Sparen für Anfänger
: Mit ETFs in Aktien einsteigen - was ist dabei zu beachten?

HintergrundWer langfristig Geld anlegen möchte, aber große Risiken scheut, dem wird zum Aktien-ETF geraten. Eine Finanzberaterin der Verbraucherzentrale hat in einem Webseminar in das Thema eingeführt.
Von
Annegret Krüger
Frankfurt (Oder)/Cottbus
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Geldscheinflieger zeigen auf einen ETF Kursverlauf

Wie lässt sich Geld mit ETFs vermehren? Eine Expertin hat es im Webseminar erklärt. Fragen und Antworten.

Christin Klose/dpa-mag/dpa
  • ETFs bilden Indizes ab, sind günstig, aber nicht „sicher“ wie Tages- oder Festgeld.
  • Aktien-ETFs streuen breit; Verlustrisiko bleibt, geringer als bei Einzelaktien.
  • Langfristig anlegen (mind. zehn, besser 15 Jahre), „Buy and Hold“ empfohlen.
  • Vor Kauf: Basisinformationsblatt prüfen; Depotkosten und Service vergleichen.
  • Ausschüttend zahlt Dividenden aus, thesaurierend reinvestiert; ETFs sind Sondervermögen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In den vergangenen Jahren ist das Interesse an ETF-Sparen stark gestiegen. Aber was hinter diesen börsengehandelten Fonds steckt und wie diese Form der Geldanlage funktioniert, worin Vorteile und Risiken liegen, wissen viele Verbraucher noch nicht oder nur vage. In einem Webseminar „ETF für Einsteiger“ hat Anett Fajerski von der Verbraucherzentrale Brandenburg dazu informiert und Fragen beantwortet.

Bei meinen Überlegungen, Geld fürs Alter sicher anzulegen, denke ich auch über Aktien nach. Was wäre die beste Geldanlageform für mich, ohne dabei sehr große Risiken eingehen zu müssen? 
Das kann pauschal so nicht beantwortet werden. Es kommt darauf an, wie Sie für sich persönlich die beste Geldanlageform definieren. Wir sprechen dabei auch vom sogenannten „magischen Dreieck der Geldanlage“. Dieses verdeutlicht das Spannungsverhältnis zwischen Rendite, Sicherheit sowie Verfügbarkeit und zeigt, dass alle drei Anlageziele nie gleichzeitig optimal erreicht werden können.

Die Wahl der Anlagestrategie hängt daher von Ihrer persönlichen Risikobereitschaft sowie Risikotragfähigkeit ab, sprich von weiteren Vermögenswerten, um auch Zeiten von Kursrückgängen „entspannt aussitzen“ zu können. Investieren Sie daher immer nur Geld in Aktien-ETF, welches Sie langfristig nicht benötigen. Gewichten Sie in Ihrer Anlagestrategie chancenorientierte Anlageformen (z. B. Aktien-ETF) und sichere Geldanlagen (z.B. Festzinssparen) nach Ihrer persönlichen Prioritätensetzung.

Experten erklären: ETFs haben zwei Besonderheiten

Was ist ein ETF? 
ETFs gehören ganz allgemein zu den Investmentfonds, von denen es viele verschiedene Arten gibt. Sie weisen aber zwei Besonderheiten auf. Die erste ist, dass sie an einer Börse gehandelt werden. Daher kommt auch ihr Name: ETF steht für Exchange-Traded-Fund. Die zweite Besonderheit von ETFs ist, dass ihre Anlagestrategie darin besteht, die Wertentwicklung eines bestimmten Index nachzubilden. Auch dies hat für Sie als Anleger ganz erhebliche Kostenvorteile: Die jährlichen Verwaltungskosten sind niedriger als bei anderen Fonds.

Als recht sichere Anlage sind immer mehr ETFs im Gespräch. Sie investieren aber auch in Aktien, warum sind diese sicherer als einzelne Aktien? 
Zunächst ist die Annahme, ETFs seien eine sichere Anlageform, falsch. Im Gegensatz zu sicheren Geldanlagen wie Sparkonten, Banksparplänen oder Tagesgeldkonten, bei denen ich mindestens mein eingezahltes Kapital zurückbekomme, habe ich bei ETFs wie bei allen börsengehandelten Produkten immer ein Verlustrisiko. Dieses ist bei Aktienfonds allerdings durch die Streuung der Investition in viele Aktiengesellschaften geringer als beim Kauf einer einzelnen Aktie.

