Wohnen in Berlin: Asbest, Schimmel, kein Aufzug – wie sehr Mieter in Spandau leiden

Berlin-Spandau: Asbest in der Küchendecke, herabfallende Teile - seit drei Jahren lebt Familie Demir in einem Provisorium aus Plastik. Hinzu kommt nun ein gesperrter Fahrstuhl. Stefanie Demir und ihre Familie sind am Rand der Verzweiflung.
Pamela Kaethner- Familie Demir in Berlin-Spandau lebt seit Jahren mit großen Schäden und Problemen in ihrer Wohnung.
- Die Gewobag informiert Mieter nicht über Reparaturen; Aufzug ist acht Wochen gesperrt.
- Asbest in der Küchendecke, Schimmel im Kinderzimmer; Keller nach Brand gesperrt.
- Familienfahrräder und Kinderwagen können nicht untergebracht werden.
- Lösung in Sicht: Wohnung nebenan soll repariert werden, Familie hofft.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Stefanie Demir kommt atemlos in die Mietrechtsberatung des Alternativen Mietervereins in Staaken. „Der Fahrstuhl wird ausgebaut. Von heute auf morgen, ohne Ankündigung!“ Sieben Stockwerke hoch ist ihr Haus in der Maulbeerallee in Staaken.
Die landeseigene Gewobag habe die Mieter vorher nicht informiert. Acht Wochen lang sei der Aufzug gesperrt. Das hätten ihr die Arbeiter der ausführenden Firma Fletwerk gesagt. Morgens um 7 beginnt das Bohren und Hämmern.
Quartier Heerstraße Nord – viele Mieter haben Probleme
Der Vorwurf der Mieterin: Die Verwaltung Gewobag kommunizierte darüber nicht mit ihren Mietern. Bis zur Anfrage der Redaktion habe es keinen Brief im Briefkasten, keinen Zettel am Mieterbrett im Hausflur gegeben.
Stefanie Demir kommt mit ihrem Kinderwagen nicht mehr in den fünften Stock. Sie ist 40 Jahre alt, die Treppen machen ihr persönlich nichts aus, auch wenn der Wocheneinkauf jetzt zur Herausforderung wird. Ein Mieter im siebten Stock ist jedoch auf einen Rollstuhl angewiesen. „Für ihn müsste es Hilfe geben. Sonst ist er in seiner Wohnung gefangen“, empört sich Demir – ruhig, sehr klar.
„Den Nachbarn hilft man, wo man kann. Aber die Hausverwaltung sollte sich auch um ihre Mieter kümmern“, findet sie. An dem Tag, als die Gewobag auf die Anfrage der Redaktion antwortet, hängt plötzlich eine Information am Mieterbrett. Kein Wort über die Dauer der Reparaturarbeiten, nur der Hinweis auf Unterstützung für Bedürftige durch eine beauftragte Firma.

Berlin-Spandau: Stefanie Demir auf ihrem Balkon in der Maulbeerallee in Staaken. Seit Jahren gibt es keinen Platz für Hausrat und Fahrräder, weil der Mieterkeller geschlossen ist. Eine Brandserie im Kiez hatte 2022 und 2023 viele Keller in der Großsiedlung Heerstraße Nord verwüstet.
Pamela KaethnerMarcel Eupen, Vorsitzender des Alternativen Mietervereins Spandau, berät Stefanie Demir regelmäßig. „Viele in der Siedlung Heerstraße Nord haben ähnliche Probleme. Frau Demir ist kein Einzelfall.“
Vor allem die Kommunikation der Hausverwaltung mit ihren Mietern sei zum Teil miserabel. Stefanie Demir kommt zu ihm, um Heizkostenabrechnungen prüfen zu lassen oder die Miete zu mindern, wenn Mietmängel sie und ihre Familie zu sehr einschränken.
So wie jetzt: ohne Aufzug und ohne Keller. Denn der ist seit 2022 wegen eines Brandes gesperrt. Die Sanierungsarbeiten im Keller seien längst abgeschlossen, sagt Stefanie Demir, aber eine Übergabe an die Mieter habe nicht stattgefunden. Seit mehr als zwei Jahren stehen die Fahrräder der Familie auf dem Balkon.
Kein Aufzug, kein Keller – Fahrräder auf dem Balkon
In den nächsten acht Wochen werden ihre fünf Kinder nicht mehr Fahrrad fahren. Es sei denn, ihre Eltern schleppen die Räder fünf Stockwerke hinunter und wieder hinauf. Auch für den Kinderwagen ihres 18 Monate alten Sohnes ist kein Platz mehr. „Wo soll der denn hin? Ich will ihn nicht im Hausflur stehen lassen“, sagt Demir. In ihrer Stimme liegt eine Mischung aus Verzweiflung und eingeübter Gelassenheit.
Der gesperrte Aufzug ist der Tropfen, der die Tonne voller Probleme mit der Hausverwaltung zum Überlaufen bringt. „Kommen Sie, ich zeige Ihnen, wie wir seit drei Jahren leben“, sagt Stefanie Demir und öffnet die Tür zu ihrer Dreizimmerwohnung.

