"Wir sind alle sehr vorsichtig", heißt es aus der Führungsriege der Brandenburger Grünen derzeit. Die erste Runde der Sondierungen ist abgeschlossen. Heute treffen sich die Grünen mit den Linken und mit der CDU um weiter die Koalitionsmöglichkeiten auszuloten. Ein Treffen mit der SPD, diesmal unter Leitung von Dietmar Woidke, wird im Laufe der Woche folgen.
Während die bisherige Oppositionspartei im Wahlkampf vollmundig erklärt hatte, was alles mit ihr geht oder eben gar nicht geht, sind die Grünen jetzt spürbar bemüht die Verhandlungen nicht durch forsche Äußerungen zu belasten. Hinter verschlossenen Türen, so heißt es, zeigten sie aber, dass sie knallhart verhandeln wollen, wenn es später um die Sachthemen geht.
Öffentlich setzte man lediglich am vergangenen Freitag ein Zeichen, da wurden die bisherigen Spitzenkandidaten, Ursula Nonnemacher und Benjamin Raschke, deutlich. Als CDU-Parteichef Ingo Senftleben nach heftigen Querelen seinen Rückzug ankündigte, äußerten sie sich entsetzt über den Umgang der Christdemokraten mit ihrem Spitzenpersonal. Zwischen den Zeilen klang das als klares Warnsignal: Sollte die Werteunion innerhalb der CDU rund um Saskia Ludwig die Oberhand gewinnen, könnte das eine Kenia-Koalition in den Farben Rot-Schwarz-Grün gefährden.
Aus dem grünen Landesverband war schon vor der Wahl zu hören, dass es an der Basis eine Präferenz für Rot-Rot-Grün gibt. In der alten Landtagsfraktion schien aber die SPD als Hauptgegner zu gelten, deren Positionen man am besten aufbricht, wenn man sich mit der CDU verbündet und nicht Dritter in einem bereits bestehenden rot-roten Bündnis wird. die bisherige Fraktionschefin Nonnemacher hatte zudem bereits in der Kommunalpolitik in Falkensee mit der CDU zusammen gearbeitet – gegen einen SPD-Bürgermeister. Der Spitzenkandidat der CDU, Ingo Senftleben, war im Wahlkampf auch schon auf die Grünen zugegangen, als er sich dafür aussprach, kein weiteres Lausitzdorf abbaggern zu lassen und einen Nachhaltigkeitsbeirat mit einem Drittel Jugendlicher als Beratungsorgan der Landesregierung zu etablieren. Was davon nach seinen Abgang übrig bleibt, muss sich erst noch zeigen.
Die Vorsicht der Grünen hat auch eine weitere Ursache: Die Parteiführung muss sich die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen bereits von der Basis und nicht nur vom Vorstand absegnen lassen. Wenn die Verhandlungsdelegation den Mitgliedern die Keniavariante vorschlägt, muss sie triftige Argumente auf den Tisch legen. Die knappe Mehrheit von Rot-Rot-Grün reicht da kaum. Schließlich hat ein solches Bündnis in Thüringen mit nur einer Stimme Mehrheit eine ganze Legislaturperiode durchgehalten.

Überschrift Infokasten diesmal zwei Zeilen