Hund in Fürstenwalde
: Warum ein Gutachten das Leben der Hündin Luna bestimmt

Die Feuerwehr hat die kleine Hündin verletzt von der Straße gerettet und ins Tierheim Fürstenwalde gebracht. Ob sie dort lebenslang bleiben muss?
Von
Bettina Winkler
Fürstenwalde
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Mit traurigen Augen schaut Luna in die Welt. Ein Gutachten hat ergeben, dass die Hündin im Tierheim Fürstenwalde zu einer gefährlichen Rasse gehört. Ist damit eine Vermittlung ausgeschlossen?

Bettina Winkler
  • Luna wurde verletzt in Fürstenwalde gefunden – die Feuerwehr brachte sie ins Tierheim.
  • Ein Gutachten stuft sie als Mix aus American Staffordshire Terrier und Staffordshire Bull Terrier ein.
  • In Brandenburg gilt sie als Listenhund und darf dort nicht gehalten werden.
  • Vermittlung wäre in Ländern ohne Rasselisten möglich, etwa Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Thüringen und Berlin.
  • Hundetrainerin betont: Erziehung ist entscheidend, Listen senken Bisszahlen laut Statistik nicht.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Tier in Not – eine Pfote hing verdächtig runter. Es war offensichtlich, dass der graufarbige Welpe mit der weißen Blesse, der in der Fischerstraße von Anwohnern herrenlos entdeckt wurde, große Schmerzen hatte. Die Feuerwehr rettete den verletzten Welpen und brachte ihn in die Tierstation. „Der Vorderlauf musste operiert und eine Metallplatte zur Fixierung eingesetzt werden“, sagt Tierheimchefin Christine Matzke. Schon da sei die Frage aufgekommen: Gehört der weibliche Findling zu einer gefährlichen Hunderasse? Ein staatlich bestelltes Rassegutachten gibt jetzt Gewissheit, mit traurigen Folgen für Luna.

Das Gutachten hat die Vermutung vom Tierheim bestätigt. Luna ist aufgrund ihrer Größe, Gesamterscheinung sowie vom Phänotyp (durch Erbanlagen und Umwelteinflüsse geprägtes Erscheinungsbild) ein möglicher Mischling der Rassen American Staffordshire Terrier und Staffordshire Bull Terrier, so heißt es in dem Schreiben.

Gibt es eine Chance auf ein neues Zuhause

Das bedeutet für Luna, sie steht auf der Liste der besonders gefährlichen Kampfhunde und darf in Brandenburg nicht gehalten werden. Ist damit ein neues Zuhause für die Hündin ausgeschlossen? Muss die junge Luna lebenslang im Tierheim bleiben? „Eine Chance wäre, in anderen Bundesländern zu suchen“, sagt Christine Matzke. Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen sowie Berlin würden auf solche Rasselisten verzichten. Damit habe das Tierheim in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht. Da sei zum Beispiel Pitbull Benny, der nach Niedersachsen vermittelt wurde. „Es war ein glücklicher Zufall. Die neue Besitzerin hat ihre Eltern in Alt Madlitz besucht. Dabei hat es einen Abstecher ins Tierheim gegeben. Es war Liebe auf den ersten Blick“, erzählt Christine Matzke. Auch der hochbetagte Pitbull Apollo hat in Niedersachsen ein neues Zuhause gefunden. Solch ein Glück würde sich das Tierheimteam auch für Luna wünschen.

Die kleine Hündin hat sich gut entwickelt. Sie hat im Tierheim zugenommen, wiegt jetzt 16,8 Kilogramm. „Sie probiert sich gerade aus und lernt die Hundesprache. Zu Artgenossen ist Luna aufmüpfig, will sich nicht unterordnen. Wir wissen nicht, was sie in den ersten Lebensmonaten erlebt hat“, erzählt Tierpflegerin Maureen Pichowsky.

Im Tierheim in Fürstenwalde hat sich die American Staffordshire Terrier-Hündin gut eingelebt. Maureen Pichowsky hat Erfahrung mit sogenannten Listenhunden. Die Tierpflegerin kümmert sich um Luna, die schon auf Kommando „Sitz“ macht.

Bettina Winkler

Die Bezeichnung Kampfhund lässt bei vielen Menschen Böses erahnen. Zuletzt hat es am 11. Juli im Amt Seelow-Land einen Vorfall mit einem Kampfhund gegeben. Dabei wurde ein Kind schwer verletzt. Ein Unglück, das nicht nur die Menschen in der Gemeinde Falkenhagen erschüttert.

„Aggressivität ist bei Kampfhunden nicht angeboren. Entscheidend für das Benehmen eines Hundes ist vor allem die Erziehung“, sagt Stefanie Wilke, Hundetrainerin in Fürstenwalde. Ein Staffordshire-Terrier sei nicht unbedingt gefährlicher als ein Labrador, Schäferhund, Herdenschutzhund oder Dackel. Ihre Hundeschule sei offen für alle Rassen. „Es gibt keine Hunderasse, die statistisch mehr beißt im Vergleich zu anderen Rassen“, so die Fachfrau. Kampfhunde hätten aber eine größere Beißkraft. Man könne jeden Hund trainieren. Entweder darauf, aggressiv oder darauf, ein Traumhund mit gutem Benehmen zu sein.

Pro Jahr ereignen sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland etwa 35.000 Bissverletzungen durch Hunde, in zwei Drittel der Fälle sind die Opfer Kinder und Jugendliche. Ein bis sechs Menschen sterben hierzulande pro Jahr an den Folgen eines Hundebisses. „Die gesetzliche Reglementierung der Hunderassen durch Listen hat also nicht dazu geführt, Hundebisse zu reduzieren. Deshalb muss an einer Verbesserung der Mensch-Hund Beziehung gearbeitet werden, weil Aggressivität nicht an der Rasse oder in den Genen liegt“, meint Stefanie Wilke.

Steuer für Kampfhund um mehr als das Fünffache höher

In Fürstenwalde sind laut Stadtsprecherin Nadine Gebauer sechs gefährliche Hunde gemeldet. Die Tierheimchefin spricht aus ihrer Erfahrung von einer weitaus höheren Dunkelziffer. Die Steuer für einen gefährlichen Hund beträgt 500 Euro pro Jahr. Im Vergleich: für einen nicht gelisteten Hund wird eine jährliche Steuer von 60 Euro, für den Zweithund 100 Euro und für jeden weiteren 120 Euro fällig.

Wieso Pitbulls, Bullterrier und ähnliche Rassen Kampfhunde heißen

Die Geschichte dieser heute als gefährlich gelisteten Hunderassen hat vor 300 Jahren mit grausamen Kämpfen begonnen. Dafür wurden Bulldoggen mit Terriern gekreuzt und dann in die Arena geschickt.

Im Arbeitermilieu wurden die muskulösen Tiere dann zum Statussymbol. Ihre Halter richteten sie ab und brachten ihnen bei, nach dem Zupacken nicht mehr loszulassen, sodass die Tiere auch gezielt als Waffe eingesetzt wurden.Heute gelten Kampfhunde besonders im kriminellen Milieu als Statussymbol.