Sarah Connor in Berlin 2026
: So war das Konzert in der Uber Arena

Knapp drei Stunden spielt Sarah Connor vor einer ausverkauften Uber Arena. Ihr Konzert ist gespickt mit Highlights, einem prominenten Gastauftritt und einer blutigen Panne.
Von
Michael Heider
Berlin
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Tourt mit ihrem Album "Freigeistin" gerade durch die Arenen Deutschlands und machte für ein Konzert in der Uber Arena Berlin Halt: Sarah Connor (hier bei einem Auftritt 2025)

Tourt mit ihrem Album „Freigeistin“ gerade durch die Arenen Deutschlands und macht für ein Konzert Halt in der Uber Arena Berlin: Sarah Connor (hier bei einem Auftritt 2025)

Sebastian Gollnow/dpa
  • Sarah Connor spielt knapp drei Stunden in ausverkaufter Uber Arena Berlin.
  • Tour mit dem Album „Freigeistin“; Start der Arena-Tour am Vorabend in Kiel.
  • Rund 17.000 Fans, viele Frauen; Set mit ca. 30 Songs, ein Drittel von „Freigeistin“.
  • Panne: blutige Lippe nach Tanzeinlage; Gastauftritt: Sido bei „Interstellar“.
  • Highlights: „Ich liebe dich“, „Vincent“ als Mitsingmoment, Finale mit „Hölle“.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Um mit Walen zu tauchen, braucht es Tiefgang. Etwas, wovon Sarah Connor durchaus was versteht. Tiefgang ist schließlich auch eine musikalische Kategorie. Zeigt die geschwungene Leinwand sie deshalb beim Unterwasser-Tanz mit den sanften Riesen? Oder hat das Intro schlicht damit zu tun, dass die Sängerin kompromisslos ihr Ding macht, wozu auch das Engagement für den Schutz der Meeressäuger zählt?

Nein, an diesem Samtag steht zweifellos der musikalische Tiefgang im Fokus. Und so geht der Walgesang auch rasch in die ersten Zeilen von „Ich liebe dich“ über. Gleichmal eine Ansage. Stimmlich und gefühlstechnisch sowieso. Und da Liebe idealerweise wechselseitig ist, fühlt sich der Star des Abends erstmal überwältigt: „Oh Gott, wow! Ich muss mir das mal ganz kurz reinziehen hier“, sagt Sarah Connor mit Blick auf rund 17.000 Fans in der Uber Arena. „Es ist wirklich bis unters Dach voll… Ihr wisst nicht, was das für ein krasser Film für mich ist.“

Die Ungläubigkeit ob der beeindruckenden Kulisse nimmt man der 45-Jährigen durchaus ab. Ist ja alles, nur nicht selbstverständlich. Immerhin begann Connor ihr Karriere zu einer Zeit als Popstars noch als Produkte waren. Image? Entworfen, nicht gelebt. Mit Singles wie „Let’s Get Back to Bed – Boy“ sollte die gebürtige Delmenhorsterin die deutsche Antwort auf samplelastigen R&B-Pop aus den USA sein. Mit Erfolg. Doch musikalische Reißbrett-Entwürfe haben kurze Halbwertszeiten.

Sarah Connor Herrin über ihre Musik

Und so ist es nicht das Verdienst von Produzenten und Plattenfirmen, dass Sarah Connor auch im Jahr 2026 noch Deutschlands größte Arenen ausverkauft, sondern allein jenes von Sarah Terenzi-Fischer, wie die Sängerin mit bürgerlichen Namen heißt. Längst singt sie ihre Songs in der „Muttersprache“ (so der Titel eines ihrer Alben) und schildert darin eigene Geschichten und persönliche Erfahrungen. Statt Pop-Produkt ist Sarah Connor Herrin über ihre Musik und setzt ihre eigenen Narrative – Authentizität, die man hört.

In Berlin ist das besonders deutlich. Ein Drittel der rund 30 Songs stammen von Connors jüngster Platte „Freigeistin“, die Aufhänger für die am Vorabend in Kiel gestarteten Arena-Tour ist. Das Album ist eines ihrer bislang intimsten. Und dass will bei dieser Sängerin etwas heißen. Dennoch ist der Auftritt in der Hauptstadt keine limitierte Werkschau. „25 Jahre… wir haben viele Songs“, kündigt sue an. „Und ich will sie alle spielen.“ Immerhin knapp drei Stunden Show werden es am Ende sein.

Ihren Fans ist das nur recht. Es sind vor allem Frauen, die an diesem Samstag in die Uber Arena kommen. Freundinnen, Mütter, Töchter, Schwestern. Gemeinsam bilden sie ein Lichtermeer zum muckeligen Piano-Sound bei „Ich wünsch dir“, zeigen beim trotzigen „FICKA“ Online-Trollen den Stinkefinger und tanzen ausgelassen zu „My French Girlfriend“. Sarah Connor wechselt nicht nur die Stimm-Register (besonders beeindruckend beim emotionalen „Die Fremde“), sie changiert gekonnt die Stimmungen des Abends.

Drei Stunden Show – Zeit für Selfies hat Sarah Connor trotzdem

Zusammen mit Live-Band und Background-Sängerinnen liefert die Wahl-Berlinerin eine Show, die mit Liebe zum Detail choreografiert ist und doch Raum für Spontanität lässt, etwa um Selfies mit zwei polnischen Fans zu machen. Kulisse ist eine riesige Bühne, die per Steg weit ins Publikum reicht und deren Boden als Animationsfläche dient. Genug Platz für eine Tanz-Crew, deren Mitglieder sich mal an der Poledance-Stange zum lasziven „Sex im Blick“ räkeln oder im Ensemble breakdancen.

Dass selbst eine minutiös geprobte Show Pannen bereithält, muss Sarah Connor in Berlin jedoch am eigenen Laib feststellen – und trägt nach einer Tanzeinlage eine blutig Lippe davon. Stoppen lässt sie sich davon nicht. Die Sängerin genießt ihre Performance, das spürt man. Den Berlinerinnen und Berlinern geht es genauso. Mag sein, dass sie sich zum Ende hin etwas müde gejubelt haben. Spätestens Sido sorgt jedoch wieder für Adrenalin. Der Rapper kommt für den gemeinsamen Song „Interstellar“ aus dem Bühnenboden gefahren.

Der Gastauftritt liefert einen nützlichen Energieschub für das folgende Finale. Das hält mit dem von der gesamten Arena gesungenen „Vincent“ noch ein spätes Highlight bereit. Als mit „Hölle“ der letzte Song einer wahrlich üppigen Setlist gespielt ist, mag das Berliner Publikum müde sein, Wünsch aber sind keine offen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass viele hier im August auch in der Waldbühne sitzen, wenn Sarah Connor zum einem weiteren Berlin-Konzert lädt. Mut zum Tiefgang zahlt sich eben aus.