Wohnen in Berlin-Spandau: Schimmel und Schäden durch Wasser – Mieter sind verzweifelt

Schimmelspuren ziehen sich in einer Wohnung in Spandau über den Flur bis ins Schlaf- und Wohnzimmer. Eine Familie aus dem Pillnitzer Weg kann von ihren drei Zimmern nur noch eines nutzen.
Jessica NeumayerWer seine Miete zahlt, darf erwarten, dass er eine intakte Wohnung bekommt oder zumindest angezeigte Mängel schnellstmöglich beseitigt werden. In mehreren Miethäusern im Spandauer Ortsteil Staaken ist dies jedoch nicht der Fall. Mietende müssen hier oftmals unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen leben. Wie verhält sich die Verwaltung?
Seit ein paar Jahren ist nur wenig Positives von der Adler Group zu hören. Das luxemburgische Immobilienunternehmen fällt in den Schlagzeilen der Medien vor allem durch Milliardenverluste und Insolvenz auf. Die Mieterinnen und Mieter sind unglücklich.
Mieter in Staaken leiden – Mängel bei Adler Group
Als es vor 15 Monaten im Haus von Regina L. im Cosmarweg brannte, war das für sie ein Schock. Trotz mehrmaligem Anmahnen wurde der Keller nach dem Brand nicht erneuert. Die Kabel hängen seither angeschmolzen aus der Decke. „Seit über einem Jahr funktionieren unsere Festnetzanschlüsse nicht mehr“, sagt Lehmann. Ins Internet komme sie nur über einen analogen Stick.

Nach einem Brand im März 2023 sind die Kabel im Keller verbrannt und hängen frei von der Decke. Kellerräume sind nicht mehr nutzbar. Die Mieter haben seit über einem Jahr kein Festnetz und Internetanschluss mehr.
Regina L.Als dann auch noch versucht wurde, bei ihr einzubrechen, wollte Regina L. eine Videoüberwachung anregen und sammelte Unterschriften. Als sie in ihrer Nachbarschaft an den Türen klingelte, wurden ihr immer mehr Missstände offenbart. „Ich habe auch Mängel. Aber das ist kleiner im Vergleich zu dem, was anderen Mieterinnen und Mietern hier angetan wird.“
Verzweifelte Mieter – Schimmel und Wasserschäden
Bei Regina L. wurde vor Monaten ein neuer Druckspüler eingebaut. Dieser ist defekt und läuft dauerhaft. „Wir müssen jetzt immer den Haupthahn abdrehen.“ Der sei jedoch inzwischen schon so locker, dass sie das WC nicht mehr nutzen – aus Angst, den Hahn gänzlich abzubrechen und die Wohnung unter Wasser zu setzen.
Als Familie T. im Februar 2023 in eine frisch sanierte Wohnung eingezogen ist, hätte sie nie gedacht, dass sie es schon ein halbes Jahr später mit einem Wasserschaden und Schimmel zu tun haben. Die Flecken wurden an der Außenseite des Badezimmers sichtbar und ziehen sich inzwischen über den Flur, bis ins Schlaf- und Kinderzimmer.
Bedingungen gefährden Gesundheit
Das Wasser kommt aus einem Bereich unter der Badewanne, so eine Firma. Das ganze Bad müsste aufgestemmt werden. „Mittlerweile ist die Wand so porös, dass richtige Löcher entstehen.“ Nach neun Monaten mit dem Schaden werden die Schimmelflecken immer größer.

