Jetzt gehören sie also auch schon zu den Dinosauriern: Die Toten Hosen, Anfang der 1980er-Jahre in Düsseldorf als Fun-Punk-Kapelle gegründet, haben die zurückliegenden Jahrzehnte ohne größere Blessuren überstanden. Sie sind ihrem musikalischen Konzept weitgehend treu geblieben. Am Sonnabend, 20. August, geben sie ein Konzert auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof.
Musikalische Fähigkeiten, das betonen Sänger Andreas Frege alias Campino (59) und Co. immer wieder, spielen für den Zusammenhalt der Band keine oder bestenfalls eine untergeordnete Rolle. In den Anfangstagen beherrschten die Gitarristen Andreas von Holst und Michael Breitkopf kaum einen sauberen Akkordwechsel, und da musste Bassist Andreas Meurer noch zwei der vier Saiten von seinem Instrument entfernen, um auf dem Griffbrett nicht den Überblick zu verlieren. Die instrumentalen Fähigkeiten kamen mit den Jahren, aber noch immer lassen die Düsseldorfer, für die als letztes heutiges Mitglied im Jahr 1998 der britische Schlagzeuger Vom Ritchie zu den Gründungsmitgliedern hinzustieß, es eher rustikal zugehen.

Alkoholgetränkte Anfänge bei der Band Die Toten Hosen

Ihre ersten Konzertreisen waren alkoholgetränkte Pogo-Eskapaden, bei denen schon vor dem Soundcheck mächtig gefeiert wurde und die Grenzen zwischen Publikum und Band verschwammen. Heute füllen die Toten Hosen Stadien. Und seit den frühen 90er-Jahren erreichte praktisch jedes ihrer neuen Studioalben den ersten Platz in den Charts.
Die Mitglieder der Band Die Toten Hosen bei einem Konzert ihrer Anfangszeit in einer Szene des Dokumentationsfilms "Auswärtsspiel - Die Toten Hosen in Ost-Berlin"
Die Mitglieder der Band Die Toten Hosen bei einem Konzert ihrer Anfangszeit in einer Szene des Dokumentationsfilms „Auswärtsspiel - Die Toten Hosen in Ost-Berlin“
© Foto: JKP/dpa
Was prädestinierte nun ausgerechnet diese unbedarft drauflosmusizierenden Rheinländer dazu, eines der langanhaltendsten Erfolgsprodukte des deutschen Musikgeschäfts auf die Beine zu stellen?
Statt um Virtuosität und um den Hipnessfaktor geht es den Düsseldorfern um Freundschaft und Solidarität, um eine gute Stimmung, und um (linke) Haltung. Seit Jahren engagieren sich die Toten Hosen gegen Fremdenfeindlichkeit, in der Unterstützung Geflüchteter und für diverse weitere soziale Projekte.
Die Toten Hosen haben keine Scheu davor, sich mitdeutlichen Botschaften weit aus dem Fenster zu lehnen, auch wenn Marketing-Experten darin vielleicht die Gefahr einer Einengung des Zielgruppenkreises sehen. Ihre Songs sind bekennerhaft, ob sie nun den „aufrechten Deutschen“ „Sascha“ besingen oder ob sie religiös-eschatologischen Heilsversprechenn eine Absage erteilen („Paradies“).
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Auch mit kulturellen Referenzen und Anspielungen arbeiten die „Hosen“. So etwa, wenn sie den Stanley-Kubrick-Film „Clockwork Orange“ in einem Song thematisieren, der zugleich als Hymne auf den damaligen Fortuna-Düsseldorf-Trainer Aleksandar Ristic gedeutet wurde („Hier kommt Alex“, 1988).

Kreativer Schmelztiegel Düsseldorf

Düsseldorf war in den 70er-Jahren ein Brennpunkt avantgardistischer Musik, befördert durch die Strahlkraft der dortigen Kunstakademie. Kraftwerk und Neu! Später entstand auf diesem Nährboden rund um die Kneipe Ratinger Hof eine lebendige Punkszene – später wurde dieses Gefüge aus zahlreichen Amateurbands als der Nukleus der deutschen Punkmusik schlechthin identifiziert. Eine der Bands, die dort regelmäßig auftraten, war die Gruppe ZK mit Sänger Campino und später auch Andreas von Holst an der Gitarre. Und aus dieser Band gingen im Jahr 1982 Die Toten Hosen hervor. Die Mitglieder kannten sich noch aus der Schule und vom Eishockeyspielen.
Am Treffendsten erklärt sich das Phänomen Tote Hosen wohl aber mit diesem einen Fakt: Die Band hat vor Jahren ein Gemeinschaftsgrab auf dem Düsseldorfer Südfriedhof angemietet. Dort liegt schon seit 2016 der frühere Schlagzeuger Wolfgang Rohde begraben. Es ist noch Platz für alle anderen Bandmitglieder, für Roadies, Freunde und Familienmitglieder.
Nach den Alkohol- und Drogeninduzierten Exzessen der Anfangsjahre, nach vielen selbstzerstörerischen Tourneen haben die Bandmitglieder, die bis heute mit erstaunlich wenigen personellen Veränderungen ausgekommen sind – nur der Schlagzeugstuhl wurde in den ersten Jahren einige Male neu besetzt – heute zu einem gesunden Lebensstil gefunden. Entwaffnend offen sprach zum Beispiel Andrea von Holst in Interviews immer wieder über seine Alkoholkrankheit, die in den Griff zu bekommen er mühsam lernen musste.