Staaken, Berlin-Spandau: Eines Nachts fiel ein Stück aus der Deckenplatte in der Küche. Besonders brisant, weil in Decke, Wänden und Boden Asbest vermutet wird. Mieter dürfen nichts anbohren oder verändern. Weitere Risse sind in der Decke entstanden. Deshalb wurde sie 2021 komplett mit Folie abgeklebt. Seitdem hat sich an dem Zustand nichts verändert.
Pamela KaethnerDie Küchendecke ist mit Plastikfolie abgeklebt. Aus Sicherheitsgründen. Eines Nachts im Jahr 2021 löste sich ein tellergroßes Stück von der Decke und fiel auf die Arbeitsplatte. Glücklicherweise war niemand in der Küche. Seitdem lebt die Familie mit dem Provisorium aus Plastik.
Wohnungen in Berlin-Spandau mit Asbest belastet
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Asbest. Es wird überall in Wänden und Decken vermutet. Deshalb dürfen die Mieter nicht bohren, reparieren oder verändern. So schreibt es die Gewobag an die Mieter des Hauses im Februar 2021. Das Schreiben liegt der Redaktion vor. Einige Wohnungen im Haus werden bereits von einer Spezialfirma asbestsaniert. „Meine Küche ist noch vom Vormieter. Mein Mann würde gerne eine neue Küche einbauen, aber das dürfen wir nicht“, berichtet Stefanie Demir.
Die Wand zum Balkon besteht nur aus Kunststoffplatten, in die Plastikfenster eingebaut sind. Ob auch hier Asbest drin ist, kann niemand genau sagen. Aber die Balkonfront wackelt und isoliert nicht gegen Kälte. Stefanie Demir hat ein paar Styroporplatten davor gestellt, damit die Wärme nicht gleich aus dem Raum entweicht.
Vor kurzem war ein Handwerker da. Vier Stunden würde es dauern, die Balkonfront zu stabilisieren. „Mal sehen, ob jetzt wirklich was gemacht wird“, sagt Stefanie Demir. Die Reparaturfirmen melden sich, seit sie den Spandauer Bürgermeister kontaktiert hat.

Wohnen und Parken in Spandau: Der Gewobag gehören über 6000 Wohneinheiten in Staaken. Vor allem im Quartier Heerstraße Nord ist der Zustand mancher Gebäude besonders vernachlässigt. Zusätzlich zu dem Ärger in den Häusern kommt das Problem, dass die Parkplätze der Siedlung gesperrt sind. Sie sollen umgebaut werden, danach können Mieter Stellplätze mieten.
Pamela KaethnerPlötzlich melden sich Baufirmen
Den Kontakt zu Frank Bewig (CDU) hat ihr ein Mitarbeiter aus einer sozialen Einrichtung vermittelt. „Erst hat sich das Büro des Bürgermeisters bei mir gemeldet, und plötzlich bekomme ich Anrufe von Partnerfirmen der Gewobag, um Reparaturtermine zu vereinbaren.“ Trotzdem glaubt sie erst an Veränderung, wenn der Mangel behoben ist.
Zu oft hat die Hausverwaltung Stefanie Demir und ihre Familie schon vertröstet. Und dann musste sie sich auch noch dumme Sprüche von Gewobag-Mitarbeitern anhören. Sie solle sich doch eine andere Wohnung suchen, hieß es.
„Bei der Lage auf dem Mietmarkt und mit meinem Mann als Alleinverdiener können wir uns nicht viel leisten“, erzählt sie noch immer aufgewühlt und macht eine lange Pause, als müsse sie erst Kraft sammeln, um weiterzusprechen.
Außerdem wolle sie in der Gegend bleiben, die Kinder nicht aus Schule und Kita reißen. Es sei schön grün hier, deshalb sei sie vor neun Jahren von Neukölln nach Staaken gezogen.
Meistens hilft sie sich selbst, so gut es geht, auch mit dem Schimmel im Kinderzimmer. „Das war eine Odyssee“, sagt Stefanie Demir. Bis ihr nach zwei Jahren Hin und Her ein Handwerker erklärte, dass vermutlich Baumängel zum Schimmel geführt hätten und ihr empfahl, zusätzlich zum Lüften regelmäßig Schimmelspray aufzutragen. Damit hätten sie das Problem inzwischen gut im Griff.

