U-Bahn in Berlin
: Neue Züge sorgen für Geisterfahrten – wann darf man einsteigen?

Auf der U-Bahnlinie U2 zwischen Pankow und Ruhleben fahren derzeit moderne leere Züge der neuen Baureihe JK durch Berlin. Wann können Fahrgäste endlich mitfahren?
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Ein Zug der Baureihe J von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) fährt in der U-Bahn Werkstatt Friedrichsfelde auf der Teststrecke. +++ dpa-Bildfunk +++

Züge der Baureihe J von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) – hier noch auf der Teststrecke in die Werkstatt Friedrichsfelde – sind inzwischen auch auf der U-Bahn-Linie 2 unterwegs.

picture alliance/Fabian Sommer
  • Neue U-Bahn-Züge der Baureihe JK testen auf Berlins U2 ohne Fahrgäste bis Mitte Juli.
  • Einsatz für Fahrgäste startet nach den Sommerferien; 18 Züge zunächst auf der Linie 2.
  • Breitere Türen, neues Beleuchtungskonzept und modernes Lüftungssystem als Verbesserungen.
  • 344 Wagen werden bis Sommer 2026 geliefert; Verzögerungen wegen Pandemie und Ukraine-Krieg.
  • Insgesamt bis zu 1500 neue Wagen geplant, um alte Fahrzeuge schrittweise zu ersetzen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Gerade an den heißen Tagen freut sich der U-Bahn-Fahrgast, wenn ein neues Modell in den U-Bahnhof einfährt. Doch der moderne Zug, der da heute hält, ist leer und öffnet zudem die Türen auf der dem Bahnsteig abgewandten Seite.

„Nicht einsteigen“, heißt es zudem über dem Führerhaus sowie auf der Anzeige. Wenig später schließen die Türen, das rätselhafte Gefährt setzt sich wieder in Bewegung und verschwindet im Tunnel.

U-Bahn-Alltag in Berlin – nur noch ohne Fahrgäste

Diese Szene wird sich noch bis Mitte Juli häufiger auf der Linie U2 abspielen. Mit dem „simulierten Fahrgastbetrieb“ werden die neuen U-Bahnen der Baureihe J sowie JK getestet. „Die Züge haben schon in etlichen harten Tests gezeigt, dass die einzelnen Komponenten funktionieren“, heißt es dazu von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG).

Jetzt simulierten die Fachleute den Linieneinsatz mit dem dauernden Wechsel aus Anfahren und Bremsen, dem Öffnen und Schließen der Türen, den entsprechenden Signalen in Zug und Fahrerstand – also im Grunde den Berliner U-Bahn-Alltag, nur noch ohne Fahrgäste.

Dieser Test sei wichtig, um etwaige Kinderkrankheiten möglichst noch vor dem regulären Einsatz zu erkennen und zu kurieren. Insgesamt pendeln sechs Wagen täglich für mehrere Stunden zwischen den normalen Fahrgastzügen hin und her.

„Wir sind im Endspurt“, sagt BVG-Vorstandsvorsitzender Henrik Falk. Nach den Sommerferien sollen die ersten 18 Züge der neuen Baureihe JK in den Fahrgasteinsatz auf der Linie 2 zwischen Pankow und Ruhleben gehen. Das „K“ hinter dem J steht für Kleinprofilnetz. Denn die Wagen, Gleisbett und Tunnel auf den älteren Linien 1 bis 4 sind schmaler als auf dem erst nach dem 2. Weltkrieg errichteten Großprofilnetz der Linien 5 bis 9.

U-Bahn in Berlin: Pro Seite nur noch zwei statt drei Türen

In Design und Ausstattung aber unterscheiden sich die neuen Wagen J und JK nicht groß voneinander. Türen gibt es nur noch zwei statt drei pro Seite. Dafür sind die Türbereiche breiter geworden, was das Ein- und Aussteigen beschleunigen und für mehr Pünktlichkeit sorgen soll.

Nach außen geneigte Haltestangen sorgen ebenfalls für mehr Platz in den Durchgängen, was auch für Menschen im Rollstuhl oder mit Kinderwagen praktischer ist. Die Monitore zur Fahrgastinformation hängen nicht mehr quer im Wagen, sondern sind als Tablets in den Seitenwänden angebracht.

Eine weitere Neuerung ist ein „tageszeit- und sonnenstandsgesteuertes Beleuchtungskonzept“. Das soll den natürlichen Tageslichtverlauf nachahmen und damit das Wohlbefinden im Berliner Untergrund verbessern, sowie den menschlichen Biorhythmus unterstützen.

Klimatisiert sind die Züge aber weiterhin nicht, da das im Gegensatz zur S-Bahn laut BVG eher kontraproduktiv wäre und sich die Tunnel durch die Klima-Technik in den Zügen eher aufheizen würden. Fahrgäste in den neuen Zügen sollen aber von einem modernen Lüftungssystem profitieren.

Insgesamt 1500 neue U-Bahn-Wagen

Die Auslieferung der ersten neuen U-Bahnen, die beim Schweizer Unternehmen Stadler Rail in Berlin-Pankow gebaut werden, sollte allerdings schon Ende 2022 für eine Testphase erfolgen. Doch es kam immer wieder zu Verzögerungen. Die begründeten Stadler und die BVG unter anderem mit Lieferengpässen bei Einzelteilen aufgrund der Corona-Pandemie sowie des Ukraine-Krieges.

Die BVG rechnet nun mit einer serienmäßigen Auslieferung aller bisher 344 bestellten Wagen bis Sommer 2026. „Die JK-Züge werden nach den Sommerferien in den Fahrgastbetrieb starten, zunächst auf der Linie U2 mit ein bis zwei Zügen“, kündigt eine BVG-Sprecherin auf Nachfrage an. Parallel beginne dann die Serienanlieferung. „Nach aktuellem Stand ist geplant, noch in diesem Jahr bis zu 140 neue Wagen der Baureihe in den Linieneinsatz zu bringen“, so die Sprecherin.

Die Züge sollen nach und nach die BVG-Flotte ergänzen beziehungsweise die alten - teilweise bis zu 60 Jahren alten - und damit besonders störanfälligen U-Bahnen, ablösen.

Stadler Rail soll insgesamt bis zu 1500 U-Bahn-Wagen für die BVG liefern, was sich aber noch bis in die 2030er-Jahre hineinziehen wird. Vertraglich fest vereinbart ist derzeit eine Mindestabnahme von 606 Wagen.

Die BVG erhofft sich, mit den schicken neuen knallgelben Wagen auf jeden Fall wieder mehr Stabilität in ihren Betrieb zu bekommen.

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