Die Toten Hosen: Begegnung mit den Helden der Jugend

Als einen Schlüsselmoment in ihrer Karriere nennen die Bandmitglieder selbst in Interviews immer wieder die Arbeiten an dem 1991 veröffentlichten Punkrock-Coveralbum „Learning English Lesson One“. Die Aufnahmen, für die sie Veteranen des Punkrock wie Johnny Thunders und Joey Ramone ins Studio einluden und mit ihnen deren alte Songs eingespielt haben, wirkte wie ein Booster für das Selbstvertrauen der Gruppe. Von den Helden ihrer Jugend als gleichberechtigte Partner akzeptiert zu werden, und mehr noch: zu sehen, dass dies auch ganz normale Menschen mit (Geld-)Sorgen und Krankheiten sind, das hat den Hosen einen kräftigen Schub gegeben. Zugleich wirkte die Rückbesinnung auf ihre musikalischen Wurzeln wie ein Katalysator für ihre eigenen Ideen. Den darauffolgenden Alben „Kauf mich!“ (1993) – ein Konzeptalbum zu den Themen Kommerz, Konsum und Rechtsextremismus und „Opium fürs Volk“ (1996) – einer Lektion in Sachen stadiontauglicher Mitsing-Refrains – ist diese gewachsene Reife auf allen Ebenen anzuhören; in der Produktion, im Songwriting und überhaupt im gesamten Auftreten und Gestus der Band.
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Wie kaum eine zweite Band sahen die Hosen sich aber auch Kritikern ausgesetzt, denen zufolge sie sich von ihren Wurzeln entfernt hätten und keinen „echten Punk“ mehr machen würden. Diese Einschätzung verfolgt die Düsseldorfer schon seit mehr als 30 Jahren, und mit jedem weiteren Chart-Erfolg, mit jeder aufwändig produzierten Arena-Tournee wurde diese Einschätzungen aufs Neue hervorgeholt. Die Band hat ihren eigenen Weg gefunden, damit umzugehen. In dem Song „Alle sagen das“ greifen sie dieses Verdikt offen auf und stellen sie an die Seite anderer Gerüchte und gefühlter Wahrheiten.
Der Sänger und Frontmann Campino von der deutschen Rockband Die Toten Hosen, steht bei einem Konzert in Magdeburg auf der Bühne (Archivfoto vom 11.05.2005). Zum ersten Mal seit 2005 gab die Band wieder ein Konzert in Buenos Aires. Die Beziehung zu den Fans in Argentinien sei so persönlich wie in keinem anderen Land, so Sänger Campino
Der Sänger und Frontmann Campino von der deutschen Rockband Die Toten Hosen, steht bei einem Konzert in Magdeburg auf der Bühne (Archivfoto vom 11.05.2005). Zum ersten Mal seit 2005 gab die Band wieder ein Konzert in Buenos Aires. Die Beziehung zu den Fans in Argentinien sei so persönlich wie in keinem anderen Land, so Sänger Campino
© Foto: Andreas Lander/dpa

Riesen-Repertoire mit großen Hits, Funpunk-Songs und neuen Stücken

Mittlerweile teilen die Toten Hosen das beneidenswerte Schicksal vieler langjährig aktiver und erfolgreicher Interpreten: Ihr Repertoire ist inzwischen derart umfangreich, dass sie unmöglich alle von den Fans ersehnten Lieblingstitel und Hits in einem einzigen Konzert unterbringen können.
Der Tour-Auftakt war am 7. Juni in Flensburg, vor vergleichsweise kleinem Publikum. Die Band hat diesen Auftritt vorab als eine Art Warm-Up-Konzert angekündigt. Weiter ging es am 10. Juni im Kölner RheinEnergieStadion. Esfolgten Auftritte unter anderem in Rostock, München und gleich zweimal in ihrer Heimatstadt Düsseldorf – in der Merkur SpielArena – aber auch in Hamburg, Stuttgart, Zürich und sogar im italienischen Locarno. Die Konzertreise endet am 10. September mit einem bereits ausverkauften Konzert im nordrhein-westfälischen Minden.

