Wahlen 2024 in Brandenburg
: AfD und BSW sind die Gewinner bei der Europawahl

Deutliche Verluste für die Linken, die Grünen und auch für die SPD. Die CDU kann sich auf dem Niveau der letzten Wahl halten. Allerdings gibt es regionale Unterschiede.
Von
Ulrich Thiessen
Potsdam
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Europa– und Kommunalwahl — Brandenburg: 09.06.2024, Brandenburg, Frankfurt (Oder): Eine Person steckt ihren Stimmzettel in eine Wahlurne mit der Aufschrift «Urne EU-Wahl». Die Europawahl begann am 6. Juni und in Deutschland wird am 9. Juni gewählt. Die Europawahlen finden alle fünf Jahre statt und wählen die Mitglieder des Europäischen Parlaments (MdEP), die die Bürger der EU vertreten. (zu dpa: «Brandenburg ist ins Wahljahr gestartet») Foto: Patrick Pleul/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Europawahl wurde am Sonntag, 09. 06. zuerst ausgezählt. Die AfD lag zunächst in allen Regionen vorn.

Patrick Pleul/dpa

Die Auszählung der Stimmen für die Europawahl begann in Brandenburg mit einem blauen Paukenschlag. Die Farbe der AfD dominierte schon kurz nach 18 Uhr die Ergebniskarte des Landeswahlleiters. Bei der letzten Europawahl vor fünf Jahren war sie schon knapp stärkste Partei geworden, dieses Mal lag sie in vielen Regionen um Längen vor allen anderen Parteien. Erst kurz nach 20 Uhr zeigte sich ein roter Fleck auf der Karte des Landeswahlleiters.

Die gesunkenen Umfragewerte der AfD in den Sonntagsfragen im Bund und im Land aus den vergangenen Wochen haben sich beim Urnengang in Brandenburg nicht bewahrheitet. Im Laufe der Auszählung sanken die Werte, die landesweit zunächst deutlich über 30 Prozent gestartet waren. Das lag unter anderem an der Auszählung der per Brief abgegebenen Stimmen und an Verzögerungen in Potsdam, wo sich ein deutlich anderes Ergebnis ergab als im Rest des Landes. Aber vor allem im Norden des Landes und im Landkreis Spree-Neiße bleiben die Balken der AfD sehr hoch und die Prozente lagen doppelt so hoch wie die der CDU auf Platz zwei.

Europawahl 2024 in Brandenburg – CDU behauptet Platz zwei

Die Christdemokraten konnten in etwa ihre Ergebnisse von der letzten Europawahl halten und kamen in den meisten Regionen auf den zweiten Platz. In einigen Kreisen konnten sie leicht zulegen. Die Sozialdemokraten verloren wie im Bundestrend auch in Brandenburg. Insgesamt konnten sie rund ein Viertel weniger für sich mobilisieren als bei der letzten Europawahl im Jahr 2019.

Der zweite große Sieger des Abends in Bezug auf die Europawahl ist das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Obwohl die namensgebende Parteigründerin nur einmal in Brandenburg einen Wahlauftritt absolvierte und die Kandidaten für das Europaparlament hierzulande kaum bekannt sind und auch nicht auf den Wahlplakaten auftauchten, konnte BSW aus dem Stand knapp 14 Prozent erzielen. Die Partei punktete vor allem außerhalb des Berliner Umlandes, kam aber auch in den kreisfreien Städten auf zweistellige Werte. Frankfurt (Oder) tat sich als BSW-Hochburg hervor. Die neue Partei landete hier knapp hinter der CDU auf dem dritten Platz – vor der SPD. In Cottbus landete BSW gemeinsam mit der CDU auf Platz zwei hinter der AfD.

Europawahl 2024: Linke verliert fast zwei Drittel der Stimmen

Die zu Beginn des Jahres geäußerten Spekulationen, dass BSW vor allem der AfD Stimmen abnehmen würde, kann aus dem brandenburgischen Ergebnis nicht abgelesen werden. Stattdessen scheinen viele ehemalige Wähler der Linken ihr Kreuz bei der Partei von Sahra Wagenknecht gemacht zu haben. Die Werte der Linken sackten jedenfalls dramatisch ab. Ihr kehrten faktisch zwei Drittel der Wähler von 2019 den Rücken.

Europawahl in Brandenburg: Potsdam wählt anders als der Rest

Eine besondere Rolle spielt die Landeshauptstadt Potsdam im landesweiten Vergleich. Hier zog die SPD im Laufe des Abends an der zunächst führenden AfD vorbei. Aber auch die Grünen haben hier eine Hochburg. Sie lieferten sich mit den Sozialdemokraten ein Kopf-an-Kopf-Rennen und zogen letztlich noch an den Sozialdemokraten vorbei. Im Vergleich zu 2019 verloren sie aber auch in Potsdam 7,7 Prozentpunkte. In anderen Landesteilen sackten sie noch deutlicher ab. In den drei südlichsten Landkreisen kamen sie gerade noch auf 2,5 Prozent und weniger.

Die Wahlbeteiligung lag in Brandenburg geringfügig über dem Wert von 2019. Damals hatte sie 59,5 Prozent betragen und lag nun rund 5 Prozentpunkte höher. In Potsdam lag die Wahlbeteiligung mit 72,5 Prozent am höchsten, gefolgt von Oder-Spree, Spree-Neiße und Elbe-Elster. Im Barnim und in Dahme-Spreewald war sie schlechter als in allen anderen Kreisen und kreisfreien Städten. Im wirtschaftlich stärksten Kreis, Dahme-Spreewald, nahm nur jeder zweite Wahlberechtigte sein Stimmrecht wahr.

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