Herbert Grönemeyer in Berlin
: Unplugged im Velodrom – was anders ist als sonst

In Berlin begeistert Herbert Grönemeyer akustisch mit Chor, intimen Arrangements und starken Botschaften – ein emotionales Konzert im Velodrom in Berlin.
Von
Gunnar Leue
Berlin
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Auftaktkonzert „Herbert Grönemeyer - mittendrin - akustisch“

Sänger Herbert Grönemeyer in der Dortmunder Westfalenhalle beim Auftaktkonzert seiner Unplugged-Tournee, die ihn unter dem Motto „Herbert Grönemeyer - mittendrin - akustisch“ auch nach Berlin geführt hat.

Rolf Vennenbernd/dpa
  • Herbert Grönemeyer begeistert in Berlin mit Unplugged-Konzert im ausverkauften Velodrom.
  • Auftritt mit Chor und intimen Arrangements, u. a. Songs wie „Bochum“ und „Flugzeuge im Bauch“.
  • Tournee „Mittendrin – akustisch“ macht nur Halt in Dortmund und Berlin – ungewöhnlich wenig bekannt.
  • Kritische Botschaften wie „Kein Millimeter nach rechts“ und Hit-Duett mit Sängerin LEA beeindrucken.
  • Nach drei Stunden Konzert endet der Abend emotional mit dem Song „Immerfort“.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Herbert Grönemeyer und sein (auch über die Musik hinausgehendes) Wirken ist medial normalerweise permanent im Brennpunkt. Umso mehr verwunderte, dass sein Live-Programm „Mittendrin – akustisch“ nicht in aller Munde war. Selbst eingefleischte Grönemeyer-Fans aus dem Bekanntenkreis wussten nichts von einer Unplugged-Tour des erfolgreichsten Deutschpop-Künstlers. Vielleicht, weil sie nur in zwei Städten Halt macht.

In Dortmund, wo sie Anfang des Monats gleich fünfmal die Westfalenhalle füllte, und am Donnerstag sowie am heutigen Freitag in Berlin. Dort im Velodrom. Es ist die Brücke von der ersten Heimat zur zweiten Heimat, wie der Deutschen liebster Herbert am ersten Berlin-Abend seinen vielleicht 8000 Fans ins ausverkaufte Hallenrund sagte. Das Ruhrpottler lebt ja inzwischen in der Hauptstadt.

Als er die Bühne, die sich im Innenraum der Halle befindet, kurz nach acht betritt, war er erstmal allein. So konzentrierte sich der Jubel voll und ganz auf ihn. Dann kamen die Männer und Frauen des Rundfunkchores Berlin auf die Bühne und postierten sich rund um die Bühnenfläche, auf der sich die Band mit ihren Instrumenten aufgebaut hatten. Sie begleiteten den Sänger zum Opener „Unfassbarer Grund“ a-capella mit harmonischem Chorgesang. Das ging ja gut los.

Sonst kennt man den Konzert-Grönemeyer vor allem als lauthalsigen, nicht selten fast brüllenden Frontmann. Es ist der typische Ausdruck seiner Freude über die Zuneigung des Publikums, das ihm auch am Donnerstagabend zu 110 Prozent geneigt war.

Grönemeyer singt in Berlin Malocher-Hymnen

Um es vorweg zu sagen: Herbert Grönemeyer hat seine Begeisterung über die Zuneigung der Fans auch an diesem Abend mit viel Lautstärke nach außen getragen. Teilweise hat sich seine Aufgekratztheit so artikuliert, dass sie schwer zu verstehen war. Akustisch.

Das ist natürlich kein Problem, weil die Fans zumindest die Lieder in den meisten Fällen selbst im Kopf haben, was sich auch in Berlin häufig zeigte. Andererseits ist das manchmal auch schade, weil der begnadete Textdichter Grönemeyer viele Lieder im Programm hat, die nicht nur genaues Hinhören auch im Konzert verdienen, sondern ein Nichtzerklatschtwerden. Wobei das den Meister, in Cargohose und modischer Allerweltsjacke, nicht zu stören scheint. Er hüpft und rudert mit den Armen, weil es seine Art ist, Spaß und seine Freude zu zeigen.

Auftaktkonzert „Herbert Grönemeyer - mittendrin - akustisch“

Mal mit Orchester, mal mit Band, mal mit allen: Herbert Grönemeyer akustisch am 3. September 2025 in der Westfalenhalle Dortmund

Rolf Vennenbernd/dpa

Der Konzertboden scheint den ansonsten gern intellektuell auftretenden Musiker (natürlich) nicht zu erden, sondern zu pushen. Selbst beim empfindsamen Lied „Flieg“ hastet er ums Bühnenrund, dass man fürchten muss, er könnte gleich seine eigene Poesie zertrampeln. Umgehend stimmt er jedoch das „Steigerlied“ und „Bochum“ an, zwei Malocher-Hymnen, die in der weiteren Zukunft womöglich als Nostalgielieder des Industriestandorts Deutschland Endloskarriere machen werden.

Dann, wenn die Nummer-eins-Charts-Hits nicht mehr von Talenten wie Grönemeyer kommen, sondern von Künstlichen Intelligenzen. Noch ist es nicht so weit, aber als der Massenchor tausender Berliner und Randberliner „Bochum, ich häng‘ an dir“ mitsingt, klingt das auch irgendwie etwas lustig.

„Fall der Fälle“ – der große Mahner fordert Haltung ein

Generell ist es einfach schön, dass es noch solche Konzerte gibt, bei denen KI-mäßig nichts passiert, sondern der aufgedrehte Sänger und das ausgedrehte Publikum einfach miteinander die Welt vergessen. Wobei, ganz stimmt das freilich doch nicht. Selbstverständlich vergisst Grönemeyer, der große Mahner des Deutschpop, nicht, ans Zusammenstehen für die Demokratie zu erinnern und Haltung einzufordern.

„Kein Millimeter nach rechts“, sang er in „Fall der Fälle“. Mit Reden hält er sich ansonsten zurück. Angesichts der Spaltung im Land beteuert er noch einmal „Wir brauchen einander“, was sich musikalisch im anschließenden Song „Deine Hand“ künstlerisch betörender anhört.

Zum Feiern gab es darüber hinaus noch viel mehr. Natürlich die Hits wie „Männer“ oder „Flugzeuge im Bauch“, bei dem sich zeigte, wie gut, weil nicht überzuckert die Arrangements mit den Streichern und dem Chor waren. Auch das Duett mit Sängerin LEA („Demo (der letzte Tag)“) begeisterte. Nach drei Stunden und ausgerechnet dem Lied „Immerfort“ war dann aber doch Schluss. Und wohl niemand auf dem Heimweg unzufrieden.