Groß war die Enttäuschung bei vielen Fans, als das geplante Konzert des Rappers Marteria am 26. August in der Berliner Waldbühne wegen des starken Unwetters abgesagt werden musste. Bis zuletzt hatten die Besucher auf eine positive Nachricht vonseiten der Veranstalter gehofft – die kam zumindest in Form eines schnell gefundenen Ersatztermins in der folgenden Woche. Statt Freitag sollte es nun der Sonntag eine gute Woche später sein. Für die ursprünglich ausverkaufte Waldbühne bedeutete das einige freie Plätze, denn viele konnten diesen Termin nicht wahrnehmen und gaben ihre Tickets zurück.

Marteria holt sich mehrere Co-Stars auf die Bühne

Doch Marteria (bürgerlich: Marten Laciny) wirkt hoch motiviert, als er die Bühne betritt, den Abend „zum besten Sonntag in diesem Jahr zu machen“, wie er sagt. Mit „Marylin“ von seinem aktuellen Album „5. Dimension“ geht es los. Danach folgt „Endboss“.
Der Rapper wirkt zu Beginn etwas verloren auf der großen Bühne. Seine Begleitmusiker bleiben dezent im Hintergrund. Das ändert sich beim dritten Song „Love, Peace & Happiness“, für den er Gesellschaft von Sängerin Inéz Schaefer von der Band Ätna bekommt. Sie wird nicht der einzige Co-Star an diesem Abend bleiben. Bei „Verstrahlt“ gibt es Unterstützung von Rapper Pete Boateng. Eigentlich singt Marteria das Lied gemeinsam mit dem Berliner Yasha. Doch der lässt sich an diesem Abend nicht in seiner Heimatstadt sehen. „Das machen wir nächstes Jahr“, verspricht Marteria.
Empfohlener Inhalt der Redaktion

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Youtube, der den Artikel ergänzt. Sie können sich diesen mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Externer Inhalt

Sie erklären sich damit einverstanden, dass Ihnen externe Inhalte von Youtube angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden.

Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Fan fliegt 30 Stunden aus Brasilien nach Berlin

Doch nicht nur Stars dürfen an diesem Abend auf die Bühne. Für einen Fan nimmt sich Marteria besonders Zeit: „Als ich heute Nachmittag an der Waldbühne ankam, war er schon da“, kündigt er seinen besonderen Gast an. Jackson ist 30 Stunden geflogen, um seinen Star zu sehen, aus Belo Horizonte, Brasilien. Als das Konzert vergangene Woche ausfiel, blieb er in Berlin und schlief sogar zwei Tage im Wald. So viel Einsatz lässt selbst einen knallharten Rapper nicht kalt.

Nahbar, unermüdlich und stimmgewaltig

Unermüdlich sucht Marteria den Kontakt zum Publikum. „Alle Hände hoch“ ist der Satz, den man an diesem Abend am meisten zu hören bekommt. Bei „Marteria Girl“ fordert er alle starken Jungs auf, die Mädels auf die Schultern zu nehmen. „Egal, ob ihr sie kennt oder nicht – alle Mädels nach oben!“, lautet die Ansage.
Marteria liefert ab: „Lila Wolken“, sein Alter Ego Marsimoto und Pyrotechnik bei „Bengalische Tiger“. Die Fans schwenken Hansa Rostock-Fahnen als Hommage an die Herkunft des Künstlers und lassen sich nur allzu gern mitreißen.

Campino performt „Scheiss Wessis“

Für den Song „El Presidente“ hat der Rapper extra eine weitere Strophe gedichtet. Zeilen wie „mit Kettensägen im Regenwald“ sind Brasiliens Präsident Bolsonaro gewidmet. Gleichzeitig erscheinen auf den LED-Wänden im Hintergrund immer wieder Bilder von Russlands Präsident Putin auf russischen Geldscheinen, während Marteria singt: „Druck dein Gesicht auf unser Geld“.
Apropos politische Statements, zu fortgeschrittener Stunde kommt ein weiterer prominenter Gast auf die Bühne: Campino, Sänger der Band Die Toten Hosen, die in diesem Jahr die Doppel-A-Seiten-Single „Scheiss Wessis“/ „Scheiss Ossis“ gemeinsam mit Marteria veröffentlichten, räumt mit Vorurteilen auf. In die Riege der prominenten Gäste reiht sich dann auch noch, wie ganz selbstverständlich, der deutsche Rapper Casper (bürgerlich: Benjamin Griffey) ein und performt zusammen mit Marteria, mit dem er unter anderem dasselbe Geburtsjahr (1982) teilt, den gemeinsamen Song „Adrenalin“.
Empfohlener Inhalt der Redaktion

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Youtube, der den Artikel ergänzt. Sie können sich diesen mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Externer Inhalt

Sie erklären sich damit einverstanden, dass Ihnen externe Inhalte von Youtube angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden.

Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Bad in der Menge und Handyverbot

So viel prominente Unterstützung spricht für einen umgänglichen und kompromissbereiten Charakter, fernab von Starallüren und fehlender Bodenhaftung. Dafür lieben ihn die Fans und auch viele seiner Kollegen. Seine Nahbarkeit stellt der Rapper am Ende des Konzerts noch einmal unter Beweis, als er, verschwitzt und außer Atem, mit einer Rostock-Fahne um die Schulter, den Weg ins Publikum sucht. „Ich will kein einziges Handy jetzt sehen!“, so die Ansage des Künstlers, der sich seinen Weg mitten ins Moshpit bahnt. „Haltet den verdammten Kreis offen“, hört man noch, bevor er in der tanzenden Menge verschwindet und anschließend crowdsurfend von den Händen des Publikums zurück auf die Bühne getragen wird. Ein Künstler, der trotz Millionen verkaufter Platten seinen Fans so nah ist, hat es auch verdient, auf Händen getragen zu werden. Als Letzter verlässt Marteria schließlich die Bühne; seine Bandmitglieder sind schon längst verschwunden. „Wir sehen uns nächstes Jahr, am 2. September im Ostseestadion!“, kündigt er an.