Wohnen in Berlin: Höffner-Eigentümer will Möbelhäuser und 2500 Wohnungen bauen

Investor und Möbelhauseigentümer Kurt Krieger bei der Vorstellung des Immobilien-Projektes Pankower Tor in Berlin.
Kristoffer Schwetje / Krieger Gruppe- Investor Kurt Krieger plant in Berlin-Pankow bis zu 2500 Wohnungen, zwei Kitas, eine Schule und ein Möbelhaus.
- Das Projekt auf dem 40 Hektar großen Rangierbahnhof-Gelände verzögerte sich durch Naturschutz und Bürokratie.
- Verträge zur Quartiersentwicklung wurden 2025 unterzeichnet, Baustart soll Ende 2026 erfolgen.
- 30 % der Wohnungen werden gefördert, ein neuer Park und ein Stadtplatz sind ebenfalls geplant.
- Kreuzkröten und Kleingärtner wurden umgesiedelt, Naturschutzstiftung übernimmt Pflege eines neuen Habitats.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Inzwischen scheint Kurt Krieger seinen Frieden mit der Kreuzkröte geschlossen zu haben. Zur Pressekonferenz zum künftigen Stadtviertel Pankower Tor hat der Möbel-Mogul sogar ein präpariertes Exemplar sowie ein paar Biologiebücher über die Amphibienart mitgebracht.
Die vom Aussterben bedrohte Spezies ist quasi zum Symbol für extreme Bauverzögerungen geworden. Was die Planungen für das Gelände des 1997 stillgelegten Rangierbahnhofs Pankow angeht, so ist man in Berlin dabei, neue Rekorde aufzustellen.
Wohnungen und Gewerbe – 40 Hektar große Brachfläche in Berlin
Alleine die Größe der Brachfläche östlich vom U- und S-Bahnhof Pankow, die derzeit von Gräsern und Geröll bestimmt wird, ist gigantisch: „Das Areal ist 40 Hektar groß und drei Kilometer lang, das ist ungefähr so wie der Weg von der Gedächtniskirche nach Halensee“, erklärt der 77-jährige Investor am Dienstag (23.9.) bei Vorstellung seiner Pläne.
Der Höffner-Besitzer, dem Möbelhäuser in ganz Deutschland gehören, hatte das Kern-Grundstück zwischen Berliner Straße und Prenzlauer Promenade schon 2009 erworben. Seitdem seien bestimmt tausend Treffen, Online-Meetings und Telefonate vergangen, berichtet er.
Am Dienstag zeigte man endlich auch offiziell Einigkeit, was die Entwicklung des neuen Quartiers mit 2000 bis 2500 Wohnungen, zwei Kitas, einer Schule, einem Park, einem Stadtplatz, ein bis zwei Möbelhäusern und weiterem Einzelhandel rund um den Bahnhof angeht.
Die Verträge dazu wurden im März 2025 von Investor, Stadt und Bezirk unterzeichnet. Flankiert von Cornelius Bechtler (Bündnis 90/Die Grünen), dem Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung sowie Manuela Anders-Granitzki, (CDU) Bezirksstadträtin für Ordnung und damit auch zuständig für den Naturschutz, blickte Kurt Krieger noch einmal zurück auf die 16 Jahre währende und immer wieder umgeworfene Planung.
Rundlokschuppen steht unter Denkmalschutz
Der gebürtige Lichtenberger, der in Pankow aufgewachsen ist und in Berlin-Wedding 1970 sein erstes Möbelhaus unter der Marke Höffner eröffnete, will 2009 an der Granitzstraße eigentlich nur weitere Möbelhaus-Filialen, ein Einkaufszentrum sowie einen Stadtpark errichten. Doch der Bezirk pocht auf eine Schule.
So erwirbt Krieger ein weiteres rund 100.000 Quadratmeter großes Grundstück nebenan, auf dem sich unter anderem ein unter Denkmalschutz stehender Rundlokschuppen aus dem Jahr 1893 befindet.
Danach geht es in den Diskussionen um eine neue Erschließungsstraße. Es folgt ein zweijähriges Werkstattverfahren. Doch bis Ende 2014 steckt das Projekt in einer Sackgasse, weil sich Bezirk und Senat nicht über den Bau der neuen Straße sowie eines Einkaufszentrums einigen können.
Mit der Amtszeit des damaligen Bausenators Andreas Geisel (SPD) und dem inzwischen verstorbenen Pankower Baustadtrat Jens-Holger Kirchner hätten sich die Situation und das Tempo dann völlig geändert, erinnert sich Krieger.

