Vermeintlicher Löwe in Kleinmachnow
: Nach Entwarnung – das Ergebnis der Spur-Analyse

UPDATE 15:12 Uhr: Die aufsehenerregende Suche nach einer vermeintlichen Löwin an der Landesgrenze von Brandenburg zu Berlin hat ein Nachspiel. Nun wurden die Ergebnisse der Spur-Analysen veröffentlicht.
Von
dpa
Potsdam/Kleinmachnow
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Ein Gemeindejäger und Polizisten suchen im Bereich der südlichen Landesgrenze von Berlin nach einer vermeintlich freilaufenden Löwin. Die große Suchaktion in Brandenburg und Berlin wurde am Freitag abgebrochen. Nun soll das Ergebnis der Analyse genommener Spuren vorgelegt werden.

Fabian Sommer/dpa

Nach einer Laboranalyse gibt es nun mehr Klarheit: In den Wäldern bei Kleinmachnow südlich von Berlin war keine Löwin unterwegs. Eine erste Auswertung einer Kot-Probe habe ergeben, dass es sich bei dem gesuchten Tier um einen Pflanzenfresser gehandelt habe, sagte eine Sprecherin des Landkreises Potsdam-Mittelmark am Montag. „Wir müssen nicht von einem Löwen ausgehen.“ Zuvor hatte der „Tagesspiegel“ über die Auswertung der Probe berichtet.

Auch das bei der Suche nach einer vermeintlichen Löwin gefundene Haar hat nach einer Untersuchung keine Eigenschaften eines Katzenhaares. Das teilte die Gemeinde Kleinmachnow am Montag in einem Zwischenergebnis der Spuren-Auswertung mit. „Das Labor schließt aufgrund der visuellen Inspektion daher darauf, dass es sich beim Untersuchungsgegenstand mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht um Katzenhaar handelt.“

Keine Wildschweinhaare zum Vergleich

Dem Labor hätten zum Vergleich keine Wildschweinhaare vorgelegen, Löwenhaare jedoch schon. Deren Struktur sei grundverschieden von der des Untersuchungshaares, genau wie die Struktur der Haare einer Hauskatze, das dem Löwenhaar sehr ähnlich sei, teilte die Gemeinde weiter mit.

Dass es ein Wildschweinhaar sei, lasse sich jedoch zum jetzigen Zeitpunkt nicht mit absoluter Sicherheit sagen. Das endgültige Ergebnis von Laboranalysen durch das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung steht demnach noch aus, da es sich zum Teil um sehr komplexe und langwierige Untersuchungsvorgänge handele.

Die Suche war am Donnerstag nach dem Video des Zeugen begonnen worden, auf dem nach erster Einschätzung der Polizei eine Löwin zu sehen war. Die Polizei suchte mit mehr als hundert Beamten, mit Hubschraubern, Wärmebildkameras und Fährtenhunden nach dem Raubtier. Während des 30-stündigen Einsatzes konnten jedoch keine gesicherten Beobachtungen gemacht werden.

Suche am Freitag abgebrochen – Experten erkennen keinen Löwen

Am Freitagmittag wurde der Einsatz abgebrochen, nachdem Experten nach Analysen der Bilder erklärt hatten, dass es sich höchstwahrscheinlich nicht um eine Löwin, sondern um ein Wildschwein gehandelt habe. Nach Angaben des Bürgermeisters Michael Grubert (SPD) und der Polizei fanden sich keine Hinweise auf eine Löwin. Die Behörden sahen keine akute Gefahr mehr und hoben eine Warnung auf.

Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) hatte den Großeinsatz der Polizei trotz hoher Kosten verteidigt. „Die Sicherheit der Bevölkerung hat oberste Priorität“, sagte Stübgen der Deutschen Presse-Agentur.

Löwe? Das sagt Berlins Bürgermeister

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner hält den Polizeieinsatz bei der Suche nach einer vermeintlichen Löwin in Brandenburg und Berlin nach wie vor für richtig. Es sei die Aufgabe von Politik und Polizei, die Sicherheit der Menschen in Berlin und Brandenburg zu gewährleisten.

„Dass es ein Wildschwein war, das lässt doch aufatmen. Stellen Sie sich vor, es wäre doch eine Löwin gewesen, die vielleicht sogar noch Kinder gerissen hätte“, sagte der CDU-Politiker am Montag im RTL/ntv-„Frühstart“.

Wegner sagte, er sei beim Anschauen des Videos nicht davon ausgegangen, dass es sich um ein Wildschwein handele, anders als die Experten, die sich das noch einmal angeschaut hätten. „Deswegen ist es jetzt ok, dass diese Safari im wahrsten Sinne des Wortes abgeblasen wurde.“

Die brandenburgische Gemeinde Kleinmachnow und die Brandenburger Polizei hatten am Freitag mitgeteilt, es sei nicht davon auszugehen, dass eine Löwin oder ein anderes Raubtier in Berlin oder Brandenburg unterwegs sei. Sämtliche Suchmaßnahmen hätten keine Hinweise ergeben.

Die Suche nach dem möglichen Raubtier nahe der südwestlichen Stadtgrenze Berlins begann in der Nacht auf Donnerstag. Ausgelöst wurde sie durch ein Video, auf dem eine Löwin vermutet wurde. Der Videoschnipsel machte am Donnerstag die Runde durch die sozialen Netzwerke.

Die Ermittlungsbehörden schätzten das Video als echt ein. Polizisten gaben nach Angaben einer Behördensprecherin an, ebenfalls ein Wildtier „gesichert“ gesehen zu haben. An der Suche beteiligt waren neben Dutzenden Polizisten auch Veterinärmediziner und der Berliner Stadtjäger. Erneute vermeintliche Sichtungen des gesuchten Raubtiers und Hinweise aus der Bevölkerung erwiesen sich aber als falsch.