Thorka aus Eberswalde
: Pläne für FFP-Masken aus Brandenburg wohl gescheitert

Die Eberswalder Firma Thorka will Medizin-Ausrüstung produzieren, vermisst aber die nötige politische Unterstützung.
Von
Mathias Hausding
Eberswalde
Jetzt in der App anhören

Reine Zwischenlösung: Mitarbeiterinnen des Schultaschenherstellers Thorka in Eberswalde nähen einfache Schutzmasken. Die perspektivische Fertigung von medizinischen FFP-Masken wird aktuell geprüft.

Patrick Pleul/dpa

Doch inzwischen ist der Eberswalder Schultaschen-Hersteller Thorka kurz davor, sich von den Plänen zu verabschieden. Denn es fehlen verbindliche Zusagen, um die Masken wirtschaftlich produzieren zu können. „Wir wollten es machen. Aber so wie sich die Bundesregierung das vorstellt, funktioniert es nicht“, erklärte Thorka-Geschäftsführer Klaus Götsch am Donnerstag während eines Rundgangs durch die Produktionshallen der für ihre „McNeill“-Ranzen bekannten Firma.

Als Besucherin mit dabei war Annalena Baerbock. Die Bundeschefin der Grünen plädierte dafür, die Masken-Herstellung innerhalb der EU mit staatlicher Unterstützung als  „kritische Infrastruktur“ abzusichern. Spahns Zusicherung, den hiesigen Unternehmen bis Ende 2021 die Abnahme von produzierten Masken zu garantieren, reiche bei weitem nicht aus.

Komplizierte Lösungssuche

Baerbock räumte ein, dass es mit Blick auf Wettbewerb, Vergaberecht und Marktwirtschaft insgesamt durchaus kompliziert sei, die Masken-Produktion abzusichern. Aber wenn man als Lehre aus den Engpässen während der Corona-Pandemie mehr Unabhängigkeit wolle, müsse man sich Zeit für die Lösungssuche nehmen. Thorka-Chef Klaus Götsch betonte, dass diese Zeit nach jetzigem Stand fehle. Er müsse bis Ende Juni entscheiden, ob sich das Unternehmen am Förderprogramm nach den Spahn-Kriterien beteiligt. Doch dazu könne er schweren Herzens nur Nein sagen. Anderen deutschen Unternehmen, die eine Beteiligung erwogen haben, gehe es ähnlich, versicherte Götsch.

Die Grünenchefin regte in dem Gespräch als ersten Ausweg an, die Fristen für das Förderprogramm zu verlängern. Zudem müsse überlegt werden, ob es sinnvoller sei, eine dauerhafte Abnahme von Masken staatlich zu garantieren oder den Unternehmen eine Prämie dafür zu zahlen, dass sie Produktionskapazitäten vorhalten, die bei Bedarf genutzt werden können, also im Falle einer neuerlichen Pandemie.

Klaus Götsch rechnete vor, dass Thorka für die Herstellung von FFP-Masken ein bis zwei Millionen Euro in Maschinentechnik investieren müsse. Mit den hiesigen Öko- und Sozialstandards würde es darauf hinauslaufen, dass eine Maske je nach Abnahmemenge zwischen zwei und fünf Euro kostet. „Auf dem chinesischen Markt bekommt man sie für weniger als einen Euro. Diese Differenz muss jemand übernehmen, wenn wir Masken von hier wollen“, betonte Götsch. Und es müsse auch dafür Sorge getragen werden, dass ausreichend Vlies-Material am europäischen Markt verfügbar ist. Derzeit würde China so gut wie sämtliches Material aufkaufen und den Weltmarkt dann mit billig produzierten Masken überschwemmen.

Klar ist für Thorka so oder so, dass das mit den Ladenschließungen zu 100 Prozent eingebrochene Schulranzen-Geschäft weiter der Kern des Unternehmens bleibe. Die vorübergehend aufgenommene Produktion von Stoffmasken für Behörden und Privatleute sei eine reine Zwischenlösung, mit der man der Aufforderung zur Maskenherstellung nachgekommen sei, betonte Götsch.

Schutz vor Rauch, Staub und Aerosolen

Die Abkürzung FFP ist vom englischen "Filtering Face Piece"  abgeleitet, was so viel wie Atemschutzmaske bedeutet. FFP2-Masken, um deren mögliche Herstellung es in Eberswalde geht, schützen vor Rauch, Aerosolen sowie vor festem und flüssigem Staub, der gesundheitsschädlich sein kann. Derzeit sind sie besonders für pflegerische Tätigkeiten oder andere Situationen gefragt, in denen Menschen engen Kontakt zu Influenza- oder Covid-19-Verdachtsfällen haben. FFP2-Masken müssen bestimmte Anforderungen zum Filtern von Partikeln erfüllen, die in der europäischen Norm 149 geregelt sind. ⇥mat