Spielplatz in Berlin: Kaufhaus wird Sport-Fläche – Steglitzer Kreisel lockt Familien

Im Steglitzer Kreisel in Berlin gibt es derzeit auch regelmäßig kostenlose Salsa-Kurse.
Maria Neuendorff- Ehemaliges Kaufhaus in Berlin-Steglitz wird zur kostenlosen Sport- und Eventfläche.
- Angebote: Yoga, Rollschuh-Disko, Salsa-Kurse, Boxtraining und Kids-Skating-Workshops.
- Eintritt kostenlos, Spenden erwünscht. Rollschuhverleih für 3,50 €/Stunde.
- Nutzung bis 31. Juli 2025, Projekt wird von der Adler Group unterstützt.
- Weitere Pläne: Drohnen-Flugkurse, Trödelmärkte und Bastelstationen an Wochenenden.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
An der Fassade des Steglitzer Kreisels in Berlin ist immer noch die rote Werbeschrift des ehemaligen „Globetrotter“-Kaufhauses zu sehen. Doch wer durch die Glastüren der Einkaufspassage tritt, findet keine Outdoor-Klamotten, sondern einen großen Indoor-Spielplatz vor.
Das Erdgeschoss des 70er-Jahre-Wolkenkratzers am Ende von Autobahn und Schloßstraße in Berlin-Steglitz hat sich in eine temporäre Sport- und Eventfläche verwandelt. Die Künstler-Initiative „Zeit ist knapp“ bespielt die knapp 4500 Quadratmeter für die Allgemeinheit und hat so einen Lost Place zum Ort der Begegnung gemacht.
Sport in Berlin – Rollschulfahren auf Parkettboden
Unter anderem gibt es Yoga, Tanz-Kurse, Rollschuh-Disko und Boxtraining für Jugendliche. Der Eintritt ist offiziell kostenlos, aber Spenden sind ausdrücklich erwünscht. „Jeder gibt, was er will und kann“, sagt Kerem Kaynak und zeigt auf einen Hut am Eingang, in den heute schon ein paar Scheine und viel Silbergeld gewandert sind.
Der Förderschulbetreuer aus Berlin, der derzeit im Kreisel zweimal die Woche Klangstunden mit Instrumenten für Kinder anbietet, bewacht an diesem Mittwochabend ehrenamtlich die Tür. Denn eigene Getränke mit hineinzunehmen, ist nicht erlaubt. „Man kann seine Flaschen aber neben dem Eingang deponieren und sich Kaffee und Softdrinks an der Bar kaufen“, erklärt Kaynak, der demnächst auch Musiktherapie auf Spendenbasis anbieten will.
Während der großgewachsene Mann neue Gäste begrüßt und ihnen die Räumlichkeiten und Regeln erklärt, schmeißt ein Tanzlehrer am DJ-Pult Latein-amerikanische Musik an. Frauen und Männer gemischten Alters haben sich im Kreis aufgestellt und lauschen den Anweisungen des Salsa-Experten.
Die untere Fläche, in der früher die Fahrrad-Abteilung angesiedelt war, wird nun als Tanzboden verwendet. In einem abgetrennten Bereich, der bis zum Busbahnhof reicht, drehen Menschen auf Rollschuhen ihrer Runden. Das Holzparkett eignet sich bestens für das geschmeidige Dahingleiten zu Musik.
Manche Eltern, die selbst keine Lust zum Skaten haben, machen es sich am Rand auf Bänken und Sofas gemütlich. Während blutige Anfänger ihre ersten Schritte auf Rollschuhen wagen, bewegen sich einige ältere Semester, als würden sie für die Eislauf-WM trainieren.

