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: Vom Alex bis zur Spree – so grün wird die Hauptstadt in Mitte

Einer der zentralsten Plätze in der City von Berlin soll zur grünen Oase werden. Das Rathausforum/Marx-Engels-Forum wird umgestaltet. So sehen die Pläne für das große Filet-Grundstück aus.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Rathaus- und Marx-Engels-Forum – Visualisierung Spielplatz

Berlin wird grüner: Diese Visualisierung der Landschaftsarchitekten zeigt die neuen Wege, Wiesen und Spielplätze auf der großen Freifläche am Marx-Engels-Forum in der historischen Mitte von Berlin.

RMP Stephan Lenzen

An sonnigen Tagen wie diesen füllen sich die Bänke rund um den Neptunbrunnen in Berlin schnell mit Touristen und Einheimischen. Durch das Spiegelzelt, in dem die Komische Oper temporär ihre Spielstätte hat, und den Werbe-Aufsteller zur Fußball-EM wirkt die riesige Freifläche zwischen Alex und Spree momentan nicht so weitläufig und unwirtlich wie sonst.

Auch an der Spandauer Straße ist eine neue Attraktion hinzugekommen. Eine Schaustelle informiert über die Pläne für das Rathaus- und Marx-Engels-Forum. Nach Jahrzehnten der Diskussion ist die Entwurfsplanung abgeschlossen, heißt es von der stadteigenen Grün Berlin GmbH.

Berlin City – Baumarbeiten starten noch 2024

Die ersten bauvorbereitenden Maßnahmen sollen Ende 2024 starten. In den kommenden zwei Monaten werden archäologische Grabungen durchgeführt, was bei Baustellen in der historischen Mitte Berlins bereits zum Standard gehört.

Am Rathaus- sowie dem Marx-Engelsforum werden aber keine neuen Hotels oder Wohnungen hochgezogen. Ziel ist vielmehr, bis 2030 einen Ort der Erholung mitten in der Weltmetropole zu schaffen. „Zwischen Fernsehturm und Spree entsteht ein attraktiver, grün geprägter, klimaresilienter Ort, der hohe Aufenthaltsqualität, Nachhaltigkeit, Kultur und die wechselvolle Geschichte der Berliner Mitte miteinander verbindet“, erklärt Ute Bonde (CDU), Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt. Mit der Entscheidung, diesen Freiraum als zentrale Grün- und Freifläche zu erhalten, würde nicht nur den Forderungen einer breiten Öffentlichkeit gefolgt, sondern würden zudem die Weichen für eine zukunftsfähige, lebenswerte Stadt gestellt.

Wie das genau vonstattengehen soll, erfahren Besucher auf Tafeln vor Ort. Eine kleine Dachterrasse auf dem neuen, zu allen Seiten offenen Infocontainer bietet neben kurzen Info-Häppchen mit Visualisierungen auch reale Ausblicke über das 7,2 Hektar große Areal des Rathaus- und Marx-Engels-Forums. „Die Skulpturen der Marx-Engels-Denkmal-Gruppe bleiben an ihren Standorten. Der ringförmige, ursprünglich vollflächig gepflasterte Platz wird durchgrünt“, erfährt der interessierte Leser.

Vom Dach des neuen Infocontainers an der Spandauer Straße in Berlin-Mitte kann man auf das Rathausforum schauen.

Vom Dach des neuen Infocontainers an der Spandauer Straße in Berlin-Mitte kann man auf das Rathausforum schauen.

Maria Neuendorff

Die denkmalgeschützten Bereiche des Rathausforums sowie des Marx-Engels-Forums werden zu einem durchgehenden Freiraum verbunden, der vom Alexanderplatz bis zum Fluss führt. Die Planungen sehen neben einer barrierefreien Erschließung des Spreeufers vor allem in den baumbeschatteten Randbereichen Freizeit-, Sport- und Spielangebote für verschiedene Altersgruppen vor. „Zentrale Flächen werden entsiegelt und vielfältig nutzbare und grüne Räume geschaffen, die gleichzeitig attraktiver Aufenthaltsort sind und das Mikroklima verbessern“, heißt es in den Plänen.

So soll am Nikolaiviertel ein 2.300 Quadratmeter großer Spielbereich für Kinder von drei bis zwölf Jahren entstehen. Aber auch Jugendliche und junge Erwachsene sollen unterschiedlichste Aufenthalts- und Bewegungsangebote an der nördlichen Rathausstraße finden. Zwischen Marx-Engels-Denkmal und Karl-Liebknecht-Straße ist eine weitere Aufenthaltsfläche von rund 400 Quadratmetern geplant.

Pläne für Berlin – jahrelange Bürgerbeteiligung

Die Debatte um den Ort beschäftigt die Berliner seit vielen Jahren. Seit der Wiedervereinigung wurde die Frage, wie der Platz unter den veränderten politischen und gesellschaftlichen Bedingungen entwickelt werden soll, kontrovers diskutiert. 2015 startete unter der Überschrift „Alte Mitte – neue Liebe“ ein Dialog, bei dem laut Senatsverwaltung rund 10.000 Berlinerinnen und Berliner sowie Besucherinnen und Besucher beteiligt waren. Daraus gingen zehn sogenannte Bürgerleitlinien hervor, die als Grundlage für die weitere Entwicklung dienten.