Die Toten Hosen: Das steht auf der Setlist vom Konzert in Berlin

Besucher der laufenden Tour „Alles aus Liebe – 40 Jahre Die Toten Hosen“ können dennoch mit einem annähernd repräsentativen Querschnitt durch ihr Schaffen rechnen. Alte Hits wie „Hier kommt Alex“ und „Wünsch Dir was“ sind ebenso auf den Setlists der zurückliegenden Konzerte zu finden wie neueres Material, zum Beispiel vom 2017er-Album „Laune der Natur“. Und es gibt auch wieder einige der Fun-Punk-Hymnen zum Mitsingen aus den frühen Jahren à la „Eisgekühlter Bommerlunder“.
Fans feiern beim Auftritt der Punkband Die Toten Hosen, beim offiziellen Start der Jubiläumstournee "Alles aus Liebe - 40 Jahre Die Toten Hosen" vor der Bühne im RheinEnergieStadion.
Fans feiern beim Auftritt der Punkband Die Toten Hosen, beim offiziellen Start der Jubiläumstournee „Alles aus Liebe - 40 Jahre Die Toten Hosen“ vor der Bühne im RheinEnergieStadion.
© Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Die komplette Setlist könnte so aussehen – diese hier stammt vom Konzert in Mannheim am 24. Juli (Quelle: setlist.fm):
  • Alle sagen das
  • Auswärtsspiel
  • Altes Fieber
  • Paradies
  • Bonnie & Clyde
  • Liebeslied
  • 112
  • Laune der Natur
  • Niemals einer Meinung
  • Alles passiert
  • Du lebst nur einmal (vorher)
  • Halbstark (The Yankees cover)
  • All die ganzen Jahre
  • Das ist der Moment
  • Wannsee
  • Unter den Wolken
  • Draußen vor der Tür
  • Pushed Again
  • Steh auf, wenn du am Boden bist
  • Alles aus Liebe
  • Wünsch DIR was
  • Hier kommt Alex
Zugabe 1
  • Helden und Diebe
  • Schrei nach Liebe (Die Ärzte cover)
  • Zehn kleine Jägermeister
  • Schönen Gruß, auf Wiederseh'n
Zugabe 2
  • Alles wird vorübergehen
  • Tage wie diese
  • Freunde
  • You'll Never Walk Alone (Rodgers & Hammerstein cover)
Zugabe 3
  • Wort zum Sonntag
  • Opel-Gang
  • Eisgekühlter Bommerlunder
Zu den Feierlichkeiten anlässlich ihres 40. Bandjubiläums gehört auch eine große „Best Of“-Werkschau mit zwei CDs und einigen neuen Liedern. Die beiden Songs „Scheiss Wessis“ und „Scheiss Ossis“, aufgenommen in Zusammenarbeit mit dem Rapper Marteria, haben in den zurückliegenden Monaten schon hohe Wellen geschlagen. Ein betont platter Humor, launige Kommentare und Musik zum Feiern – Die Toten Hosen sind noch da, und sie sind immer noch die Alten.

Die Toten Hosen in Berlin: Gibt es noch Tickets?

Für das Konzert „Alles aus Liebe – 40 Jahre Die Toten Hosen“ auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof am Sonnabend (20.8.), 17.30 Uhr, gibt es noch Tickets. Sie sind als Print@Home-Tickets im Online-Shop der Band buchbar. Wichtig: Kindern unter 6 Jahren ist der Zutritt zur Veranstaltung verboten – auch in Begleitung einer erziehungsberechtigten Person ist es nicht gestattet.
Einlass ist ab 14 Uhr. Als offizieller Beginn wird 17.30 Uhr angegeben.
UPDATE, 20. August: Inzwischen sind keine Tickets mehr über den Shop der Band buchbar.

Feine Sahne Fischfilet als Support für Die Toten Hosen

Die Toten Hosen kündigen die Band Feine Sahne Fischfilet als Vorband an. Ebenfalls als Gäste werden Team Scheisse & Stoned Jesus erwartet.

Anfahrt und Zutritt zum Konzert auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof

Die Anfahrt zum Konzert auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof sollte am besten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln geschehen. In unmittelbarer Nähe des Geländes gibt es folgende Haltestellen:
S-Bahn Berlin, S-Bahnhof Tempelhof: S41, S42, S45, S46 (besonders geeignet für den Zugang zum Gelände über Zugang A am Tempelhofer Damm)
U-Bahn, U6: U-Bahnhof Tempelhof (Zugang A) oder Platz der Luftbrücke Zugang A oder B)
U7: U-Bahnhof Gneisenaustraße oder Südstern (beide geeignet für Zugang B am Columbiadamm)

Das Wetter für das Konzert der Toten Hosen in Berlin

Es könnte das perfekte Konzert-Wetter geben am Sonnabendabend auf dem alten Flughafen-Gelände in Berlin-Tempelhof. Der Wetterdienst kündigt 24 bis 26 Grad an. Auch etwas Regen ist am 20.8. über Berlin möglich – allerdings eher am Vormittag bis Mittag.
UPDATE, 20. August: Der Wetterdienst hat seine Prognose korrigiert. Die Temperaturen liegen nur noch bei maximal 22 Grad, am Abend sinken sie auf 18 Grad. Es kann auch etwas regnen - mit etwas Glück nur bis 19 Uhr.