Mekado beim ESC 1994
: Kati Karney – wie war es, beim Eurovision Song Contest zu singen?

In Frankfurt (Oder) verbindet man den Namen Kati Karney vor allem mit dem Eurovision Song Contest 1994 in Dublin. Beim MOZ-Talk erzählte sie einem Teilnehmer am ESC-Vorentscheid 2024, wie es damals war.
Von
Lisa Larossa
Frankfurt (Oder)
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Das Mädchen-Trio Mekado – bestehend aus Melanie Bender, Kati Karney und Dorkas Kiefer – startete 1994 für Deutschland beim ESC Grand Prix in Dublin.

Valdmanis/dpa

Als Kati Karney aus Frankfurt (Oder) beim Eurovision Song Contest, damals noch Grand Prix Eurovision de la Chanson, auftrat, war Daniel Léon Schmidt noch nicht geboren. Der Wettbewerb sei damals ein ganz anderer gewesen, erzählt sie: „Es war vorgeschrieben, dass wir auf Deutsch singen.“ Jedes Land habe in der eigenen Muttersprache singen müssen, und zwar zu Live-Musik. Gespielt habe ein 50-köpfiges Orchester, dirigiert von Norbert Daum, erinnert sie sich.

1994, das sei eine sehr aufregende Zeit gewesen. In dem Jahr trat Kati Karney zusammen mit Dorkas Kiefer und Melanie Bender beim Song Contest auf, sie waren das Trio Mekado – die erste Girl Group vor den No Angels, hieß es später. Kati Karney bestätigt das. Sie war schon vorher bei Ralph Siegel unter Vertrag, der dritte Platz beim Eurovision Song Contest bescherte ihr und den anderen beiden jungen Frauen aber 200 Fernsehauftritte in dem Jahr, eine Radiotour, ein Album, ein Musikvideo und etliche Artikel in lokalen, überregionalen und Musikzeitungen.

Kati Karney: „Man muss sich nicht anpöbeln“

Beim 40. MOZ-Talk am Mittwoch (20.3.) erzählt sie von 300 Millionen Menschen, die sich den ESC 1994 im Fernsehen anschauten, von 9000 Menschen in Dublin, die sich den Auftritt live ansahen, und von 25 Nationen, die „mit sehr viel Respekt und Liebe“ gegeneinander antraten. Diese Liebe und den Umgangston vermisse sie heute manchmal. „Man kann eine andere Meinung haben, aber man muss sich nicht anpöbeln“, sagt sie.

Mit ihr auf der Bühne steht Daniel Léon Schmidt, der unter seinem Künstlernamen Ninetynine vor wenigen Wochen am Eurovision-Vorentscheid teilnahm und den siebenten Platz belegte. Seinen Song „Love on a Budget“ singt er dem MOZ-Talk-Publikum vor, Kati Karney singt „One Moment in Time“ von ihrem musikalischen Vorbild Whitney Houston und zusammen performen sie „Wir geben ’ne Party“ – das Mekado-Lied von 1994.

ESC 1994 und 2024 – Erfahrungsaustausch in Frankfurt (Oder)

Damals habe es viele Regularien gegeben, berichtet Kati Karney. Sie seien eine Woche vor dem Contest angereist, hätten geprobt, die Nationen hätten sich gegenseitig kennengelernt. Als das Moderatoren-Duo fragt, ob sich Daniel Léon Schmidt noch daran erinnern kann, sagt er, er sei erst fünf Jahre später geboren worden. Seine erste richtige Erinnerung an einen Eurovision Song Contest ist der aus dem Jahr 2010, als Lena Meyer-Landrut gewann. Gut findet er, dass der Wettbewerb es schafft, „alle Generationen vor die Glotze“ zu holen.

Kati Karney aus Frankfurt (Oder) trat 1994 beim Eurovision Song Contest auf und erreichte mit der Gruppe Mekado Platz 3 beim ESC.

René Matschkowiak

Daniel Léon Schmidt gibt Gesangsunterricht und arbeitet auch in einer Produktionsfirma. Ob er dennoch einen Plan B habe, fragen ihn die Moderatoren. Er wollte mal Politik studieren, sagt der 24-Jährige. Dass man als Politiker aber nicht immer gemocht werde, habe er heute gesehen und gedacht, dass das vielleicht nicht die beste Idee wäre. Gemeint ist der Protest gegen die Bundesvorsitzende der Grünen Ricarda Lang vor dem Kleist Forum.

Kati Karney hingegen hat sich irgendwann für Plan B entschieden. „Es waren richtige Entscheidungen zur richtigen Zeit“, sagt sie. „Bis ich 30 war, habe ich nur studiert und Musik gemacht.“ Dann kam ihr erstes Kind und sie habe sich entscheiden müssen, wo sie leben will, wo das Kind zur Schule gehen soll. Bevor sie 2002 nach Frankfurt zurückkam, hatte sie nämlich mehrere Jahre in München und Kaiserslautern gelebt, war durch die Musik viel gereist.

Bis sie 30 war, machte Kati Karney aus Frankfurt (Oder) fast nur Musik. Hier ein Bild von 2002. Über ihren Auftritt 1994 beim Eurovision Songcontest sprach sie mit einem ESC-Vorentscheid-Teilnehmer.

Patrick Pleul/dpa

„Aber ich komme aus sehr bodenständigen Verhältnissen“, sagt sie. Ihre Eltern seien Handwerker. Frankfurt sei immer ein Rückzugsort, Heimat, ein Ort zum Erholen und Auftanken gewesen. Das ist am Ende auch ein Tipp, den sie Daniel Léon Schmidt mitgeben kann. Denn das Musikbusiness habe sich extrem verändert, dazu könne sie ihm heute nicht mehr viel raten: „Ich komme aus einer ganz anderen Zeit. Meine erste Single wurde auf Vinyl rausgebracht“, sagt die 51-Jährige über ihr Lied „Leben und leben lassen“ von 1991.

Wie BWL-Studium und Musik bei Kati Karney zusammenpassen

Aber sie könne dem jungen Musiker „philosophische Tipps“ geben: authentisch sein, sich nicht verbiegen, das machen, was man gut kann – und sich eben erden. Sicherlich hilft auch ein Hobby wie das Singen. Nach BWL-Studium und 17 Jahren bei der Awo ist Karney jetzt Geschäftsführerin der Deutschen Seniorenwohnen GmbH. Musik sei aber immer ein wichtiger Bestandteil geblieben. Klavierspielen, Singen – auch mal ganz laut im Auto – und Summen im Büroflur gehören dazu. Nach dem zweiten oder dritten Treffen sprechen auch neue Kollegen sie immer wieder auf den ESC vor 30 Jahren an.

Im Mai, wenn der Contest im schwedischen Malmö stattfindet, wird sie wieder mitfiebern und an ihren eigenen Auftritt zurückdenken. Mit Dorkas Kiefer hat sie nach all den Jahren noch immer Kontakt – die beiden schreiben sich vor allem im Zeitraum rund um den ESC.

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