Was ist ein Aktienindex? 
Das ist der Maßstab für die durchschnittliche Wertentwicklung einer Auswahl von Aktien. An Aktienindizes orientieren sich die Fondsgesellschaften, wenn sie mit den entsprechenden ETFs diese Börsenindizes passiv nachbilden.

Was ist ein Aktienindex? 
Das ist der Maßstab für die durchschnittliche Wertentwicklung einer Auswahl von Aktien. An Aktienindizes orientieren sich die Fondsgesellschaften, wenn sie mit den entsprechenden ETFs diese Börsenindizes passiv nachbilden.

Welche ETFs gibt es? 
Bei ETFs gibt es verschiedene Anlageklassen, auch wenn in der Regel Aktien-ETFs gemeint sind, wenn von ETFs gesprochen wird. Aktien-ETFs bilden einen bestimmten Aktienindex nach. Ein Beispiel für Weltaktien-Indizes ist der „MSCI World“, der 1500 Aktien aus
23 Industrieländern enthält. Der „FTSE Developed“ vereint mehr als 2000 Aktien aus
25 Industrieländern, der „FTSE AllWorld“ hat sogar mehr als 4100 Aktien. Für den europäischen Markt gibt es beispielsweise den „MSCI Europe“ oder „EMSI Emerging Markets“.

ETF: Langfristige Renditen hoch, Kosten gering

Welches sind Chancen und Risiken? 
Mit ETFs können Sie an den Erträgen einer breit gestreuten Anlage an den Kapitalmärkten teilhaben. Bei Aktien-ETFs sind es Dividendenerträge und Kursgewinne. Die langfristige Rendite der Aktienfonds lag mit sieben Prozent pro Jahr in der Vergangenheit im Durchschnitt deutlich über der aller anderen Anlageklassen. Während Sie bei einer Streuung über viele Aktiengesellschaften jedes Jahr mit Dividendenzahlungen rechnen können, sind Kursgewinne dagegen unsicher. Aktienkurse können auch über mehrere Jahre hinweg gleichbleiben oder fallen.

Der größte Vorteil von ETFs liegt in den geringeren Kosten im Vergleich zu anderen Investmentfonds. Die jährlichen Verwaltungsgebühren für herkömmliche Fonds mit aktivem Management betragen in der Regel 1,5 bis 2,0 Prozent des Fondsvermögens. Die Gebühren für ETFs liegen dagegen meist zwischen 0,07 und 0,3 Prozent des Fondsvermögens. ​

Ein weiterer Vorteil ist die Verfügbarkeit. ETFs lassen sich einfacher verkaufen als herkömmliche Investmentfonds – also leichter zu Bargeld machen. Denn ETFs werden über die Börse gehandelt – und zwar anders als herkömmliche Fonds nicht nur einmal pro Tag. Die Gutschrift erfolgt auf dem Konto zwei Bankarbeitstage später.​

Zudem ist die Anlageform transparent. Zu ETFs, die einen bekannten Index nachbilden, können Sie jederzeit im Internet Informationen über die Zusammensetzung des Index abrufen.

Welche Anlagetipps haben Sie gerade für Einsteiger? 
Am besten wählen Sie ETFs, die einen weltweiten Aktienindex abbilden. So nehmen Sie am Erfolg Tausender Unternehmen weltweit teil. Diese ETFs können die Basis Ihrer langfristigen Geldanlage und Altersvorsorge sein. Sie sind kostengünstig und garantieren eine breite Risikostreuung. Wichtig ist der lange Anlagehorizont von mindestens zehn, besser 15 Jahren.

Dann ist es wichtig, an einer breit gestreuten Anlagestrategie festzuhalten. Lassen Sie sich nicht von der täglichen Flut an Börsennachrichten, Investment-Newslettern, Finfluencern auf Instagram oder Vergleichsportalen verunsichern. All diese Inhalte verfolgen nur das Ziel, Ihnen irgendetwas zu verkaufen. ​

Ganz wichtig: Investieren Sie kein Geld in Aktien-ETFs, das Sie in den nächsten Jahren dringend brauchen. Die Börse schwankt – und damit auch der Wert Ihrer Aktien-ETFs.Zukünftige Entwicklungen sind stets ungewiss, ETFs erfordern Gelassenheit plus die finanzielle Möglichkeit, Kurseinbrüche aussitzen zu können. Kombinieren Sie daher sichere Geldanlagen wie Tages- oder Festgeld und Ertragsanlagen wie ETFs.