Brandstiftung in Staaken: 2022 brannte der Mieterkeller des Gebäudes. Heute sieht es so aus, als sei der Brand erst gestern geschehen. Es wurde Brandstiftung vermutet, die Täter wurden aber nie gefunden. Einige Zeit war eine Sicherheitsfirma engagiert, nun sollen Sicherheitskameras abschrecken. Brisant und gefährlich: Im Keller verlaufen die Hauptstromleitungen für das Gebäude.
Pamela KaethnerDie Redaktion bat die Gewobag um eine Stellungnahme zu den Mängeln des Hauses. In dem Schreiben der Gewobag heißt es zur Reparatur des Aufzugs: „Die MieterInnen wurden über Aushänge im Haus über die Arbeiten und die Zeitschiene informiert.“ Die Reporterin konnte sich einen Tag nach Beginn der Arbeiten davon überzeugen, dass dies nicht der Fall war. Weiter heißt es, Kellerverschläge seien wiederhergestellt und die Übergabe an die Mieter stehe bevor.
Zu den Schäden in der Küchendecke teilt die Gewobag mit, es sei Asbest in der Küchendecke festgestellt worden. „Die betreffende Fläche wurde sofort notgesichert, so dass keine akute Gesundheitsgefährdung von dem Schaden ausgeht.“
Stefanie Demir wundert sich. Der Reparaturnotdienst der Hausverwaltung, den sie damals anrief, sagte ihr, sie solle das herabgefallene Teil einfach in den Hausmüll werfen.
Lösung für die Familie in Sicht?
Kommt nun plötzlich Bewegung in die Sache? Während der Recherche unterbreitet die Gewobag der Familie Demir einen Vorschlag per Telefon. Auf Anfrage der Redaktion heißt es: „Die Wohnung unmittelbar nebenan kann kurzfristig saniert werden. Sobald diese fertiggestellt ist, kann Familie Demir umziehen, damit die Schäden in ihrer aktuellen Wohnung beseitigt werden können.“
Noch vor Monaten hatte die Gewobag nur eine Umsetzwohnung in Charlottenburg angeboten – mit deutlich höherer Miete und weit entfernt von Schule und Kita. „Keine realistische Option für uns“, sagt Stefanie Demir. Sie hatte sich immer wieder bei der Hausverwaltung nach der seit zwei Jahren leerstehenden Wohnung nebenan erkundigt.

Gewobag-Gebäude in Staaken: Der Hausflur in der Maulbeerallee. Unter der Tür des gesperrten Fahrstuhls leuchtet Licht von den Bauarbeiten im Aufzugsschacht.
Pamela KaethnerEinen Zeitplan für den Umzug in die andere Wohnung gibt es jedoch nicht. Stefanie Demir und ihre Familie hoffen. Darin sind sie geübt.
Eine Heizkostenanpassung von 58 Euro hat die Familie im November erhalten. Ab Januar 2025 soll auch die Grundmiete steigen. Dann werden insgesamt knapp 100 Euro mehr fällig. Die Gewobag schreibt, die Mieterhöhungen im Wohnblock von Stefanie Demir entsprächen den geltenden Vereinbarungen mit dem Land Berlin. Marcel Eupen vom Mieterverein prüft das gerade.
Mieterorganisationen für Berlin-Spandau
Berliner Mieterverein e.V.
Landesverband Berlin im Deutschen Mieterbund e.V.
Spichernstraße 1
10777 Berlin
Tel.: (030) 22626-0
Fax: (030) 22626-161
Beratungszentrum in der Altstadt Spandau:
Mönchstraße 7 (Laden), 13597 Berlin, nahe Markt
AMV Alternativer Mieter- und Verbraucherschutzbund e. V.
c/o RA Uwe Piper
Gontermannstraße 67
12101 Berlin
Tel.: +49 30 236 054 05 oder Handy: 0174 / 48 32 728
Persönliche Beratung:
Stadtteilbibliothek, Falkenhagener Feld, Westerwaldstraße 9, 13589 Berlin
Dienstag 15:00 Uhr bis 17:00 Uhr
Donnerstag 17:00 Uhr bis 19:00 Uhr
Freitag 15:00 Uhr bis 17:00 Uhr
Spandauer Mieterverein für Verbraucherschutz e.V.
Im Spektefeld 26
13589 Berlin
Tel.: 030 / 81 85 27 20
Fax: 030 / 81 85 27 19
E-Mail: info@spandauer-mieterverein.de
Eine Übersicht zur kostenfreien Mieterberatung durch die genannten Vereine in allen Ortsteilen Spandaus findet sich auf der Seite des Bezirksamts.

