U-Bahn-Ring Berlin: 53-Kilometer-Ringlinie – Plan für Mega-Projekt sorgt für Kritik

Die Senatsverkehrsverwaltung und die BVG wollen das Berliner U-Bahn-Netz weiter ausbauen. Der jüngste neu gebaute U-Bahnhof wurde im Sommer 2021 an der Museumsinsel in Betrieb genommen.
Christophe Gateau/dpa- Verkehrssenatorin Ute Bonde plant eine Ring-U-Bahnlinie „U0“ in Berlin.
- Die 53 km lange Linie soll Außenbezirke und Zentrum verbinden.
- Kritiker, wie BUND, halten das Projekt für unrealistisch und zu teuer.
- Vergleich mit Kopenhagens Cityring, der 3,4 Milliarden Euro kostete.
- Alternativ könnten 500 km Straßenbahnstrecken gebaut werden.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Berlin braucht den weiteren ÖPNV-Ausbau, insbesondere auch außerhalb des S-Bahn-Rings“, hatte Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) im Abgeordnetenhaus gesagt. Für Pendler ist das angesichts des chronisch überlasteten Berliner Verkehrsnetzes eigentlich keine überraschende Aussage, wenn nicht Bondes Sprecherin Petra Nelken am Dienstag auch dieser Plattform bestätigt, dass es sich dabei um die Ring-U-Bahnlinie handele.
Der rund 53 Kilometer lange U-Bahn-Ring mit dem Arbeitstitel „U0“, die hauptsächlich die Wohngebiete der äußeren Stadt miteinander und dem Zentrum verbinden könne, sei noch eine Vision und stamme aus dem BVG-Arbeitspapier „Expressmetropole vorantreiben“ von 2023, erklärt Nelken. Es handelt sich dabei um eine automatisierte U-Bahn mit verkürzten Zügen, mit der wichtige Zentren in den Außenbezirken miteinander verbunden werden könnten. Die neue U-Bahn-Verbindung könnte dabei bereits bestehende U- und S-Bahn-Linien beispielsweise an den Bahnhöfen Neukölln, Alt-Mariendorf, Pankow, Jungfernheide und am Rathaus Steglitz kreuzen.
53-Kilometer-Ringlinie der U-Bahn in Berlin
„Es gibt jedoch dazu noch keine aktuellen Planungen", betont die Sprecherin. Dennoch gab es schon erste Kritik vom Umweltverband BUND. „Die Berliner CDU-Verkehrspolitik hat endgültig die Bodenhaftung verloren“, ärgert sich BUND-Geschäftsführerin Gabi Jung. In ihrer bemerkenswerten Rede im Plenum des Abgeordnetenhauses habe die Verkehrssenatorin nicht nur die schwerwiegende BVG-Krise verleugnet, sondern auch bekräftigt, den vollkommen unrealistischen Vorschlag einer 53-Kilometer-Ringlinie der U-Bahn vorantreiben zu wollen.
Das Mammutprojekt dürfte vergleichbar mit der 2019 eröffneten Cityring-Linie der U-Bahn Kopenhagen sein. Die Realisierung der 15,5 Kilometer langen Linie in Dänemark hatte umgerechnet fast 3,4 Milliarden Euro gekostet. „Hochgerechnet auf die 53 Kilometer für das Berliner Projekt wären das über 11,6 Milliarden Euro“, betont Jung. Mit diesem Geld könnten über 500 Kilometer neue Straßenbahnstrecken gebaut werden, um die Außenbezirke flächendeckend zu erschließen.
Die Tram-Pläne dafür lägen seit Jahrzehnten auf dem Tisch. Dabei geht es um eine Straßenbahn-Tangente von Schöneweide bis nach Dahlem sowie von Rosenthal bis Spandau, einen Lückenschluss zwischen Mahlsdorf und Hellersdorf sowie um die Strecke entlang des Eisenbahn-Außenrings im Berliner Osten.
Doch diese im Vergleich zu dutzenden U-Bahn-Kilometern schnell und preiswert zu realisierenden Tram-Projekte würden von der Verkehrsverwaltung ausgebremst und verteuert, heißt es in einer Stellungnahme vom BUND Berlin von Montag.
ÖPNV in Berlin – BUND fordert Tram-Ausbau
So seien auch die bereits konkreten Planungen für die Straßenbahn von Johannisthal in die Gropiusstadt als erste Stufe der Südtangente aus Haushaltsgründen wieder eingefroren worden, so die BUND-Chefin.
Dass die Verkehrssenatorin vielleicht eher einen Hang zum U-Bahn-Bau hat, kann eventuell an ihrem früheren Job bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) liegen, wo sie 2009 als Leiterin der Rechtsabteilung anheuerte.
Ab 2015 war die gebürtige Aachenerin, die in Berlin-Westend lebt, Chefin der Finanzen bei der BVG Projekt GmbH und damit für den Bau der Verlängerung der U-Bahn-Linie U5 zwischen den Bahnhöfen Alexanderplatz und Brandenburger Tor verantwortlich. Ab 2019 war Bonde zudem als Prokuristin angestellt und stand bei den feierlichen Eröffnungen der neuen U5-Bahnhöfe an vorderster Front.
Die Zukunftsvision der „Expressmetropole“ der BVG, die erstmals vor zwei Jahren für Wirbel sorgte, beinhaltet allerdings mehrere Ausbaustufen. Demnach sollen erst die Bestandslinien verlängert werden. Neben der U-Bahnlinie 7 zum Flughafen Berlin-Brandenburg soll es auch auf den Strecken der U1, U2, U8 und U9 einen Ausbau in beide Richtungen geben. Die U-Bahn-Ringlinie 0 ist dabei zwar das spektakulärste Projekt, steht aber eher hinten auf der Wunsch-Liste.


