Herbert Grönemeyer in Berlin 2026
: So war das Konzert in der Uber Arena

Beim Konzert in der Uber Arena präsentiert Herbert Grönemeyer seine Hits in neuem Gewand. Können die Songs des Popgiganten in Berlin auch akustisch überzeugen?
Von
Michael Heider
Berlin
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Herbert Grönemeyer steht bei seinem Auftaktkonzert «Herbert Grönemeyer - mittendrin – akustisch» auf der Bühne in der Westfalenhalle. +++ dpa-Bildfunk +++

Hat sichtlich Freude an seiner Konzertreihe „mittendrin – akustisch“: Sänger Herbert Grönemeyer (hier 2025 in Dortmund) trat in der Uber Arena Berlin auf.

Rolf Vennenbernd/dpa
  • Grönemeyer spielt „mittendrin – akustisch“ in der Berliner Uber Arena.
  • Klassiker wie „Bochum“, „Mensch“, „Der Weg“ und „Männer“ in neuen Arrangements.
  • Opulente Akustik-Show mit Band, Streichern, Bläsern und Chor, Bühne mittig.
  • Intime Momente („Dort und hier“), überraschend: „Alkohol“ ohne Gitarren, Ukulele bei „Männer“.
  • Tourdaten „mittendrin – akustisch 2026“: 10.–19.02. in Hamburg, Mannheim, München, Zürich, Dortmund, Wien.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Mit Musik ist es wie mit Menschen. Auch Lieder können sich frei machen. Frei von Aufgesetztem, von Effekten, von Show. Sie können sich ehrlich machen. Und genau wie beim Menschen ist es ein Wagnis. Dafür herrscht Klarheit: Begeistert selbst der Kern, berührt er gar, dann ist es ein verdammt gutes Lied!

Herbert Grönemeyers Werk ist voll mit solch verdammt guten Liedern. Den Beweis liefert er an diesem Montagabend in Berlin. „Bochum“ etwa. Die zarte Hymne auf seine Heimatstadt. Feinster 80er-Deutschpop. Doch keine Spur von Synthie-Sounds, keine halligen E-Gitarren. Stattdessen erklingen in der Uber Arena Pianoklänge, Streich- und Blasinstrumente, die Stimmen tausender Fans: „Bochum, ich häng an dir!“ In Berlin lieben sie den Hit – auch ohne Schminke.

Durchs Publikum hindurch geht Herbert Grönemeyer zur Bühne

„Mittendrin-akustisch“ hat Herbert Grönemeyer seine aktuelle Tour betitelt. Das Konzept ist damit umfassend beschrieben. Durchs jubelnde Publikum hindurch beschreitet der 69-Jährige die Bühne. Die steht inmitten der Arena. Zunächst überlässt er sie 20 Sängerinnen und Sängern für eine Choral-Version von „Unfassbarer Grund“. Dann setzt auch Grönemeyer ein. Unverkennbar sein näselnd-kratzender Gesang.

Bereits 2025 spielte er das Akustik-Set. Damals nur sieben Konzerte in zwei Städten, Dortmund und Berlin. Mit der Fortsetzung tourt er nun durch ganz Deutschland. „Herbert, lass es langsam angehen“, hätten sie ihm geraten. Beherzigt hat er es nicht. Wie ein Derwisch flitzt er in weißen Sneakern über die Bühne. Das Hemd und die Hose im Baggyformat flattern im Wind.

„Ich stehe unter Strom“, sagt er. Und der fließt nicht nur in seine euphorisch fuchtelnden Arme. Er versorgt die ganze Arena! Grönemeyer animiert bis in die letzte Reihe des Oberrangs zum Tanzen, ermuntert zum Mitsingen – und wirkt maximal beseelt. Bevor ihn das „Glück“ vollends übermannt, spielt er es am Flügel.

