medizinischer Sicht vielschichtig. Aber auch hier gibt es operative Therapien, die das biologische Gelenk durch ein künstliches ersetzen. Die entscheidenden Fragen vor solch einem Eingriff sind die aktuellen Beschwerden, die Bewegungseinschränkungen und der Zustand der inneren Schultermuskulatur und des Knochens.
Mit entsprechenden bildgebenden Verfahren wird dies genau geprüft. Die innere Schultermuskulatur ist ein sehr zentraler Punkt. Der Schaden an dieser Stelle bestimmt, welche Prothese eingesetzt werden kann, wie operiert wird.
Im Gegensatz zu anderen Gelenken muss bei Schulteroperationen auch ein Muskel abgelöst und im Nachhinein wieder angeheftet werden. Damit dauert die Heilung hier etwas länger und alles an Rehabilitationsmaßnahmen kann erst später einsetzen als beispielsweise nach einer Knie- oder Hüftoperation.
Gute Information zahlt sich aus
Nach einer Fraktur wurde ich operativ mit Platte und Schrauben wieder „zusammengesetzt“. Sollte das Metall wieder entfernt werden oder kann es im Körper belassen werden? Wann ist das Arthroserisiko höher?
Wenn das Metall Sie nicht stört, dann kann es im Körper belassen werden. Ansonsten empfehlen Mediziner das Entfernen nach ein bis zwei Jahren. Das Metall hat keinen Einfluss auf die Entwicklung einer Arthrose, vorausgesetzt die Schrauben liegen nicht im Gelenk.
Zu welchen Formen der Physiotherapie würden Sie vor einer Operation an einem Gelenk raten?
In dieser Hinsicht ist weniger die Vorbereitung als eine intensive Nachbereitung wichtig. Aber Schulungsmaßnahmen im Vorfeld haben sich sehr bewährt. Ein gut informierter Patient zeigt eine schnellere Rehabilitation nach der OP.
Auch würde ich Ihnen raten, Überlastungen im Vorfeld zu vermeiden und auch keine radikale Gewichtsreduktion anzustreben. Gegen eine moderate Reduzierung ist nichts einzuwenden. Förderlich ist auch das Kräftigen der Muskulatur. Machen Sie Koordinationsübungen und über Sie den Umgang mit Gehstützen.

Marcin Ratajczak, FA für Orthopädie/Unfallchirurgie und Oberarzt am Klinikum Markendorf, hat Fragen der Webseminar-Teilnehmer im Chat beantwortet.
Sophie Keller/Klinikum MarkendorfWarum soll ich vor einer anstehenden Operation mit Gelenkersatz Wochen vorher unbedingt zur zahnärztlichen Kontrolle aber nicht mehr zur Fußpflege gehen?
Damit sollen Entzündungsherde ausgeschlossen bzw. vermieden werden, die das Risiko einer Protheseninfektion erhöhen können.
„Fast Track“ - schnelle Mobilisation - hat sich bewährt
Mir wurde eine Operation zum Gelenkersatz dringend angeraten. Ich habe aber nicht nur vor der Operation Ängste, sondern vor allem auch Bedenken, was den Heilungsprozess betrifft. Wie schnell wird man wieder mobil?
Gerade bei gelenkersetzenden Operationen, was Knie oder Hüfte betrifft, geht es heutzutage in der modernen Medizin um „Fast Track“. Das bedeutet nichts anderes, als schnelles Wieder-fit-Machen. Das beginnt mit den minimal- und minderinvasiven OP-Techniken, betrifft den Verzicht auf Drainagen und Katheder, die frühe Mobilisation nach der OP und schnellstmöglich aktive Bewegungsübungen, ergänzt durch moderne Schmerztherapiekonzepte.
Trotz nur noch kurzer Verweildauer im Krankenhaus, in der Regel fünf bis sieben Tage, gibt es aktuell weniger Komplikationen als noch vor wenigen Jahren und vor allem eine höhere Patientenzufriedenheit.
Hilfreich sind bei den Nachbehandlungen auch die Formen der Physiotherapie, bei denen die Patienten durch den eigenen Willen viel beitragen können. Per Computer oder Smartphone kann man beispielsweise mit einer App bequem daheim Rehabilitationsübungen machen. Regelmäßige Kontrollen durch ausgebildete Physiotherapeuten unterstützen und helfen. Mit neuer Hüfte ist man in der Regel schneller wieder mobil als nach einer Knie-Prothese.
Operation auch bei einer Allergie?
Allergien sind überall auf dem Vormarsch. Ich habe eine Metallallergie und Arthrose in sehr ausgeprägter Form. Gibt es auch für mich die Möglichkeit einer operativen Therapie?
Ja, das kann die moderne Medizin heute leisten. Für Patienten, die allergisch auf Chrom, Nickel oder Molybdän reagieren, gibt es spezielle antiallergische Implantate. Diese haben meist eine Titannitrit- oder Zirkoniumnitridbeschichtung.
Ich habe vor vier Wochen neue Kniegelenke erhalten. Jetzt plagt mich eine Nasennebenhöhlenentzündung. Muss ich umgehend Antibiotika nehmen?
Die Befürchtung ist immer, dass Bakterien über die Blutbahn auf Wanderschaft gehen und damit auch in das neue künstliche Gelenk ziehen. Deshalb kommt es darauf an, wie der Heilungsprozess bisher erfolgt ist, wie viel Zeit wirklich vergangen ist. Ihr Arzt sollte die Entzündungswerte prüfen und dann entsprechend handeln.



