Zoo Berlin: Das sind die ältesten Bewohner – und so bleiben sie gesund

Fatou, ältestes Säugetier im Zoo Berlin und ältester Gorilla der Welt, bekam zum 66. Geburtstag hauptsächlich Obst. Doch weil auch das viel Fruchtzucker enthält, bleibt es eher die Ausnahme.
Frederic Schweizer/Zoo BerlinFatou hat es sich mal wieder auf ihrem Lieblingsplatz gemütlich gemacht. Die Hände um die Hinterbeine geschlungen, liegt sie rücklings an der Scheibe im Affenhaus und chillt, während die Besucherschar an ihr vorüberzieht. Die Affendame aus dem Zoo Berlin feiert am 13. April 2024 ihren 67. Geburtstag und gilt als ältester Gorilla der Welt.
Den Alters-Rekord teilt sie sich allerdings mit Flamingo-Dame „Rosa“, die 1957 in den Berliner Zoo kam. Nach dem Tod von Flamingo Ingo Anfang Februar – er wurde 75 - führt sie nun mit Fatou die Liste der ältesten Zoo-Bewohner an. Doch was brauchen Tiere, damit sie möglichst lange leben?
Mehr Gemüse als Obst
„Vor allem gesunde Ernährung“, sagt Tierärztin Franziska Sutter, die die individuellen Ernährungspläne entwickelt. Fatou zum Beispiel bekommt fast nur noch Gemüse und Salat, denn selbst Früchte, die in der Natur zu ihrer Hauptspeise gehören würden, sind für sie inzwischen zu süß. „Das für den Menschen gezüchtete Obst, das man hier kaufen kann, ist viel zuckerhaltiger als die Früchte, von denen sich die Affen in der Wildnis ernähren“, erklärt die 39-jährige Veterinärmedizinerin.
Um typische Alterserscheinungen wie Arthrose und Grauer Star, sowie Krankheiten wie Krebs möglichst zu minimieren, wird mit zunehmendem Alter mehr faserreiche Kost gegeben. Bestand die obligatorische Geburtstagstorte, die Fatou jährlich zu ihrem Ehrentag erhält, jahrelang aus Reis, Quark und Früchten, so wird es 2024 eher auf einen Strauß aus roten und gelben Paprika-Schnitzen hinauslaufen. Dazu müssen die Zoo-Köche der Gorilla-Seniorin, die sich immer noch eines gesunden Appetits erfreut, die Nahrung als Brei servieren.
Denn Fatou hat keine Zähne mehr. In der Natur wäre sie schon längst verhungert. Dort würden Gorillas, sie sind ohnehin vom Aussterben bedroht, meist nur 35 bis 40 Jahre alt, erklärt Sutter. Die natürliche Auslese sorgte dafür, dass kranke und altersschwache Tiere quasi „aussortiert“ würden. „Sie sind leichte Beute für Raubtiere, werden von Rivalen aus dem Revier verdrängt oder verhungern, weil sie selbst keine Beute mehr fangen können.“ Im „Luxushotel Zoo“ hingegen lebten Tiere dank Vollpension, bester medizinischer Versorgung und Mangel an Räubern im Schnitt ein Drittel länger als in der freien Wildbahn.
Nacktaugen-Kakadu hält Rekord im Tierpark Berlin
Weil einige der besonders alten Zoo- und Tierpark-Bewohner aus Berlin noch in der Wildnis geboren sind, ist ihr Geburts- oder Schlupfdatum nicht immer bekannt. Die Mitarbeiter orientieren sich beim Alters-Ranking deshalb an anderen Daten. Im Tierpark in Friedrichsfelde hält bisher der Nacktaugen-Kakadu „Pythagoras“ den Rekord, der 1953 in den Zoo nach Frankfurt gebracht wurde und 1964 in den Tierpark nach Ost-Berlin übersiedelte. Auf Platz zwei liegt ein 1960 geborener Truthahngeier und auf Platz drei ein Hyazinth-Ara, der zehn Jahre später das Licht der Welt erblickte, berichtet Zoosprecherin Feline Hachmeister.