Das Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofs Berlin-Pankow, auf dem in den kommenden zehn Jahren ein neues Stadtquartier entstehen soll, ist derzeit von Wiesen geprägt.
Maria NeuendorffSo wird 2016 der städtebauliche Rahmenvertrag ausgehandelt. Die neue Straße wird gestrichen, das Einkaufzentrum genehmigt. Die geplante Wohnungszahl steigt auf 1000 Einheiten. Das von Krieger erworbene Schul-Grundstück soll an das Land Berlin übertragen werden. Ein Umsiedlungskonzept des Naturschutzbundes (Nabu), nachdem gefährdete Kreuzkröten vom Pankower Baugebiet in ein Habitat nach Brandenburg umsiedeln werden sollen, erntet allgemeine Zustimmung.
Doch trotz aller Einigkeit kommt die Bürokratie nicht hinterher. Vor dem erneuten Regierungswechsel gelingt die Vertragsunterzeichnung nicht.
Entwicklung in Berlin – Einkaufszentrum wird gestrichen
Unter Stadtentwicklungs- und Wohnungsbausenatorin Katrin Lompscher (Die Linke) und dem parteilosen Bezirksbürgermeister Sören Benn werden wieder andere Schwerpunkte gesetzt. Das Einkaufszentrum wird gestrichen. Der Wohnungsbau auf 1500 Wohneinheiten ausgeweitet, 30 Prozent davon müssen Sozialwohnungen sein.
Die Grundschule soll nun auf dem Kern-Grundstück entstehen. Die Übertragung des Ost-Grundstücks mit seinen drei verfallenden Industriedenkmälern an das Land Berlin wird wieder fallengelassen. „Ad hoc waren wir damit für den Denkmalschutz zuständig, Kosten für die Sicherungsmaßnahmen: sechs Millionen Euro“, berichtet Krieger, der gerade erst vor einer Woche in Waltersdorf bei Schönefeld seine Höffner-Filiale nach einem großen Umbau wiedereröffnet hat.
Für das Pankower Tor gibt es 2021 einen Architektur-Wettbewerb, den das Berliner Büro Nöfer gewinnt. Doch mit dem Rücktritt von Lompscher folgte eine neue Hängepartie, bis Senator Christian Gaebler (SPD) und Bezirksstadtrat Cornelius Bechtler (Grüne) das Ruder übernommen hätten, betont Krieger.
2500 Wohnungen in Berlin sind geplant
Nach weiteren Verhandlungsrunden sind die Verträge endlich unterzeichnet. Inzwischen sind bis 2500 Wohnungen geplant, 30 Prozent davon gefördert. „Diese Wohnungen braucht Berlin dringend. Das sind rund 4000 Menschen, die hier leben werden“, freute sich Stadtrat Bechler am Dienstag und bedankte sich für den langen Atem Kriegers, der nach eigenen Angaben rund eine Milliarde Euro in den Standort im Berliner Nordosten investieren will.

Eine Visualsierung des Immobilien-Projektes Pankower Tor in Berlin. Möbelhaus-Mäzen Kurt Krieger will das Areal im Niemandsland zwischen Bahntrasse und Granitzstraße neu gestalten.
Krieger GruppeWenn alles glattläuft, startet der Bau Ende 2026. Die geplante Bauzeit für das Stadtquartier ist auf zehn Jahre terminiert. Doch da sind immer noch die Kreuzkröten.
39 Kleingärten und Kreuzkröten müssen dem Stadtquartier weichen
Laut Vertrag werden sie nun auf ein Grundstück nebenan umgesiedelt, auf dem sich 99 Jahre lang die Kleingartenkolonie Feuchter Winkel befand. Krieger hat die Laubenpieper entschädigt und 39 Lauben abreißen lassen.
Die Pflege des neuen, rund fünf Hektar großen Habitats für Kreuzkröten soll die Stiftung Naturschutz übernehmen, die dafür den Ringlokschuppen als neues Quartier bekommt. Denn eigentlich eigneten sich die Lebensbedingungen für die seltenen Tiere auf dem Rangierbahnhof-Gelände gar nicht, erklärt Krieger, der schon persönlich einen Kreuzkrötenforscher in Heidelberg besucht hat.
„Irgendwann ist die aussterbende Art mit einer Kiesladung zufällig hier in einem Habitat gelandet, das für sie gar nicht geeignet ist“, berichtet der Möbel-Mogul. „Wer das mit dem Naturschutz wirklich ernst meint, der verzögert die Planungen für das Pankower Tor nicht weiter, sondern sieht zu, dass wir die Kreuzkröten schnell dahin umsiedeln können, wo sie auch wirklich überleben können.“




