Stau in Berlin
: Baustellen-Flut auf Straßen – müsste es gar nicht mehr geben

Straßen, Schiene, Radweg – manchmal sind überall gleichzeitig Baustellen. Für Menschen in Berlin und Brandenburg, die zur Arbeit pendeln müssen, eine Zumutung. Das soll sich ändern. Die Idee dahinter.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Auf der Seestraßen in Berlin-Wedding wird gebaut. Die Autofahrer stauen sich schon lange vor der Stelle, an der sie nur noch eine Fahrbahn zur Verfügung haben.

Auf vielen Straßen in Berlin wird derzeit gebaut. Damit sich der Verkehr nicht noch mehr staut, gibt es jetzt einen neuen Vorstoß der Verwaltung.

Markus Kositzki
  • Berlin plant bessere Baustellenkoordination, um Verkehrsstaus zu verringern.
  • Rund 300 Baustellen im Februar 2025, häufig schlecht abgestimmt.
  • CDU und SPD fordern verpflichtende Nutzung des Baustellenatlas.
  • Geplante Großbaustellen in Kreuzberg und am Tempelhofer Damm sollen besser koordiniert werden.
  • Autofahrer können Baustelleninfos per App abrufen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ein Blick in die Karte der Verkehrsinformationszentrale Berlin verrät: Mitte Februar 2025 gibt es auf den Straßen der Hauptstadt rund 300 Baustellen. Meist wird dabei die Straße gesperrt oder einzelne Fahrbahnen sind dicht.

Autofahrer stehen vor den Nadelöhren so noch länger im Stau, und auch so manche Umfahrung führt zwei Ecken weiter gleich wieder vor ein Sperrschild. Denn die Baumaßnahmen, die Wasserbetriebe, Energie- und Internet-Unternehmen, BVG sowie die Bezirksämter im öffentlichen Straßenland durchführen, „finden häufig weder zeitlich noch räumlich abgestimmt statt“, heißt es in einem Antrag von CDU und SPD im Berliner Abgeordnetenhaus.

Baustelle in Berlin – Aufgrabeverbot wird nicht eingehalten

Um dem Baustellen-Chaos in Berlin etwas entgegenzusetzen, fordern beide Berliner Fraktionen unter der Überschrift „Baustellen koordinieren – Beeinträchtigungen reduzieren“ gemeinsam den Senat auf, künftig dafür Sorge zu tragen, dass Baustellen besser abgestimmt werden. Dazu soll das schon seit 2014 geltende sogenannte Aufgrabeverbot von fünf Jahren für neu hergestellte Fahrbahnen und Seitenstreifen auch eingehalten werden, was laut Antragsteller vielerorts noch nicht geschehe.

Helfen soll dabei der Baustellenatlas der Firma Infrest. Das Internetportal existiert zwar schon seit 2016, werde aber laut CDU und SPD immer noch nicht von allen Bezirken genutzt. Dabei ist es für berechtigte Nutzer kostenlos und laut Entwickler gar nicht kompliziert. „Die Eingabe beansprucht etwa fünf bis zehn Minuten“, erklärt Jürgen Besler, Geschäftsführer der Infrest.

Die Nutzung des Online-Portals verschaffe nicht nur eine bessere Übersicht darüber, wo wer wie lange in der Stadt baut, sondern erleichtere vor allem die Kooperation und Abstimmung zwischen den einzelnen Playern, erklärt der Entwickler. Dazu gehörten unter anderem die Energieunternehmen, die aufgrund der Wärmewende die zum Teil viele Jahrzehnte alten Rohrsysteme unter den Berliner Straßendecken zukunftsfähig machen müssten.

Das Online-Portal, das in Berlin entwickelt wurde, werde auch schon von anderen Städten wie beispielsweise Düsseldorf, Köln und Essen genutzt, berichtet Besler. Problematisch in Berlin sei, dass es keine zentrale Koordinierungsstelle gebe, die den Hut aufhat. „Hier gibt es mit den zwölf Bezirken auch zwölf Tiefbauämter“, erklärt Besler.