Worauf sollte man vor einem ETF-Kauf schauen? 
Schauen Sie in das „Basisinformationsblatt“ des ausgewählten ETF, das jeder Fondsanbieter veröffentlichen muss. Dies enthält die wichtigsten Fondsdaten wie Anlageziel, Kosten und Ertragsverwendung. So gehen Sie sicher, dass Sie auch wirklich das bekommen, was Sie ausgewählt haben.

Wie wird ein Depot eröffnet?

Was sollte ich unbedingt beachten bei einer Depoteröffnung?
Zunächst benötigen Sie ein Depot. Dies stellen Sie sich vor wie ein Bankschließfach, in dem Ihre Fondsanteile verwahrt werden – eben nur digital. In einem ersten Schritt vergleichen Sie die Gesamtpreise von Online-Depots – also Depot-, Sparplan- und Orderkosten. Einige Depotbanken bzw. Neobroker bieten die kostenfreie Ausführung einer Vielzahl von ETF-Sparplänen sowie sehr kostengünstige Ordergebühren an. Entsprechende Anbietervergleiche können Sie beispielsweise bei der unabhängigen „Stiftung Warentest“ einholen.

Neben dem Blick auf die Kosten sollten Sie auf weitere Faktoren wie das Serviceangebot oder die Möglichkeit einer Vollmachtserteilung achten. Zudem bieten nicht alle Depotbanken die Eröffnung von Gemeinschafts- bzw. Minderjährigendepots an.

Als Nächstes stellen Sie einen Depotantrag und legitimieren sich über Post- bzw. Video-Ident-Verfahren. In der Regel ist die zusätzliche Eröffnung eines Verrechnungskontos, das meist kostenfrei und als Tagesgeldkonto geführt wird, erforderlich. Auch wichtig: Vergessen Sie nicht, einen Antrag auf Freistellung der Kapitalanträge einzureichen. Dann kann es losgehen mit dem ETF-Kauf.

Neben Sparplan ist Einmalanlage möglich

Was ist ertragreicher: Sparplan oder höhere Einmalanlage? 
Das kann niemand voraussagen, denn dies ist abhängig von der zukünftigen Kursentwicklung Ihrer Fondsanlage. Die Entscheidung, ob Sie regelmäßig sparen oder einmalig anlegen wollen, sollte grundsätzlich nur davon abhängig gemacht werden, wie Ihnen Geld zur Verfügung steht und welches Sparziel Sie verfolgen.

Entscheidend für die Höhe der Rendite Ihrer Geldanlage sind neben der positiven Kursentwicklung der Wertpapiere die Kosten für den Kauf und Verkauf der ETFs. Daher schauen Sie bei einer geplanten Einmalanlage auf die sogenannten Ordergebühren, für regelmäßiges Sparen auf das Entgelt für die Ausführung des Sparplans. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Anbietern mit kostengünstigen oder gar kostenfreien Angeboten

Fotograf: André Wagenzik

Anett Fajerski ist Finanzberaterin bei der Verbraucherzentrale Brandenburg und hat durch das Webseminar geführt.

André Wagenzik

Was bedeutet: thesaurierend und ausschüttend? 
Bei ETFs fallen laufende Kapitalerträge an, wie Dividenden oder Zinsen. Ausschüttende ETFs geben diese einmal pro Quartal oder pro Jahr direkt an die Anleger weiter. Das Geld wird dann auf das Verrechnungskonto des Depots gebucht. Thesaurierende ETFs dagegen investieren die ihnen zugeflossenen Mittel erneut in den Kauf der Fondsanteile. Das Geld bleibt also im Fonds, Anleger müssen sich keine Gedanken über die Wiederanlage machen. Allerdings haben sie auch keine laufenden Einnahmen.

Empfohlen wird „Buy and Hold“

Ist es ratsamer, ETFs einfach nur zu halten oder wirklich zu handeln? 
Das kommt auf Ihre individuelle Anlagestrategie an. Gerade für ETF-Einsteiger ist die „Buy and Hold“-(Kaufen und liegen lassen)-Strategie ratsamer, denn nicht umsonst heißt es salopp: „Viel Hin und Her macht die Taschen leer“. Prüfen Sie regelmäßig, beispielsweise einmal jährlich, ob Ihre Anlagestrategie noch zutrifft und passen sie dann entsprechend an.

