Herbert Grönemeyer und Silbermond: Warum „Mein Osten“ das Lied der Stunde ist

Stefanie Kloß ist die Frontfrau der Band Silbermond. In dem Lied „Mein Osten“ bezieht sie sich auf ihre Heimatstadt Bautzen - und holt Herbert Grönemeyer als Gast-Sänger dazu.
Georg Wendt/dpa- Herbert Grönemeyer und Silbermond nehmen den Song „Mein Osten“ von 2019 neu auf, um politische Botschaften zu senden.
- Ursprünglich als Reaktion auf rassistische Ausschreitungen in Chemnitz veröffentlicht.
- Kooperation entstand nach gemeinsamen Konzerten in Hamburg und Dresden.
- Song thematisiert gesellschaftliche Spaltung und würdigt den Osten Deutschlands.
- Grönemeyer kritisiert rechte Hetze und fordert Stabilität in Demokratie und Werten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Ich vergess nicht, wo ich herkomm“, heißt es im Song. Und: „Ich kenn dich, kenn dich gut, mein Osten. Versteh zum Teil auch deine Wut.“ Als die Band Silbermond das Lied „Mein Osten“ erstmals veröffentlichte, war das 2019.
Kurz vorher hatte es in Chemnitz rassistische Ausschreitungen gegeben, und im Zuge der anstehenden Landtagswahlen auch in Bautzen Demonstrationen und Ausschreitungen. „Ich seh noch die traurigen Bilder einer dunklen Nacht“, singt die 1984 in Bautzen geborene Leadsängerin Stefanie Kloß. „Im Lauftext steht der Name meiner Heimatstadt.“
Nun ist Chemnitz Kulturhauptstadt und widmet sich explizit auch der Aufarbeitung der damaligen Ereignisse. Und es stehen neue Wahlen an, Bundestagswahlen, und im Wahlkampf wird besonders erbittert auch über den Umgang und das Verhältnis zur AfD debattiert.
Neuaufnahme des Songs „Mein Osten“ mit Herbert Grönemeyer
Wenn Silbermond den Song also noch einmal einspielt, und zwar mit Herbert Grönemeyer als Gastsänger, dann ist das ein Statement. Zur aktuellen politischen Situation, zum Erfolg der AfD, aber auch zum Umgang zwischen Ost und West, der seit einiger Zeit ziemlich vergiftet ist. „Ich weiß, mit dem Mittelfinger lösen werden wir dieses Problem nicht“, singt Grönemeyer. „Aber was nicht hilft, sind wir uns da einig: Ideen von 1933.“
2023 und 2024 standen Silbermond und Grönemeyer in Hamburg und Dresden gemeinsam auf der Bühne. Daraus entstand die Idee für den gemeinsamen Song. In den YouTube-Kommentaren feiern mehrere User das Konzert in Dresden im vergangenen Sommer, bei dem der Song erstmals gemeinsam präsentiert wurde: „Ich und meine Mutter haben zusammen geschrien und geweint, als Herbert auf die Bühne kam und ihr diesen Song performt habt. Das war ungelogen der beste Moment meines letzten Jahres, den ich niemals vergessen werde. Danke für diese Magie“, schreibt eine mariewerner3613.
Grönemeyer und Silbermond: Risse durch Familien
In der Akustikballade singen die Gruppe um Sängerin Stefanie Kloß sowie Grönemeyer unter anderem über das Auseinanderdriften der Gesellschaft („Risse gehen durch Familien und ein Riss geht auch durch mich“). Die Musiker huldigen dem Osten aber auch als „Schönheit“ und Region, in der die Wurzeln von Silbermond liegen.
Silbermond-Gitarrist Thomas Stolle sieht im Gespräch mit der Deutschen Presseagentur eine „wacklige Welt, an deren Enden Populisten zerren“. „Da kann man manchmal nur noch den Kopf schütteln, aber irgendwie müssen wir es als Gesellschaft schaffen, stabil zu bleiben. Stabil in unseren Werten, in unserem Verständnis von Freiheit und stabil in unserer Demokratie an sich.“
So sieht Herbert Grönemeyer die aktuelle Situation
Herbert Grönemeyer (68) sieht die Gesellschaft noch immer von der Pandemie stark beeinträchtigt. „Wir alle sind seit Corona immer noch posttraumatisch belastet, und die furchtbaren Kriege und Konflikte kreieren kollektive Ängste und gehen uns schwer an die Substanz“, sagte der Sänger auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Es sei niederträchtig, dass jetzt europaweit und weltweit reaktionäre Rechte diese Situation nutzten und sich mit Hetze und Menschenfeindlichkeit und verlogenen Heilsversprechen breitmachten.
Zum aktuellen Bundestagswahlkampf sagte Grönemeyer: „Selbst wenn sich die Politiker gerade in Eitelkeiten verheddern, müssen wir stabil und gelassen unsere humanistische Gesellschaft und ihre unverrückbare Haltung verteidigen, die Themen forcieren und deren Bearbeitung einfordern, die wirklich für unser Land auf unserer Agenda stehen.“ Zu den Aufgaben der neuen Regierung zählen für Grönemeyer „Umverteilung, bezahlbarer Wohnraum, Klima, Gesundheit, humane, sichere Migrationspolitik.“