Blick in die ehemaligen Verkaufsräume des Globetrotter-Warenhauses im Fuße des Steglitzer Kreisels in Berlin. Jetzt können Gäste hier in den Boxring treten.
Marc Liebling„Meine Kinder haben am Sonnabend beim Kids-Skating-Workshop mitgemacht und sind jetzt Feuer und Flamme“, erzählt Marina Köhler. Die 42-jährige Mutter hat selbst Rollschuhe an den Füßen und einen Helm auf dem Kopf, plauscht aber gerade mit Mann und Freundin, während ihre achtjährigen Zwillinge von Runde zu Runde besser werden.
Steglitzer Kreisel Berlin – Rollschuhverleih vor Ort
Die Steglitzerin erzählt besonders begeistert von der Roller-Disko, die jeden Donnerstagabend von 18 bis 23 Uhr inklusive Rollschuh-Flohmarkt und Anfänger-Workshops stattfindet. Dann und an den Sonnabenden können sich Besucher vor Ort Rollschuhe für 3.50 Euro die Stunde ausleihen.
Auf dem Boden sieht man neben den neuen Sicherheitshinweisen auch alte Aufdrucke, die auf den Ausverkauf im Globetrotter-Kaufhaus hinwiesen. Der ist schon fünfeinhalb Jahre her. Doch wer genau hinschaut, kann noch die Umrisse der Kassenbereiche erkennen.

Der Parkettboden im Untergeschoss des ehemaligen Globetrotter-Geschäfts im Steglitzer Kreisel in Berlin eignet sich bestens für Rollschuh- und Rollerfahrer.
Marc LieblingIn einem weiteren Raum wurde die Decke mit einem Netz unterspannt. Hier soll es bald Drohnen-Flugkurse geben. Auch regelmäßige Trödelmärkte sind geplant.
Die Angebote, die sich seit Ende Dezember 2024 besonders an Familien mit Kindern richten, werden nicht nur von Menschen aus dem Kiez genutzt. Die Leute kommen von weiter her. Das Parkhaus wirkt zwar heruntergekommen, ist aber noch in Betrieb und kostet pro Tag maximal 2,50 Euro. Besonders an Sonnabenden, wenn eine Bastelstation aufgebaut wird, ist ordentlich Betrieb.
Steglitzer Kreisel – Paradies für Kinder
„Das ist hier ein Paradies für Kinder“, sagt ein Rentner aus Friedenau, der nach einer Stippvisite fünf Euro in den Hut spendet. Obwohl er schon 79 Jahre alt ist und keine Enkel hat, könnte auch er sich vorstellen, sich lieber in einen der Sessel zu pflanzen, anstatt in einem der Coffee-Shops auf der Schloßstraße einzukehren, sagt der Berliner.
Dass der 120 Meter hohe Turm des Steglitzer Kreisels, dessen entkerntes Gerippe von Weitem zu sehen ist, seit so vielen Jahren leer steht und es mit den geplanten Wohnungen nicht vorangeht, ärgert ihn.
Der derzeitige Eigentümer, die Adler Group, will das Hochhaus am U- und S-Bahnhof Rathaus Steglitz nach eigenen Angaben verkaufen. Zu näheren Inhalten der Gespräche mit potenziellen Interessenten wolle man sich derzeit nicht äußern, heißt es auf Nachfrage vom Unternehmen.
Aber zum Indoor-Angebot gibt es ein Statement: „In Abstimmung mit ,Zeit ist knapp‘ wurde eine Nutzungszeit bis zum 31. Juli 2025 vereinbart“, sagt die Sprecherin der Adler Group, Dobroslawa Pazder. „Wir finden diese Initiative äußerst relevant und förderungswürdig, und es ist uns eine große Freude, ein Projekt zu unterstützen, das im Bezirk einen lebendigen, kulturell wie sozial bedeutsamen Treffpunkt schafft und eine Vielzahl von familienfreundlichen Aktivitäten anbietet.“