Die Müllerstraße in Berlin-Wedding ist aufgrund von Bauarbeiten am U-Bahnhof Seestraße halbseitig gesperrt. Auch viele unterirdische Baumaßnahmen haben Einfluss auf den Straßenverkehr.

Die Müllerstraße in Berlin-Wedding ist aufgrund von Bauarbeiten am U-Bahnhof Seestraße halbseitig gesperrt. Auch viele unterirdische Baumaßnahmen haben Einfluss auf den Straßenverkehr.

Markus Kositzki

CDU und SPD fordern deshalb eine Baustellenkoordinierungsrunde, an der einmal jährlich alle relevanten, im öffentlichen Straßenland agierenden Tiefbauunternehmen teilnehmen, um Konfliktpotentiale zwischen Baumaßnahmen in unterschiedlichen Bezirken zu vermeiden.

Zudem solle die Nutzung des Baustellenatlas für alle Bezirke verpflichtend werden. Auch die Antragstellung für die Sondernutzung des öffentlichen Straßenlandes Baumaßnahmen solle fortan ausschließlich digital möglich sein, heißt es in dem Antrag, der vom CDU-Vorsitzenden Dirk Stettner und dem Berliner SPD-Chef Raed Saleh sowie von den verkehrspolitischen Sprechern beider Parteien unterschrieben ist.

Stau in Berlin – bessere Baustellen-Koordination gefragt

Ein Beispiel, wie eine bessere Koordination zwischen Bauträgern gehen kann, könnte in wenigen Tagen eine Großbaustelle in Kreuzberg zeigen. Die Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg (NBB), die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und die Berliner Wasserbetriebe erneuern in der Gneisenaustraße sowie einigen umliegenden Wohnstraßen gemeinsam in den kommenden vier Jahren ihre Leitungen beziehungsweise den Tunnel der U-Bahn-Linie 7.

„Durch das gemeinsame und abgestimmte Bauen entstehen Synergien und die verkehrlichen Einschränkungen sowie die Belastungen für Anwohnende werden begrenzt“, erläutern die drei Unternehmen in einer Pressemitteilung. Für die Koordination habe man zusätzlich das Know-how eines externen Planungsbüros genutzt.

Und auch, wenn ab 2026 der Tempelhofer Damm für ein paar Jahre aufgerissen werden soll, will die BVG zeitgleich mit den Berliner Wasserbetrieben bauen. Im Zuge der Bauarbeiten zwischen dem Platz der Luftbrücke und der Autobahnanschlussstelle Tempelhof sollen zusätzlich auch die Querschnitte der wichtigen Pendlerverbindung verändert werden.

Diese Großbaustelle wird ebenfalls zu jahrelangen Einschränkungen auf dem Tempelhofer Damm führen. Über die Technik der Firma Infrest, übrigens eine Tochter der NBB Netzgesellschaft, könne man inzwischen schon vor Baustart die Verkehrsströme der geplanten Umleitungen simulieren und daraus die sinnvollsten Maßnahmen ableiten, erklärt Infrest-Chef Besler.

Stau in Berlin – Baustellen-Infos für Autofahrer

Aber auch die Autofahrer selbst können sich die Daten aus dem Baustellenatlas mithilfe der App „Digitales Baustelleninformationssystem (BIS)“ direkt auf das Smartphone holen und so aktuelle Informationen über die Dauer von Baustellen einholen.

Dabei wird mit der Smartphone-Kamera an der jeweiligen Baustelle eine DIN genormte Baustellenbake gescannt. Mit der Standortbestimmung per GPS und unter Nutzung der im Baustellenatlas hinterlegten Daten ermittelt die BIS-App dann die Baumaßnahme. Dem Nutzer werden der Auftraggeber sowie die Art und der Zeitraum der Baumaßnahme angezeigt.

Noch einfacher ist es, vor Fahrtantritt auf der Webseite der Berliner Verkehrsinformationszentrale (VIZ) über einen Filter direkt nach Baustellen auf Straßenabschnitten zu suchen.

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