Wahlen in Polen 2023: Wahltag in Słubice – einige Wähler reisen aus halb Deutschland an

MOZ-Reporterin Marlena Dumin mit Kamil, der in Mainz lebt und in Słubice bei Frankfurt (Oder) abgestimmt hat
Marlena DuminAuch in Słubice bei Frankfurt (Oder) strömen am Sonntag (15.10.) die Menschen in die Wahllokale – trotz teilweise schlechten Wetters und Regen. Um 17 Uhr lag die Wahlbeteiligung bei der Parlamentswahlen in der Stadt bereits bei 59,50 Prozent – polenweit waren es zum gleichen Zeitpunkt 57,54 Prozent. Nach Angaben der staatlichen Wahlkommission sind in Słubice 15.269 Wahlberechtigte registriert.
In der Nachbarstadt wählen auch viele Polinnen und Polen, die in Brandenburg oder Berlin leben. Einige kommen von noch weiter her. So wie Kamil aus Mainz. Der 25-Jährige hat Bekannte in Berlin, sich aber in Słubice als Wähler registrieren lassen – aus Angst davor, dass seine Stimme nicht gezählt werden könnte, wenn er in einem der Wahllokale in Berlin abstimmt.
„Ich möchte in ein tolerantes Land zurückkehren“
„In Polen läuft es ehrlich gesagt seit vielen Jahren schlecht, ich hoffe, dass der Wind der Veränderung endlich weht und es besser wird“, erklärt er im Gespräch mit der MOZ. Er wolle einen Machtwechsel und habe das Gefühl, „dass PiS diese Wahlen nicht gewinnen wird“. Kamil wünscht sich bessere Löhne und mehr Freiheiten – darunter eine Legalisierung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. „Ich lebe in Deutschland und möchte irgendwann in ein toleranteres Land zurückkehren.“
Paula (38) und Michal (36) sind ebenfalls aus Berlin angereist, „weil es Gerüchte gab, dass Stimmen aus dem Ausland nicht zu 100 Prozent gezählt werden“, erzählen sie. „Wir wünschen uns eine Rückkehr zur Demokratie, mehr Freiheit und Offenheit gegenüber Europa. Wir glauben, dass es diesmal gelingen wird, etwas zu ändern“, sind beide überzeugt. „Viele Menschen – vor allem aus der jüngeren Generation zwischen 20 und 40 Jahren – wollen dafür kämpfen, dass Polen seinen Platz in der EU einnimmt und sich nicht totalitären Ländern annähert.“
1,8 Millionen Erstwähler – Maja Szurka ist eine von ihnen
Maria ist 26 Jahre alt und lebt in Potsdam, ihre Familie kommt aus Słubice. Sie habe nicht in Berlin abstimmen wollen, weil alle Stimmen der Polonia – der im Ausland lebenden Polen – automatisch dem Warschauer Wahlbezirk zugerechnet werden und damit weniger Gewicht haben. Sie sei „entsetzt über die Situation in Polen. Ich würde gern zurückkehren, aber ich weiß nicht, ob das irgendwann möglich ist. Denn ich möchte mich in Polen sicher fühlen.“ Das Schlimmste für sie sei, „dass die aktuelle Regierung versucht, Polen aus der Europäischen Union herauszuziehen“.

Maja Szurka beim Abstimmen im Wahllokal in Slubice
Daniel SzurkaMaja Szurka aus Słubice gehört zu den über 1,4 Millionen Erstwählern in Polen. Die 18-Jährige, die gerade Abitur gemacht hat, stimmte am Nachmittag ab. „Die Wahl ist sehr wichtig für mich. Ich weiß schon länger, dass sich die Regierung in Polen ändern muss. Wir sprechen darüber zuhause viel. Mit meinem Vater, der Stadtverordneter ist und sich mit Politik auskennt, haben wir alle politischen Für und Wider durchdiskutiert“, erzählt sie.
„Wir erfüllen unsere bürgerliche Pflicht“
Wichtig seien ihr das Wohl ihrer Nächsten, ökologische Fragen und Tierrechte. „Deswegen habe ich Koalicja Obywatelska (KO) gewählt. Ich wünsche mir und den Polen einen Wechsel. Demokratie ist das Wichtigste“, sagt sie. Auf der Liste des oppositionellen Bündnisses KO, angeführt von dem Liberalen Donald Tusk, treten auch Kandidaten der Grünen an. Die Abstimmungszettel für das von der PiS initiierte Referendum habe sie nicht entgegengenommen, sagt Maja.
Marian und Aleksandra, über 80 Jahre alt und aus Słubice, sind ebenfalls wählen gegangen. „Wir sind in einem fortgeschrittenen Alter. Aber wir erfüllen unsere bürgerliche Pflicht. Wir hoffen auf bessere Zeiten und für uns ältere Menschen, dass die Renten besser werden.“

Parlamentswahlen in Polen, Stimmabgabe im Wahllokal im Kulturhaus Smok in Słubice bei Frankfurt (Oder)
Marlena DuminDas wünscht sich auch die Słubicerin Barbara (70). „Ich gehe wählen, weil es meine Pflicht ist. Später werde ich in den Nachrichten hören, was sie sagen.“ Für wen sie gestimmt hat, will sie nicht sagen. Aber sie sei durchaus zufrieden mit ihrer Lebenssituation, obwohl es auch viele Dinge gebe, die sich in Polen ändern müssten.


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