Mit der Stadtwerkstatt Berliner Mitte wurde der Pozess 2018 fortgeführt, auf Basis der Ergebnisse im Jahr 2021 ein internationaler Ideen- und Realisierungswettbewerb durchgeführt. Als Sieger konnte sich der Entwurf von RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten (RMPSL) durchsetzen.

Das Büro um den 1967 in Köln geborenen Landschaftsarchitekten hat unter anderem schon den Klimapark in Mannheim und den Inselpark Wilhelmsburg in Hamburg entwickelt und betreibt in Deutschland fünf Dependancen. Das Berliner Büro befindet sich in der Potsdamer Straße in Tiergarten.

Die Freifläche mit dem Rathaus- und dem Marx-Engelsforum in Berlin ist 7,2 Hektar groß und reicht vom Alexanderplatz bis zur Spree .

Die Freifläche mit dem Rathausforum sowie dem Marx-Engels-Forum in Berlin ist 7,2 Hektar groß und reicht vom Alexanderplatz bis zur Spree.

RMP Stephan Lenzen

Doch auch am Gewinner-Entwurf wurde, gemeinsam mit der Stadtgesellschaft, weiter gefeilt. So ist der künftige Spielplatz mit Kindern der Evangelischen Schule Berlin Mitte entwickelt worden. Schaukeln, eine Rutsche sowie ein Kletterparcours gehörten zu den beliebtesten Elementen der 26 Schüler, mit denen im Februar 2023 Konzepte entwickelt wurden. Jugendliche beteiligten sich im Herbst 2023 an der Gestaltung der Freizeitflächen an der Rathausstraße.

Freifläche mit mehr Grün. So soll es 2023 auf dem Rathausforum in Berlin-Mitte aussehen.

Freifläche mit mehr Grün und Freizeitangeboten. So soll das Rathausforum 2030 in Berlin-Mitte aussehen.

RMP Stephan Lenzen

Eine der Visualisierungen im Infocontainer zeigt nun unter anderem ein rundes Klettergerüst, das in seiner Optik auf die Kugel des Fernsehturms verweist. Eine der Bürgerleitlinien besagt zudem, dass es auch Raum für bürgerschaftliches Engagement geben soll. So bleibt der Platz vor dem Roten Rathaus als Ort für politische Debatten erhalten.

Um das zu unterstreichen, entsteht ein 45 Zentimeter hohes Podest für Redner. Dazu sollen weiße Stahlstühle im DDR-Design im Boden fixiert werden. Über 200 solcher Modelle standen zu DDR-Zeiten rund um die Kaskaden am Fernsehturm sowie auf dem Boulevard Unter den Linden.

Noch wird es an Hitzetagen auf den Betonflächen schnell ungemütlich. Die künstliche Entsiegelung soll das Mikroklima verbessern und die Kanalisation bei Starkregen entlasten. „Mit dem innovativen System zum Regenwassermanagement und zur Versickerung wird das historische Zentrum künftig zu einem lebendigen Stück Schwammstadt“, erklärt Christoph Schmidt, Geschäftsführung Grün Berlin.

Zwischen Fernsehturm und Spandauer Straße bleiben der Neptunbrunnen und die markanten Rosenbeete erhalten. Die ökologische Vielfalt sollen neue Stauden steigern.

Das Spreeufer am westlichen Ende des Areals wird barrierefrei erschlossen und soll dann gegenüber vom Berliner Dom sowie dem Humboldt Forum zum Verweilen einladen. „Dort wird ein öffentlicher Raum mit landschaftlicher Anmutung im Zentrum einer dichten europäischen Stadt realisiert, der seinesgleichen sucht“, findet Christopher Schriner (Bündnis 90/Die Grünen), neuer Verkehrsstadtrat im Bezirk Mitte.

„Die neue Anlage sucht und findet nicht nur eine gute Interpretation der Geschichte der Nutzung der letzten Jahrzehnte. Sie wird in Zukunft auch ein Bindeglied zwischen historischen Bauten der letzten Jahrhunderte sein.“

Die Spree soll auf dem Marx-Engels-Forum im Berlin barrierefrei erschlossen werden.

Der Zugang zur Spree am Marx-Engels-Forum soll barrierefrei sein.

RMP Stephan Lenzen

Zur Verkehrs-Planung gibt es im Infocontainer keine Informationen. Wo und in welchem Umfang in der Zukunft Autos fahren werden, wird im Rahmen des Masterplans der historischen Mitte erst noch erarbeitet. Dieser soll jedoch erst in einigen Jahren fertig sein.

Da die Planungen gerade mit Bürgerbeteiligung extrem Zeit in Anspruch nehmen, klingt manche Leitlinie schon wieder überholt. Im Rahmen einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Stiftung Mitte Berlin, der Gesellschaft historisches Berlin e.V. und des Vereins Stadtbild Deutschland wurden im August 2023 rund 1000 Bürger nach ihrer Meinung befragt. 47 Prozent begrüßten die aktuellen Pläne das Rathausforum und das Marx-Engels-Forum als Grünfläche neu zu gestaltet. Doch fast genauso viele Berliner (46 Prozent) waren dafür, dass dort nach historischem Vorbild neue Häuser gebaut werden.