Bundestagswahl 2025: Bahn frei für Friedrich den Großen


Feierstimmung herrschte bei der CDU-Wahlparty in Berlin.
Michael Kappeler/dpaFriedrich Merz ist am Ziel; an seinem persönlichen. Er wird Bundeskanzler werden. Aber die Aufgabe, die er von Olaf Scholz übernimmt und die Bürde, die er damit auf sich lädt, ist riesig. Das ist so, weil sein Vorgänger die Ampel-Koalition schlecht geführt hat, bis sie zerbrach. Nun hat das auch die SPD zerschmettert. Für diese Bürde verantwortlich ist aber auch Merz‘ Erzfeindin, Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel, in deren langer Amtszeit viele Entscheidungen getroffen worden waren – ob zu Migration („Wir schaffen das.“), zum Atomausstieg oder, zusammen mit CDU-Finanzminister Wolfgang Schäuble, zum extremen Sparen, die heute ursächlich sind für aktuelle Probleme.
So geriet Deutschland in den angeschlagenen Zustand, in dem Merz das Land nun übernimmt: Die Zuversicht der Bevölkerung war seit Jahrzehnten nicht so gering wie aktuell. Eine große Mehrheit wünscht sich grundlegende Veränderungen. Und seit einigen Wochen haben viele Angst; Angst vor Trump und Putin; und Angst davor, dass es wieder keine stabile Regierung geben wird.
Letztere Sorge ist nun unbegründet. Weder das BSW noch die FDP schafften es über die 5-Prozent-Hürde. Hätte eine Partei das geschafft, wäre ein hoffentlich stabileres schwarz-rotes Zweier-Bündnis unmöglich gewesen. Bei einer schwarz-rot-gelben Deutschland-Koalition oder einem Kenia-Bündnis drohten ähnlicher Zoff und Lähmung wie zuletzt in der Ampel. Es wäre noch viel mehr auf Friedrich Merz‘ Führungskraft und -stil angekommen, ob er ein großer Kanzler wird, mit den es für Deutschland aufwärts geht.
Nun ist es anders. In der Opposition sitzen die AfD, die so stark ist wie nie bei einer Bundestagswahl und die halbwegs stabilen Grünen. Und es sitzen dort die kleinen Sieger der Bundestagswahl: die Linken, die mit den selbsternannten Silberlocken Gregor Gysi, Dietmar Bartsch und Bodo Ramelow und der in den sozialen Medien zur Influencerin mutierten Spitzenkandidatin Heidi Reichinnek wie Phönix aus der Asche stiegen.
Gereicht hat es also für eine Koalition aus CDU und SPD, was früher mal Große Koalition hieß, heute aber keine mehr ist, weil die SPD viel weniger Stimmen erhielt als die AfD. Nun kommt es sowohl auf die Sieger wie auch auf die Verlierer der Bundestagswahl an. Verstehen beide das Ergebnis als Auftrag der Demokratie und entscheiden sich zügig, dem Land zu dienen, dann können sie den Menschen bald etwas von der erwähnten Angst vor Instabilität nehmen.
Denn eine Zweier-Koalition kann besser als Dreier-Bündnisse konstruktiv und erfolgreich arbeiten. Das würde es Friedrich Merz erleichtern, ein großer Kanzler zu werden. Nicht unwahrscheinlich ist, dass das Ergebnis nach dem Rücktritt von Christian Lindner am späten Sonntagabend auch das Ende von Sahra Wagenknecht ist.
Apropos Demokratie: Ganz große Siegerin der Bundestagswahl ist die Demokratie. 84 Prozent haben gewählt. Das können wir auf jeden Fall feiern.