Der Steglitzer Kreisel in Berlin ist derzeit nur ein Gerippe und soll vom Eigentümer demnächst verkauft werden.
Marc LieblingSo müssen die Macher keine Miete zahlen, sondern lediglich einen geringen Teil der Nebenkosten aufbringen. Einen ähnlichen Deal gab es zuvor schon im Schloss-Straßen-Center SSC am Walter-Schreiber-Platz, wo das ZIK-Kollektiv die Flächen der leer gezogenen Primark-Filiale mit Kultur- und Sportangeboten bespielte.
Doch noch arbeiten die beiden ZIK-Geschäftsführer – der Eventmanager Moritz Senff und der Künstler Rebbek Wehner – ehrenamtlich. „Wir stehen immer noch am Anfang und müssen nicht experimentieren, denn es gibt keine Blaupause, an der wir uns orientieren könnten“, erklärt Moritz Senff. So ist der 36-Jährige auch heute wieder Mädchen für alles. Er läuft mit der Bohrmaschine durch die Räume, hilft am Café-Tresen und ist Ansprechpartner für Fragen der Besucher.
Berlin – weitere Indoor-Projekte geplant
Vor ein paar Jahren noch hat Senff im Berliner Nachtleben Techno-Events organisiert. Zuletzt hat der Eventmanager im Wellwerk, einer Indoor-Surfhalle in Lichtenberg, gearbeitet. Sein Partner kommt aus dem berühmten Berliner Klub Kater Blau. „Wir beide waren nicht mehr so zufrieden in unseren Jobs und wollten etwas Neues versuchen“, sagt Senff.
Neu ist das Thema temporäre Zwischennutzung in Berlin zwar nicht. „Aber früher ging es dabei meistens um Vereine und hatte etwas von Besetzer-Kultur“, erzählt Senff. Um die Zwischenraumnutzung als seriöses Nachhaltigkeitsmodell für Immobilienbesitzer und Projektentwickler zu etablieren, haben er und seine Mitstreiter extra keinen gemeinnützigen Verein, sondern eine Kapitalgesellschaft gegründet.

Künstler Rebbek Wehner (l.) und Eventmanager Moritz Senff bespielen derzeit das Erdgeschoss des Steglitzer Kreisels in Berlin mit Sport- und Kulturangeboten.
Maria NeuendorffDenn durch das Stammkapital einer GmbH von mindestens 25.000 Euro seien Immobilienbesitzer auch im Falle von Schäden oder Pleite abgesichert, erklärt Senff. Mit den Sport- und Kultur-Angeboten für die Allgemeinheit bekämen die Immobilienfirmen wiederum positive Presse und könnten im besten Fall den Wert ihrer Häuser sogar noch steigern.
Dazu werde die Zeit der Nutzung von den ZIK-Künstlern selbst begrenzt und im Vorfeld vertraglich festgezurrt. „Immobilienentwickler fürchten nichts mehr als Zwischennutzer, die sie nicht mehr loswerden“, erklärt Senff. Dass die Zeit-ist-knapp-GmbH aber von sich aus nach ein paar Monaten weiterziehen will, soll alleine schon der Name klarmachen.
Wenn es nach dem Künstlerkollektiv und den Nutzern geht, könnte das Projekt im Steglitzer Kreisel künftig auch als Modell für andere Orte in Berlin dienen. Als nächste Station böte sich das Shoppingcenter Boulevard Berlin am U-Bahnhof Schloßstraße an. „Da gibt es auch Leerstand“, weiß Moritz Senff.
Zeiten und Angebote
Die Angebote des Künstlerkollektivs „Zeit ist knapp/Zentrum für internationale Künste“ finden derzeit immer mittwochs und donnerstags ab 18 Uhr, freitags ab 17 Uhr und sonnabends ab 14 Uhr im Fuße des Steglitzer Kreisels (ehemalig Globetrotter) an der Schloßstraße 83 in Berlin-Steglitz statt.
Einen genauen Stundenplan mit den Angeboten gibt es im Internet unter https://zeitistknapp.de/eventkalender