Auch im Berliner Zoo sind es vor allem Vögel, speziell Flamingos, die Ende der 50er, Anfang der 60er-Jahre nach Berlin kamen, die die Rangliste anführen. Sie ernähren sich hauptsächlich von sogenannten Flamingo-Pellets, die aus Fischmehl, Mais und Weizen, Luzernemehl, Ölen, Mineralstoffen und Vitaminen bestehen. „Diese Zusammensetzung kommt der Nahrung von Flamingos im natürlichen Lebensraum, wie Krebse, Wasserschnecken, Insektenlarven oder Algen, sehr nahe“, erklärt Franziska Sutter, die vor ihrer Anstellung im Zoo im Serengeti Park gearbeitet hat.
Die Fütterung der Flamingos sei aber nicht vergleichbar mit der Fütterung von Ziervögeln, die als Haustier gehalten werden, betont die Expertin. Allerdings hat sie auch für Halter von Papageien und Sittichen ein paar Fütterungstipps: „Falls Körnerfutter für diese Tierarten gekauft wird, sollte man darauf achten, dass keine Erdnüsse enthalten sind und der Anteil an Sonnenblumenkernen reduziert ist, denn diese sind zu fettreich“, so Sutter. Damit die Tiere gesund bleiben, müsse das Körnerfutter mit Gemüse, wenig Obst, Wildkräutern und Vitamin- und Spurenelementgaben ergänzt werden.
Fastentage für Wildkatzen
Haus- wie Wildkatzen dagegen können kohlenhydrathaltige Nahrung gar nicht verdauen. Die Löwen, Tiger, Puma und Panther bekommen in Zoo und Tierpark deshalb auch nur rohes Fleisch in Form von Kaninchen, Geflügel und Putenkeulen, das ebenfalls mit Vitaminen und Mineralien angereichert wird. Dazu werden auch mal „Fastentage“ eingelegt, da Wildkatzen in der Natur meist erst tagelang auf die Jagd gehen müssen, bevor sie sich den Bauch vollschlagen können.
Bei den domestizierten Hauskatzen, deren Verdauungssystem sich schon lange an den menschlichen Rhythmus angepasst hat, würde die Tierärztin allerdings nicht zu Fastentagen raten. Bei Stubentigern müsse man dagegen eher mit zunehmendem Alter darauf achten, dass sie ausreichend Wasser trinken. „Ein Trinkbrunnen könnte die Tiere dazu spielerisch anregen und gleichzeitig für mehr Bewegung sorgen“, erklärt Sutter. Denn wenn die Katze nur noch faul auf dem Sofa liegt, komme es ähnlich wie beim Menschen häufig zu Gelenkproblemen. Der Flüssigkeitsmangel kann dagegen zu Nierenkrankheiten führen.
Einen Hund könnte man, wenn man wollte, sogar rein vegetarisch ernähren, erklärt die Tierärztin, die nach dem Studium als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Tierklinik für Fortpflanzung der Freien Universität Berlin anheuerte.
Weil das bei den Wildhunden und Wölfen aber nicht artgerecht wäre, steht in Zoo und Tierpark rohes Fleisch auf dem Speiseplan. Doch ähnlich wie bei den Affen gibt es auch Mahlzeiten aus gekochtem Reis, Möhren und Hühnchen. Brot ist dagegen bei den Ernährungsexperten inzwischen schon als viel zu kohlenhydratreich verschrien.
Bitte nicht füttern
Für Giraffen können selbst zu viele Möhren oder Eicheln ungesund werden. Sie werden hauptsächlich mit Heu und Laub gefüttert. „Wenn sie zu viele Kohlenhydrate aufnehmen, kann sich unter anderem an ihren Klauen das Nagelbett entzünden. Dann haben die richtig Schmerzen“, erklärt Sutter.
Auch deshalb weisen immer wieder Schilder die Besucher darauf hin, die Tiere bitte nicht zu füttern, egal, womit. Futterspenden nehmen die Einrichtungen seit Jahren nicht mehr an. „Das ist zwar lieb gemeint, aber wir könnten dann zum Beispiel nicht sichergehen, dass die Kühlkette eingehalten wurde“, erklärt die Tierärztin und führt weiter zum Elefanten-Gehege.

Tierärztin Franziska Sutter überwacht im Berliner Zoo den Speiseplan für die verschiedenen Tierarten. Im Hintergrund sieht man „Drumbo“. Die 53-jährige Elefantendame gilt als drittältestes Säugetier in Zoo und Tierpark.