In welchen Situationen sollte man ETFs unbedingt verkaufen? 
Abzuraten ist grundsätzlich von Panikverkäufen bei plötzlichen Kursrückgängen. Wenn man etwas aus der langjährigen Börsengeschichte ableiten kann, dann dies: Auf ein Tief folgte unweigerlich irgendwann das nächste Hoch. Nur den Zeitpunkt kann niemand seriös voraussagen.

Verkaufen könnte man als Anleger beispielsweise, wenn gesteckte Sparziele erreicht wurden oder durch bestimmte Lebenssituationen eine Umschichtung in risikoärmere Anlagen sinnvoll erscheint. Nach starken Kursgewinnen oder -verlusten sollte man als Anleger die Balance zwischen
sicheren und riskanten Anlagen neu bewerten und entsprechend gegensteuern. ​

Sinnvoll kann es individuell auch sein, die jährlichen Freibeträge für Kapitalerträge mit entsprechenden Auszahlungen auszuschöpfen. Behalten Sie dabei aber die Kosten für die Verkaufsorder mit im Blick.​

Wenn man Geld anlegt auf einer Bank, dann gibt es bis zu einer bestimmten Höhe eine Anlagensicherung. Greift diese auch bei Depots? 
ETFs genießen genau wie herkömmliche Investmentfonds den Rechtsstatus eines Sondervermögens. Das bedeutet: Ihre Anteile werden getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft und der Depotbank aufbewahrt. Falls die Bank, bei der Sie das Depot führen, oder die Fondsgesellschaft zahlungsunfähig werden sollten, sind Ihre ETF-Anteile nicht davon betroffen.

ETFs vererben - geht das?

Ich bin bereits knapp über 70 Jahre alt. Lohnt es da noch, sich mit ETFs zu beschäftigen, weil man sie ja langfristiger angehen soll. 
Ihr Alter ist streng genommen nicht entscheidend. Ob ETFs passen, kommt auf Ihre persönlichen Anlageziele sowie Ihre Risikobereitschaft an. Es müssen nicht immer ETFs sein. Treffen Sie eine Entscheidung, mit der Sie ruhig schlafen können. Manchmal ist erfahrungsgemäß bei der Geldanlage „der Spatz in der Hand besser als die Taube auf dem Dach“.

Kann ich ein Depot für meinen Enkel anlegen? 
Nein, ein Depot für Minderjährige können nur die sorgeberechtigten Eltern als gesetzliche Vertreter eröffnen. Sie können selbstverständlich das Geld für die Fondsanlage beisteuern: Die entsprechenden Kauf- und Verkaufsaufträge müssen allerdings die Eltern erteilen, bis Ihr Enkel mit Erreichen der Volljährigkeit voll geschäftsfähig ist.

Kann ich meine ETFs vererben, denn jetzt möchte ich sie nicht mit Verlusten auslösen, weiß aber aus gesundheitlichen Gründen nicht, wie viel Lebenszeit mir noch bleibt? 
Wie bei jeder anderen Geldanlage geht das Depot im Todesfall auf die Erben als Rechtsnachfolger über. Diese können dann entscheiden, ob sie die ETFs behalten, weiterbesparen oder verkaufen möchten.

Kann ich jemandem meines Vertrauens eine Vollmacht erteilen, der sich um mein Depot kümmert, wenn ich gesundheitlich eingeschränkt bin oder versterben sollte? 
Erstrangig greifen Bankvollmachten zu Ihren Lebzeiten, wenn jemand in Ihrem Namen handeln muss, weil das für Sie gerade nicht möglich ist. Es gibt auch Vollmachten über den Tod hinaus, aber dann gilt gleichzeitig das Erbrecht. Das sollten Sie beachten und sich für den Fall von erbrechtlichen Fragen anwaltliche Unterstützung suchen.

Wo kann man sich weiter informieren?

Die Verbraucherzentrale Brandenburg hat auf ihrer Website weitere Informationen und Hintergründe zusammengestellt, darunter:

- ein Finanzglossar zum Sparen und Anlegen,

- ein Überblick über Investmentfonds,

- Kriterien bei der Auswahl von Investmentfonds wie ETFs,

- nachhaltige Geldanlage.

Auch die Stiftung Warentest informiert umfangreich.