Ein Wasserschaden macht die Wände einer Wohnung im Pillnitzer Weg so porös, dass die Wand Stück für Stück auseinanderbrökelt.
Jessica NeumayerVon den drei Zimmern kann die vierköpfige Familie nur noch eins nutzen. „Eigentlich war geplant, dass der Große nun sein eigenes Zimmer bekommt. Aber ich kann hier ja kein Kinderbett an die Wand stellen“, sagt die Mutter eines Einjährigen und eines Babys. Inzwischen lässt sie ihre Kinder regelmäßig vom Kinderarzt untersuchen.
„Wenn wir die Möglichkeit hätten umzuziehen, würden wir das sofort machen.“ Bezahlbaren Wohnraum zu finden, sei jedoch nicht so einfach, sagt Michelle T. Ähnlich ergeht es Marisol B. Sie lebt mit ihrer Mutter, ihrer Schwester und ihrem Kind im Pillnitzer Weg.
Elektrische Mängel gefährden Alltag
In ihrer Wohnung ist die Elektrik das Problem. Von vier Herdplatten funktioniert nur eine. Der Boiler kann kein warmes Wasser machen. Steckdosen in der Küche sind defekt. „Alle Elektrogeräte, die wir uns kaufen, sind nach kurzer Zeit kaputt.“

Veraltete Elektronik und Stromleitungen führen bei Marisol B. dazu, dass ihre Elektrogeräte regelmäßig kaputtgehen. Für ihre vierköpfige Familie kann sie nur auf einer funktionierenden Herdplatte kochen.
Jessica NeumayerProbleme mit alten Stromleitungen hat auch Jenny R. „Herd und Waschmaschine kann ich nicht gleichzeitig nutzen.“ Viel größer sei jedoch das Problem der kaputten Lüftung im Bad. Seit 2002 lebt sie, ihr Partner und ihre Tochter schon in der Wohnung im Pillnitzer Weg. „Mit keiner anderen Hausverwaltung war es so schlimm wie mit dieser.“
Im September 2023 hat ein verstopftes Rohr in den oberen Etagen dazu geführt, dass sich das Wasser bei ihr im zweiten Stock staute. „Wir haben das Wasser mit Eimern aus der Wohnung geschöpft.“
Ein Teil des Wassers hat sich unter der Duschtasse gesammelt und kann nicht abfließen. „Wir warten darauf, dass das nun ausgebaut wird.“ Inzwischen hat sich schwarzer Schimmel im Bad gebildet.

Seit geraumer Zeit funktioniert die Lüftung im fensterlosen Bad von Jenny R. nicht. Durch stete Feuchtigkeit, haben die Wände angefangen zu schimmeln.
Jessica NeumayerLaut Verwaltung sei falsches Lüften der Grund für den Schimmel. Lüften kann Jenny R. ihr fensterloses Bad jedoch nur über die elektrische Lüftung. Dass diese defekt ist, habe sie schon vor dem Wasserschaden angezeigt.
Kontaktaufnahme mit der Adler Group ist schwierig
So unterschiedlich die Schäden in den Wohnungen sind, umso ähnlicher sind die Berichte über die Kommunikation mit der Adler Group. Auf schriftliche Kontaktaufnahme werde nicht geantwortet. Auch auf die Anfrage dieses Nachrichtenportals wurde bis Freitag (17. Mai) nicht reagiert.
Telefonische Mängelanzeigen gehen an ein Callcenter, das damit vertröstet, die Anzeige weiterzuleiten. Auf einem Aushang im Hausflur steht zudem: „Hauswartssprechstunden, telefonische Anfragen oder ähnliches finden aus Kapazitätsgründen nicht mehr statt“.

Schimmelflecken sind im Bad ganzen Bad zu finden – vom Boden bis an die Decke. Seit September 2023 wird der Wasserschaden im Bad von Jenny R. nicht repariert.
Jessica NeumayerSeit kurzem sei das Bürgerbüro im Loschwitzer Weg zu bestimmten Zeiten wieder besetzt. Online lässt sich hier ein Termin buchen. Regina L. hat das ausprobiert „Man versucht uns zu vermitteln, dass man uns hilft, aber es ist nur Gerede. Es wird nichts repariert. Man will uns hinhalten“, beschreibt sie ihren Eindruck.
Inzwischen haben sie sich mit einigen Bürger zusammengetan. Gemeinsam wollen sie sich juristisch beraten lassen. Kontakt mit einer Bürgerinitiative in Neukölln, die vor ein paar Wochen einen Brandbrief an die Adler Group mit 900 Unterschriften veröffentlicht hat, habe sie auch schon aufgenommen.

