Protest in den USA
: Bruce Springsteen und Neil Young gegen „König Trump“

Bruce Springsteen schreibt einen Protestsong gegen ICE und Neil Young schenkt den Grönländern seine Musik – nicht nur Rocklegenden setzen Zeichen gegen Trump.
Von
Michael Heider
Berlin
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Bruce Springsteen and The E Street Band spielen im Olympiastadion zur Europatournee 2025. +++ dpa-Bildfunk +++

War noch nie ein Fan von Donald Trump: Bruce Springsteen (hier bei einem Konzert in Berlin 2025) veröffentlicht mit „Streets of Minneapolis“ eine Protesthymne gegen die US-Einwanderungsbehörde ICE.

Annette Riedl/dpa
  • Springsteen veröffentlicht „Streets of Minneapolis“ gegen ICE und Trump.
  • Song reagiert auf tödliche Schüsse auf Renée Good und Alex Pretti in Minnesota.
  • Er nennt ICE „König Trumps private Armee“ und fordert: „ICE out!“
  • Neil Young entfernt Musik von Amazon Music, bietet sie Grönländern gratis an.
  • Billie Eilish, Olivia Rodrigo, Katy Perry und andere kritisieren Trumps Politik.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Streets of Minneapolis“ beginnt gemächlich. Dumpf gezupfte Gitarre, sanft gestreichelte Hi-Hat. Doch sobald Bruce Springsteen mit rauer Stimme die ersten Zeilen anstimmt, ist klar: Der jüngste Song des „Boss“ hat es in sich. Der 76-Jährige singt von „König Trumps privater Armee“, die schwer bewaffnet durch die Straßen der Midwest-Metropole zieht – und Bürgerrechte mit Füßen tritt.

Es sind 4 Minuten und 35 Sekunden des Protests, der unverblümt die Abschiebepolitik von US-Präsident Donald Trump und die brutalen Einsätze der US-Einwanderungsbehörde ICE (United States Immigration and Customs Enforcement) verurteilt. Der Song, geschrieben wenige Tage nach den tödlichen Schüssen auf Renée Good und Alex Pretti durch Bundesbeamte in Minnesota, schildert die Eskalation in Minneapolis mit schonungslosen Bildern und klarer politischer Botschaft: ICE out!

Springsteens Song steht in Tradition von Liedern Bob Dylans

Musikalisch stellt sich Bruce Springsteen damit in die reiche Tradition US-amerikanischer Protestmusik. Deren Vertretern wie Woody Guthrie oder Bob Dylan schrieben einst hochaktuelle Lieder, die nah am Zeitgeschehen waren und deren Texte zwar poetisch daherkamen, aber stets konkret waren.

So ist „Streets of Minneapolis“ nicht nur im Titel an Springsteens eigenen Hit „Streets of Philadelphia“ angelehnt, der Stil der Protesthymne erinnert auch an Songs wie „Only A Pawn In Their Game“. Bob Dylan verarbeitete darin den Mord an dem US-Bürgerrechtsaktivisten Medgar Evers durch ein Mitglied des Ku-Klux-Klans 1963 in Mississippi.

Auf seiner Website schreibt Bruce Springsteen, er habe „Streets of Minneapolis“ in nur drei Tagen geschrieben, aufgenommen und veröffentlicht. Der Songs sei gedacht „als Reaktion auf den Staatsterror, der über die Stadt Minneapolis hereingebrochen ist.“ Der Sänger widmet das Lied den Menschen in Minneapolis, „unseren unschuldigen Nachbarn mit Migrationshintergrund, und in Gedenken an Alex Pretti und Renee Good.“

Neil Young setzt mit Amazon-Boykott Zeichen gegen Trump

Mit seinem musikalischen Protest ist „The Boss“ nicht allein. Auch Rocklegende Neil Young setzt derzeit ein Zeichen gegen die Politik der Trump-Administration. Wie der 80-Jährige nun angekündigt hat, entfernt er seinen gesamten Musikkatalog vom Streaminganbieter Amazon Music. Hintergrund ist die politische Nähe des Amazon-Gründers Jeff Bezos zu Trump.

Neil Young bei einem Auftritt auf der Pyramid Stage während des Glastonbury Festivals in Worthy Farm in Somerset. +++ dpa-Bildfunk +++

Legt sich mit Trump und Amazon an: Rocklegende Neil Young (hier bei einem Auftritt auf dem Glastonbury Festival 2025)

Yui Mok/dpa/PA Wire

Gleichzeitig will Young seinen Katalog allen Menschen in Grönland kostenlos zur Verfügung stellen. „Ich hoffe, dass meine Musik und meine Musikfilme etwas von dem ungerechtfertigten Stress und den Bedrohungen lindern können, denen ihr durch unsere unpopuläre und hoffentlich nur vorübergehende Regierung ausgesetzt seid“, schreibt der Sänger auf seiner Seite neilyoungarchives.com in Richtung der Grönländer. Jeder, der eine Handynummer mit grönländischer Ländervorwahl habe, könne das Geschenk abrufen. Es ist eine Geste der Solidarität mit der Bevölkerung einer Insel, die sich dank Trumps hegemonialer Interessen inmitten geopolitischer Spannungen wiederfindet.

Zahlreiche Stars sprechen sich gegen Trumps Politik aus

Neben Rocklegenden haben sich auch jüngere Stars wie Billie Eilish und Olivia Rodrigo öffentlich zu den Protesten in Minneapolis geäußert und kritisieren Trumps Immigrationspolitik in sozialen Netzwerken scharf. Popsängerin Katy Perry forderte jüngst sogar auf, aktiv zu werden: „Verwandle Wut in Handeln“, schrieb sie in den Sozialen Medien und teilte Informationen, wie sich Fans in den USA an ihre Abgeordnete und Senatoren mit der Forderung wenden können, nicht für eine geplante Budgetausweitung für die US-Einwanderungsbehörde zu stimmen.

Auch die Zahl der musikalischen Beiträge gegen das gespaltene politische Klima in den USA wächst weiter. Country-Sänger Zach Bryan veröffentlichte mit „Bad News“ ebenfalls einen Song, der als Kritik an ICE-Einsätzen gelesen werden kann – ein ungewöhnlich deutlicher Kommentar aus einem Genre, in dem nicht wenige mit der Politik des republikanischen US-Präsidenten sympathisieren.

Trump forderte, Springsteen solle den Mund halten

Noch direkter wird Jesse Welles in seinem Lied „Join ICE“. Darin nimmt der US-amerikanische Folk-Sänger die Rolle eines fiktiven Rekrutierers ein, der Menschen dazu auffordert, bei ICE anzuheuern, wenn sie nach Kontrolle und Autorität suchen. Ein so einängiger wie bissiger Kommentar, der die oft brutale Vorgehensweise der Einwanderungsbehörde kritisiert.

Es dürfte wenig überraschen, dass Donald Trump die musikalische Kritik an ihm und seiner Politik nicht gefallen. Schon als sich Bruce Springsteen auf seiner zurückliegenden Tour, unter anderem auch bei seinem Konzert in Berlin, negativ über Trump äußerte, beschimpfte der Präsident den Sänger als „widerlichen Mistkerl“, der seinen Mund halten solle. Erfüllt hat sich Donalds Trumps Wunsch nicht – und den Mund lässt sich nicht nur The Boss verbieten.