Maria NeuendorffDort kaut „Drumbo“ genüsslich an ein paar Bambuszweigen. Die 1970 geborene Asiatische Elefanten-Dame ist das drittälteste Säugetier in der West-Berliner Einrichtung. Ihr Partner „Viktor“, mit dem sie durch den Sand des Außengeheges tapert, ist 24 Jahre jünger. Bei den Dickhäutern bringt ein hohes Alter eher Anerkennung in der Herde. „Die älteren Elefanten-Kühe bringen Ruhe rein, den jüngeren Tricks bei, schlichten Streit und helfen sogar quasi als Hebammen bei Geburten“, berichtet Sutter.
Bei den Affen setzten sich die Chefs, auch Silberrücken genannt, irgendwann nicht mehr für die älteren Tiere ein. So kann es passieren, dass ihnen die jüngeren das Essen klauen. So hat Fatou als Alterssitz inzwischen ein eigenes „WG-Zimmer“. Sie kann, wenn sie will, durch ein sogenanntes Kuschelgitter Kontakt zu Familienangehörigen und Artgenossen aufnehmen, kann sich aber auch zurückziehen, wenn sie ihre Ruhe haben will, erklärt Sutter. Auf diese Weise könne Fatou trotz kleiner „Zipperlein“ einen geruhsamen Lebensabend in einem behüteten Umfeld verbringen.
So sei das Thema „Altersruhesitz“ für Zoos vor allem eine „kommunikative Herausforderung“, heißt es im Zoo-eigenen Blog. Denn viele Besucher seien besorgt beim Anblick eines knochigen Pferdes oder eines zahnlosen Gorillas. Doch wie auch beim Menschen erfreuten sich viele Tiere selbst in hohem Alter noch bester Gesundheit, versichern die Autoren.
Ein Beweis dafür ist Kaspar. Der 54-jährige Kappengibbon, der seit 1993 im Berliner Zoo lebt, hat zwar inzwischen schmalere Beine als seine jüngeren Artgenossen, aber nach wie vor ausgeprägte Oberarme. Nachdem der kleine Menschenaffe eine Zeit lang reglos wie eine Statue auf einer Astgabel ausgeharrt hat, springt er unvermittelt an eines der Seile und schwingt vor den Augen der Zoobesucher athletisch hin und her. Zwischendurch hangelt er sich von Stange zu Ast und macht ein paar Klimmzüge.

Kaspar, ein 54-jähriger Kappengibbon, ist das zweitälteste Säugetier im Berliner Zoo und zeigt Besuchern gerne, dass er auch noch richtig fit ist.
Maria NeuendorffDie Besucher staunen über die plötzlichen Showeinlagen und zücken ihre Handys. „Kaspar ist bisher von Alterskrankheiten verschont“, freut sich Sutter. Weil der Gibbon auch noch gut hören und sehen kann, interagiere er gerne mit seinem Publikum. Auch reguläre Kost kann Kaspar, der noch ein gesundes Gebiss hat, problemlos zu sich nehmen. Damit das so bleibt, gibt es auch für ihn viel gekochtes Gemüse, mal mit Hühnchen, mal mit Ei.
Männliches Pelikanpärchen adoptiert Küken
In der Pelikan-Kolonie im Tierpark Berlin herrscht ungewöhnliches Familienglück. Die Adoptivväter „Charlie Brown“ und „Halle“ kümmern sich um ein kleines Fleckschnabelpelikan-Küken, das am 23. Januar auf die Welt kam, wie eine Sprecherin des Tierparks am Montag berichtete. Das Ei eines Fleckschnabelpelikan-Pärchens war aus dem Nest gefallen und wurde von seinen Eltern nicht mehr umsorgt. Es kam zunächst in einen Inkubator und wurde danach von dem männliche Pärchen ausgebrütet.
Das Küken wachse nun in der Obhut seiner beiden fürsorglichen Adoptivväter heran. „Das Pärchen hat schon in den Jahren davor gebrütet, allerdings jeweils getrennt mit weiblichen Meerespelikanen. Diese Saison ist das erste Mal, dass sich diese beiden als gleichgeschlechtliches Paar zusammengefunden haben“, so die Sprecherin. (dpa)