Grönemeyer reduziert seine Songs – und inszeniert sie opulent

Unterstützt wird der Sänger von Dutzenden Musikerinnen und Musikern. Live-Band, Percussion, Streicher, Bläser, Chor – seine Songs mögen auf den Kern reduziert sein, inszeniert sind sie opulent. Für maximale Wirkung wurden teilweise neue Arrangements geschrieben. Der Deutschpop-Gigant dürfte genau wissen, was er will. Schließlich war er vor über 30 Jahren der erste nicht-englischsprachige Musiker, dem MTV eine „Unplugged“-Reihe zugestand.

Trotz gewaltiger Kulisse entsteht in der Berliner Arena Intimität. Im Spotlight mit Gitarre sitzend sorgt Grönemeyer bei „Dort und hier“ für gefühlvolle Nähe. Es bleibt nicht der einzige Song seiner Erfolgsplatte „Mensch“ (2002), der zart an den Saiten des Herzens zupft. Auch das schmerzhaft hoffnungsvolle „Der Weg“ prägt den Abend emotional.

Als Überraschung erweisen sich Titel, deren akustisches Gewand schwer vorstellbar scheint. „Alkohol“ ist so einer. Mindestens erstaunlich, dass diese Rocknummer ohne verzerrte Gitarren nichts an Schärfe einbüßt. Saxophon-Solos knallen eben auch ordentlich! Und warum nicht zu „Männer“ die Ukulele zücken? Trifft nicht nur inhaltlich ins Schwarze. Dann sind da noch Songs, bei denen man vergisst, dass sie je anders geklungen haben. Im Refrain zur WM-Hymne „Zeit, dass sich was dreht“ hallt es so infektiös „oh-eh-olé-oh-eh“ aus den Rängen, dass keine Wünsche offen bleiben.

Berlin ist für Herbert Grönemeyer ein Heimspiel

Womöglich hat die familiäre Stimmung mit Berlin selbst zu tun. Das Konzert ist ein Heimspiel für Grönemeyer. Seit über 30 Jahren wohnt er in der Hauptstadt. Länger als irgendwo sonst, wie er erzählt. „Man ist sehr aufgeregt, wenn man zuhause spielt. Aber ihr macht es einem leicht!“ Tatsächlich erweisen sich die Berlinerinnen und Berliner als zwölfter Mann. Nicht nur bei Hits wie „Mensch“ unterstützen sie nach Kräften. Dass Grönemeyer mit dem „Steigerlied“ und „Oh wie ist das schön“ kollektive Folklore einbaut, festigt die Gemeinschaft weiter.

Die Bühne in der Mitte der Halle erweist sich als Gleichmacher. Alle dürfen sich nah am Geschehen fühlen. Das gilt auch für Herbert Grönemeyer. Wer genau hinsieht, merkt wie er immer wieder über beide Ohren grinst, gelegentlich innehält und den Moment wirken lässt. „Ein herrlicher Abend, sagt er und stimmt „Mein Lebensstrahlen“ an. Man spürt: Hier sitzt keiner am Flügel, der um jeden Preis die Maschine am Laufen halten muss. Keiner, der sich zwanghaft neu erfindet, um ja relevant zu bleiben. Nein. Hier haut einer aus purem Spaß an der Freude in die Tasten. Und das ist ansteckend.

Das bleibt bis zur dritten und letzten Zugabe so. Eingeleitet wird sie von euphorischen „Oh wie ist das schön“-Rufen tausender Fans. Eine Stimmung, die noch nachhallen dürfte, als Herbert Grönemeyer sie mit „Der Mond ist aufgegangen“ nach fast drei Stunden in die Nacht entlässt. Schon erstaunlich, was es für eine Wirkung entfalten kann, wenn sich nicht nur Lieder frei machen.

Herbert Grönemeyer: „mittendrin – akustisch 2026“

10.02.2026 – Hamburg, Barclays Arena

12.02.2026 – Mannheim, SAP-Arena

14.02.2026 – München, Olympiahalle

15.02.2026 – Zürich (CH), Hallenstadion

17.02.2026 – Dortmund, Westfalenhalle

19.02.2026 – Wien (A), Wiener Stadthalle