mgk in Berlin 2026: So war das Konzert in der Uber Arena

Macht auf seiner „Lost Americana“-Tour Halt in der Uber Arena Berlin: mgk (hier bei einem Konzert in München 2024)
Sven Hoppe/dpa- mgk kehrte nach Berlin zurück und spielte in der Uber Arena
- Pop-Punk dominiert: u. a. „outlaw overture“, „dont wait run fast“
- Set mit Emo, Punk, Pop; wenige Rap-Nummern und Mashups
- Aufwendige Show: Freiheitsstatue-Bühne, Flammen, Kostümwechsel
- Support Julia Wolf mit Unterbrechung wegen medizinischem Notfall
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Nur wer sich ändert, bleibt sich treu. Dieser existenzphilosophischen Logik folgend ist sich kaum jemand so treu wie Colson Baker. Der Wandel ist mittlerweile Markenkern des 35-jährigen Musikers. Da ist etwa der Name. Einst als Machine Gun Kelly bekannt geworden, firmiert er heute unter mgk. Da sind die vielen neuen Tattoos. Gestochen über alte Tattoos. Und da ist die Musik.
Dass mgk einst als Rapper anfing, im jugendlichen Leichtsinn sogar Beef mit Eminem vom Zaun brach (und den Kürzeren zog) – all das ist an diesem Dienstagabend nahezu vergessen. Bei seinem Konzert in der Berliner Uber Arena präsentiert sich Colson Baker als „der letzte Rockstar“. So jedenfalls kündigt ihn das Intro seiner „Lost Americana“-Tour an.
Immerhin den Mund nimmt mgk heute noch so voll wie früher. Vielleicht steigt er deshalb mit viel Nebel aus dem Mund einer ruinösen Freiheitsstatue auf, seiner von der Decke abgeseilten Gitarre entgegen. Ein wenig erinnert die Bühne in Berlin an den Filmklassiker „Planet der Affen“. Doch von Charlton Heston, der verdammt nochmal alle zur Hölle fahren lässt, fehlt jede Spur. Stattdessen gibt es lautes Gekreische der Fans.
„Wir lassen es heute richtig heiß werden“, verspricht mgk
Mit Songs wie „outlaw overture“ gibt es vorne Weg viel Pop-Punk. Betagtere Zuschauende (in diesem Fall: Millenials) dürften die in Zuckerwatte gepackten Gitarren und die eingängigen Hooks in die frühen Nullerjahre zurückbeamen, als Avril Lavigne noch ihren „Sk8er Boi“ besang. Doch auch im Jahr 2026 ist diese poppigste aller Rockvarianten noch anschlussfähig – die bald heiser gekreischten Kehlen in Berlin beweisen es.
„Wir lassen es heute richtig heiß werden“, verspricht mgk, der sich früh seiner rot-weißen Lederjacke im Marlboro-Look entledigt. Der erste von vielen Kostümwechseln an diesem Abend. Auf Deutsch ruft er: „Berlin, was geht ab?!“ Dann feuert er Flammensäulen zu „dont wait run fast“ ab.
„mgk“-Chöre hallen durch die Uber Arena
Die Berlinerinnen und Berliner weiß der Sänger auf seiner Seite. Ohrenbetäubende „mgk“-Chöre hallen durch die Arena. Es sind vor allem weibliche Fans, die für einen ausverkauften Abend sorgen. Wie geschickt mgk mehrere Generationen von ihnen abholt, zeigt er in Berlin mit Songs wie „starman“. Der bedient sich an der eingängigen 90er-Hymne „Semi-Charmed Life“ von Third Eye Blind – ein Ohrwurm, der zum Mitsingen geradezu verdammt. Doch die Berliner Fans erweisen sich auch bei mgk-eigenen Lyrics als textsicher.
Mit ihnen feiert mgk eine riesige Party. Songs des aktuellen Albums „Lost Americana“ rahmen sie. In seine Setlist mischt er aber auch Stücke seiner frühen Hip-Hop-Phase. „I Think I’m Okay“ ist darunter, auch ein Mashup von „maybe“, „Wild Boy“ und „El Diablo“. Es bleiben Ausnahmen. An diesem Dienstag steht der wilde Mix aus Emo, Punk und Pop im Vordergrund.

Vom Rapper Machine Gun Kelly zum Pop-Punker mgk: Colson Baker
Sam CahillSeine Songs performt mgk wahlweise auf dem Kopf seiner Freiheitsstatue oder in luftiger Höhe auf ihrem ausgestrecktem Arm. Umringt von zahlreichen weiblichen Fans aus dem Publikum singt er „bloody valentine“ an einer enormen Kippe, die als Mikrofonständer dient. Auch sonst kommt der passionierte Raucher als Testimonial der Tabakindustrie daher. „Wer raucht hier?“, will er wissen und zündet sich eine Zigarette an. Dem Applaus zufolge einige. Auch auf einer zweiten, kleineren Bühne inmitten des Publikums steigt Zigarettenqualm über mgk‘s Westerngitarre auf. Auf ihr spielt er ein kurzes Akustikset.
Medizinischer Notfall unterbricht Set von Julia Wolf
Die härtesten Momente in Sachen Rock bleiben so Support Julia Wolf vorbehalten. Die Sängerin eröffnete den Abend mit melancholischem Indie-Rock und einem Hauch Shoegaze. Allerdings war die US-Amerikanerin gewzungen, ihr Set für einige Minuten unterbrechen. Eine Zuschauerin vor der Bühne hatte sich augenscheinlich verletzt und musste von Sanitätern per Rollstuhl aus der Masse transportiert werden.
Für eine Duett-Version von „Iris“ der Goo Goo Dolls hat Julia Wolf neben mgk allerdings einen weiteren Moment im Rampenlicht. Das Cover des Feuerzeug-Schunkel-Hits zeigt: was einst das Guilty Pleasure des Rappers Machine Gun Kelly gewesen sein mag, ist heute sein ureigener Sound. Mgk verkauft ihn Berlin mit viel Emotion und noch mehr Pathos. An mehr als einer Stelle leitet er Songs mit dem Hinweis ein, wie schmerzhaft dessen Entstehung doch gewesen sei. Das Leben sei eben wie das Berliner Wetter, oft kalt und regnerisch, erklärt er. Mitunter wirkt das Emo-Gehabe etwas aufgesetzt, als hätte mgk zu oft „Twilight“ gesehen und sich zu sehr mit Edward Cullen identifiziert.
Doch dann sieht man den 35-jährigen Vampirfan, der sich (kein Scherz) seine Eckzähne nosferatuhaft hat zuspizen lassen, zu „cliché“ oder „vampire diaries“, dem letzten Song des Abends, singen und tanzen. Plötzlich spürt man, dass hinter all der Eitelkeit und Exzentrik wohl doch einfach ein Kerl steckt, der genau die Musik macht, die er am stärksten fühlt. Nicht jeder mag mgk auf seinem Weg dortin die Treue gehalten haben. Sei’s drum. Nachdem er in Berlin ohne Zugabe die Bühne verlässt, ist immerhin eines klar: Colson Baker ist sich selbst treu geblieben.


