Schule in Spandau
: Bau für 170 Millionen Euro – was das Projekt so teuer macht

Die teuerste Schule von Spandau soll das Defizit von derzeit 1100 Schulplätzen verringern. Doch noch müssen ein paar Hürden überwunden werden.
Von
Jessica Neumayer
Spandau
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Wilhelmstraße 25, ehemaliges Kasernengeländer der britischen Besatzungszone

Ehemals wurde das Areal an der Wilhelmstraße 25 in Berlin-Spandau von den britischen Besatzungsmächten genutzt. Zukünftig sollen hinter den historischen Gemäuern Schülerinnen und Schüler lernen.

Jessica Neumayer

Spandau wächst. Durch zahlreiche Bauprojekte wird es zukünftig mehr Wohnraum im westlichen Randbezirk von Berlin geben. Dort, wo mehr Menschen wohnen, muss auch die Infrastruktur nachziehen. Vor allem in der Hinsicht auf Schul- und Kitaplätze herrscht in Spandau schon jetzt eine Unterversorgung. Ein Mega-Projekt im Ortsteil Wilhelmstadt soll Abhilfe schaffen.

Neben dem neuen Gymnasium in der Wasserstadt in Haselhorst sowie der geplanten Gemeinschaftsschule auf der Insel Gartenfeld soll eine Schule für die höheren Klassenstufen die Situation entspannen. Mit Baukosten von knapp 170 Millionen Euro könnte es die teuerste Schule Spandaus werden.

Tausende Schulplätze fehlen in Berlin-Spandau

„Die Versorgung mit Schulplätzen im Bezirk Spandau ist in allen Klassenstufen angespannt und kann zurzeit nur durch schulorganisatorische Maßnahmen ausgeglichen werden“, betont Schulstadträtin Dr. Carola Brückner (SPD). Solche Maßnahmen sind zum Beispiel, dass mehr Kinder in einer Klasse unterrichtet werden.

Wilhelmstraße 25

Die schmale Wilhelmstraße zwischen Kaufland und Busbahnhof ist zu Stoßzeiten verstopft. Ein Verkehrskonzept soll untersuchen, wie die zukünftig 1300 Schülerinnen und Schüler gut und sicher zur Schule kommen.

Jessica Neumayer

Im aktuellen Monitoring-Bericht der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (SenBJF) wird für das aktuelle Schuljahr im Bereich der Gemeinschaftsschulen ein Defizit von elf Zügen ausgewiesen, erläutert Brückner. Das bedeutet ein Minus von rund 1100 Plätze in den Klassenstufen sieben bis zehn.

Herausforderungen auf historischen Kasernengelände

Das ehemalige britische Kasernengelände an der Wilhelmstraße 25 bis 30 soll nun die Lösung bieten. Das Areal zwischen Kaufland und Heerstraße mit den Gebäuden aus roten Backsteinen hinter dem verschnörkelten, hohen Eisenzaun soll zukünftig für 1300 Schülerinnen und Schüler ein Ort zum Lernen werden.

Im Investitionsprogramm 2023 bis 2027 sind die Kosten für den Bau einer Gemeinschaftsschule mit Sporthalle in Höhe von 169.900.000 Euro schon aufgelistet. Als verantwortlich für das Projekt wird die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge eingeplant.

Dabei ist die Summe nicht so hoch, weil es sich um eine besondere Ausstattung handelt. „Bei einem Neubau hat man sich strikt an die geltenden Vorgaben der Senatsverwaltungen zu halten“, erläutert Brückner. Für die Schule gelten die gleichen Musterausstattungen, wie für andere Schulen auch.

Kostspielig wird das Projekt durch den geschichtsträchtigen Ort. Der Bau auf dem ehemaligen Kasernengelände „Smuts Barrack“ sei nicht einfach. Seitens der Stadträtin wird von „komplizierten Grundstücks- und Erschließungsgegebenheiten“ gesprochen.

Derzeit befindet sich das Grundstück noch im Eigentum des Bundes und muss angekauft werden. Auch die Größe der Schule für 1300 Personen spielt laut Brückner bezüglich der hohen Kosten eine Rolle. Weitere acht Prozent werden als konservative Baukostensteigerung mit eingerechnet.

Entscheidung für den Bau der Schule steht noch aus

Noch ist der Bau nicht beschlossen. Vorerst haben sich jüngst Senatsverwaltung und Bezirk getroffen, um noch offene Punkte zu besprechen. Nun liegt die Entscheidung bei der Senatsfinanzverwaltung. Mit einer Antwort wird noch innerhalb oder kurz nach den Sommerferien 2024 gerechnet, teilt Brückner mit.

Bereits in den finalen Zügen befindet sich ein Verkehrsgutachten. „In erster Linie muss die verkehrliche Erschließung einer Schule in dieser Größenordnung möglich sein“, klärt Brückner über weitere Hürden auf. Dies könnte auf der schmalen Wilhelmstraße am Busbahnhof der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ein Problem werden. Schon jetzt staut es sich zu Stoßzeiten und für den Fuß- und Radverkehr ist nur wenig Platz vorhanden.